Bullion hat mich mit einem Stöckchen beworfen und voll an die Murmel getroffen. Dann hat er behauptet, er habe woanders hin gezielt. Wie gut, dass woanders so schwer zu treffen ist, wenn man kein Zielfernrohr zur Hand hat. 😉 Jedenfalls sehe ich mich genötigt, vor meinem SuB Aufstellung zu nehmen und sechs Bücher zu nennen, die ich in diesem Jahr lesen möchte.

Auch wenn ich kein großer Fan von Lese-Challenges bin, ist diese kleine Herausforderung eine gute Gelegenheit, mir einen Überblick über die Bücher zu verschaffen, die im Regal ihrer Erstlektüre harren. Das war eine ziemliche Überraschung, denn dort stehen vor Allem Bücher, die ich schon lange besitze. Das spricht dafür, dass ich beim Lesen meiner (zugegeben spärlichen) Neu-Erwerbungen recht zügig bin. Und ich sehe es als Gelegenheit, ein paar Bildungslücken zu schließen, denn bei vielen Büchern handelt es sich um (moderne) Klassiker und klangvolle Autorennamen.

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Der klassischste Klassiker auf meiner Leseliste ist Robinson Crusoe von Daniel Defoe und damit die größte Bildungslücke. Als Kind habe ich mich für Abenteuerliteratur nie großartig begeistern können. Ich habe Gullivers Reisen nicht gelesen, die Schatzinsel nicht und auch den Robinson habe ich mir nie vorgenommen. Das wird sich in diesem Jahr ebenso ändern wie im Falle eines zweiten Klassikers der Abenteuerliteratur, Von der Erde zum Mond von Jules Verne. Von Verne habe ich das ein oder andere schon gelesen, besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei lustigerweise keines seiner phantastischen Werke sondern „Der Kurier des Zaren“. Dass ich von Verne noch nicht so viel gelesen habe, halte ich aber dennoch für unverzeihlich – auch wenn ich eher ein Fan von H. G. Wells bin.

Die Liste der Autoren, von denen ich gern mehr lesen möchte, ist lang. Und um beim Thema zu bleiben, auch Robert Heinlein ist so ein Fall. Ja, ich bin kein Fan von Military SF, das habe ich schon einmal angemerkt und Starship Troopers ist als Verfilmung besser denn als Buch. Dennoch kann Heinlein schreiben und er ist einer der einflussreicheren SF-Autoren. Deshalb wird in diesem Jahr ergründet, was es mit der Revolte auf Luna auf sich hat.

Wir verlassen die Science Fiction und wenden uns der Erinnerungsliteratur zu. Heinrich Böll hat in meinem Schulunterricht keine Rolle gespielt. Eigentlich erstaunlich, denn er ist nicht nur Nobelpreisträger, er beschäftigt sich mit der NS-Zeit und er ist, wenn doch nicht zeitlos, so doch auch nicht in seiner Zeit gefangen, soll heißen: Bölls Erzählungen und Romane, die ich bislang gelesen habe, lassen sich auch heute noch lesen, verstehen, analysieren und was man in der Schule sonst noch so mit Büchern macht. Bei mir gibt es in diesem Jahr Haus ohne Hüter.

Einen letzten Autoren habe ich noch auf der Liste derjenigen, von denen ich mehr lesen möchte: Jostein Gaarder. Das ist der Autor von Sofies Welt. Derjenige, der keine philosophischen Geschichten erzählt, sondern Philosophie zum Gegenstand einer Erzählung machen kann. Und dabei dennoch eine durchaus reizvolle Geschichte zum Besten gibt. Sofies Welt hat mich damals erheitert und begeistert, ich hoffe, Das Kartengeheimnis schafft das gleiche. Zumindest das Backcover verspricht es mir.

Meine regelmäßige Followerschaft hat womöglich mitbekommen, dass ich nicht nur Philosophie studiert habe, sondern mich im letzten Jahr auch intensiv durch das Werk Immanuel Kants gearbeitet habe. Die drei Kritiken, die Metaphysik der Sitten, die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft waren die Wegmarken des vergangenen Jahres. So autorenfixiert wollte ich in diesem Jahr nicht sein, aber ich lese gern philosophische Bücher. Und da ich gelegentlich Begriffe analysiere, sprachphilosophisch argumentiere und mir über die Welt Gedanken mache, gibt es ein Buch, das ich sehr dringend lesen sollte: Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus logico-philosophicus) von Ludwig Wittgenstein, mit dem viel zitierten und so für Deutungen offenen ersten Satz: Die Welt ist alles, was der Fall ist.

Bleiben drei Fragen:

  1. Möchte noch jemand seine sechs Bücher nennen, die er sich für dieses Jahr zumindest vorgenommen hat zu lesen? Ob es klappt, steht ja auf einem anderen Blatt.
  2. Womit anfangen? Jemand einen Vorschlag?
  3. Wer will noch beworfen werden?

 

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29 Kommentare zu „6 Bücher für 2016

  1. Sechs Bücher? Klingt nach wenig. Aber in der Praxis gilt: Besser sechs Bücher gelesen haben als sechzig Bücher gelesen haben wollen.
    Womit anfangen? Vielleicht mit Gaarder. Ähnlich wie Sofie (wenn auch auf andere Weise) verbindet das Kartengeheimnis eine reizvolle Geschichte mit einer geballten Ladung Information. Fast schon ein Garant für ein baldiges erstes Lese-Erfolgserlebnis.
    Haha. Der Wittgenstein ist natürlich ein ‚harter Knochen‘. Ich habe vor gefühlten 237 Jahren daran geknabbert. Ein dünnes Bändchen, das seltsamerweise mit jeder Zeile (gefühlt) dicker und dicker wird. 😉
    Danke übrigens für den Hinweis auf Böll. Das ist genau so ein Autor, den man zwar gut findet aber irgendwann klammheimlich (und keineswegs vorsätzlich) ad acta legt. Erinnert mich daran, dass ich Böll in diesem Jahrtausend noch nicht gelesen habe. Das möchte ich unbedingt nachholen.
    Was ich mir noch für 2016 vorgenommen habe ist ‚Mein Kampf‘. Knausgårds Hexalogie ‚Min kamp 1-6‘ steht als Hörbuch-Set seit einigen Jahren bei mir im Regal (ganz still und stumm). Knausgård hat mich mit seinen beiden ersten Romanen vor allem sprachlich sehr überzeugt. Als ‚Min kamp 1‘ erschien, haben die norwegischen Rezensenten sich erwartungsvoll gefragt, unter welchem Titel das Werk allenfalls in deutscher Übersetzung erscheinen werde. 🙂
    Zudem steht unbedingt ein Wiederlesen einiger Titel von Peter Høeg auf dem Programm. Und Anna Gavalda – wobei ich mich auch hier noch nicht für einen bestimmten Titel entschieden habe.

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    1. Ich werde sicher auch mehr als die sechs Bücher lesen, die auf der Liste stehen, aber grad der Tractatus wird einiges an Zeit fressen, denke ich. Es sei denn, ich bekomme einen Wutanfall, überfliege ihn und lege mir anhand des Wikipedia-Artikels zu dem Buch eine eigene Theorie zurecht, was Wittgenstein wohl gemeint hat … So habe ich es mit Luhmann im Studium gehalten.
      Böll ist übrigens gar nicht mal unbedingt mein Lieblingsautor der nicht-zeitgenössischen deutschen Nachkriegsliteratur, ich wollte aber nur Bücher aus dem aktuellen SuB auswählen und von Siegfried Lenz hatte ich nichts zur Hand. *g* Aber ja: Neben Böll und Lenz sind auch so klangvolle Namen wie Günter Grass oder Alfred Andersch, die man eigentlich gern mag, aber weil sie irgendwo auf halber Strecke zwischen Klassiker und Zeitgenossentum stehen, anfällig dafür, immer wieder vergessen zu werden.
      Knausgård ist so ein Fall von: Alle reden darüber, ich habe die einschlägigen, begeisterten wie angeödeten, Besprechungen gelesen … Und spontan meine Lust verloren, es zu lesen. Ich kann noch nicht einmal sagen warum.

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      1. Es gibt ja auch immer wieder Spontanlesestoff. So gesehen ist es clever, wenn die Liste nicht überfrachtet wird.
        Auch wenn man sich noch so sehr zu beherrschen versucht: Es gibt immer und immer und immer noch wieder etwas Neues, das neugierig und leselustig macht. Auch deshalb haben die Klassikeraspiranten oft schlechte Karten.
        Bei mir hat der ‚Tractatus‘ offen gesagt wenig Zeit gefressen. Ganz einfach weil ich relativ bald meine intellektuelle Überforderung eingesehen und die Sache abgeblasen habe. :/
        Knausgård habe ich relativ früh kennengelernt, als noch kaum jemand von ihm gesprochen hat. Das ist meist ein Vorteil. Auch wenn man sich nicht von Rezensentenmeinungen beeinflussen lassen will – irgendwas bleibt immer hängen. Ich fand seine beiden ersten Romane vom Erzählstil und vor allem von der Sprache her sehr ansprechend. Der erste ist meines Wissens gar nicht auf Deutsch erschienen. Falls du doch eines Tages neugierig werden solltest, würde ich dir den 2. Roman empfehlen, der unter dem Titel ‚Alles hat seine Zeit‘ in deutscher Sprache erschienen ist. [Wobei ich allerdings nicht bezweifle, dass auch ein sinnerfülltes Leben ohne Knausgård möglich ist.]

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  2. „Robinson Crusoe“ ist eigentlich ziemlich gut, wenngleich sich ab der Mitte (ungefähr) ein paar Längen einschleichen. Aber ich konnte das Hörbuch damals in voller Länge genießen.

    Mal sehen, ob ich mich dieses Lese-Challenges annehme, Bücher gäbe es ja genug. Ach, was soll’s? Dauert halt noch ein paar Minuten…

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      1. Kann ich nur empfehlen. Über die ersten hundert Seiten muss man schnell drüberlesen, denn da zieht es sich noch etwas, sobald er dann endlich mal in Seenot geraten ist, wird es sehr spannend.

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  3. Ich habe es endlich geschafft, in der Bibliothek „Der Circle“ von Dave Eggers zu ergattern. Darauf hatte ich schon seit Monaten ein Auge geworfen.
    Momentan lese ich ein Kindle-Fundstück „Ready Player One“, das überraschend viel Spaß macht. Dann warten noch zwei Bücher auf dem Kindle auf mich, deren Titel ich gerade nicht mehr weiß, aber ich erinnere mich, dass ich mich darauf freue 😂.

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    1. *gröhl* Sich auf Dinge zu freuen, ohne zu wissen, worauf man sich freut, ist die höchste Kunst. Mit dem Circle wünsche ich dir viel Spaß. Solide Dystopie, keine Klassikerqualität, aber besser als manche Rezension glauben machen will.

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  4. Ach, das Stöckchen beinhaltet eine Challenge?!? Na, wenn ich das mal gewusst hätte! 😀

    Und ei soviel tatsächlicher Literatur hier, fühle ich mich ja ganz schlecht mit meinen Unterhaltungsschinken. Hätte ich doch mal nur genauer gezielt… 😉

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