Als ich mir Anfang des Jahres vornahm, sechs spezielle Bücher zu lesen, hatte ich eine grobe Vorstellung davon, worauf ich mich einließ. Eine Frage hatte ich verdrängt: Wie bespreche ich einen philosophischen Traktat so, dass ich ihm gerecht werde? Noch dazu eine so einflussreiche Schrift? Ich lasse es auf einen Versuch ankommen. Inspiriert hat es mich bereits: Zu meinen eigenen Betrachtungen über wahr und falsch.

bücherchallenge

Ich beginne nicht mit einer Inhaltsangabe, die ich zu dem Buch zitiere, sondern versuche es selbst. Wittgensteins Abhandlung versucht, die Philosophie als Sprachanalyse zu definieren. Sein Kernanliegen ist eine Darstellung dessen, was sagbar ist, indem er Sprache und Realität verknüpft. Von dieser engen Verbindung ausgehend, entwickelt er eine Theorie der Funktionsweise von Sprache und das Modell einer Idealsprache. Gleichzeitig erklärt er einen Teil unseres Sprechens für sinnlos, weil nicht wahrheitsfähig. Am Ende soll nach Wittgenstein die Vorstellung von Sprache als Beschreibung der Welt stehen.

Das klingt nach einer Inhaltsangabe, ist aber bereits eine Deutung der Gedanken Wittgensteins. Wahrscheinlich meinte er es genau so – oder ganz anders.

 

Die Unzulänglichkeit der Buchform

Wenn es ein Buch gibt, dass erst mit der Erfindung des Internets wirklich gut zu verstehen ist, dann ist es der Tractatus. Wittgenstein „baut“ seinen Text, dass er sprachlich in Kürze gar nicht zu beschreiben ist. Es gibt Sätze. Die Sätze tragen Nummern. Die erläuternden Sätze zu den einzelnen Sätzen bekommen hinter dem jeweiligen Punkt eine laufende Nummer.

Es gibt einen Satz 1, es gibt einen erläuternden Satz 1.1, es gibt auch einen Satz 1.13, dies ist der dritte Erläuterungssatz zum Satz 1.1, der wiederum der erste Erläuterungssatz des Satzes 1 ist. Wittgenstein zu lesen heißt, immer wieder zurückzuspringen und sich zu vergewissern, auf welcher Ebene des Textes wir uns gerade befinden. Man stelle sich den Tractatus am Besten als einen Baum vor, der sich immer weiter verästelt. So muss man ihn eigentlich lesen. Zwischendrin gibt es Querverweise auf andere Sätze. Man wünscht sich diesen Text als Website mit Sprungmarken und Hyperlinks.

 

 

Ausgangspunkt: Wahr und falsch, Metaphern

Wittgenstein reserviert die Begriffe „wahr“ und „falsch“ für Aussagen. Wahr ist keine Eigenschaft von Dingen, sondern lediglich von Aussagen, die wir über Dinge treffen. Ein Eis ist ein Eis, es ist kalt, gelb, hat Vanillegeschmack, aber ein Eis kann nicht wahr sein. Der Satz „Dies ist ein Eis.“ hingegen kann wahr sein. Oder falsch.

Mit dieser Einschränkung ausgestattet stapft Wittgenstein los und stellt allerlei Behauptungen auf: Die Menge aller möglichen Aussagen über die Welt bestimmt die Welt vollständig. Und alle möglichen Welten gleich mit. Denn jede Aussage kann wahr oder falsch sein und generiert damit eine andere Welt. Die Rekonstruktion unserer Welt durch Sprache denkt Wittgenstein sich mit Hilfe einer Metapherntheorie. Am Anfang und am Ende unserer Aussagen (einzelne Sätze, ganze Theorien) steht eine Verbindung zur Welt: Sie ist Ausgangspunkt der Entwicklung und Endpunkt, an der die Plausibilität geprüft wird. Wir spannen, wenn wir sprechen, einen Bogen über die Welt. Und soll es richtiges Sprechen sein, so stimmt jeder Punkt des Bogens mit einem Bogen in der Realität überein, findet seine Entsprechung in der Sprache.

 

Konstruierte Sprache: Die Grenzen des Zusammenhangs von Welt und Sprache

Dass Wittgenstein nicht über unsere konkrete Sprache spricht, wird spätestens im Abschnitt 3.32 deutlich. Im Folgenden schließt Wittgenstein aus, dass ähnliche Bezeichnungen unterschiedlicher Dinge nichts über die Ähnlichkeit der Dinge aussagen. Nur weil die Wörter „Essen“ und „essen“ ähnlich sind, haben die Ruhrgebietsstadt und der Ausdruck für Nahrungsaufnahme nichts miteinander zu tun.

Wenn man unsere Sprache als gewachsen betrachtet und das Auftreten neuer Worte als organische Entwicklung aus den vorhandenen Worten begreift, ist dies natürlich nicht haltbar: Ein gewitzter Mann ist auch heute noch ein Mann mit Humor und Geist, auch wenn das Wort „Witz“ die Bedeutungsnuance des Geistreichen in unserer Sprache mittlerweile verloren hat. Witze im heutigen Sinne messen wir aber immer noch daran, wie geistreich sie sind und sprechen ggf. von einem „guten Witz“ (um ein einfaches Beispiel zu wählen. Ich lade dazu ein, alternativ über den Spendenaspekt der Organspende nachzudenken).

Im Abschnitt vier zeigt er zugleich die Grenze seiner Vorstellung von diesem Sprachmodell aus: Sprache bildet die Wirklichkeit nie komplett ab. Er erwähnt, dass mehrere logische Sprachen möglich sind und nennt die Notenschrift in der Musik als Beispiel der vollständigen Transition der Wirklichkeit in ein logisches System. Auch sie ist nur ein Bild, das der Interpret der Noten wieder in Musik umsetzt. Wittgenstein erweckt an dieser Stelle zwar den Anschein, als sei mit der Notenschrift alles gesagt, aber die Übersetzung in die Wirklichkeit durch zwei Interpreten wird nie vollständig gleich sein. Wenn die Sprache vollständig übertragbar wäre, dürfte das nicht passieren. Sprache, gleich wie ideal sie konstruiert ist, kann ihre Bildhaftigkeit nicht los werden.

 

Elementarsätze: Objektivität und Subjektivität, Ethik

Wittgenstein nimmt für seine Sprachtheorie implizit an, dass es so etwas wie „Elementarsätze“ gibt, die wahrscheinlich dem entsprechen, was Carnap als „Protokollsätze“ beschreibt: Grundlegende Beobachtungssätze der Welt, die unabhängig voneinander stehen und mit Hilfe der Sprache in Beziehung zueinander gesetzt werden.

Zugleich macht es sich Wittgenstein nicht zu leicht mit seinen Elementarsätzen. Er sagt zwar einerseits, dass den Sätzen der Ethik nichts in der Realität entspricht (es gibt kein Sollen in der Welt) und eine philosophische Ethik deshalb nicht möglich sei. Dieser Behauptung habe ich im verlinkten Artikel widersprochen. Das einzige, was aus seiner Behauptung folgt: dass wir im Rahmen seines Idealsprachenmodells nicht sinnvoll über Ethik sprechen können.

Das hat seinen Grund, denn zugleich vertritt Wittgenstein einen subjektiven Standpunkt: Die Sprache, auch die Idealsprache, ist die Grenze meiner Welt. Daneben gibt es noch andere Welten. Für Wittgenstein ist es möglich, dass jeder Mensch seine eigene Welt hat. Und diese Welt ist unverbunden mit der jeweiligen Welt jedes anderen Menschen. Um eine Verbindung anzunehmen, müsste es eine Verbindung in der Welt geben, aber diese Verbindung konstruiere ich nur sprachlich. Sie ist damit kein Teil der Welt. Der angenommene Zusammenhang kann wahr oder falsch sein.

Was er an dieser Stelle übersieht, ist meines Erachtens, dass Sprache und ihre Logik nur die Bedingung der Möglichkeit sinnvoller Kommunikation (und wohl auch des Denkens) ist. Sprache bestimmt aber nicht den Sinngehalt und die Funktion von Kommunikation, gleich ob sinnvoll oder nicht. Auch wenn sich ethische Sätze nicht mit Hilfe der Sprachlogik beschreiben lassen, sind sie möglich, weil sie im kommunikativen Prozess entstehen. Sie entziehen sich Wittgensteins Theorie, weil er nur das einzelne Subjekt und seine Beobachtungen gelten lässt. Mit anderen Worten: Für Wittgenstein gibt es Sprache auch da, wo nur ein einzelnes Subjekt ist. Und nur für jedes einzelne Subjekt. Dass auf einer anderen Ebene aber Kommunikation und Austausch möglich ist, dass sich die Welten der Menschen überschneiden und damit möglicherweise eine andere Welt konstitutieren, hat er nicht im Blick.

 

Warum Wittgenstein lesen?

Ich habe versucht, Wittgensteins Theorie in groben Zügen und ohne Zitatenballast nachzuzeichnen und einige Punkte aufzuzeigen, über die es sich nachzudenken lohnt. Wittgensteins Ablehnung einer philosophischen Ethik hat nämlich auch eine positive Seite: Wenn die Artikulation von Normen nicht mittels Elementarsätzen möglich ist, können die entsprechenden Sätze nicht wahr oder unwahr sein. Das berührt die Möglichkeit richtiger und falscher Sätze nicht, unter der Bedingung, dass die Richtigkeit und Falschheit nicht in Stein gemeißelt ist. Von daher lässt sich Wittgensteins Behauptung, über Ethik lasse sich nicht sinnvoll sprechen, als emanzipatorischen Anspruch lesen, der das Feld für eine andere Art Ethik eröffnet. Dann wäre Wittgensteins Forderung, worüber man nicht sprechen könne müsse man schweigen, ein sehr beredtes Schweigen.

Gleichzeitig bedeutet es, dass meine Unterstellung, nach Wittgenstein sei jeder Mensch eine Insel, aber auch nicht haltbar ist, sondern die entsprechende Stelle ganz anders gemeint sein müsste.

Warum also Wittgenstein lesen? Wittgenstein gelingt zweierlei: Er schreibt einfach und zugleich sehr komplex. Würde er heute leben, hätte er wahrscheinlich Spaß an Twitter, seine Gedanken sind kurz, knapp, präzise und den Zusammenhang muss man sich trotz Nummerierung manchmal selbst erschließen. Damit öffnet Wittgenstein Räume, in die die eigenen Gedanken vorstoßen müssen, das ist das Komplexe. Es gibt Dinge, die sich sprachlich nicht ausdrücken lassen, deshalb muss er schweigen. Das Ungesagte lässt sich damit zugleich nicht denken. Aber (und das erwähnt Wittgenstein selbst) sie lassen sich verstehen. Wittgenstein zu lesen ist ein Angebot, über die Welt als Ganzes nachzudenken, sie zu verstehen … Und zugleich zu begreifen, dass das eigentliche Mysterium die Welt selbst ist.

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26 Kommentare zu „Der Blog als Grenze meiner Welt – Besprechung: Ludwig Wittgenstein – Logisch-philosophische Abhandlung

  1. Dein Beitrag war die heutige Begleitung meines Morgenkaffees. Muss zugeben, dass ich einige Sätze mehrmals lesen musste. Gefällt mir. Für mich ist mein Blog ein Ort des Friedens, und das impliziert die Begrenzheit meiner kleinen Welt. Wie schön ist es deshalb durch das Fenster der Sprache in deine und andere Welten schauen zu dürfen. LG von gartenkuss 🙋🌱🐝

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    1. Uff, ich hoffe, er ist dir nicht auf den Magen geschlagen. Für mich persönlich gilt nämlich: Keine analytische Philosophie vor dem Frühstück.
      Mein Blog ist womöglich der permanente Versuch auszuloten, was man alles sagen kann und was man damit auslöst. So genau denke ich da gar nicht drüber nach. Ich schreibe einfach gern und erfreue mich daran, was ich bei meinen Leser*innen auslöse. In deinem Fall nehme ich es als Kompliment, dass du dir die Mühe gemacht hast, die Sätze mehrfach zu lesen, um meinen Gedanken zu folgen. Wenn ich es schon nicht hinbekomme, einfach zu schreiben, soll es wenigstens interessant sein.
      Und dass es uns gelingt, durch das Mittel der Sprache, einen Blick in die Welten der anderen Menschen zu werfen (egal ob das, was man sieht wahr oder falsch ist), ist eine wundervolle Sache und eine wichtige Ergänzung, über die ich ein Weilchen nachdenken kann. Vielen Dank! 🙂

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      1. Mir schlägt so schnell nichts auf den Magen 😉. Mir gefällt dein Weg, und mein Kommentar ist ein sehr lieb gemeintes Kompliment 🌼. Ich merke, dass Sprache viel mehr bewirkt als uns in der Regel bewusst wird. Ufff, das ist wohl auch besser so. Sonst käme ich gar nicht mehr zum Schreiben vor lauter Denken 😉🙋🍀

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  2. Ich habe weder Kaffee noch Frühstück intus sondern einen ausgewachsenen Kater von Rum gestern. Damit deinen Artikel zu lesen war wirklich anstrengend und ich muss wohl noch ein paar Mal lesen, bis ich alles verstanden habe. Oder es zumindest einigermaßen gesackt ist. Ich glaube als Ethik- oder Philosophielehrer wärst du hervorragend geeignet. 😊Es macht Spaß, deine Artikel zu lesen, weil sie die Komplexität der Thematik trotzdem verständlich erscheinen lassen.

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    1. Na, nicht übertreiben. Zu einem guten Lehrer gehört mehr als Dinge so lange zu verdrehen, bis sie gut klingen. 🙂
      Und keine Sorge. Wer das Zeug echt versteht, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden. 🙂

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      1. Aber eine Voraussetzung ist, dass man das Gefühl hat, der Mensch da vorn an der Tafel hat Spaß an seinem Thema und möchte es gerne anderen vermitteln. Ob du genausogut reden kannst wie du schreibst, weiß ich nicht, würde es aber mal fast vermuten (Klischee „Philosophen“ ausgepackt). Das ist dann schon mal einiges, was so manch anderen Lehrern fehlt 😉

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  3. Interessant, dein Beitrag. Ich muss gestehen, dass ich am Traktatus gescheitert bin. Vor allem den mathematischen Teil habe ich nicht verstanden. Sehr spannend finde ich allerdings die Frage, ob man nur in Worten denken kann und ob tatsächlich nicht existiert, was nicht sprachlich ausgedrückt werden kann

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    1. Das Spannende an Philosophie ist für mich gerade das Scheitern, zumindest wenn es produktiv ist. Ich kann gewisse Texte immer wieder neu lesen und entdecke in ihnen bei jedem Lesen neue Aspekte, die mir offenbar nicht klar waren oder die ich ganz anders verstanden habe.
      Was Wittgenstein und den mathematischen Teil betrifft, muss man sich in der Tat ein wenig reinfuchsen. Ich hätte mir die Mühe wahrscheinlich nicht gemacht, wenn ich in formaler Logik nicht fit wäre und ein paar Semester Mathematik studiert hätte. Das war zwar erfolglos, zeitigt jetzt aber einen Wert.
      Die letzte Frage geht davon aber unabhängig. Sie ist wohl auch ein Kernanliegen des Textes. Ich denke, es ist eine Anforderung an Sprache, tatsächlich alles ausdrücken zu können und was sich nicht ausdrücken lässt, gibt es auch nicht. Das Vorhandensein einer Tatsache ist darauf angewiesen, dass sie kommunizierbar ist. Wenn ich mit Sprache nicht darauf weisen kann, wie soll es jenseits meiner persönlichen Wahrnehmung wirklich sein, wie kann ich mir ohne Bestätigung durch andere sicher sein, dass die Zettel auf meinem Schreibtisch existieren, wenn niemand darüber sprechen kann? Vielleicht sind sie dann nur Hirngespinste.

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  4. Diese jungen Leute heutzutage! Der Tractatus als Link-Massaker! 🙂
    Was Wittgenstein zu deinem letzten Satz (Welt = Mysterium, also Unerklärliches) wohl gesagt hätte?
    „[…]Sprache bestimmt aber nicht den Sinngehalt und die Funktion von Kommunikation[…]“ – Warum nicht? Sprache hat doch Einfluß darauf wie wir überhaupt kommunizieren (können)? Je nach verfügbarer Sprache und Grammatik kommunizieren Kinder unterschiedlich in den gleichen Situationen.
    Bzgl. „[…]Auch wenn sich ethische Sätze nicht mit Hilfe der Sprachlogik beschreiben lassen, sind sie möglich[…]“: Ich hätte W. nicht so verstanden, dass er ethische Sätze für unmöglich hält, nur für nicht wissenschaftlich sprachlich abbildbar, aber für zutiefst menschlich (W., Vortrag über Ethik). Aber vielleicht habe ich das auch mißverstanden.
    Auf jeden Fall wieder ein sehr interessanter Artikel von Dir und er regt definitiv zum Nachdenken und Nachlesen an 😉

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    1. Im Falle von Wittgenstein wäre das wirklich sinnvoll. Er zeigt mit der Struktur mMn nämlich auch, dass Denken nicht simples Aneinanderreihen von Kausalketten ist.
      Was die Sache von Sprache und Sinngehalt angeht, beziehe ich mich auf Sprache als Konstrukt. Klar gibt es unterschiedliche Sprachen und sie bestimmen die Art der Kommunikation, aber die Tatsache „Sprache“, also dass wir sprachlich kommunizieren, legt den Sinngehalt noch nicht fest. Das geschieht erst, wenn wir uns für eine bestimmte Sprache „entscheiden“ und zu kommunizieren beginnen. Wittgensteins Idealsprache wird in dem Moment, in dem wir sie zur Kommunikation benutzen, wieder nur eine Sprache (oder ein Sprachspiel, wenn ich die Terminologie des Spätwerks richtig in Erinnerung habe). Weil Wittgenstein der Sprache als Idealsprache die Aufgabe der Weltbeschreibung zuweist und nicht die Kommunikation.
      Was Wittgensteins Einlassungen zur Ethik angeht, deckt sich deine Beobachtung mit einem Gefühl, das ich beim Lesen auch hatte. Den Vortrag über Ethik kenne ich auch nicht, um Wittgenstein bin ich im Studium weitestgehend herumgekommen. Das Schöne am Tractatus ist, dass er mir Lust auf mehr gemacht hat. Und was meinen letzten Satz angeht:
      „Nicht WIE die Welt ist, ist das Mystische, sondern DASS sie ist.“ (6.44) Ich hoffe also, er würde wissend nicken und müsste darüber schweigen. 🙂

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      1. Sehr gut erklärt, vielen Dank!
        Es macht immer Spaß, mit dir zu kommunizieren 😉 Ich kann mich nur einem Kommentar weiter oben anschließen, dass du sicherlich ein sehr guter Philosophielehrer wirst/wärst (keine Ahnung in welche Richtung du gehen willst). Jedenfalls finde ich es toll, dass du dich auf (unqualifizierte – also meinerseits) Zwischenrufe geduldig (?) einlässt und auch Gedanken nochmals (anders) erklärst (bis ich es auch verstehe und zustimmend nicke) 🙂

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        1. Reiner Selbstzweck. Es kann ja auch sein, dass ich das Blödsinn geschrieben habe (unbeabsichtigten Blödsinn), deshalb ist jede Nachfrage auch für mich spannend, weil ich meinen Gedanken noch einmal überdenken kann … Und vielleicht selbst noch einen neuen Aspekt erkenne. Oder (auch wenn ich nicht hoffe, dass mir das jemals passiert) gar erkennen müsste, dass ich mich irre. Ohne Zwischenrufe, die damit hochqualifiziert sind, geht das nicht. Also habe ich ebenso zu danken. 🙂

          (Wärst … Ich will nicht.)

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  5. Auch wenn ich theoretisch einräumen müsste, dass der Tractatus mein Katzenhirn heil- und hoffnungslos überfordert, kann ich ja praktisch zumindest so tun als ob…
    Irgendwie hatte ich ja Wittgenstein längst abgehakt. Ist ja auch irgendwie bequem(er), sich – haltingottesnamenamen ein intellektuelles Defizit einräumend – vor der Denkarbeit zu drücken. 😉 Zudem habe ich als As im Ärmel noch das Problem, dass das, was Wittgenstein meint, wenn er von Sprache spricht, sich nicht mit meinem Sprachbegriff deckt. Auch da kann man es sich einfach machen: Wittgenstein hat theoretisch recht – aber ich habe praktisch rechter (und bevor du noch aussprichst, dass ich damit billige Haarspalterei betreibe, gebe ich dir auch darin recht). Halbherzig widerstrebend muss ich nach der Lektüre deines Beitrags einräumen, dass es bessere Lösungen geben kann als ein vorschnelles Abhaken von Wittgensteins Philosophie. 🙂

    Nachdem der Philosophielehrer infolge entschiedenen Nichtwollens im Konjunktiv bleiben wird (muss?), das entsprechende Talent aber unbestreitbar vorhanden ist, möchte ich hier eine kleine Idee ins Spiel bringen: Wie wäre es mit einem (in unverbindlich unregelmäßigen Abständen auftretenden) philosophischen Quartett? Dabei würde eine bestimmte Frage (oder ein Fragenkomplex) aus philosophischer Sicht diskutiert. Und zwar mit folgender Rollenverteilung:
    – Zeilenende (moderierender Sachverständiger)
    – Seamus (Volkes Stimme)
    – Kant (als Hausphilosoph)
    – Und dazu ein jeweils wechselnder Gastphilosoph

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    1. In Unkenntnis von mehr als ein paar Bemerkungen würde ich ja sagen, dass der späte Wittgenstein (aus den „Philosophischen Untersuchungen“) und du dicke Freunde werden könnten. Ich erinnere mich düster an ein Bild von Sprache als einer verwinkelten, unübersichtlichen Altstadt mit allerlei Gässchen und geheimen Durchlässen. Prinzipiell hat man aber nichts verpasst, wenn man alle Vertreter einer Idealsprachentheorie gründlich in der Pfeife raucht und sich dann Interessanterem (d. h. Sprechakt-Theorie) zuwendet, also John L. Austin, John Searle und ja, auch Judith Butler liest.
      Was das Philosophische Quartett angeht, habe ich ehrlich gesagt zu viel Angst, dass Seamus dann so endet wie Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski. Als grumpy old bear. *gg* Sagen wir es so: Die Idee ist reizvoll, würde m. E. aber nur funktionieren, wenn ich den Ton träfe. Kant kriege ich gerade noch so hin, meine Sätze sind ja ähnlich lang … Carl Schmitt ist auch einfach, da muss man nur im Kasernenhofton schnarren und den rechten Arm dabei heben. Heraklit wäre ein dankbarer Gast … Aber die Sendung mit Hannah Arendt und ihrer Handpuppe „Aristoteles“ könnte ich mir schenken.
      Ich suche schon seit längerem ein eher philosophisches Thema für Seamus und mich, das man in einer Zigarettenlänge abhandeln kann. Am Samstag knöpfen wir uns eine intellektuelle Energiesparbirne vor, aber vielleicht mache ich mal was zu Nietzsche. Der ist unterhaltsam und immer für eine Kontroverse gut.

      (Wird? Muss? Soll!)

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      1. Den späten Wittgenstein habe ich offen gesagt (noch) gar nicht gelesen. Deine Bemerkung macht mich jetzt doch neugierig. 🙂
        Allerdings machen mich deine Lesetipps noch neugieriger. Danke dafür.
        Tja, die Risiken des Quartetts habe ich zu wenig bedacht. Natürlich gilt: Seid fair zu Seamus O’Bear! 😉
        Auf Schmitt verzichte ich allerdings gerne – getroffener Ton hin oder her.
        Aber Nietzsche könnte interessant werden. So im Stil von: Die Geburt der politischen Debatte aus dem Geiste der Zigarette. Oder so. (wahrscheinlich eher ‚oder so’)

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        1. Austin ist so der Vorreiter. Das ist sehr eingängig zum Verständnis, warum Sprechen auch Handeln ist, weil er es sehr einfach hält. Butler ist spannend, weil sie zeigt, welche Macht Sprache haben kann. Und weil sie immer für eine Kontroverse gut ist. Searle ist das Zwischenstück.
          Also Nietzsche. Ich hab da auch schon eine Idee. Muss ich mich nur noch mal wieder einlesen. 🙂

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          1. Die drei Namen habe ich mir mal vorgemerkt, bzw. ich bin da auch schon teilweise fündig geworden. Allerdings scheint es mehr als einen John Searle zu geben. Ich hab unter diesem Namen etwas über Bienenstöcke gefunden… (wobei das ja durchaus auch ein philosophisches Thema sein könnte)
            Auf den Nietzsche bin ich schon gespannt. Das mit dem Einlesen ist, wie ich finde, ein schöner Nebeneffekt mancher Blogbeiträge. Ein schöner Anlass, sich in etwas zu vertiefen, was man eigentlich schon lange wieder mal hätte lesen wollen sollen… 😉

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  6. Sehr gelungene Betrachtung.
    Ist schon befreiend zu erfahren, dass es Menschen gibt, die, wie man selbst, nachdenklich sind. Bis an die Schmerzgrenze.
    Aber dafür hat es sich gelohnt Wittgenstein zu sein.

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    1. Ich hoffe doch, dass ich nicht Wittgenstein gewesen bin, als ich ihn gelesen habe, sein Leben war nämlich ausnehmend unerfreulich. Aber das Überwinden von Schmerzgrenzen im Denken hilft dabei, Vorurteile loszuwerden. Deshalb ist es eine recht angenehme Tätigkeit. Man wirft Ballast ab.

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