Ich habe in letzter Zeit sehr viel Nachdenkliches geschrieben, dafür andere Themen vernachlässigt. Eines der vernachlässigten Themen sind Zeilenendes Küchenschlachten. Das liegt zum Einen daran, dass ich in letzter Zeit wenig gebacken habe und zum Anderen daran, dass der Garten zwar Dinge des täglichen Bedarfs geliefert hat, aber nach den Stachel- und Johannisbeeren erst einmal Ruhe brauchte.

Genau genommen brauchte er keine Ruhe sondern war bloß nicht sehr ergiebig. Ich habe einen Apfelbeeren-Strauch im Garten, der dort aber erst im zweiten Jahr steht und dementsprechend klein ist. Die Ernte dieses Jahres ruht mit der des letzten Jahres in der Truhe und wartet. Die Brombeeren habe ich im letzten Jahr komplett zurückgeschnitten und tragen dementsprechend in diesem Jahr nicht. Die Himbeeren haben sich geweigert, Früchte anzusetzen, der Pflaumenbaum hat auch erst im letzten Jahr gut getragen und gönnt sich dementsprechend eine Pause. Er ist sowieso alt und morsch, eigentlich würde ich ihn gern abholzen, weil ich Angst habe, dass er eines Tages in einem zarten Windhauch umfällt.

Doch nun ist Herbst und damit Apfelzeit. Das bedeutet in jedem Jahr Beschäftigung für mich, denn wir haben sage und schreibe sieben Apfelbäume. Der erste Baum ist im August fällig, weil er Frühäpfel trägt, die nicht schmecken. Ich frage mich jedes Mal, was ich mit den Äpfeln anfangen soll und beschließe, Apfelkraut davon zu kochen. Und wie in jedem Jahr wird daraus nichts, weil der Baum seine Früchte liebend gern in unbrauchbarem Zustand abwirft: Immer zu früh, wahlweise unreif oder am Baum gefault. Und Nachreifen tut diesen Äpfeln zumindest nicht gut.

Ich will mich darüber nicht beschweren, im Gegenteil freue ich mich darüber, enthebt es mich doch der Aufgabe herauszufinden, wie genau man Apfelkraut kocht. Ich freue mich ohnehin immer auf den Oktober, wenn die übrigen sechs Bäume (jeweils unterschiedliche Sorten) fällig sind. In diesem Jahr war ich besonders gespannt, denn ich habe mich zum ersten Mal selbst am Obstbaumschnitt versucht. Es ging nicht nur gut, selbst der etwas zickige Cox Orange trägt reiche Frucht.

Höhenangst ist ein Problem, wenn man Äpfel haben möchte. Ich bin nicht in der Lage, die Äpfel direkt vom Baum zu ernten. Ich könnte sie natürlich mit einer Stange vom Baum klopfen oder mir einen Apfel-Ernter kaufen, aber ich begnüge mich mit dem einfachen Weg und sammle das Fallobst auf. Es sind immerhin sieben Bäume, da kommt genug zusammen.

Apfel.jpg
Sehr ergiebige Fallobst-Ernte

Der Korb war randvoll. In der Küche stand zudem noch ein großer Eimer, der einmal 25kg Kartoffelsalat in sich barg, die kennt ihr vielleicht von großen Festen. Auch der Eimer war voll. Und das war die erste Sammlung, die Ausbeute von drei Tagen, als die gefallenen Äpfel keine unreifen Früchtchen mehr waren sondern wussten, was sie da tun und sich willentlich von ihrem Baum emanzipieren wollten.

Mutter Zeilenende und ich haben allein zwei Stunden damit verbracht, die Ausbeute zu schälen, denn ich wollte Apfelmus machen. Und auch wenn ich sonst ein Fan von Schalen bin, im Apfelmus mag ich es nicht. Aber da bei mir nichts wegkommt, wurden die Schalen und die Kerngehäuse kurzerhand in den Dampfentsafter gesteckt, um Apfelsaft zu produzieren, den man zu Gelee einkochen könnte.

Apfelmus ist eigentlich ganz einfach. Man schneide die Äpfel in grobe Stücke, gebe sie mit etwas Wasser, wenig Zucker, einer Zimtstange und ein paar Gewürznelken in einen großen Topf und koche es so lange, bis alles zu Mus wird. Es gibt Menschen, die ihr Mus anschließend durchs Sieb streichen, durch die Flotte Lotte drehen oder andere Dinge damit anstellen. Ich bin da handfester und bearbeite das Mus mit dem Kartoffelstampfer und lasse es noch ein wenig kochen. So behält es eine leicht stückige Konsistenz ohne dass Stücke zu erkennen sind. So mag ich mein Apfelmus am Liebsten.

Das einzige, was beim Apfelmuskochen schief gehen kann, ist meiner Erfahrung nach eine zu hohe Wasserzugabe. Dann kocht und kocht und kocht der Sud, aber er bekommt keine musige Konsistenz sondern bleibt flüssig. So ist es mir in diesem Jahr mit der zweiten Runde Apfelmus ergangen (die ganzen Äpfel habe ich nicht einmal in den ganz großen Topf bekommen). Aber ich hatte ja zusätzlich die „Apfel-Abfälle“ entsaftet und wollte ohnehin Gelee davon kochen. Nun hatte ich noch flüssigen Apfelbrei. Warum also nicht eine Marmelade kochen?

Saft zum Geleekochen lasse ich immer über Nacht auskühlen. Gleiches ließ ich dem Apfelsud angedeihen, der über Nacht zumindest ein wenig andickte. Und weil ich im letzten Jahr massenweise Brombeeren ernten konnte, fand ich in der Truhe noch 2,5kg Brombeeren. Damit war die Sache entschieden: Apfelsaft, Pseudo-Mus und Brombeeren würden eine formidable Marmelade ergeben.

Ich hatte Glück, die noch vorrätige Menge Gelierzucker reichte gerade so aus, dass die Marmelade am nächsten Tag die Gelierprobe bestand. Noch bin ich etwas skeptisch, weil sie in der Konsistenz derzeit etwas flüssig ist. Aber ich denke, sie geliert nach. Außerdem ist sie fest genug, dass sie nicht vom Brot fließt. Als ich fertig war, dachte ich kurz darüber nach, meinen Eltern einen größeren Küchentisch zu spendieren.

Einmachen.jpg

Es war alles ein wenig eng. Neben der Marmeladenkocherei habe ich das Mus auch noch einmal 35 Minuten bei 90° im Einkochkessel (am rechten Rand verborgen) eingekocht. Das habe ich mir bei meiner Oma abgeschaut. Sie meinte, das Apfelmus sei dadurch länger haltbar. Ich bin geneigt, ihr recht zu geben, weil ich mit minimalem Zuckerzusatz arbeite und der Zucker damit als Konservierungsstoff ausfällt, neben der Hitze also nur die natürliche Süße und Säure der Früchte die Haltbarkeit garantiert. Als Mutter Zeilenende dann auch noch das Abendessen vorbereiten wollte, wurde es fast kriminell. Ich wandte dem Tisch nur einen Augenblick den Rücken zu, um für das Bild nach dem Handy zu greifen, schon stand das Eimerchen für Küchenabfälle auf dem Tisch und sie drohte damit, die Gläser vom Tisch zu wischen, wenn ich nicht augenblicklich meinen Einkochwahn beende … Oder sie alternativ endlich von der Marmelade probieren lasse. Ein Löffelchen davon stimmte sie versöhnlich. Der Haussegen war gerettet.

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13 Kommentare zu „Der Herbst ist da

    1. Die Marmelade ist leider etwas dünnflüssig. Zum Verschenken geht es gerade so noch, beim Versand per Post hätte ich ehrlich gesagt zu viel Angst, sonst wäre das eine Option. Aber ich mache mir mal einen Knoten ins Taschentuch, bald ist ja Weihnachten. 🙂
      Eine Flotte Lotte habe ich in der Tat nicht, mein Mus darf gern noch ein paar Stücke enthalten. Bei Brombeermarmelade mag ich diesen leichten Knack sogar ganz gern. Und die meisten Lotten machen keinen sonderlich stabilen Eindruck auf mich. Wenn ich mal was passieren muss, nehme ich je nach Menge Haarsieb und Löffel oder ein Geschirrtuch. Und: Solange Mutter Zeilenende noch Äpfel schälen kann, darf die sich gern an meinen Wahnwitz gebührend beteiligen. ^^

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  1. Ich habe auch gerade einen Berg Äpfel geerntet, aus denen noch etwas werden will. Ich will mich das erste Mal an Chutney versuchen. Eine Kollegin hatte mir unlängst ein Gläschen mit diesem herrlichen Zeugs geschenkt. Nun bin ich süchtig danach – muss aber leider wohl selbst für Nachschub sorgen 😦

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