Es ist Rhabarber-Saison, auch wenn sie langsam zu Ende geht. Deshalb muss dieser Beitrag sein, obwohl ich Vimala Brownie Cheesecake versprochen habe.

Auch wenn ich dem Landleben nur sehr wenig abgewinnen kann, ich weiß zumindest den Rhabarber zu schätzen. Denn hierzulande gehört es zum guten Ton, in irgendeiner Ecke des Gartens einen Rhabarber stehen zu haben. So war es bei der seligen Oma Zeilenende, so war es in unserem ersten Haus auf dem Lande und so ist es in unserem jetzigen Haus auf dem Lande. Da es sich dabei um das ehemalige Haus unserer Grab-Bewohner handelt, schließt sich der Kreis, der aktuelle Rhabarber ist ein Erbstück.

Der Rhabarber zählt zu den unterschätzten Pflanzen. Man kann ihn für Erdbeer-Rhabarber-Marmelade benutzen oder für Rhabarber-Streusel. Den Rhabarber-Streusel habe ich allerdings schon als Fedcon-Vorgeplänkel für meine Kolleg*innen (es gibt ja mittlerweile auch Männchen) gebacken, das konnte ich nicht wiederholen. Ich verwende den Rhabarber allerdings auch gern jenseits seiner angestammten Orte, beispielsweise für köstliches Rhabarber-Chutney. Also beschloss ich, das dieswöchige Kuchenrezept für Obst-Nuss-Torte ernst zu nehmen und statt „vorbereitetem Beerenobst (z. B. Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren)“ zumindest eine Hälfte mit Rhabarber zu garnieren. Wenn ihr das auch machen wollt, benötigt ihr:

  • 150g Weizenmehl
  • 1 gestr. TL Backpulver
  • 50g Zucker
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker
  • 1 Ei
  • 75g gemahlene Haselnüsse
  • 100g Butter

Die Vorgehensweise ist so simpel, dass wahrscheinlich sogar ein Hund diesen Teig zubereiten könnte. Ihr zerlasst die Butter, vermischt Weizenmehl und Backpulver in einer Schüssel und gebt alle übrigen Zutaten hinzu.

Dann stellt ihr fest, dass in dem Päckchen mit den gemahlenen Haselnüssen 100g enthalten sind und rechnet die Mengen hoch, sodass ihr die gesamten 100g verbraucht. Was beim Vanille-Zucker kein Problem ist, weil ihr statt Tütchen den selbstgemachten aus der Dose nehmt, stellt euch beim Ei vor Schwierigkeiten. Also gebt ihr statt 1 1/3 Eier nicht nur ein Ei sondern lieber zwei Eier zum Tag.

Ihr verknetet alle Zutaten zu einem schönen Mürbteig. Wenn ihr wirklich mit zerlassener Butter arbeitet, empfehle ich den Einsatz einer Gabel, mit der ihr zunächst alle Zutaten untermengt, bevor ihr zu kneten beginnt. Sobald der Teig eine schöne Kugel bildet, kommt er in den Kühlschrank, um fest zu werden.

Ihr werdet, wenn ihr die Ei-Menge erhöht habt, merken, dass der Teig ziemlich feucht, weich und zu klebrig ist. Ihr wollt aber nicht den Mehlanteil erhöhen. Also gebt ihr die restlichen Haferflocken dazu, die ihr in der dunkelsten Ecke eurer Speisekammer gefunden habt. Die knetet ihr ebenfalls unter, sodass das das Bild des fertigen Teiges nicht mehr viel mit dem Originalrezept zu tun hat. Und geschmacklich wie von der Teig-Textur nicht viel ändern wird, weil es blütenzarte Haferflocken waren.

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Ihr könnt es euch aber auch sparen. Der Mürbteig wird im Zweifelsfall die einseitige Erhöhung allein des Nussanteils verkraften können. Und im Unterschied zu vielen anderen Rezepten des promovierten Puddings aus Bielefeld reicht die Originalteigmenge im Zweifel für die Obstform, die nun zum Einsatz kommt. So viel Teig, wie ich übrig hatte, konnte nämlich selbst ich Ober-Teignascher nicht roh essen.

Ihr seht es auf dem Bild, der Obstboden ist ziemlich dick geworden. Wie kam es dazu? Ich bemehlte die Arbeitsfläche und ein Nudelholz, dann rollte ich den Teig aus und legte ihn in die Obstbodenform. Ich drückte ihn ein wenig an und gab ihn für etwa 20 Minuten in den vorgeheizten Backofen bei 170° Ober-/Unterhitze. Dann entnahm ich ihn wieder, ärgerte mich darüber, dass er so dick geworden war, stürzte ihn auf einen Tortdenboden und dann auf das Kuchengitter. Das kann man albern finden oder nicht, ich belege Obstkuchenböden gern falsch herum. Eigentlich ist die Belegfläche eines Obstbodens ja diejenige, die beim Backen nach unten zeigt. Bei Mürbteigböden kann man aber auch die andere Seite nehmen. Und weil ich mir so viel Mühe beim Rand-Andrücken gegeben hatte, wollte ich meinen Obstboden nicht in Kronenform (vom Rand zur Mitte zulaufend) sondern Blütenform (vom Rand von der Mitte weglaufend) haben. Ist immerhin Frühling, die Zeit der Blüten.

Nun zum Obstkuchenbelag. Alles in Allem benötigt ihr etwa 700g vorbereitetes Obst. In meinem Fall waren dies

  • 300g Tiefkühl-Obstmischung mit Erd-, Him-, Brom-, Johannis-, Blaubeeren und Sauerkirschen (was auch immer die in dieser Mischung zu suchen hatten)
  • 3 Stangen Rhabarber

Den Rhabarber befreit ihr von den gröbsten Fasern. Bei heute im Handel erhältlichem Rhabarber ist das meistens gar nicht mehr nötig, weil der sehr faserarm ist. Bei Rhabarber aus meinem Garten ist es sehr nötig, weil die Rhabarberpflanze gefühlt kurz vor dem Beginn des 100jährigen Krieges in unseren Garten gezogen ist. Das TK-Obst lasst ihr auftauen, den Rhabarber schneidet ihr in Stücke und bestreut ihn großzügig mit 2 EL (Vanille-)Zucker. Lasst ihn dann im Topf stehen, bis er Wasser zieht und dünstet ihn anschließend, bis die Stücke weich werden.

Wenn euer Belag präpariert ist, kommt er auf den Boden. Ihr könnt hier Trick 17 bewundern: Wenn euch der Obstboden häufig durchweicht, bestreut ihn mit einem Päckchen „Sahnefest“ (oder wie das Produkt eurer Wahl zur Schlagrahmstabilisierung heißen mag). Das hilft. Zumindest ein wenig. Wenn das Obst frisch ist und nicht so suppt wie TK-Obst. Belegt die Torte nach eigenem Gusto, erhitzt ein wenig Marmelade (in meinem Fall war es Apfel-Brombeer, weil ich davon genug habe, um bis an mein Lebensende nichts anderes zu essen) und verteilt es auf dem Kuchen.

Bei Sonne auf der Terrasse verzehren … Zur Not auch mit Schlagsahne, aber die hat am Rhabarberkuchen zumindest nichts verloren.

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25 Kommentare zu „Laber, laber, backe Rhabarber!

  1. Na gut, ich bin besänftigt 🙂 Feiner Kuchen. Ich bin jetzt aber sowohl mit Spargel, als auch Rhabarber bedient für dieses Jahr. Nur, dass es Bärlauch nicht länger gibt, betrübt mich jedes Jahr aufs Neue. Heute überwiegt allerdings eh der Schock über das, was „da draußen“ so vor sich geht, da hätte selbst ein Hobbittext nichts mehr verschlimmern können.

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  2. Hmmmmm, sieht gut aus und sehr sympathisch, dass es noch anderer Bäcker außer mir gibt, die den Obstboden gern von der falschen Seiten belegen 😉 Ich dachte bisher, das mache nur ich und nur ich 😉 😀 Ich nehme auch gern Puddingpulver oder überhaupt Pudding gegen die besagte Durchfeuchtung des Bodens.

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    1. Eine dünne Puddingschicht mache ich gerade bei Rhabarber fast immer, weil der sich mit Vanille gut verträgt, mir war in dem Fall aber nach Purismus. Ich habe den Rhabarber nämlich dieses Jahr sträflich vernachlässigt und muss am Sonntag noch ein wenig was für den Vorrat tun.

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