Ich habe heute einen schweren Stand, weil die gute Mitzi die Fragen von Chris ebenfalls beantwortet hat. Und Mitzi ist die Nonchalance in Person, von daher kann mein Beitrag im direkten Vergleich nur verlieren. Seid so lieb, wenn ihr ihre Antworten noch nicht gelesen habt, zunächst die Meinen zu beachten. Sonst seid ihr noch enttäuschter.

Jetzt habe ich gegen die erste Regel des Liebster-Award verstoßen und über Mitzi statt über Chris geschrieben, obwohl ich ihm den Beitrag verdanke. Dann habe ich auch noch so ein elegantes Wort verwendet. Chris, sei so gut und halte mich nicht für undankbar. Denn wenn du es doch tust, werde ich gemein. Ich verfüge über die gleiche Gabe wie Freddy Krüger, allerdings bin ich dabei nackt und singe ABBA. Der Tod ist bei dieser Alternative eine wahre Erlösung.

Zurück zum Eigentlichen: Lieber Chris, ich danke dir für die Nominierung und freue mich, deine Fragen zu beantworten bin schon ganz gespannt, vor welche Herausforderungen des Gehirnwindens du mich gestellt hast. Für alle meine Follower, die Chris‘ Blog nicht kennen: Es gibt ja dieses Gerücht, Männer in meinem Alter seien meist irgendwie nachdenklich und träumerisch, ein wenig melancholisch veranlagt vielleicht. Also so wie ich nur leiser, mit einem Sinn für die Zwischentöne, wo ich im Zweifelsfall lieber mit dem verbalen Hammer draufhaue. Dieses Gerücht ist wahr. Außerdem können sie sympathisch schreiben, und meinen das mit dem „Nachdenken über die Welt“ tatsächlich ernst. Nicht so wie ich, der das nur aus Langeweile tut.

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Hörst du auf dein Herz oder auf deinen Kopf?

Kopf. Mein Herz sagt nur Poch – Poch – Poch … Und wenn ich zu intensiv darauf höre, dann geht der Hypochonder mit mir durch. Wenn ich auf mein Herz höre, dann nur um den Schlag zu kontrollieren. Und wenn ich damit anfange, läuft er unregelmäßig. Dann kann ich mich darauf einstellen, drei Tage lang von dem Trip herunterkommen zu müssen, an Herz-Rhythmus-Störungen zu leiden und das ist nicht schön. Ich kenne außerdem zu viele Herzmenschen, die zu unglücklich sind. Ich halte mich an den Kopf, denn analog zum Reichtum gilt: Der Kopf macht nicht glücklich, aber erlaubt es uns, das jeweils passende Unglück zu wählen.

Nicht jede Entscheidung wird richtig dadurch, dass man sie mit dem Verstand trifft, aber die Entscheidung, seinem Herzen zu folgen, ist auch eine des Verstandes. Deshalb erlaube ich ihm, immer ein Wörtchen mitzureden.

 

Was verstehst du unter “Glück”?

Dein letzter Beitrag, bevor ich diese Antwort geschrieben habe, hat mich dazu bewegt, die Frage nicht intuitiv zu beantworten, sondern noch einmal darüber nachzudenken. Denn die Anführungszeichen machen deutlich, dass es dir nicht um meine Vorstellung geht, sondern du letztlich die gute alte platonische Frage des „Was ist … ?“ gestellt hast. Und was wir bei Platon lernen können ist zumindest, dass die Frage nicht durch Beispiele zu beantworten ist.

Glück ist also kein Käsekuchen, höchstens metaphorisch. Überhaupt bin ich geneigt, dem Glück keinen so großen Stellenwert zuzuschreiben. Denn Glück ist zu sehr von Zufällen abhängig. Ich schrieb dir in die Kommentare, dass es doch bezeichnend sei, dass das Deutsche zwischen Glück als Zufalls- und Lebensglück nicht unterscheidet. Mein Verdacht ist: Lebensglück ist geronnenes Zufallsglück. Etwas, das wir nur bedingt in Händen haben, das wir deshalb nicht so krampfhaft anstreben sollten. Glück ist nichts für jeden, deshalb gilt: Zufriedenheit für alle forcieren, aber das Glück – das darf jeder selbst versuchen, ob er es schafft. Glück, das ist: Ein zufriedenes Leben (der Eigenanteil)  und passende Umstände (über die wir nie volle Kontrolle haben), gepaart mit der Gabe, die kleinen Punkte in der Zeit, an denen wir aktiv auf das Glück einwirken können, zu unseren Gunsten zu nutzen.

 

Gehst du Risiken ein, um Ziele zu erreichen, oder wählst du den sicheren Weg?

Ich tue mich schwer mit Risiken, glaube zugleich nicht ans Sicherheitsdenken. Mal ehrlich: Der vermeintlich sichere Weg, ist der so sicher wie unsere guten deutschen Kernkraftwerke es waren, bevor in Japan eins baden gegangen ist und die Angst umging, auch deutsche Kernkraftwerke könnten plötzlich Urlaub beantragen?

Jedes Leben besteht darin, dass wir Risiken eingehen. Selbst das Überqueren einer Straße ist ein Risiko, aber ein kalkulierbares, im besten Falle ein beherrschbares. Jede ärztliche Behandlung ist ein Risiko. Und auch jeder neue Gedanke ist ein Risiko. Mit einem neuen Gedanken riskieren wir nämlich unser bisheriges Denken und damit einen Teil unserer Identität. Es könnte sich ändern – wir könnten uns ändern.

Alltagspraktisch bin ich gern auf der sicheren Seite: Ich nehme lieber einen zeitigen Zug und bin eine Stunde zu früh an einem vereinbarten Treffpunkt, vertrödele die Zeit, als den Zug zu nehmen, mit dem ich unter idealen Bedingungen pünktlich bin. Aber ich scheue das Risiko nicht. Es ist bloß das Ergebnis eines Abwägungsprozesses.

 

Welche Sprache(n) würdest du gerne lernen und wieso gerade diese?

Klingonisch. Weil es cool ist, als Trekkie klingonisch zu sprechen. Ich mag Klingonen eigentlich nicht: Überzogener Ehrbegriff, schlechte Zähne und noch schlechtere Tischmanieren. Von allen großen Star-Trek-Völkern sind sie das mir am wenigsten liebe. Allerdings gibt es viele Fans der Klingonen, deshalb gibt es tatsächlich Sprachkurse, Wörterbücher, Gespräche auf klingonisch. Das macht es reizvoll. Prinzipiell wären auch die Tolkien-Sprache(n? Hat er nur eine Sprache ausgearbeitet oder mehrere) deshalb reizvoll, aber ich habe es ja nicht so mit Tolkien, wie schon meine Zweifel zeigen, ob er nur das „Elbische“ ‚komplett‘ entwickelt hat oder mehrere Sprachen.

Wo wir bei Kunstsprachen sind, finde ich auch das Konzept von „Esperanto“ toll. Eine lingua franca, die sich der verschiedenen europäischen Sprachen bedient und den Anspruch hat, Weltsprache zu sein. Das Problem am Englischen ist, dass es Natives gibt und solche, die es lernen müssen. Native Speaker haben damit immer einen Vorteil. Esperanto schafft (idealerweise) für alle die gleichen Voraussetzungen.

Andererseits: Sprache ist mehr als Kommunikation. Ich verbinde Sprache auch mit einem Gefühl der Heimat. In „seiner“ Sprache ist man daheim, deshalb lese ich Bücher auch lieber in der Übersetzung. (Filme und Serien schaue ich auf Englisch, aber auch nur, weil ich ein paar Schwierigkeiten mit dem Hörverstehen habe, auch im Deutschen. Wenn man so will, praktiziere ich damit Sprachtraining.) Vielleicht interessieren mich deshalb die heimatlosen Sprachen. Ich habe aber noch einen anderen großen Wunsch: Ich verstehe den hiesigen Dialekt ziemlich gut. Wenn ich das will, hört man auch, woher ich komme (Ich treibe schonmal Schindluder mit dem G, das zum J, oder dem R, das verschluckt oder zum CH verschliffen wird.) … Ich spreche ihn aber nicht. Genauer gesagt: Man hört sehr deutlich, dass ich mich bemühe, Dialekt zu sprechen, statt dass ich ihn spreche. Ich wünschte, das ginge mir leichter von der Zunge. Aber auch Übung bringt mich nicht weiter.

 

Social Media – Segen oder Fluch?

Ich mag diese Entweder-oder-Fragen ja nicht. Und jetzt ist es auch noch ins Religiöse übersteigert. Das macht es umso bedenklicher. Andererseits: Ich bin begeisterter Optimist, ich glaube tatsächlich, dass Technologie die Welt besser gemacht hat, besser macht und besser machen wird. Insbesondere Social Media. Unter uns Bloggern ist es manchmal schick, sich über die Gestalten lustig zu machen, denen wir im Alltag begegnen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, die versonnen auf ihr Smartphone starren. Und dann publizieren wir einen Artikel darüber … Im Internet. Der womöglich auf einem Smartphone gelesen wird. Im Zug. Von einem Zeilenende, der versonnen auf den Bildschirm starrt, statt sich „an der schönen Landschaft zu erfreuen“. Ich hasse Landschaft. Und die auf dem Weg zur Arbeit kenne ich. Am schlimmsten ist die Landschaft übrigens, wenn die Sonne gerade aufgeht, dann blendet sie tierisch … Ich könnte jetzt auch eine Polemik auf das „sich mit anderen Menschen im Zug unterhalten“ schreiben, aber das führt vom Thema weg.

Viele Technologien zeichnen sich durch Ambivalenz aus. Es kommt, gerade was unsere Alltagstechnologien angeht, auf den Umgang damit an. Was heute übers Smartphone gesagt wird, hat den gleichen Sound der Kommentare zum Thema „Der Fernsehapparat als Untergang des Abendlandes“. Das Fernsehen hat unsere Gesellschaft verändert. Das Telefon hat es getan. Social Media Technologie wird es auch tun. Wir haben es in der Hand, wie man damit umgeht. Indem man selbst ein gutes Beispiel abgibt und seinen Kindern, so man welche hat, zeigt warum man manchmal auch eine Pause braucht und auf einen Baum klettert. Und das undogmatisch und unverkrampft machen. Wer sich über Smartphones am Frühstückstisch aufregt, sich aber selbst hinter der Zeitung versteckt oder den Fernseher einschaltet, macht was falsch.

 

Träume – nur Fiktion oder steckt mehr dahinter?

Gegenfrage: In welchem Sinne? Du willst mir doch jetzt nicht mit Traumdeutung kommen, Chris? So wie ich die Traumforschung verstehe, träumt jeder Mensch. Das spricht dafür, dass Träume irgendwann in der evolutionären Entwicklung des Menschen eine sinnvolle Funktion hatten. Welche Funktion genau lässt sich aber ebenso wenig feststellen wie die Frage, ob Träume in der derzeitigen Verfasstheit der Menschen noch eine sinnvolle Funktion haben (so wie die Tatsache, dass wir ein Gehirn haben, immens sinnvoll wäre, würden wir es nutzen) oder ähnlich wie Körperbehaarung nur noch ästhetischen Nutzen hat.

Vom evolutionären Argument abgesehen: Wir haben Träume. Wir können sie verdrängen, was manchmal sehr sinnvoll ist: Ich habe ein halbes Jahr lang jede Nacht geträumt, ich wäre Ausflugsdampferkapitän auf dem Rhein und würde jeden Nachmittag mit betuchten Damen (die alle weiße Kleider, weiße Hüte und weiße Perlenketten trugen) auf meinem Schiff Kaffeekränzchen halten. Hätte ich rechtzeitig mit der Verdrängung begonnen, hätte es mich wahrscheinlich weniger verstört. Ich kann mittlerweile weder die Werbung für Raffaello selbst noch das Produkt sehen.

Vielleicht steckt eine tiefere Botschaft dahinter, wer weiß? Was zählt ist, was wir aus unseren Träumen machen. Wenn mich mein Traum dazu inspiriert hätte, der nächste Sascha Hehn zu werden, hätte er einen Zweck erfüllt, weil ich ihm Bedeutung zugeschrieben hätte. Wenn ich bloß Drehbuchautor fürs Traumschiff geworden wäre, ebenfalls. Dann wäre der Traum vielleicht Inspiration für zahlreiche Episoden geworden. Wenn ich auf Grund dieser Träume glauben sollte, ich wäre in einem früheren Leben Horatio Nelson gewesen und liefe fürderhin in britischer Marineuniform herum, vielleicht würde ich erkennen, dass ich mich so wohl fühle und mein wahres Ich einen Uniformfetisch hat.

 

Was hilft dir am besten dabei, abzuschalten?

Ein Ausknopf. Am Liebsten per Fernbedienung zu aktivieren. Oder meinst du mein Gehirn? Das lässt sich nicht abschalten, wie wir soeben geklärt haben, weil es im Traum damit beschäftigt ist, Schwarzwälder Kirschtorte zu essen, ohne meine blütenweiße Uniform zu beferkeln. Und auch sonst ist mein Gehirn eher auf hohe Drehzahlen ausgelegt. Wäre ich ein Auto, wäre ich ein Benziner. Ein robuster zwar, der Dauerbetrieb gut verträgt, aber nicht so gemächlich wie ein Diesel. „Abschalten“ ist also eine Sache für sich. Wenn ich „abschalten“ will suche ich mir eine Tätigkeit und fokussiere mich darauf. Dafür ist alles geeignet: Ein Buch, eine Fernsehserie, Sport: Ich habe vor einiger Zeit von der segensreichen Monotonie beim Krafttraining erzählt. Wenn ich gesagt habe, dass das Gehirn ausgestellt ist oder sowas in der Art, ist es gelogen. Oder nicht ganz wahr. Es ist mit der stupiden Überwachung von einfachen Bewegungsabläufen okkupiert. Oder hat damit okkupiert zu sein, weil ich sonst anfange zu grübeln, die Bewegungen unsauber mache oder am Gerät rumhample.

Ansonsten ist Alkohol eine Variante, sehr wirkungsvoll, weil ich selten trinke und entsprechend nichts vertrage. Um die Autometapher noch einmal zu bemühen, passiert nach dem zweiten Glas Wein Folgendes: Jemand tritt gleichzeitig die Kupplung und das Gaspedal durch. Der Motor dreht hoch, aber nichts passiert. Nicht ganz richtig, ich bin eine Weile redselig und/oder tiefgründig, aber das lässt sich durch das Einflößen weiterer geistiger Getränke abschalten.

 

Spontaneität oder feste Planung?

Du erlaubst, dass ich ein „e“ einschiebe? Ich mag es so lieber, auch wenn der Duden beides zulässt und das nicht erst seit der Rechtschreibreform. Das ist so ein Klassiker aus dem Bewerbungsgespräch, die Frage. Ich bin ein Spießer mit fester Planung. Ich habe jahrelang nach Wochenplan gekocht und entsprechend dem Wochenplan eingekauft, Hausarbeit war auch geplant: Mittwoch putzen, Freitags Wäsche, Sonntagsmorgens nach Bedarf bügeln.

Da ich mir die Küche derzeit teilen muss („Wie, du willst jetzt kochen?“ „Ich koche immer gegen 18 Uhr!“ „Ich brauche den Backofen und eigentlich fünf Herdplatten.“ „Okay, dann … Ach, ich esse Müsli.“), habe ich mich davon vorläufig verabschiedet. Aber Essen ist gut: Geplant. Also die Uhrzeiten. Weiche ich nur ungern von ab. Verabredungen? Am liebsten sind sie mir, wenn sie drei Monate im Voraus geplant sind.

Andererseits werde ich in der Küche zum Virtuosen der Spontaneität. Wenn ich koche und backe (das kann man wundervoll parallel) und entdecke, dass da noch Zutaten sind  und ich ein Zeitfenster von fünf Minuten habe … Dann könnte ich nebenbei ja schnell noch einen Dip machen. Spontaneität und feste Planung bedingen sich bei mir. Ich kann ziemlich gut mit unvorhergesehenen Dingen umgehen, seien es von außen ausgelöste Ereignisse oder Wünsche meinerseits. Und das nicht obwohl ich ein sehr strukturierter und durchgeplanter Mensch bin, sondern weil ich das Planen verinnerlicht habe. Ich passe meinen Plan den neuen Begebenheiten an. Ich bin eine Art multiresistenter Keim, der dem Chaos mit einer geistigen Excel-Tabelle trotzt.

 

Glaubst du an das Schicksal?

Nur, wenn es opportun ist, um ihm die Schuld zuzuschieben. Dann ist Schicksalsglaube sehr praktisch, denn ich muss weder den Fehler bei mir suchen noch mich mit der deprimierenden Tatsache abfinden, dass ein Zufall an allem Schuld ist. Wenn etwas schief geht, bin ich schicksalsgläubig. Das ist ungemein befreiend. Man kann jemanden für das Schiefgehen verantwortlich machen, wütend werden, Schimpfworte benutzen. Das Schicksal ist ein idealer Prügelknabe.

In meiner Vorstellung ist das Schicksal ein breitschultriger, muskelbepackter Mann mit Bürstenhaarschnitt, in Unterhemd und Tarnfleckhosen, die in Springerstiefeln stecken. Sein Gesicht ist verschmutzt und zerknautscht, die Arme mit Narben übersät, weil das Schicksal manchmal an Rollatoren hängen bleibt, wenn es – nur so zum Spaß – alte Menschen vor LKWs schubst. Schicksalsglaube muss eben attraktiv sein, auch wenn es mir persönlich zu groß ist … Aber es hat einen praktischen Vorteil. Denn man kann tatsächlich auf das Schicksal einprügeln, während es unbewegt dasteht und keine Miene verzieht.

Ich gehe davon aus, dass es das Schicksal nicht gibt. Aber daran zu glauben hilft mir weiter.

 

Gibt es einen Film, der dich wirklich berührt hat und wenn ja, welcher und weshalb?

Muss ich diese peinliche Geschichte jetzt wirklich hier in aller Öffentlichkeit erzählen? Hast du kein Mitleid mit mir? Schenkst du mir kein Bisschen Privatsphäre? Lieber Chris, was habe ich dir getan, dass du mich so demütigst?

Ich muss mal eben meine Filmliste befragen. Titanic? Hab ich nicht gesehen. Puh, Glück gehabt. Zumindest diese Peinlichkeit kann ich vermeiden. Was gab es sonst noch so an berührenden Filmen? Sisi … Gesehen. Mehrfach. Das ist doch eine Komödie, oder? Die ganzen Tanzfilme? Womöglich mal einen gesehen, aber im Zweifel im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit … Es gibt da noch so ein oder zwei Filme, die ich in meiner Jugend häufiger gesehen habe, die mir heute tatsächlich … Nein, nicht peinlich sind. Ich habe sie mir noch einmal angesehen und ich kann nicht mehr so ganz nachvollziehen, warum sie mir damals so gut gefallen haben. Bin ich wohl drüber hinaus gewachsen. Waren nicht nachhaltig genug für die Antwort.

Club der toten Dichter wäre aber ein Fall für eine Nennung. Ich habe Neils Tod damals tatsächlich beweint. Ich fand das ungerecht. Finde ich auch heute noch. Auch wenn ich ihn nicht mehr beweine, sondern respektvoll (wenn auch ein wenig verständnislos) meinen Hut vor ihm ziehe. Warum und weshalb? Weil es eine gut erzählte Geschichte darüber ist, dass man tun sollte, was man liebt. Und dass man so sein soll, wie man ist.

 

Was würdest du gerne mal ausprobieren?

Ich habe diese Frage jetzt etwa eine Stunde lang angestarrt. Ich kann also „Eine Stunde lang den Monitor anstarren“ von der Liste streichen. Das habe ich ausprobiert. Es führt zu Nackenschmerzen. Mein Physiotherapeut bestellt dir schöne Grüße. 🙂

Es sind wahrscheinlich Kleinigkeiten. Ich habe mich jahrelang damit geplagt, Karaoke ausprobieren zu wollen. Dann habe ich es getan. War lustig. Ich singe weiterhin … Aber lieber unter der Dusche. Karaoke kann ich aber nur empfehlen. Überhaupt: Sich auf der Bühne zum Hampelmann zu machen. Karaoke, Theater, Sketch, Improvisation, Moderation, egal. Das ist extrem hilfreich, wenn man einmal wirklich ernsthafte Vortragssituationen durchleben muss. Aber das war nicht das Thema, gell?

Was ich ausprobieren will … Achja, ich habe Träume, die sind aber eher so gelagert, dass ich gewisse Dinge mal erleben oder sehen möchte. Träume, die ich mir sicher auch erfüllen werde. Aber zumindest was das ausprobieren angeht, probiere ich es aus. Ich habe kein Bedürfnis, mich an illegalen Drogen zu berauschen, ich habe kein Bedürfnis vom 1er zu springen (ich stand mal drauf, das hat mir gereicht), ich bin schon so viele Achterbahnen gefahren (Lustig, gell? Ich kann keine Leiter hochklettern, aber Achterbahnen liebe ich. Ich war sogar mal auf einem Freefall-Tower.), … Es hängt vielleicht mit dem zusammen, was ich über den „Club der toten Dichter“ gesagt habe: Man soll so sein, wie man ist. Ich bin häufig zwischen zaudern und tun gefangen, am Ende tue ich aber meistens. Ohne sehnliche Wünsche zu entwickeln. Oder ich lasse es, weil ich entscheide, dass es nicht lohnt. Weil es letztlich nicht ist, wie ich bin.

Ist eine ziemlich unbefriedigende Antwort, lieber Chris, oder nein … Ich finde sie eigentlich sehr befriedigend. Weil ich mich nicht mit Sehnsüchten quälen muss. Und weil es nicht langweilig ist. „Wie, du willst nichts mehr ausprobieren?“ Genau so ist es ja nicht. Ich weiß, dass ich noch Dinge ausprobieren will, ich weiß nur noch nicht was. Und was lustig ist: Ich habe nochmal nachgelesen: Mitzi spart die Frage aus, was ich verstehen kann, weil Träume zuweilen eine sehr persönliche Sache sind. Jim hat auf den Award beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht geantwortet (ich arbeite die Awards nicht chronologisch durch sondern bearbeite die Fragen in der Reihenfolge, wie ich eine Antwort habe), Hannah (danke für die Blogentdeckung!) erwähnte, dass sie gerne jemanden tätowieren würde. Tätowieren?

Da musste ich grinsen. Denn das würde ich gern einmal ausprobieren. Falsch. Das werde ich ausprobieren. Also nicht tätowieren. Tätowiert werden. Mal sehen, was sich ergibt. Das ist eine Entscheidung, die man nicht leichtfertig trifft. Aber dazu ein andermal mehr. Ich sprenge nämlich ohnehin den Rahmen … Und kann nicht drüber bloggen, wenn es denn mal so weit sein sollte. Mit diesen Zeilen reiße ich immerhin die 3000-Wörter-Marke.

Ich ende damit, euch zu danken, wenn ihr durchgehalten habt. Und euch zu beglückwünschen, wenn ihr es geschafft habt, vorher aufzuhören. Ich verspreche ja immer Nominierungen … Aber Nominierungen gibt es immer erst dann, wenn ich „den letzten“ Award abgearbeitet habe. Und da ist einer in der Warteschlange. Ich weiß, das ist doof. Widerspricht dem Sinn des Awards – ein wenig. Denn er soll ja auch nicht inflationär werden.

 

19 Kommentare zu „Club der spontanen Klingonen

  1. Guten Morgen!
    Ich musste schon beim allerersten Satz lachen „Poch-Poch-Poch“ :). Danke dafür!
    Guckst Du beim „Sonntagsmorgens nach Bedarf bügeln“ eigentlich auch die Sendung mit der Maus?

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    1. Danke dafür. Das stammt aus meinem Repertoire „Diskussionen mit Single-Frauen in der Midlife Crisis vermeiden für Anfänger“ … *gg*
      Was das Bügeln angeht: War das so offensichtlich? Ja, genau das mache ich. Erst Löwenzahn, dann Sendung mit der Maus. So kann ich mir einreden, dass ich mich eigentlich fortbilde und nicht das wenig geliebte Bügeln pflege.

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      1. Ich verstehe. Mir ist zumindest eine Single-Frau mit Midlife Crisis in deinem Leben bekannt. Wollen wir sie der Einfachheithalber mal A. nennen… *harhar)
        Das mit der Maus war pure Menschenkenntnis ;). Von Mausgucker zu Mausgucker muss ich dich darauf hinweisen, dass die Maus ab dieser Woche bereits um 9.30 läuft!

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  2. Ich wiederhole mich, wenn ich auch jetzt wieder schreibe „Schöner Text“ aber isso.
    Bei Mitzis Texten kuschele ich mich gefühlt immer in eine Decke ein und lese den Brief einer lieben Freundin. Bei dir sitze ich irgendwo gemütlich zusammen bei leckerem Essen (Kuchen und Wein. oder Sekt) und würde gerne sofort die Unterhaltung beginnen, diskutieren, kichern und das Gefühl haben, trotz teilweise einiger großer Gegensätze mit einem Gleichgesinnten zu reden. Danke!

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      1. Ich? Unter Druck? Ich stehe permanent unter Druck, ich bin ein pfeifender Teekessel. Von daher: Ich fühlte mich herausgefordert und habe grandios versagt. Aber das ist okay. Ich bin ein Mann, ich halte mich trotzdem für den Größten. 😉

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  3. Tja, bleibt also die un(?)bequeme Frage: Wer hat’s jetzt ‚besser‘ gemacht – Mitzi oder Zeilenende? Ich mag diese Entweder-oder-Fragen ja nicht. Aber hätte man sie mir gestellt würde ich folgendermaßen geantwortet haben: Herdplatten oder Backofen? In einer guten Küche ist für beide Platz! 🙂

    Mir gefällt (um nur ein Detail herauszupicken) diese Formulierung ‚der vermeintlich sichere Weg‘. Denn genau diesen Trugschluss, das vermeintlich Sichere für tatsächlich sicher zu halten, ist ja in Tat und Wahrheit ein besonderes Risiko. Wer bewusst und kalkuliert Risiken eingeht bleibt für die (immer) möglichen Gefahren aufmerksamer als die vom Gefühl der Sicherheit Eingelullten.

    Noch eine Kleinigkeit: Ich glaube, dass das Herz ein ganz raffiniertes Luder sein kann, das den Kopf oft geschickt dazu verführt, ganz bestimmte Aspekte WAHR zu nehmen. Bei einer eher verstandesbetonten Entscheidung hat das Herz also oft ganz heimlich gründliche Vorarbeit geleistet (und ich würde nicht einmal behaupten, dass das ein Nachteil sei.)

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    1. „Ich mag diese Entweder-oder-Fragen ja nicht.“ Hast du da nicht die Fußnote vergessen, dass das von mir stammt? 😛 Dementsprechend kann ich als „Sowohl-als-auch-Mensch“ deinen versöhnlichen Schluss nur zustimmend anerkennen.
      Was die Vorarbeit des Herzens angeht, stimmt. Allerdings würde ich da nicht so weit gehen wie du: Es versorgt den Verstand durch sein Poch-Poch mit Sauerstoff. Von daher bin ich geneigt, ihm den gleichen Stellenwert wie die Lunge einzuräumen. 😉

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      1. Ja. Jetzt, wo du’s erwähnst. Mir ist dieser Entweder-oder-Satz gleich so bekannt vorgekommen. Aber ich hätte jetzt nicht so genau sagen können aus welcher Ecke der Weltliteratur ich den gemaust habe. 😉
        Überhaupt liebe ich normalerweise diese Entweder-oder-Fragen, weil ich die immer lapidar mit ‚ja‘ beantworten kann.
        Deine Aussage zur Vorarbeit des Herzens zeigt, dass das Herz wirklich einen sehr guten Job macht. So oder so. 🙂

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  4. Du machst es einem aber auch immer schwer, die passenden Worte für einen Kommentar zu finden. Also… vielen Dank für deine Antworten und deinen gewohnt schönen, unterhaltsamen Schreibstil. Mitzi oder Zeilenende? Du weißt, ich mag diese Entweder-oder-Fragen ja nicht 😀 Und die Vorstellung eines nackten ABBA-singenden Zeilenendes macht mir irgendwie Angst. Einigen wir uns einfach auf Unentschieden 😀

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    1. Siehst du? Es reicht vollkommen aus, mich zu zitieren. Bei 3000+ Worten (ich muss es erneut erwähnen, denn es erschreckt mich) werden auch ein paar passende dabei gewesen sein.
      Ich danke dir jedenfalls, dass du so charmant lügst. Ich werde es heute Nacht in deinem Traum mit Reizwäsche und Iron Maiden versuchen. 😉

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      1. Iron Maiden klingt ja durchaus verlockend, aber ich schätze, bei meinem kurzen Schlaf (da bin ich das genaue Gegenteil von Mitzi, wie ich vorhin gelesen habe), der meist ohne Erinnerungen an Träume endet, kann ich dennoch beruhigt versuchen einzuschlafen 😀

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  5. Deine Antworten sind fantastisch, 3000 Wörter die mich amüsiert haben, nachdenklich machen, aufgeweckt und interessiert habe ich mich durch deine vielseitigen Betrachtungen und Gedanken gelesen, die mir in der Summe und im Einzelnen sehr gefallen! Verdammt cool! 🙂

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