2018 war ein beschissenes, tolles Jahr. Ich hatte Anfang Dezember die Nase schon gestrichen voll von 2018 und habe mich auf 2019 gefreut. Es war aber auch ein ereignisreiches Jahr, wie ihr bestimmt gemerkt habe, weil ich euch (zumindest hier) kaum habe dran teilhaben lassen. Jetzt ist es vorbei und ich muss mir Gedanken machen, was davon bleibt … So wie von 2018 immer was bleibt (und seien es die vollen Mülleimer am Neujahrstag).

Was 2018 so passiert ist:

  • Wir haben einen Kevin bekommen.
  • Ich habe einen alten Job verloren.
  • Deshalb hatte ich über drei Wochen Urlaub. Im Hochsommer. Bei geilem Wetter.
  • Ich habe Sternschnuppen gesehen. Viele Sternschnuppen.
  • Friseurwechsel: Glückliches Zeilenende mit saisonal wechselnden Strähnchen
  • Ein toller neuer Job hat mich gefunden.
  • Wir haben einen Kevin abgegeben und was Neues bekommen.

Und das waren nur die einschneidenderen Erlebnisse. Meine meist gehörten Songs auf Spotify fassen es wie folgt zusammen: Von „Fickt-euch-Allee“ zu „Galway Girl“, mit ein paar obligatorischen Schlenkern durch das Schlimmste der 90er zu „Mittelfinger hoch“, um schließlich bei Kontra K zu landen, denn bis hierhin lief’s doch gut – „Oder nicht?“

Neu-Anfänge sind hart, dementsprechend ruhig war es im Netz um mich. Ich war damit beschäftigt, mein Leben auf die Kette zu bekommen und das Schlimme ist: Es sieht momentan so aus, als wäre es das zum ersten Mal in meinem Leben. So mit Perspektive und ohne Termin im Kalender, wann ich spätestens meinen Account bei der Bundesagentur für Arbeit reaktivieren muss.

Ich kann mir also Gedanken über meine Zukunft machen. Ich finde das beängstigend. Es gibt 2019 so ein großes Gewicht. Als ob meine Entscheidungen in diesem Jahr Pflöcke einrammen würden für meine gesamte Zukunft. Wo jetzt mancher Mensch gute Vorsätze fassen würde, habe ich eine Bestandsanalyse gemacht, was ich aus 2018 mit ins neue Jahr nehme:

  • 5kg zu viel auf der Waage
  • Ein krummer Rücken
  • Sich was trauen
  • Pausen machen

Ich glaube, dass Sport hier an erster Stelle steht, wundert nur Menschen, die mich nicht sonderlich gut kennen, denn in der Hinsicht bin ich obsessiv. Ja, mich macht es fertig dass ich deutlich über dem bin, was ich im Sommer hatte und nein, ich kann mich nicht mit Muskelmasse herausreden. Ich möchte gern wieder dahin, wo ich einmal war, weil ich weiß, dass ich das kann. Und weil ich auch weiß, wo ich auf der nach oben offenen Waagenskala schon einmal war und deshalb vielleicht ein klein wenig sehr neurotisch bin.

Hinzu kommt, dass meine Haltung an alles erinnert aber nicht an einen (letzten Endes doch) gut trainierten Wiederholungs-29jährigen sondern eher an eine 120jährige, die gerade erfahren hat, dass sie weitere 120 Jahre durch das Jammertal „Leben auf der Erde“ wandern muss – gramgebeugt. Ich mach das nicht zum Spaß, sondern zur Verhinderung schlimmer Rückenleiden (und aus Eitelkeit).

Vielleicht sitzt man ja gerader, wenn man die Beine breiter macht. Okay, das klang jetzt falsch, aber ihr wisst hoffentlich, was ich meine. Mehr Eier wagen, Selbstbewusstsein halt. Ich hab ja schon ein Problem damit, Mitarbeiter im Supermarkt anzusprechen, wenn ich das Gewürzregal nicht finde und wenn eine unbekannte Nummer mich anruft, fange ich an zu weinen, werfe das Telefon aus dem Fenster und verstecke mich wahlweise unter meiner Bettdecke oder meinem Schreibtisch, je nachdem ob ich arbeite oder daheim bin. 2018 hat meinem Selbstbewusstsein alles in allem ganz gut getan, weil ich ein paar Mal ins kalte Wasser gesprungen und irritierenderweise nicht untergegangen bin … Außer das eine Mal, als ich das auch wörtlich getan habe und feststellen musste, dass man Schwimmen doch verlernen kann. Den Schwung würde ich gern mitnehmen. Statt Gewürze zu suchen könnte ich schließlich auch netflixen.

2018 hat mir aber auch gezeigt, dass das Leben mit 29 im Laufe der Jahre anstrengend geworden ist und mehr Gelassenheit nottut. Muskelkater war für mich lange ein Fremdwort, mittlerweile bin ich froh, wenn er nur einen Tag statt zwei bleibt – und sein bierseliger Cousin ist mittlerweile auch hartnäckiger. Um nicht zu scheitern mit meinen Plänen fürs Jahr 2019 habe ich mir also gleich vorgenommen, mit ihnen zu scheitern. Oder besser gesagt: Ich schiebe es darauf, dass ich nicht ständig wie ein hysterisches Huhn alles tun muss, was mir in den Sinn kommt, sondern auch mal Pause mache. Und Netflix schaue. Oder diesen Blogbeitrag schreibe. statt noch schnell die Bude zu putzen. Das hat auch noch Zeit bis morgen.

Betrachtet das als Programm für 2019. Wenn ich mal wieder etwas schreibe (denkt an die Gelassenheit), geht es hier möglicherweise verstärkt um Sport oder Eier, als ob ich mich selbst unter Druck setzen wollte … Und es fängt gut an, ich habe immerhin eine Woche Urlaub. Meine Pläne? Jeden morgen ins Fitness-Studio und dann mal sehen. Außer Freitag, da teste ich, ob mein gewachsenes Selbstbewusstsein genau so viel Charme versprüht wie das alte Zeilenende oder ob mein Charme nur eine Notreaktion meines Triebs war, um das fehlende Selbstbewusstsein zu kompensieren.

Wenn ich es recht bedenke … Ich glaub, das mit der Gelassenheit kann ich knicken. 2019 wird wahrscheinlich noch anstrengender als 2018. Zu meiner Beerdigung bringt bitte nur Gerbera mit.

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46 Kommentare zu „Was von 2018 bleibt

  1. Gibt es was Schlimmeres als „Kevin“? Glaub nicht 😆
    Unbekannte Nummern am Handy? Da gehe ich gar nicht erst ran.
    Ok, sich mal durchfragen, dass muss auch mal sein. Wer hat schon Lust, andauernd durch den Supermarkt zu cruisen, weil man irgendwas nicht findet…
    Also Kopf hoch und mach 2019 zu deinem Jahr.

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  2. Du wirst 2019 schon rocken. Das mit dem Sport bekommst du auch auf die Reihe. Wenngleich ich es wohl nie verstehen werde, wie man sich in ein volles Fitnessstudio stellen kann, wenn man draußen auch alleine seine Runden ziehen könnte… 😉

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  3. Hey, Zeilenende, mach mal kurz einen Punkt. Und eine Pause. Dann findet sich der Weg schon von alleine. Zuhörer und Leser vertragen Pausen schon.
    Fitnessstudios sind mir ein Graus. Brrr. Da ziehe ich mich lieber warm an und gehe raus.

    Wenn das Flumselchen sich freut, dass du wieder da bist, und dich darauf unter Druck gesetzt fühlst – naja, dann frage ich mich (und dich), ob du dich verlaufen hast. Macht aber nichts, wenn dem so ist. Ist auch schön!
    Liebe Grüße, Veronika

    …das mit den Gerbera wird nix. Die können ja gar nix, so Gerbera. Brauchen Drahtstützen, damit sie aufrecht bleiben. Also bitte!🙄

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    1. Hier ist nur die Zeile zu Ende, nicht der Satz. Punkte sind nicht so ganz meins, auch wenn ich sie gern Mal nutze. Okay, ich nutze auch Google Maps, aber das hindert mich nicht dran, mich regelmäßig zu verlaufen. Von daher ist der Druck genau das, was ich brauche. 😋

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  4. Also auch wenn du dieses Jahr deinen Account bei der Arbeitsagentur nicht reaktivieren musst (hurra erst mal dazu!), muss 2019 nicht das Jahr sein, in dem du sämtliche Lebensentscheidungen triffst. Lass doch noch welche für 2020 übrig und teste dieses Jahr einfach mal das entspannte Leben an. Wie wäre das? Beim Sport kannst du ja trotzdem ausrasten wie geplant. 😀

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    1. Ich werde dieses Jahr 29. Ich höre die Uhr ticken. 😁
      Ich hoffe ehrlich gesagt, dass ich 2019 keine einzige Lebensentscheidung treffen werde. Ich bin für sowas nicht ausgelegt. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht einmal, worin sie bestehen könnten. Es fühlt sich nur so an, weil ich plötzlich sowas wie Sicherheit habe. Und das verunsichert mich zutiefst. 😂

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      1. „Lebensentscheidungen“ sind ja wirklich nur ganz wenige Dinge. Heiraten. Kinder. Selbst wenn man sich ein Haus kauft, ist das ja keine Garantie mehr, dass man dort auch wirklich den Rest seiner Tage verbringen wird. Vom Job fangen wir gar nicht erst an. Ich für mich lebe deutlich entspannter, seit ich beschlossen habe, keine detaillierten Lebenspläne zu machen. Ich mache auch keinen Fünfjahresplan, den meine ehemaligen Chefinnen mir in Mitarbeitergesprächen immer aus den Rippen leiern wollten. Die Frage „Wo siehst du dich in 3/5/10 Jahren?“ ist einfach nicht beantwortbar. In diesem Sinne: Genieß die 29 und erfreue dich an der Sicherheit! 🙂

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  5. Da haben unsere 2018 ja einige Parallelen. Ins Kalte Wasser zuspringen ist manchmal tatsächlich nicht das Schlechteste…. Mir hat damals irgendwie der Satz geholfen „Was würde ein normaler Mensch tun?“ Richtig, er würde einfach nach dem Regal fragen, selbst wenn man stottert oder sich dämlich ausdrückt… Die Angestellten haben das spätestens am nächsten Tag wieder vergessen. Hat mich allerdings auch 50 Podcastfolgen inklusive Selbsthilfe gebraucht. Unser Gehirn macht schon merkwürdige Sachen. Dann mal Alles Gute für die nächsten 344 Tage. Ps: Großstadtgeflüster ist geil 😀

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    1. Und wer geht im März aufs Konzert? Moi. 😂

      Ich habe das Problem, dass ich keine Ahnung habe, wie sich normale Menschen so verhalten …. Und wenn doch, habe ich keine Ahnung, wie sie das hinbekommen.
      Von daher bleibe ich lieber im warmen Bett als ins kalte Wasser zu hüpfen.

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  6. Gerbera in rosa- ist notiert. Boah sind die hässlich. Gibt für mich aber auch nur einen Schwaben mit Geschmack – meinen 😜 und der hat keine Strähnchen, Haare aber auch nicht mehr 😉.
    Das mit der Sicherheit kann ich gut nachvollziehen, macht einem erstmal Angst, egal in welchem Bereich.
    Vorsätze sind sowieso für’n Ar…, lass doch einfach alles kommen. „Schaun mer mal“, hat da i-ein Adliger 😉 mal formuliert.
    Ich bin gespannt, was kommt, auch wenn ich hier grad noch mit nem alten Acc unterwegs bin 🙄. Muss Dir dann wohl mal so in neu folgen…demnächst, hab das Handy auf Arbeit liegen gelassen. 😂😁
    LG nach da unten aus der schönsten Stadt der Welt 😃

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              1. Also ich kenne Saftschubse oder Stusi nur als Bezeichnung für Stewardessen. Deswegen hatte mich das gerade irritiert 🙂
                Seid frühester Zeit kenne ich nur Schwule, Schwuchteln und Transen als Begriffe. Ich glaube, früher hat man nie so etwas wie „der ist homosexuell“ gehört… Bei den Frauen ein gern genommenes wort: Kampflesbe 😆
                Zwei meiner besten Freunde sind schwul. Denen vertraue ich mein Leben an. Ich denke, heutzutage ist das nicht wirklich was Besonderes mehr.

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