Das fünfte Buch-Date läuft mittlerweile und diesmal ist es mein Privileg, Katja drei Bücher zu empfehlen. Ich habe also in meinen Beständen gestöbert und geschaut, welche Bücher ich momentan anderen Menschen ans Herz legen würde.

Katja Bücher zu empfehlen, fiel mir gar nicht so schwer. Das sieht man daran, dass ich ihr Joanna Rakoffs „Lieber Mr. Salinger“ spontan empfehlen wollte. Das hat sie aber schon gelesen und für gut befunden. Immerhin fühlte ich mich bestätigt, was mein Gespür angeht, welche Bücher sie wohl mag. Ich habe mich nun für folgende drei Titel entschieden:

Núria Pradas – Die Kleidermacherin

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„Ein historischer Roman über das Kaufhaus Santa Eulalia in Barcelona. Eine Geschichte darüber, wie es zum Zentrum für Haute Couture in Spanien wurde, eine Geschichte über den Bürgerkrieg und auch die Liebe.“

So schrieb ich kurz und bündig, weil ich es erst unlängst ausgelesen habe. Aber das Buch ist noch mehr. Es ist ein Buch über Verluste und es ist ein Buch über die Liebe zu schönen Dingen. Zu Schnitten und Stoffen. Die Kleidermacherin ist nicht im Entferntesten so oberflächlich, wie man sich die Mode-Welt vorstellt, denn diese Vorstellungen sind geprägt von unserem Denken an Models, die Mode aber nur tragen. So wie für uns Büchernarren Papier ein heiliges Material ist, so ist es für die Figuren in „Die Kleidermacherin“ eben Stoff.

 

Marc Elsberg – Blackout

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Diese Empfehlung baut, wie auch die dritte Empfehlung, auf der Lieblingsautorin Margaret Atwood auf. Wie auch Atwood häufig, erzählt Elsberg von einer Dystopie, wie auch Atwood recherchiert Elsberg sauber und beschäftigt sich mit den Gefahren einer vernetzten Welt. Anders als Atwood geht es in Elsbergs Wissenschafts-Thriller reichlich actiongeladen zu. Aber thematisch sind sie sich sehr nah. Eine Kurz-Besprechung des Titels gibt es übrigens am Donnerstag.

 

Heinrich Böll – Haus ohne Hüter

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Bölls Roman ist auf seine Art ein spannendes Sittengemälde der frühen Bundesrepublik. Nüchtern und scheinbar ohne jede Wertung seziert er die Verdrängung von Schuldfragen und die fortgesetzten Sorgen und Nöte aus der Kriegszeit in der frühen Bundesrepublik. Er zeigt die Mechanismen auf, wie jede der Figuren zugleich mit den Erfahrungen des Krieges und den Zwängen der Gesellschaft kämpft. Damit gelingt es ihm ohne moralischen Zeigefinger, die Rede von der „Stunde Null“ im Jahre 1949 als das zu zeigen, was sie ist: Eine Geschichte, die es überhaupt erst möglich macht, wieder in gesellschaftlichen Verhältnissen zu leben.

Zugleich gelingt Böll aber auch eine gute Geschichte. So trostlos und traurig das klingt, erzählt Böll auch die Geschichte von integeren Menschen, die sich bemühen, irgendwie mit der Vergangenheit umzugehen. Böll ist kein Schwarzseher. Er klagt durch den Bericht an, aber er versteht es zugleich, Hoffnung zu machen. Denn wenn die Menschen lernen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und eigene Entscheidungen zu treffen, wird die Situation vielleicht nicht besser, aber sie wird erträglich. Und somit entsteht Hoffnung.

Damit ist Heinrich Bölls Roman nicht nur von historischem Interesse und auch nicht nur aus stilistischen Gründen eine gelungene Lektüre. Das Buch ist als Appell an die menschliche Fähigkeit zur Selbstbestimmung zeitlos.

Was Margaret Atwood mit Heinrich Böll zu tun hat, ist vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Aber der feine Blick auf die Psyche der Menschen und wie die gesellschaftlichen Verhältnisse ihr Wesen beeinflussen, findet sich bei Böll wie bei Atwood. Hinzu kommt die Neigung, die Charaktere nicht viele Worte sprechen zu lassen. Davon abgesehen, dass Böll mittlerweile wohl ein Klassiker ist und den Nobelpreis gewonnen hat, Margaret Atwood ist auf dem Weg dahin, ein Klassiker zu werden und den Nobelpreis zu gewinnen. Zuletzt ist beiden gemein, dass sie beide „mit angezogener Handbremse“ erzählen. So würde ich den Stil beider, bei allen Unterschieden, beschreiben. Und denke, auch mit diesem Buch kannst du bestimmt etwas anfangen.

 

Nun bin ich gespannt, für welchen der Titel du dich entscheidest, liebe Katja, und fiebere dem Tag deiner Rezension entgegen, an dem es sich auflösen wird.

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8 Kommentare zu „Von Stoffen, Strom und Klassikern – Meine Buch-Date-Empfehlungen

  1. Meinen Geschmack hast du voll getroffen, ich lege gleich zwei neue Bücher in mein virtuelles Bücherregal.
    Blackout habe ich gelesen und fand es interessant, aber vor allem am Ende eher unübersichtlich und dadurch langweilig. Ich habe es nur zu Ende gelesen, weil ich wissen wollte, wie es endet, nicht, weil der Plot noch spannend war. Das fand ich schade.

    Auf deine Rezension bin ich schon gespannt.
    Liebe Grüße
    Frau Pappelheim

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    1. Hihi, manchmal muss der Mensch einfach Glück haben. Und ich bin ja eh auf einer ständigen Mission, Menschen für deutschsprachige Nachkriegsautoren zu begeistern. Wobei ich bei Elsberg auch die Rückkehr zur (vermeintlichen) Normalität noch nett fand. Ohne hätte mir wohl was gefehlt. Sag mir doch, wie dir die Bücher gefallen haben. 🙂

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  2. Auch hier noch einmal: Ich bin wirklich ganz hin und weg von den tollen Vorschlägen. Auf die Wunschliste sind alle gewandert, aber nur ein Buch darf Germanys Next.. nee, falscher Text. ^^ Ein Büchlein darf bei mir einziehen, aber die Wahl ist mir wirklich schwer gefallen.

    Vielen lieben Dank für die tollen Empfehlungen!
    Liebe Grüße,
    Katja

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