Das Buchfresserchen lädt in dieser Woche dazu ein, auf den Stapel zuletzt gelesener Bücher zu blicken und sich ein wenig zu beschweren. Welches Buch, das ich zuletzt gelesen habe, hat mich enttäuscht – und warum?

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Wenn man so will, waren die letzten drei Bücher allesamt ein wenig enttäuschend. Gelesen habe ich Niklas Luhmanns „Soziale Systeme“ und wusste von vorneherein, dass es enttäuschend sein wird, weil ich mal wieder nur einzelne Brocken auf diesen über 600 Seiten verstanden habe. Aber ich gebe das mit Luhmann nicht auf.

Ebenfalls enttäuschend war „Unterwerfung“ von Michel Houllebecq, aber da kann ich noch keinen Grund für nennen. Das Buch liegt noch hier, in der Hoffnung, dass ich eine Besprechung schreiben kann, die mir selbst klar macht, was ich an dem Buch eigentlich so enttäuschend fand.

Sehr deutlich kann ich das an Hugh Howeys „Level“ sagen. Ich habe vor einigen Jahren „Silo“ gelesen, eine Dystopie über die Menschheit in unterschiedlichen Bunkern, genannt Silos. Jeder dieser Silos ist für sich, scheinbar kontrolliert durch einen „Über-Silo“, die Außenwelt ist vergiftet und im Silo herrschen merkwürdige Sitten und Gebräuche, die zum Aufstand führen. Das war spannend, regelrecht packend und ein interessantes Setting. Ein Isolationsexperiment unter verschärften Bedingungen und dennoch unter der Erde.

Ich habe die Lektüre des zweiten Bandes dann lange herausgezögert, weil ich besorgt war, dass der Folgeband die Qualität nicht halten würde. Als dann der dritte Band erschien, wurde ich in meiner Skepsis noch bestärkt. Dennoch griff ich irgendwann zu. Und leider ist „Level“ in der Tat ein großes retardierendes Moment. Der Roman verspricht, die Vorgeschichte von „Silo“ zu erzählen. Das tut er wahrscheinlich auch, aber nicht so, dass die Leser*innen ohne Weiteres die entsprechenden Verknüpfungen herstellen können. „Level“ erzählt eine Geschichte, die sich womöglich zur Vorgeschichte von „Silo“ entwickeln kann, in sich ist das Buch allerdings unbefriedigend. Und die Sprünge durch die Zeitebenen in „Level“ führen zu Ermüdung, weil dadurch eine dritte Geschichte integriert wird, die es wirklich nicht braucht. Es hat mich enttäuscht, weil es auf mich wie ein Buch nach dem Typ:

„Oh, mein Roman hatte Erfolg. Jetzt muss ich eine Fortsetzung schreiben, damit die von dem Erfolg ebenfalls profitieren kann. Ich muss nur daran denken, ein paar Charaktere zu erwähnen oder ihren Alltag zu beschreiben. Und wenn ich es clever angehe, kann ich einen dritten Band schreiben, weil der zweite Roman so nichtssagend ist.“

Weil ich noch einen Büchergutschein hatte und das Buch im Laden stand, habe ich dennoch den dritten Band in die Hände genommen, angelesen und gekauft. „Exit“ treibt die Geschichte endlich wieder voran, seine Schwäche ist es allerdings, dass er nach knapp 200 Seiten erst eine klitzekleine Verknüpfung zur Vorgeschichte geboten hat. Immerhin ist er wieder spannend und widmet sich der Silo-Gesellschaft. Mit Schrecken hingegen habe ich die Information meiner (nunmehr ehemaligen) Buchhändlerin vernommen, dass demnächst wohl ein vierter Band erscheinen wird.

Kennt ihr die „Silo“-Reihe von Hugh Howey und wenn ja, wie fandet ihr sie?

Welches Buch hat euch zuletzt so richtig den Tag versaut?

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23 Kommentare zu „Bücher, die den Tag versauen (Montagsfrage)

    1. Dafür habe ich zu oft die Erfahrung gemacht, dass ganz durchschnittliche Anfänge immer noch zu grandiosen Büchern werden. Das Buch, das am Donnerstag kommt, ist so ein Fall. Wobei „Enttäuschung“ auch zu hoch gegriffen wäre, eigentlich. Enttäuschung ist ja immer dann, wenn Erwartung und Realität auseinander klaffen. Und ob das dann dramatisch ist doer nicht, gibt sich.

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      1. Mir gehts eigentlich darum, dass ich meine Zeit nicht verschwenden will, soooo viel habe ich nicht mehr.
        Und ich will noch sooooo viel lesen, deshalb bin ziemlich rigoros mit dem Weglegen, wenn mir der Anfang nicht gefällt.
        Manchmal schaue ich noch auf ein, zwei Seiten in der Mitte und am Ende, wenn es da immer noch so öde ist, dann weg damit.

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  1. „Unterleuten“ von Juli Zeh fand ich ein bisschen enttäuschend. Ich lese Juli Zeh eigentlich sehr gern, „Spieltrieb“, „Adler und Engel“, „Nullzeit“ und „Corpus Delicti“ fand ich klasse. Es fällt mir auch gar nicht leicht, auf den Punkt zu bringen, was mir an „Unterleuten“ weniger gut gefallen hat… Dem Roman hat man die sorgfältige Konstruktion vielleicht etwas zu sehr angemerkt, die Charaktere waren einen Tick zu sehr Klischee, die Zuspitzung des Konflikts zu gewollt/nicht überzeugend… Ging das noch jemandem so?

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    1. Ich habe es noch nicht gelesen, ich habe bei der Seitenzahl so meine Bedenken gehabt. Schilf und Corpus Delicti sind ja recht kurz, Spieltrieb war großartig, aber auch, weil es nur vier Figuren kannte. Die Länge war insgesamt für den nüchternen Stil her schon eine Herausforderung. Und bei Unterleuten hat man, so wie ich es den Rezensionen entnehme, zahllose Figuren und nochmal 50 Seiten mehr. Ich kann mir also vorstellen, dass es so ist. Mehr dazu, wenn ich endlich zu dem Buch gekommen bin.

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  2. Ich kenne die Reihe nicht, aber ich bin ohnehin nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Es gibt bisher nur zwei Bücher die ich nicht fertig las. Robert A.Heinlein „Die Zahl des Tiers“, ein verworrenes Machwerk ohne klare Struktur, einfach nur zum Weglegen, obwohl er einer meiner absoluten Lieblingsautoren war und „Limit“ von Frank Schätzing, der mich unter größten Anstrengungen bis Seite 200 geführt hat.Zumindest dieses Buch fand er selber mies.Schätzing war einkurzweiliger Erzähler bis er oder andere ihm eingeredet haben etwas seriöser zu schreiben und damit hat er die Leichtigkeit des Schreibens verloren. Vielleicht sollte er den Verlag wechseln oder ohne Verlag schreiben, bis etwas Neues entstanden ist. Bücher an öffentliche Plätze zu legen, wo sie andere Menschen begeistern können, finde ich eine schöne Idee!

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    1. „Limit“ habe ich nach 50 Seiten abgebrochen. Und das mache ich nur sehr selten. Mir ging es da wie dir. Dabei war ihm mit „Tod und Teufel“ etwas gelungen, an dessen Existenz ich jenseits von Umberto Eco zuweilen zweifle: Ein akkurater, nicht langatmiger Historienroman … Und dann auch noch ein Krimi!

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  3. Ist zwar ein völlig anderes Genre, aber die letzten „Hartmut und Ich“ Bücher mag ich nicht mehr…Feindesland hat mir überhaupt gar nicht mehr gefallen. Das war einfach alles zu gewollt kritisch und dramatisch. Erdenrund war punktuell besser, aber an die neue „Novelle“ hab ich mich noch nicht gewagt…

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      1. Ja genau – das war der erste Band, danach gab’s ja noch ein paar, wobei mir die zwei direkten Nachfolger „Vollbeschäftigt“ und „Wandelgermanen“ noch echt gut gefallen haben…danach wurde es schwächer…also fand ich.

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      2. Ist ja leider häufig so. Tommy Jaud hat mäßig begonnen und sich kontinuierlich verschlimmert … Matthias Sachau ist auch nicht mehr so lustig wie früher und den dritten Band der Känguru-Chroniken fand ich auch ernüchternd. Manches Modell läuft sich einfach tot.

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  4. Die Silo-Reihe kenne ich nicht. Ergo ist es mit dem Tagversauen aus dieser Richtung bisher nichts geworden.
    Von versauten Tagen möchte ich auch bei der Game of Thrones Reihe von George R. R. Martin nicht sprechen. Dennoch – hier habe ich irgendwann einfach die Leselust verloren. Zwar hat diese groß angelegte Geschichte mit vielen sehr speziellen Charakteren durchaus ihren Reiz. Aber irgendwie habe ich zunehmend den Eindruck bekommen, hier solle eine Erfolgsstory bis zum letzten Blutstropfen ausgeschlachtet werden. Intrigen und ordinäre Metzgereien in einer Endlosschleife. Irgendwann reicht’s.

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    1. Das wäre im Großen der Eindruck, den ich vom zweiten Band der Silo-Reihe hätte … Da wird auch munter geschlachtet, was in dem Fall aber nicht so dramatisch ist, weil es eher am Rande passiert. Aber zu GoT finde ich eh keinen Zugang. Ich fand die Serie zu verwirrend und sinnlos brutal (wenn ich sinnlose Brutalität will, ich sagte es mehrfach, gucke ich SAW) … Und die Hörbücher (Band 1-3) haben es auch nicht besser gemacht. Deshalb lasse ich es mit den Büchern gleich. Was das Melken von Erfolgskühen bis zur Euterwundheit angeht, ist das Fantasygenre ja leider sehr anfällig.

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      1. Sinnlos brutal trifft genau den Punkt. Ich verstehe ja, dass da nicht alle die ganze Zeit lieb und nett zueinander sein können. Aber irgendwo müsste inhaltsmäßig etwas mehr rüberkommen. Jedenfalls habe ich es mitten in einem der Bücher aufgegeben – und ich gehe nicht davon aus, dass ich den Faden nochmal aufnehme.
        Bis zu einem gewissen Grad ein ähnliches Problem hatte ich mit Jo Nesbø. Den finde ich zwar sprachlich interessant – und es ist auch attraktiv, wenn man etliche der Schauplätze kennt. Dennoch habe ich ihn inzwischen „parkiert“ (d.h. ich gebe ihm irgendwann noch eine Chance), weil die Geschichten offensichtlich in erster Linie auf Nervenkitzel angelegt sind (und das allein genügt mir nun mal nicht).

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      2. @Random: Von GoT las ich den ersten Band, fand ihn ganz gelungen, aber nicht viel mehr. Da warte ich definitiv einfach, bis die Sache abgeschlossen ist und schau dann mal: Bei Nesboe habe ich zwar auch die neueren Bücher gelesen, kann aber sagen: Da verpasst Du nichts. Mit dem Ende des „bösen“ Polizisten als Gegenspieler von Harry Hole (über mehrere Bände) war defnitiv auch die Luft raus.

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  5. Silo las ich, schon allein weil das Buch als eines der erfolgreichen „E-Books – man wird auch ohne Verlag und Papier reich und berühmt“ so gehypt wurde. Ehrlich gesagt, fand ich diesen ersten Teil schon nicht sooo toll, obwohl mir Story und Setting schon ganz gut gefielen. War mir aber zu „Fallout“-mäßig 🙂

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