Zeilenende singt nicht: Süßer die Glocken

Es ist der Morgen des Heiligen Abends. Ich bereite mich auf eine weihnachtliche Zugfahrt vor, denn ich werde heute von Stuttgart aus in die alte Heimat fahren, um mit dem Rest des Zeilenendeschen Haushaltes das Weihnachtsfest zu feiern und ein paar Tage abzuschalten. Als passende Einstimmung dafür gibt es Zeilenendes liebstes traditionelles deutschsprachiges Weihnachtslied.

Ich habe ja eine ausgeprägte Allergie gegen Kitsch. Zumindest behaupte ich das und konterkariere es dann sogleich wieder. Mein liebstes Weihnachtslied ist nämlich der Inbegriff musikalischen Kitsches.

Süßer die Glocken nie klingen
als zu der Weihnachtszeit:
S’ist als ob Engelein singen
wieder von Frieden und Freud‘.
|: Wie sie gesungen in seliger Nacht. 😐
Glocken mit heiligem Klang,
klinget die Erde entlang!

Es beginnt mit dem „süßer“, es ist die affektierte Wortwahl: „s’ist“, „Engelein“ „Freud'“, es ist die Wiederholung, der bemühte Reim von Zeit und Freud, es ist, dass Glocken nicht süß klingen, sondern mächtig dröhnen, es ist auch das Musikalische. Das Lied ist der Biedermeier unter den Weihnachtsliedern und wenn ich eines wirklich hasse, dann ist es der Biedermeier … Außer wenn Weihnachten ist. Dann liebe ich diesen kitschigen Klang, zu dem ein berufenerer Mensch wahrscheinlich mehr sagen könnte.

Es ist musikalisch ziemlich einfach gestrickt, die Melodie ist so vorhersehbar: Es geht hoch bis zum vorletzten Ton, dann sackt sie mit dem letzten Ton ab, dann steigert sie sich wieder, dann Wiederholung des Musters der ersten Zeile, dann absteigende Linie. Okay, es ist etwas komplexer, aber dieses Lied ist im Prinzip eine einzige Wellenbewegung, nicht sonderlich anspruchsvoll, aber mit extremem Schauderpotential, insbesondere beim Klaaaaaahang! Da geht es krass hoch. Das ist für einen Laien beinahe unmöglich zu singen.

Was ich bei Stille Nacht kritisiert habe, mag ich allerdings bei den Glocken. Ich mag das Betuliche dieses Liedes. Und: Amateure vergreifen sich nicht an diesem Lied. Das ist beruhigend. Weil sie wissen, dass sie es nicht können. Und einmal im Jahr darf es auch kitschig sein.

Es gibt eine Version von Freddy Quinn, die bei der seligen Oma Zeilenende an Weihnachten immer lief. Leider gibt es die auf Youtube nur in sehr bescheidener Version. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht und immerhin diese Version gefunden. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten euch allen.

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33 Kommentare zu „Zeilenende singt nicht: Süßer die Glocken

      1. Ach, vom Unheilig-Weihnachtsalbum, damals als sie noch nicht so poppig waren. ☺ So sehr ich die frühen Sachen von Unheilig mag (und verblüfft war, den Graf plötzlich im Radio zu hören): Das gesamte Album fand ich nicht so gelungen. Passt einfach nicht, zu verkrampft die Nummer.

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  1. Frohe Weihnachten, komm gut zu Hause an. Ich liebe Weihnachtslieder und alles, was mit Weihnachten in Verbindung steht. Von den traditionellen und klassischen Weisen bin ich seit einigen Jahren ein bisschen übergegangen, den moderneren Varianten der alten Lieder zu lauschen. Michael Buble und co. haben herrliche Arrangements herausgebracht. Nicht jedermans Sache, aber ich finde es schön. LG und schöne Tage, Ela☕

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  2. Wenn die Glocken nicht zur Weihnachtszeit süßer nie klingen….wann dann….😃🎄….ich finde ja das die Stimmung, speziell an Heiligabend, eine ganz besondere ist….weshalb ich auch abends noch immer ein wenig an die frische Luft gehe….es liegt dann sowas heimeliges in der Luft…..FROHE WEIHNACHT, liebes Zeilenende 😘

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