Ding Dong the witch is dead

Which old witch?

The wicked witch!

Ding Dong the wicked witch is dead!

Ich liebe dieses Lied. Der Zauberer von Oz ist ein weiterer der vielen großartigen Kinderfilm-Klassiker, mit denen ich in meiner Kindheit indoktriniert wurde. Und es ist eine berechtigte Frage, die wohl jeden Zuschauer irgendwann beschäftigt: Wie ist der Zauberer nun eigentlich nach Oz gekommen und wie wurde er zum Zauberer? Der Film von Sam Raimi gibt eine fantastische Antwort.

Quelle

Inhalt lt. amazon.de

Oscar Diggs (James Franco) ist ein kleiner Zirkusmagier mit fragwürdiger Moral. Als er sich eines Tages in der fantastischen Welt von Oz wiederfindet, denkt er, einen Volltreffer gelandet zu haben: Ruhm und Reichtum scheinen greifbar nah – zumindest bis er den drei Hexen Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams) begegnet. Die sind nämlich überhaupt nicht davon überzeugt, dass er der große Zauberer ist, für den ihn alle halten. Widerstrebend wird Oscar in die Schwierigkeiten von Oz und seinen Bewohnern hineingezogen und muss herausfinden, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, bevor es zu spät ist. Mit Illusionen, Einfallsreichtum und auch ein bisschen echter Zauberei schafft es Oscar schließlich, nicht nur zum großen und mächtigen Zauberer von Oz zu werden, sondern auch zu einem besseren Menschen.

Angelehnt ans Original 

Ich schäme mich gelegentlich ein wenig dafür, dass ich so begeistert über manche Filme schreibe. Und ich schäme mich ebenso sehr dafür, häufiger zu sagen, dieses oder jenes sei ein Held meiner Kindheit gewesen. Vor Allem, wenn es um Filmfiguren geht. Das wirkt so, als habe ich als Kind nur ferngesehen. Dabei stimmt das gar nicht. Ich habe noch mehr gelesen. Aber, das stimmt schon: Ich habe als Kind ferngesehen und gelesen. Sonst habe ich nichts anderes getan. Wozu rausgehen, wenn die viel interessantere Welt die der Phantasie ist? Und bevor jemand einwendet: Ja, aber Fernsehen? Dann sage ich: Jawohl, auch Fernsehen. Das bewegte Bild regt auch zu eigenen Phantasie-Ausflügen an, der kleine Zeilenende hat so manche Munchkin-Party gefeiert. Und der große Zeilenende liebt „Die fantastische Welt von Oz“ schon wegen des Filmeinstiegs.

Es ist nicht allein die Optik, aber damit beginnt es: Willkommen in Kansas, einem monochromen Landstrich. Ebenso wie im Original sind die Kansas-Szenen einfarbig gedreht, während Oz später eine Farbexplosion ist. Und ebenso wie im Original ist Oz eine extrem künstlich wirkende Welt. Das Plastikbunte des Originals wird gelungen und stimmungsvoll modernisiert: Auch hier Farbrausch und mit großartigen Animationen garniert, im Aussehen realistischer, aber durch die Fülle genau so märchenhaft.

Und es ist alles da: Es gibt eine Wirbelsturmsequenz, die irgendwo zwischen dem Original und einem Katastrophenfilm angesiedelt ist, es gibt einen Löwen im Wald, geflügelte Affen die noch gruseliger sind als im Original, Munchkins, rotes Zauberpulver, die böse Hexe des Westens wird dem Zuschauer durch ihre Wasser-Unverträglichkeit verraten und am Ende macht der Zauberer Geschenke. Es sind diese Kleinigkeiten, die das Fanherz höher schlagen lassen, ebenso wie der Name des Zirkus (Baum Bros.) und natürlich, dass Oz‘ Assistent in Kansas „Frank“ heißt.

Von einem, der auszog, ein Held zu werden und scheitert

Der Zauberer ist ein großer Betrüger, so viel ist auch im Original klar. Was er für ein Betrüger ist, mochte man sich kaum vorstellen, bevor man diesen Film sah. Oz ist selbstverliebt, gierig und selbstverliebt, ein Ekel, dennoch von James Franco sehr charmant gespielt. Der Film erzählt nicht nur die Geschichte des Landes Oz, er erzählt auch die klassische Geschichte des Schmierenkomödianten, der zum großen Entertainer wird.

Der Film erzählt keine Heldengeschichte, das ist seine Stärke und zugleich seine Schwäche. Es ist seine Stärke, weil er so die Kontinuität wahrt: Der Zauberer ist in „Der Zauberer von Oz“ kein Held, er ist immer noch ein Gauner, ein Zauberer-Darsteller. Es ist seine Schwäche, weil man in „Die fantastische Welt von Oz“ mit Oz nicht warm wird, wenn man das Original nicht kennt. Sympathie kann man ihm nur entgegenbringen, weil

a) die Schurkin des Films ein grandios durchtriebenes Biest ist, das ihm aus niederen Motiven (Machtgier) ans Leder will. Der Zuschauer hat Mitleid mit Oz.

b) seine Begleiter an ihn glauben. So wird auch der Zuschauer genötigt, an Oz zu glauben. Der Zuschauer hofft auf ein gutes Ende für die Nebendarsteller und wird gezwungen, an den Helden zu glauben.

Das Konzept wird gut umgesetzt, aber es ist nicht so stark wie die klassische Heldengeschichte. Sicher, Oz hat seine Momente, wenn er lernt, auf seine Fähigkeiten zu vertrauen. Insbesondere im Umgang mit dem Porzellanmädchen zeigt er menschliche Größe, aber zum Helden taugt er nicht. Er muss immer wieder gestupst werden. Oz ist ein Schurke, ein Illusionist. Ein guter Illusionist ist als Person nicht greifbar. Und so bleibt sein Status bis zum Ende des Films zweifelhaft.

Da wundert auch das Finale nicht. Oz entwickelt einen Schlachtplan und lernt, sich auf seine Fähigkeiten zu verlassen. Er manipuliert, nun zu guten Zwecken, und führt seine Magie vor. Er blendet die Bewohner von Oz, er blendet seine Gegner mit einem Feuerwerk und er blendet seine Gegner, aber er blendet seine Zuschauer nicht. Denn wie jeder gute Fantasy-Film mit tatsächlich magisch begabten Figuren kommt auch „Die fantastische Welt von Oz“ nicht ohne echtes Magie-Duell aus. Und hier wird Oz zur Randfigur, diesen Kampf müssen andere für ihn austragen. Wieder reicht es für Oz nicht zum Heldentum. Aber immerhin, das Hexenduell ist Gandalf-gegen-Saruman-tauglich.

Für Fans

Frank L. Baum wird das Problem gesehen haben, wie er den betrügerischen Zauberer in eine echte Welt der Magie einführen soll. „Die fantastische Welt von Oz“ erzählt die Geschichte plausibel. Dafür muss der Film in Kauf nehmen, dass sein Hauptcharakter an entscheidenen Stellen blass bleibt und nicht zum Helden taugt. Die Dramaturgie der Geschichte versucht es mit der Erklärung des Zauberers als Hoffnungsträger, als reines Symbol ohne Inhalt. Das funktioniert als Geschichte aber nur, wenn man „Den Zauberer von Oz“ bereits kennt und liebt.

Ich kenne und liebe den Zauberer von Oz. Ich freue mich dementsprechend über die Verneigung vor dem Original, die gelungene Modernisierung der Welt von Oz und die vielen wundervollen kleinen Ideen, die der Film bietet. Er ist ein phantastischer Rausch, zeigt eine sehenswerte märchenhafte Welt und er erzählt eine gute Geschichte – aber eine Geschichte, die nur als Teil der Gesamtgeschichte wirklich Spaß macht. Wer wie ich „Somewhere over the Rainbow“ unter der Dusche singt, ist mit diesem Film gut beraten. Wer das Original nicht kennt oder nicht mag, wird mit „Die fantastische Welt von Oz“ nicht viel anfangen können.

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8 Kommentare zu „Besprechung: Die fantastische Welt von Oz

  1. Ich hab den Film damals im Kino gesehen und kann dem hier Geschrieben zu 100 Prozent zustimmen. Der Film hat mir richtig gut gefallen. Gut ja, manchmal singe ich auch tatsächlich „Somewhere over the Rainbow“ vor mich her, aber das ist sicher nicht das einzige Kriterium. Die GEschichte an sich war sehr gut gemacht. Sie zeigt eben auch, dass der Zauberer kein wirklicher Held ist, erklärt aber vielleich auch ein wenig, warum er eben so ist, wie er ist. OZ-Liebhaber sollten den Film in jedem Fall versuchen 🙂 – Sü

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