Ich belobhudele meine Kolleg*innen ja immer wieder, deshalb muss ich etwas Wasser in den Wein gießen und mal so richtig ablästern … Nein, natürlich nicht, aber manchmal bringen sie mich aus der Fassung.

Ich habe euch ja einen kleinen Blick in meine Arbeit gewährt, Teil meiner Arbeit mit den Grundschulkindern ist eine Bibliotheksrallye. Zu diesem Behufe habe ich ein paar Bücher als Doppelausgabe erworben, in Folie eingeschlagen, gegen Diebstahl gesichert und sekretiert. Die Bücher wandern nur für die Rallye in die Kinderbibliothek und wohnen sonst in meinem Materialschrank.
Der Witz an den Büchern ist, dass sie durch die Folie fast wie Bestandsbücher aussehen. Die Kinder sollen es nicht zu leicht haben. Für Bibliotheksmitarbeiter sind sie aber auf den ersten Blick als „nicht unser Bestand“ erkennbar, weil sie keinen Signaturenaufkleber tragen. Und das bibliothekarische Auge ist auf Signaturetiketten getrimmt. Wenn ich vor einem Regal stehe, nehme ich instinktiv wahr, wenn sich ein Zoa (englischsprachige Romane) in die Zba-Regale  (deutschsprachige Romane) gemogelt hat. Wenn die Signatur ganz fehlt, die Bücher aber in Folie geschlagen sind, ist etwas furchtbar schief gelaufen.
Ich hatte an einem Montag die Bücher für den Besuch der Kinder am nöchsten Tag in der Bibliothek verteilt. Die Kinderbibliothek war schon komplett eingestellt, Montags haben wir keinen Kundenverkehr, also würde niemand mehr in die Kinderbibliothek gehen. Dachte ich. Die zuständige Kollegin, meine anbetungswürdige Chefin, wollte aber am Dienstagmorgen nach dem Rechten sehen, sah die Bücher, bekam einen halben Nervenzusammenbruch und begann, die Bücher zusammenzuklauben, während sie nebenbei lautstark nach dem Schuldigen für das Malheur fahndete. Als ich die Bühne betrat, bekam ich die Bücher von ihr überreicht. Ich war beeindruckt: Sie hatte alle neun Verstecke gefunden. Zwischenzeitlich hatten die Kolleginnen ihr erklärt, welche Bewandnis es mit den Büchern hatte. Entsprechend zerknirscht war die Chefin. Egal, habe ich die Bücher wieder dahin gelegt, wo sie hingehören.
Eine Woche später: Ich verteilte an einem Montag die Bücher in der Kinderbibliothek. Sie war noch nicht komplett eingestellt, die Chefin aber nicht im Haus. Also habe ich ihrer Vertretung Bescheid gegeben. Dummerweise begab es sich nun aber wie folgt: Die Kinderbibliothek wurde von unserer neuen Auszubildenden eingestellt. Sie hatte nur vier von neun Bücher gefunden, dann konnte eine Kollegin sie stoppen. Ich hatte ein Déjà-vu und den Schaden, die Auszubildende den liebevollen Spott der Kolleginnen und die Vorhersage meinerseits, sie werde eines Tages unsere neue Bibliotheksleiterin.
Nachmittags stand die alljährliche Datenschutzunterweisung an, zu der wir zu dritt antraten und Leben in die Bude gebracht haben. Die Bibliothek ist eben die fröhlichste Baracke der städtischen Einrichtungen. Dabei wollten wir nur beides: Freie Datenliebe und ungeschützten Datenverkehr präservieren. Und mein Lieblingskollege aus dem Wochenenddienst (Alias nach wie vor gesucht!), auf seine „neue Frisur“ angesprochen, erwiderte, er habe sich bloß die Haare nicht mehr richten können, weil er zu spät aufgestanden sei und die notwendige Zeit vor dem Spiegel nicht aufbringen konnte. Dann wäre er zu spät gekommen … Bei Veranstaltungsbeginn um 14 Uhr.

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Peter Pan war eines der Opfer der Aufräumwut der lieben Kolleginnen.
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8 Kommentare zu „Die lieben Kollegen

  1. Hihi….da der Mensch an sich nun mal voyeuristisch veranlagt ist: kööööööstlich dieser Einblick ( hüstel )….äh….wollte sagen….aaaaaaaaarmes Zeilenende Hascherl….wollt ich…..ähm….sag’n…..nä…..

    Folgende Frage trat beim lesen auf: hat sich der geneigte Leser beim sekretieren von Büchern etwas ekliges vorzustellen?

    Liken

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