Willkommen zu meinem freien Sonntag. Heute gibt es deshalb ein paar aktuelle Gedanken zur Welt als Gratisbeigabe zum denkwürdigen Brotbild der Woche.

Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, wie es hier weitergehen kann. Wie es überhaupt weitergehen kann. Paris, St. Denis, Bamako. Die Zeitungen und Nachrichten voll mit Fragen, wie es weitergehen soll. Angela Merkel auf dem CSU-Parteitag inklusive einer bösartigen Demütigung, ein Innenminister, der sagt, er wolle die Bevölkerung nicht mit der Wahrheit beunruhigen – und erreicht durch diese Aussage das, was er verhindern möchte. Es ist so, als sei die Welt aus den Fugen geraten.
Hat sich etwas geändert? Es sind Dinge geschehen, fürchterliche Dinge. Aber das Wichtige an den Anschlägen und der Angst ist: All das ist nicht aus heiterem Himmel geschehen. Die Attentäter in Paris haben nicht spontan und aus heiterem Himmel beschlossen, Terror in die französische Hauptstadt zu tragen. Das Risiko, Opfer eines Attentats zu werden, ist nicht plötzlich gestiegen, es ist uns nur bewusst geworden, wie hoch das Risiko ist.
Daraus folgt eine simple Regel, was jetzt zu tun ist: Stelle dir die Frage, welche Pläne du am Abend vor den Attentaten von Paris hattest. Setze sie um, unerachtet aller Ängste, in eine Menschenmenge zu geraten und potentielles Terroropfer zu werden. Geh zum Konzert, zum Fußballspiel, besuche den Weihnachtsmarkt.
Ein doppelter Einwand gegen diese Regel: Wie kann man bei so vielen Toten und so viel Leid weitermachen wie bisher? Wie Spaß haben, wenn so viel geschehen ist? Der Toten muss gedacht werden, aber nicht durch Verzicht. Wer sich dem Terror beugt, demütigt die Opfer der Terroristen. Sie sind gestorben, weil sie einen Lebensstil gepflegt haben, Spaß hatten, das Leben genossen. Es war keine persönliche Angelegenheit, nicht die konkreten Menschen waren das Ziel der Terroristen, sondern das, was sie getan haben, war das Ziel. Die Terroristen kämpfen gegen die offene Gesellschaft, die Möglichkeit selbst bestimmen zu dürfen was ein gottgefälliges (säkular gesprochen: glückliches und zufriedenes) Leben sei. Damit ergibt sich aus dem Gedenken an die Opfer auch die Antwort auf die zweite Frage: Um die Terroristen nicht gewinnen zu lassen, gilt es erst recht, Spaß zu haben.
Ich habe mich in den letzten Tagen gefragt, ob ich die Blogbeiträge veröffentlichen soll, die ich veröffentlicht habe. Soll ich über Filme, das Leben schreiben oder gar herumblödeln und mein Stück über den November veröffentlichen? Ja! Ich mache weiter wie bisher, lasse nicht zu, dass der Terror mein Denken beherrscht. Ich habe keine Angst, weil ich beschlossen habe, keine Angst zu haben. Ich will bei aller berechtigter Kritik an unserer Gesellschaft nicht dazu beitragen, sie kaputt zu machen. Angst ist ein schlechter Berater, denn Angst führt zu Kontrolle und Verboten, Kontrolle und Verbote schränken die Freiheit ein und jede Einschränkung der Freiheit in einer offenen Gesellschaft ist wie ein Schlag ins Gesicht dieser Gesellschaft. Die Terroristen wollen, dass wir uns selbst schlagen.
Es gibt politische und gesellschaftliche Konsequenzen aus den Attentaten, ja. Die Frage nach der Integration von Migrant*innen stellt sich ebenso dringlich wie die nach dem Umgang mit Radikalisierung sowohl unter Moslems als auch am rechten und am linken Rand des politischen Spektrums. Ich habe keine Antworten, wie man damit umgehen kann. Jeder einzelne von uns kann aber auch ohne Antworten Teil der gesellschaftlichen Konsequenzen sein, indem er oder sie das Leben lebt, das die Attentäter von Paris so verabscheuen. Damit entwerten wir ihre Tat.
Für mich heißt das: Ich werde noch ein paar Weihnachtsmärkte mehr in diesem Jahr besuchen als geplant. Ich werde in diesem Blog weiterhin Nachdenkliches schreiben. Wenn es mir in den Kram passt über Migration oder Terrorismus, sonst nicht. Vor Allem aber werde ich weitermachen wie bisher: Lustiges, Albernes, Alltägliches wann immer es mir einfällt. Das ist nicht pietätlos, im Gegenteil. Das ist die beste Möglichkeit, die Opfer von Paris und alle anderen Opfer des Terrorismus zu ehren.

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Und auch in dieser Woche bin ich nicht dazu gekommen, über Brotbacken als Meditation zu schreiben. Brotbacken macht Spaß, Brotbacken hat immer seinen Platz in diesem Blog, Brotbacken und darüber zu schreiben ist auch im Anschluss an Terror und Angst wichtig und richtig. Linkerhand ein Roggenbrot mit einem Quellstück aus Weichweizengries. Gries ist undankbar als Beigabe zum Teig, weil er klumpt, wenn er kalt ist. Nochmal mache ich das nicht. Rechterhand ein Weizen-Dinkel-Roggen-Restebrot mit Sojaflocken und diversen Körnern. Man könnte es auch ein Rumfort-Brot nennen. Sojaflocken sind ja ganz lecker, aber im Johurt besser als im Brot. Die Backeigenschaften sind wirklich nicht berauschend. Leider gab es das Zeug nur in einer großen Tüte. Wenn ich nicht immer wieder etwas verbacken hätte, müsste ich bis an mein Lebensende den Joghurt mit Sojaflocken anreichern. Jetzt ist die Tüte leer und ich bin frei. 🙂

Ein Kommentar zu „Vom Leben

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Wir dürfen auf keinen Fall auch nur minimal nachgeben und einknicken.

    Brotbacken ist auch viel zu wichtig, um auf eine ausführliche Berichterstattung zu verzichten. Also kein Gries im nächsten Brot…

    Schönen Sonntag noch!

    Liken

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