Ich habe versprochen, ein wenig über meine persönliche Begegnung mit A. zu erzählen. Und weil ich gerade hinreichend gut gelaunt bin das durchzustehen, schreibe ich es nieder.

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Ich blieb trutzig wie eine Burg.

A. gab sich wie immer. A. war freundlich, interessiert, zugewandt. Es war, als sei nichts zwischen uns vorgefallen. Das machte mich stutzig, kam mir aber entgegen. Ich hielt an meinem Vorsatz fest, mit A. keine privaten Dinge auszutauschen, höflich zu bleiben und ansonsten meine Arbeit zu erledigen. Und das funktionierte auch, zwei Stunden lang. Dann musste ich Schreibarbeit erledigen, ebenso wie A. Das war ein Problem, wir haben nämlich nur einen Raum, in dem man ungestört ist.
Ich war also auf engstem Raum mit ihr eingesperrt und ich spürte eine vertraute Spannung. Es war die Spannung, die immer in der Luft lag, kurz bevor A. einen mittelschweren Gefühlsausbruch bekam. Ich überging das unausgesprochene Redebedürfnis. Wenn es etwas zu sagen gab, sollte sie es sagen, aber Ermunterung durfte sie von mir nicht erwarten. Also schrieb ich weiter. Und siehe da, es kam ein „Es tut mir leid.“ Aber was ihr leid tue, dazu sagte sie nichts. Ich fragte A. danach. „Das alles.“ Ja, das alles. Eine beliebte Phrase, die immer dann eingesetzt wird, wenn man nicht weiß, was falsch gelaufen ist. Damit war das Thema erledigt. Ich sagte dazu nichts. Wenn ich A. erklärte, was sie eigentlich gesagt hatte, dann käme eine Entschuldigung, sie würde Besserung geloben und am Ende würde alles so bleiben, wie es war. Das haben wir einmal zu oft versucht.
Am zweiten Tag war A. in Jammer-Laune. Sie fühlte sich überfordert, bekäme ihre Arbeit nicht hin, man lege ihr Steine in den Weg, niemand hielte sich an Absprachen. Ich war in ihren Augen wieder der geduldige Zuhörer, dem sie ihr Herz ausschütten könne, der sie bestärken soll. Aber das tue ich nicht mehr. Keine Ratschläge, kein Verständnis. Ich gebe zu, ich war ein ziemlicher Arsch: „Ich weiß, also alles wie immer.“ Die Empathie hatte ich daheim gelassen, aber ich lasse mich nicht als seelischer Mülleimer missbrauchen. Jammerei ist eine von A.s Lieblingsbeschäftigungen. An den Zuständen, die ihr Anlass zur Jammerei bieten, mag sie aber nie etwas ändern, egal was ich sage.
Dann hatte A. das Bedürfnis, sich nach meiner Jobsuche zu erkundigen. Sie hatte allerlei Ratschläge zur Hand, wies mich aber auch darauf hin, dass es keine Jobs gäbe, in denen man nicht bis zur völligen Erschöpfung schuften müsse. Und weil ich gerade ohnehin gemein war, sagte ich bloß: „Das ist eine Frage der Prioritäten und der Selbstorganisation.“ Damit war auch dieses Thema beendet. Ob sie Recht hat oder nicht, sei dahingestellt. Ich habe bislang auch an ihrer Arbeitsstelle die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht zu Tode schuften muss und dennoch Anerkennung von der Chefetage bekommen kann. Alles Weitere ist Tabu-Thema. Ich will kein Lob mehr dafür, dass ich eine Bewerbung an einen renommierten Arbeitgeber geschrieben habe. Das ist eine Bewerbung und noch lange keine Jobzusage.
Meine Befürchtungen hatten sich insgesamt bestätigt: A. hat immer noch nicht begriffen, was sie eigentlich gesagt hat. Es ist aber angekommen, dass ich keinerlei privaten Kontakt mehr wünsche. Zaghafte Versuche ihrerseits wurden durch Schweigen im Keim erstickt. Ja, ich weiß, dass man Konflikte aufarbeiten und für klare Verhältnisse sorgen sollte. Im Falle von A. bedeutet „über etwas reden“ aber, dass man ein Gespräch beginnt, das A. endlos fortsetzt. Also habe ich als Option nur, der Arsch zu sein.
Der Umgang war insgesamt in Ordnung, aber die Nachricht ist noch nicht nachhaltig angekommen. A. legt meine Höflichkeit, mit ihr zu reden, offenbar als Möglichkeit aus, mit mir im Gespräch zu bleiben. Das bezeugen gleich mehrere SMS, die seit Freitag Abend bei mir eingegangen sind. SMS mit Fragen, zu unserer nun vergangenen Freundschaft, zu diesem und jenem. Fragen, auf die sie die Antworten kennt oder zumindest kennen sollte, weil sie schon einmal Thema waren. Und weil ich ein mieser Kerl bin, kriegt sie keine Antwort. Dafür darf dieser Beitrag sich wohl über eine Fortsetzung freuen.

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11 Kommentare zu „Immer dieselbe Leier

  1. Es gibt Menschen, die unter Freundschaft (oder mehr – das prob hattest Du mit A. ja) verstehen, dass man einen permanent-Zuhörer hat. Ich kenne solche Menschen zuhauf, und auch ich distanziere mich seit langem davon, stets nur ausgenutzt zu werden. Diese Menschen bringen einen nicht weiter, sie haben – empathielos ausgedrückt – keinen intelektuellen Nutzen für nix und niemanden. Sie sind so mit sich selbst beschäftigt und wollen stets nur ihren Weg mit Verständnis gepflastert wissen. Beim Geben und Nehmen in einer Freundschaft nutzen sie sehr einseitig das Nehmen. Es gibt einfach Menschen, denen man hier und da begegnet, hinter die man einen Schlußstrich ziehen sollte. Ich kann nur sagen, seit ich das mache, geht es mir mental besser. Darüber reden führt mit solchen Menschen lediglich zu einem langen Monolog, und Du wirst wieder in die Zuhörerecke verdrängt…..

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    1. Ja. Und diese Menschen sind davon überzeugt, dass sie absolut selbstlos und nicht egoistisch, sondern immer und ausschließlich für andere da sind. Und das fiese: Man glaubt diesen Menschen, weil sie die halbe Wahrheit so überzeugend als ganze Wahrheit ausgeben.

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  2. Als Außenstehender soll man ja keine Rat-schläge geben, im besten Falle im Gespräch das Gegenüber auf eigene Ideen kommen lassen….aber ich finde es gut wie Du für DICH diese Klarheit hast und diese auch konsequent an den Tag legst. Das tut Dir offensichtlich gut und ( vermutlich ) auch dem(r) Gegenüber….wenngleich es beim Gegenüber meist etwas länger geht bis es angekommen ist bzw. akzeptiert werden kann 🙂

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    1. Ratschläge sind gefährlich, ja. Und dummerweise habe ich meistens ganz schnell einen zur Hand, weil ich Probleme als Herausforderung begreife, die es zu lösen gilt. Die Konsequenz ist für mich deshalb manchmal anstrengend. Deshalb danke für die netten Worte. 🙂

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  3. Wir kennen auch noch ein paar Personen aus unserer Vergangenheit, die uns lange Jahre zum Abladen ihrer seelischen Abgründe benutzt haben. Irgendwann ändert sich das, dann besteht die Freundschaft weiter, oder halt nicht. Aber deswegen ist man kein Arsch, es ist einfach nur eine harte und somit unangenehme Entscheidung. Gut gemacht!

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