Heute: Sex-Rezepte.

„Zeilenende?“

„Ja, Seamus?“

„Ich bin ganz arg doll krank.“

„Lass mich raten: Du hast einen Hirntumor. Das würde viel erklären.“

„Nein, du Doofie. Du bist mein Hirntumor …“

„Dann hast du ganz doll Husten und brauchst jetzt heißen Honig mit einem Tropfen Milch.“

„Die Milch kannst du weglassen, auch wenn ich keinen Husten hab.“

„Dann weiß ich nicht.“

„Ich auch nicht. Aber offenbar gibt es Krankheiten, gegen die Geschlechtsverkehr hilft.“

„Ich dachte immer, es gibt Krankheiten, die einen vornehmlich beim Geschlechtsverkehr treffen.“

„AIDS, Tripper, Syphilis und Hepatitis kann man sich durchaus auch auf anderen Wegen …“

„Ich meinte eher sowas wie den legendären Penisbruch von Dieter Bohlen.“

„Du bist so vulgär, Zeilenende.“

„Du hast mit dem Sex angefangen.“

„Und gleich unterstellst du mir, ich hätte dich damit belästigt und schwupps, habe ich eine Klage wegen sexueller Belästigung am Hals.“

„Manchmal bist du nicht so blöd, wie du ausschaust, Bär. Wenn dieses Gespräch in die falsche Richtung läuft, erwäge ich es. Danke für den Tipp.“

seamus29

„Zurück zum Eigentlichen. Ich bin krank. Ich will Sex auf Rezept dagegen.“

„Du hast doch noch nicht einmal einen Pe …“

„Woher weißt du, was ich habe und was nicht?! Und selbst wenn … Du willst mir doch nicht erzählen, dass du nicht wüsstest, wie das auch anders geht.“

Das Zeilenende wird rot.

„Jedenfalls, Zeilenende, habe auch ich Bedürfnisse. Ich möchte Zärtlichkeit. Und weil du mir das verweigerst, will ich das auf Rezept, so wie das diese Grüne gefordert hat.“

„Zärtlichkeit auf Krankenschein? Ich dachte Sex.“

„Gibt es da einen Unterschied?“

„Ich kann mir nichts vorstellen, was verschiedener voneinander ist. Aber das war nicht das Thema, oder? Was hast du schon wieder gelesen?“

„Also, da ist so eine Tante von den Grünen, die will, dass man zum Beispiel Behinderten oder alten Menschen Sex verschreibt, damit sie auch in ihren speziellen Situationen Bedürfnisse ausleben können.“

„Weil sie beide Hände verloren haben?“

„Du bist so ein Prolet, Zeilenende. Es geht um das Gemeinsame. Und dafür soll es dann zertifizierte Dienstleisterinnen geben.“

„Innen oder *innen?“

„Ist doch wurscht. In den Medien geht es um Dienstleisterinnen.“

„Chauvinistisches Pack, das Patriarchat lebt weiter.“

„Spar dir deine linken Reflexe, Zeilenende, es geht hier um mich.“

„Du hast also Bedürfnisse. Und warum, Bär, lebst du sie dann nicht aus?“

„Weil …“

„Ja?“

„Ach … Naja, weißt du …“

„Drucks nicht so rum!“

„Also, ich kann doch nicht zu einer Prostituierten gehen, weil ich dann Sex kaufe und die Frau zum Objekt degradiere, ihr die Würde raube und so … Aber wenn meine Krankenkasse mich zu einer Prostituierten schickt, mir Sex kauft, dann degradiert die Kasse die Frau zum Objekt, raubt ihr die Würde uns so …“

„Also sind die Grünen jetzt gegen Prostitution, es sei denn, die gibt es auf Rezept?“

„Du siehst das zu eng. Es geht vielmehr darum, dass Bedürfnisse sich doch irgendwie in Regeln ausdrücken lassen müssen. Immer nur verbieten ist doch blöd. Manchmal muss man auch Dinge erlauben. So wie Sex. Oder Zärtlichkeit. Den kann man sogar verordnen. Ist doch klasse!“

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28 Kommentare zu „Auf eine Zigarette mit Seamus O’Bär (8)

    1. Also vom Prinzip her ist Nudging sehr viel perfider und erspart einem manche lästige Diskussion, die man mit einem Verbot bekäme. Wobei bei den Grünen hierzulande eh gilt: Egal was sie vorschlagen, es ist erst einmal gutmenschlich böse. Selbst wenn die freien Waffenbesitz fördern würden, gäbe es noch einen Aufschrei, wette ich.

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  1. Seit wann steht eine Grüne für das Patriarchat? 😛
    Ich fands auch lustig, welche Gehirnverrenkungen da wohl stattgefunden haben müssen, um einerseits Prostitution abzulehnen, andererseits Sexdienstleisterinnen – und ja, es ging nur im diese, alles andere existierte wohl nicht für die gute Grüne ^^ – zu befürworten. XD

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    1. Dafür ist gar keine Gehirnverrenkung nötig. Ich finde es eher traurig, dass ihr dieser Widerspruch nicht aufgefallen ist. Denn dann hätte sie ihre Position deutlicher machen können. So unsinnvoll ist der Vorschlag nämlich gar nicht, aber ich hab bei der Art und Weise, ihn zu befeuern, Pickel bekommen.

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      1. Du, ich finde es auch prinzipiell nicht verkehrt, aber: Was ist mit männlichen Homosexuellen? Was mit Frauen?

        Und wie will man das einerseits per Dienstleister für „kranke“ erledigen, gleichzeitig aber Horst Hempel von nebenan dafür verknacken, dass er zu ner Professionellen geht? Das ist für mich halt verlogen, heuchlerisch und ja, auch empathielos. Einerseits ein elementares Bedürfnis anzuerkennen, dann aber per Dekret darüber entscheiden, wer sich das erfüllen lassen darf, das geht gar nicht.

        Ich wäre ja für eine staatliche Regulierung im Sinne von: Nur mit Genehmigung und Erfüllung strenger Hygienevorschriften ist das Gewerbe erlaubt. Aber gut, mit Wenns würd ich Paris in ne Buddel packen…

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        1. Zumindest für Frauen ist gesorgt. Da kenne ich einen Fall. Grundsätzlich gilt: Es wäre wünschenswert, wenn für alle ein entsprechendes Angebot besteht, aber du kannst niemanden dazu zwingen, das auszuüben. Solange die Möglichkeit besteht, dass mir so etwas angeboten wird, läuft das unter allgemeines Lebensrisiko. Ist wie bei manchem Therapieplatz. Das Angebot ist knapp.
          Aber ja, genau den Widerspruch sehe ich auch betreffend Horst Hempel. Zumindest grundsätzlich. Praktisch bestehen da noch andere Probleme, die Roe angesprochen hat. Die Prostitution ist erbärmlich unterkontrolliert.

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          1. Hm, aber ich denke, es wird zahlenmäßig deutlich seltener sein. Und um Himmels Willen, nein, ich will niemanden zwingen! Im Gegenteil, es wäre im Interesse aller, wenn nur diejenigen diesen „Beruf“ ausüben, die das auch möchten. Und dabei auch die Möglichkeit haben, zu sagen: „Nein, diesen Kunden mag ich nicht bedienen“.
            Natürlich hast du recht, das mit Therapieplätzen zu vergleichen, ich denke, das könnte gut hinkommen, erst recht, wenn man nur diejenigen berücksichtigt, die es freiwillig tun.

            Stimmt, das wurde schon angesprochen. Und ja, es ist tatsächlich zu wenig Kontrolle dabei, velleicht auch, weil Schmiermittel fließen, wer weiß das schon? Aber im Grunde bleibe ich dafür: Solange es freiwillig und einvernehmlich zwischen Erwachsenen geschieht, hab ich nichts dagegen. Und ob man für ne Nummer zahlt, oder sich halt einen reichen Typen (geschlechtsneutral) angelt, der einen dann zumindest indirekt für Sex bezahlt, was aber vollkommen legal ist, seh ich kaum Unterschiede.

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  2. Erst vor ein paar Tagen habe ich bei WDR 2 in den Kabarett-Podcasts einen Beitrag zu genau diesem Thema gehört, bei dem die berechtigte Frage gestellt wurde, ob das auch für Frauen (als Empfängerinnen der Dienstleistung) zähle…

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  3. Gehört habe ich von dem Thema schon viel früher, lange bevor die Grünen das auch mal gerafft haben. Ich finde es schon interessant.
    Man könnte natürlich sagen ‚Nunja, aber das zahlen ja dann alle und lebensnotwendig ist es nicht.‘ Theoretisch. Praktisch kann körperliche Nähe und Zärtlichkeit aber helfen, Krankheiten [besser/schneller] zu heilen und fördert auf jedenfall die mentale Gesundheit.
    Es gibt ja auch diese Geschichte des Kaisers, der die Ursprache erforschen wollte. Mir ist aber nicht klar, ob das wirklich bewiesen ist…

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    1. Das unterschreibe ich!

      Die Idee klingt vielleicht skurril, und man mag ihr auch sarkastisch begegnen. Zumindest, wenn man das ganze auf Sex beschränkt. Davon würde auch ich – nach wohlgemerkt reiflicher Überlegung – wohl keinen Gebrauch machen. 😉

      Aber „körperliche Nähe und Zärtlichkeit“, die tatsächlich hilfreich sein können, sind da schon wieder ganz andere Dinge. Welche man im Übrigen – aus eigener Erfahrung – als Behinderter tatsächlich nicht im Überfluss bekommt! 😉

      Ob man DIE dann in Anspruch nimmt, ist WIEDER eine andere Sache. 🙂

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    2. Ich finde es nicht nur interessant, grundsätzlich finde ich die Idee sogar gut, wenn auch unglücklich „inszeniert“. Es wirkt nämlich tatsächlich, die Betroffenen sind um ein vielfaches ausgeglichener. Das senkt u. A. das Agressionspotential.
      Was mich stört ist die Vorstellung, wir können alles mit Verordnungen und Verboten lösen. Das führt dann zu solchen (Schein?-)Widersprüchen wie zwischen der grünen Position zu Prostitution und anderen Formen der Sexarbeit.

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      1. Es geht nicht darum, es mit Verordnungen und Verboten zu „lösen“, sondern zu lenken.
        Ein eingeschränkter Mensch kann auch heute schon jemanden treffen, denn Sexarbeiter, die auf dieses Thema spezialisiert sind, gibt es schon. Die Frage für diese Menschen ist, ob man ein Anrecht darauf hat, sprich ob es allgemein finanziert werden sollte oder nicht. Wer sich in so einer Position befindet, bezieht meistens bereits Geld vom Staat und das reicht nunmal nicht, um die Kosten zu decken.
        Und generell die Prostitution/Sexarbeit zu überprüfen, halte ich in Anbetracht steigenden Menschenhandels und Ausbeutung nicht für schlecht.

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        1. Dochdoch … Es geht genau darum: Es wird ein Problem definiert, das es mittels einer Verordnung zu lösen gilt. Der Zugang zu dem Problem wird aber reglementiert, es wird genau definiert, wer bezahlten Sex haben darf und wer nicht.
          Die Grünen stehen zwar nicht für ein Total-Verbot der Prostitution (zumindest nicht insgesamt), aber aus herrschaftskritischer und patriarchartskritischer Sicht müssten sie sich eigentlich für ein Verbot einsetzen. Deshalb kann die Idee auch neben einer möglichen Forderung nach Prostitutionsverbot stehen bleiben, der Widerspruch liegt nur bei mir.
          Der Punkt ist jedenfalls, dass erst die Definition als Krankheit (das bedeutet Sex auf Rezept) es erst möglich macht, Sexarbeit ohne schlechtes Gewissen in Anspruch zu nehmen. Es löst das Problem auf, dass man für Sex zugleich bezahlen darf und nicht, indem man in gut und schlecht unterscheidet.

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      2. Dem Gedankengang mit „gut“ und „schlecht“ kann ich weiterhin nicht folgen.
        Weil krankenkassengekaufter Sex moralisch besser ist, als selbstgekaufter Sex?
        Das Grundproblem des Menschenhandels/der Ausbeutung in der Prostitution besteht ja dennoch auch weiterhin? Egal ob dir einer „Sex verschreibt“ oder nicht…

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        1. Krankenkassengekaufter Sex ist gut, weil er gegen eine Krankheit hilft. Selbst gekaufter Sex ist schlecht, weil er der Ausbeutung der Frau dient. Dass gekaufter Sex gekaufter Sex bleibt, spielt keine Rolle mehr, weil die Verordnung ein Problem der zweiten Logik löst. Die Verordnung befreit den Aspekt vom Makel der Käuflichkeit.
          Das Problem Menschenhandel besteht weiterhin. Das ist für diese Logik aber irrelevant.
          Nichtsdestotrotz ist es ein Problem. Aber eben eines, das sich so nicht in den Griff bekommen lässt. Das ist sowieso ein anderes Thema, dessen Vermengen mit dem Prostitutions-Komplex ich für problematisch halte. Menschenhandel und Sklaventum gibt es auch in anderen Bereichen. Wenn man es mit der Durchsetzung der Menschenwürde auf dem Feld ernst meinte, müsste man mehr tun, als sich auf Einzelfälle zu beschränken. Auch wenn dieser spezielle Einzelfall der Haupt – Einzelfall ist.

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      3. Also ich persönlich finde nicht, dass krankenkassengekaufter Sex besser ist, als selbstgekaufter. Gekauft ist gekauft. Das entbehrt nunmal jeglicher Romantik und wird zur Dienstleistung, fertig. Und in beiden Fällen kann Ausbeute dahinterstecken. Für mich ist beides „gleichschlecht“. Mir geht’s bei dem Aspekt des krankenkassengekauften Sex eher darum, wer dafür bezahlt. Denn wie gesagt: Wer das Geld hat, kann sich ja auch heute schon Sexarbeiter „kaufen“…

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  4. Werde die merkwürdigen Windungen nie nachvollziehen können, die Menschen eingeben, dass es eine gute Idee ist so etwas wie Prostitution, egal aus welchem Grund, weiter zu fördern. Wobei, die wollen das ja alle, die guten ‚Damen‘. Ist ja legal und Herzenswunsch einer jeden in diesem ‚Job‘ zu arbeiten … da kann man ihn auch weiter ins staatliche System integrieren.

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    1. Sextherapie ist eigentlich keine Prostitution. Die Leute, die ich kenne, die so etwas machen, kommen aus dem pädagogischen und pflegerischen Bereich. Die tun das tatsächlich gern, hätten ihre Alternativen.
      Das Problem ist für mich dabei mehr, dass dieser Vorschlag ein Versuch ist, das menschliche Triebverhalten per Verordnung zu kontrollieren. Und dafür bin ich bei aller Sympathie für die Idee zu liberal, um den genannten Widerspruch, dass es offenbar guten käuflichen Sex und schlechten käuflichen Sex (das ist ja letztlich mehr als Coitus) geben kann, nicht anzutippen.

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      1. Als ob es da bleiben wird … das finde ich wiederum etwas blauäugig gedacht. Es werden nicht alle gutausgebildet mit Weltverbesserungsgedanken dort angestellt sein. Gerade bei dem Thema habe ich schon einige Erfahrungsberichte von ‚Betroffenen‘ vor allem von der dienstleistenden Seite gelesen. Dass sich da etwas grundlegend ändern könnte … ich bezweifle es stark.

        Der von dir angesprochene Aspekt natürlich mal außen vor. Was ist mit geistig Behinderten, die ihre Wünsche nicht klar ausdrücken können? Verordnet man denen dann das Mindestmaß an Triebentlastung, um auf der sicheren Seite zu sein? Abstruse Idee, von meiner Sicht aus.

        Dass es ‚guten käuflichen Sex‘ gibt, wage ich in 99,9% der Fälle zu bezweifeln. Aber das ist ein anderes Thema.

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        1. Es könnte so bleiben, wenn man den „Sextherapeuten“ zur Qualifikation macht, der an gewisse Zugangsvoraussetzungen geknüpft ist. Und den man vorweisen muss. Müsste restriktiv gehandhabt werden. Ob das klappt, du siehst auch mich zweifeln.
          Was geistig Behinderte angeht: Das gibt es bereits. Ist idealerweise eine Einzelfallentscheidung im Team nach langer und sorgfältiger Beobachtung, gern auch mit externer Konsultation. Man braucht da schon Fingerspitzengefühl.
          Was die Qualität des käuflichen Sex angeht, kann ich mich hingegen nicht verbreiten. Das maße ich mir auch nicht an, für andere zu entscheiden, weil Sex eine doch sehr persönliche und zuweilen skurrile Angelegenheit ist.

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