Story gelungen, Hauptfigur scheiße? So in etwa lässt sich zusammenfassen, worauf am heutigen Montags-Dienstags die Frage vom Buchfresserchen zielt. Das hat mich nachhaltig ins Grübeln gebracht, denn normalerweise nehme ich das Gesamtpaket wahr – und nervtötende Hauptfiguren sind mir noch nie untergekommen.

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Sicherlich, es gibt nervige Charaktere, aber diese erfüllen für gewöhnlich ihren Zweck, indem ihre Nervigkeit die Geschichte vorantreibt und die Charaktere selbst zu einer Entwicklung bringt. Die bleiben in den meisten Fällen eben nicht statisch. Wer aufmerksam diesen Blog liest, dem ist allerdings womöglich aufgefallen, dass meine beiden Besprechungen zur Taberna Libraria insbesondere an den beiden Hauptfiguren kein gutes Haar lassen. Zur Erinnerung: Die Geschichte selbst war auch zum Weinen schlecht, lediglich die erschaffene Welt hatte ihren Reiz und genug Freude gemacht, sich ansonsten durch dieses Machwerk zu quälen.

Ich will mich nicht groß wiederholen, aber es gibt ein paar Charaktereigenschaften, die mir die Lektüre verleiden können. Es hängt wie gesagt immer davon ab, wozu eine Figur ge- oder missbraucht wird, um eine Geschichte zu erzählen. Ich kann deshalb nicht sagen: Das Buch lese ich nicht, weil der Hauptcharakter ein depressiver Veganer mit militantem monogamem Weltbild ist und ich solche Charaktere nicht leiden kann. Manche Charakterzüge sind aber nur schwer verdaulich:

Insbesondere Frauen, in letzter Zeit aber verstärkt auch Männer in den 20ern mit Identitätskrise, die sich in völligem Mangel an Entscheidungskompetenz ergehen, sich durchs Leben treiben lassen und jedes Angebot, dass man ihnen sagt wo es lang gibt, gern annehmen (Paternalismus-Opfer).

Sämtliche „Ich würde aus Liebe alles tun und folge dir bis ans Ende der Welt“-Charaktere, genau genommen: Sämtliche impulsiven Charaktere, die sich auf die Befolgung eines Gefühls beschränkt haben. In der Regel ist das Liebe.

Altkluge Kinder sind in den meisten Fällen auch eine Qual, weil sie nur dem Namen nach Kinder, aber vor Allem altklug sind. Die Ambivalenz solcher Charaktere wird in den seltensten Fällen ausgeschöpft.

Charaktere, die alles dafür tun, um einfach nur gemocht zu werden. (Anbiederung)

Starke, unabhängige Charaktere in unpassenden historischen Settings (mittelalterliche Feministinnen, Renaissance-Hausmänner, emanzipierte Homosexuelle in den 1950ern, tbc.)

Moralisch einwandfreie Charaktere, egal ob sie sich ihrer Heiligkeit bewusst sind und wie eine Monstranz vor sich hertragen oder einfach bloß sind wie sie sind, ohne böse Absichten, fiese Hintergedanken, schlechte Vorurteile und das alles ohne die geringste ironische Brechung in der Geschichte.

Die Steigerung des Ganzen: Der selbstgerechte Charakter. Der hat womöglich solche ‚negativen‘ – ich würde sagen: menschlichen – Aspekte, übergeht sie aber einfach oder integriert sie durch Verdrehung zu einem Teil seiner moralischen Sauberkeit.

So viel zu mir. Ich kann von Glück sagen, dass mir zu diesen Horrorgestalten zumindest spontan keine konkreten Romanfiguren einfallen. Kennt ihr vielleicht Charaktere, auf die die meine Beschreibungen passen? Oder habt ihr eigene No-Gos, was Buchfiguren angeht? Lasst mich an euren Gedanken teilhaben!

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4 Kommentare zu „Montagsfrage: Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

  1. Deine Liste passt schon ziemlich gut, denn genau diese Arten von Charakteren mag ich auch nicht. Bei mir könnte man noch ergänzen, dass Charaktere, die permanent naive (=unsinnig dumme) Entscheidungen treffen, ebenfalls einen starken Widerwillen in mir auslösen.

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    1. Ich vermute ja fast, wenn man ne Plagiats-Software drüber laufen ließ, würde man Passagen aus Leitfäden zum Kreativen Schreiben, Abteilung „So nicht“ finden. In den diversen Antworten zur Montagsfeage findet sich nämlich immer das gleiche Muster. Und den naiven Charakter habe ich glatt vergessen. Danke für die Ergänzung.

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  2. Deiner Liste kann ich kaum was hinzufügen 😀
    Höchstens noch Charaktere, die dauerhaft unlogisch handeln. Und zwar so auffällig, dass man ihnen schon Absicht unterstellen könnte.
    Oder Charaktere, die immer nur auf Stress aus sind und sich mit allem und jedem anlegen. Weil Baum.

    Gerade solche Charakterzüge sind eigentlich perfekt für den Anfang und bieten eine Super Grundlage für eine gute Charakterwandlung. Aber wenn die einfach nicht stattfindet, nervt so ein Char dann doch sehr. 🙂

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