Lesung: Rufus Beck – Garp und wie er die Welt sah

Rufus Beck beschloss unser Literaturfestival mit einer Lesung aus „Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving. Nach zwei Wochen, vollgepackt mit großartigen Veranstaltungen, brannte ein letztes Mal ein Feuerwerk der Unterhaltung ab. Und ich habe lediglich vier Monate gebraucht, um den Artikel zu veröffentlichen. Der ist mir immer wieder durchgerutscht. Aber an die Lesung kann ich mich immer noch erinnern. Deshalb muss der Artikel veröffentlicht werden.

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Montagsfrage – Film zum Buch

Das Buchfresserchen lädt heute im Auftrag von BuboBubo zur Montagsfrage ein. Das Thema scheint mir von einer Challenge inspiriert zu sein, denn BuboBubo hat sich vorgenommen, die Bücher zu den Star-Wars-Filmen zu lesen. Weil es mal eine interessante Umkehrung der Frage ist, wohlan: Was gibt es zu Büchern zu sagen, die nach Filmen entstehen?

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Blogparade: Best On-Screen/Page Chemistry

Die singende Lehrerin, per Akklamation „Königin der Blogparaden“, hat uns aufgerufen, bis zum Valentinstag die besten Paare aus Literatur, Film und Serie aufzulisten. Einzige Bedingung: Liebe darf nicht im Spiel sein – oder zumindest keine gegenseitige Liebe … Oder keine sexuelle Beziehung. Oder … Ach … Lest selbst.

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Newt Scamander – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Ich habe euch ja versprochen, hier wird auch noch das zweite kleine Büchlein besprochen. Das reimt sich und was sich reimt ist immer gut.

Der direkte Vergleich hat diesem Werk aber leider nicht gut getan. Ohne Zweifel, für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind gilt allgemein das Gleiche, was ich bereits zu Quidditch im Wandel der Zeiten geschrieben habe. Davon abgesehen, dass ihr mit dem Kauf Comic Relief unterstützt und interessante Hintergrundinfos zur Harry-Potter-Welt liefert, ist es wie immer lustig geschrieben und spielt mit der Muggel-Welt, auf die immer mal wieder Bezug genommen wird, die uns aber ein wenig verfremdet präsentiert wird.

Joanne K. Rowling beweist insgesamt wieder einmal ihre große Phantasie, wenn sie uns endlich darüber aufklärt, was es mit den Kornkreisen auf sich hat (nix Außerirdische, ihr lieben Leute, das sind tanzende Mondkälber), dass Feen zwar wirklich hübsch anzusehen, dafür aber auch extrem eitel und gar nicht lieb sind, dass es auch in der Zaubererwelt Probleme mit Drogen (vom ohnehin grassierenden Alkoholismus abgesehen) gibt und wir bekommen ein großes Panorama der unterschiedlichen Drachen präsentiert. Darüber hinaus gibt es eine kurze Geschichte des Verhältnisses von Zauberern zu Zauberwesen und Tierwesen und man erfährt, dass Geister auch in der Zaubererwelt ganz schöne Quälgeister sind, denn als Gewesene kann man kein Wesen mehr sein. Nachvollziehbar, gell? Zusätzlicher Pluspunkt: Auch wenn es wieder mal eine Ausgabe für Muggel ist, handelt es sich hierbei um die von Harry Potter, die Albus Dumbledore hat nachdrucken lassen, inkl. der Kommentare Harrys und Rons. Die beziehen sich zwar nur auf in der Romanreihe aufgetretene Tierwesen, aber gleich unter „Acromantula“ an Rons Spinnenphobie erinnert zu werden hat zumindest bei mir für die richtige Lesestimmung gesorgt.

Die Anlage des Ganzen als Lexikon trübt den Schmökerspaß allerdings ein wenig. Durch die Normierung der Einträge tun sich schon einmal Ungereimtheiten auf. Davon abgesehen, dass es zu meinem Erstaunen im asiatischen Raum nur eine Drachenart gibt (ich hätte dort die größte Artenvielfalt erwartet), hat dieses Werk nämlich zwei inhaltliche Schwächen:

Erstens operiert es mit einer Einteilung der Tierwesen nach Gefahrenklassen. Das kennen wir aus dem Potterversum, wie es genau funktioniert und wie die einzelnen Spezies klassifiziert sind, war hingegen nur bruchstückhaft bekannt. Das war auch besser so, denn konsistent erscheint es mir von der Beschreibung mancher Spezies nicht zu sein. Sie werden als gefährlicher kategorisiert als sie es der Beschreibung nach sein dürften – aber vielleicht habe ich auch nur zu viel Zeit mit Hagrid verbracht. 😉

Zweitens geht es in dem Buch um Tierwesen. Allerdings um phantastische, bzw. magische. Newt Scamander weist uns darauf hin, dass es eine Aufgabe der magischen Welt ist, diese vor den Muggels zu verbergen, wenn sie es nicht selbstständig tun. Manchmal allerdings fragt man sich, wieso ein Tierwesen ein phantastisches sein soll. Wir kennen das ja bereits von den Flubberwürmern, die in Hagrid so große Begeisterung ausgelöst haben. Keinerlei magische Eigenschaften, sind einfach große Würmer. Statt die Gelegenheit zu nutzen, ihnen in diesem Bändchen zumindest eine Spur magischer Fähigkeiten zu verleihen, bleiben sie einfach riesige Regenwürmer, deren magischen Fähigkeiten offenbar nicht vorhanden sind. Ähnliches gilt für einige andere Wesen, wie den Lobalug, der zwar als gefährlicher gilt, weil er giftig ist, aber das war es dann auch schon.

Ich bin, um von der inhaltlichen auf die gestalterische Ebene zu wechseln, mit der Optik der Bücher schon hart ins Gericht gegangen: http://wp.me/pPQYt-1b – Das gilt alles auch für diesen Band. Der Drache auf dem Cover ist plump, sein Zähnefletschen verbindet sich mit einem Blick tiefster Verunsicherung und insgesamt sieht es doof aus. Als alter Dungeons & Dragons Spieler hätte ich gehofft, dass der Carlsen-Verlag sich ein Vorbild am Monster Manual genommen hätte, das hätte die trockenen Beschreibungen ein wenig aufgelockert. Natürlich kann man einen Eindruck von den Tierwesen bekommen, wenn ihr Äußeres beschrieben ist, doch die Beschreibungen sind notwendigerweise immer zu kurz und in der Masse irgendwann ermüdend. Jeder Eintrag mit einem gut und realistisch gezeichneten Portraitbild versehen, daneben ein Steckbrief und dann der Infotext – vielleicht sogar als Hardcover-Bändchen gestaltet, da hätte mein bibliophiles Herz gejubelt. Und dann hätte es Klaus Fritz auch verziehen, dass Newt Scamander hin und wieder wie in den Erstausgaben „Lurch Scamander“ hieß.

Das ist zugegebenermaßen Nörgelei auf hohem Niveau, deshalb gilt auch hier, was ich bereits zu Quidditch im Wandel der Zeiten schrieb:

Aber das sind natürlich nur Marginalien, das kann das Vergnügen beim Abtauchen in die Welt von Winkelgasse, Askaban und St. Mungo’s bei Weitem nicht aufwiegen, von daher: Kauft, ihr magisch Begabten, die ihr auch am Ende eures vierten Schuljahres sehnsüchtig auf die Eule gewartet habt – oder euch gewünscht hättet, dass sie aufgetaucht wäre, weil ihr schon zu alt wart, als ihr verzaubert wurdet.

Kennilworthy Whisp – Quidditch im Wandel der Zeiten

Ich bin ein ziemlich großer Hogwarts-Fan. Ich weiß, in welches Haus ich gehen würde (Ravenclaw), welche Wahlfächer ich belegen würde (Runenkunde und Arithmantik), außerdem wären Zaubertränke und Verwandlung meine Lieblingsfächer. Im Besenfliegen wäre ich dafür eine Null und wenn ich es in die Quidditchmannschaft schaffen würde, dann höchstens als Quaffel, da wird man schließlich nur getragen und muss nicht wie ein Klatscher selber fliegen oder wie der Schnatz noch wenig und agil sein. Wahrscheinlich könnte ich dem Sport noch nicht einmal sonderlich viel abgewinnen, wo Fußball mich nicht die Bohne juckt und ich mir lieber American Football reinziehe.

In Bezug auf Letzteres war die Lektüre von „Quidditch im Wandel der Zeiten“ gleich eine Offenbarung. Denn wer bislang dachte, dass Hexen und Zauberer ziemlich unkreativ seien und nur ein Mannschaftsspiel auf Besen entwickelt werden, wird eines Besseren belehrt. Es hat zwar nicht für eine American-Football-Variante gereicht, aber englische Hexen und Zauberer sind exzentrisch genug, bis heute einen Sport zu pflegen, der sich am Besten als Tennis auf Besen beschreiben lässt. Das regt die Phantasie an und legt nahe, dass auch andere populäre Muggelsportarten ihre Entsprechung in der magischen Welt haben.

An dieser Stelle sieht man deutlich die Anlage des Buches: Es geht darum, möglichst viele Hintergrundinformationen über Quidditch zu vermitteln. Es ist schließlich ein Sachbuch aus der magischen Welt. Die Grundregeln des Spiels und mancherlei Information dazu gibt es natürlich in den sieben Romanen, aber das ist nicht viel. Auch wer wie ich die Bände rezitieren kann, wird bei der Lektüre des Buches merken, dass zwar einige Dinge bekannt sind, aber es noch viele Leerstellen gab, die Joanne K. Rowling, pardon, Kennilworthy Whsip, mit trefflichem Humor aufgefüllt hat. Köstlich zum Beispiel die Geschichte, wie man die Schnatzer-Jagd (der Schnatzer ist ein kleiner Vogel) durch die exzentrische Laune eines Funktionärs ins Quidditch-Spiel integriert hat und die quidditchbegeisterten Hexen und Zauberer durch ihre unreflektierte Begeisterung beinahe für das Aussterben dieser Art gesorgt hätten. In der realen Welt wäre das ein Moment, um die Frage nach dem Umgang mit Ressourcen zu stellen, in der magischen Welt gibt es glücklicherweise die Findigkeit und das Talent Einzelner, diese Probleme zu lösen. Dennoch lädt selbst ein unschuldiges kleines Büchlein an solch einem kleinen unbedeutenden Punkt einer fiktiven Welt dazu ein, über grundsätzliche Dinge in unserer Gesellschaft zu reflektieren, wenn wir Erdölreserven verbrauchen und Abgase in die Luft pusten, nur um ein paar halbstarken Jungs in Monaco, Dubai, Melbourne, … dabei zuzuschauen, wie sie völlig sinnlos im Kreis umherfahren. Wie ist damit umzugehen, wenn man nicht zaubern kann? Oder: Kann man doch zaubern?

Das ist die Stärke der Welt von Joanne K. Rowling. Man kann „Quidditch im Wandel der Zeiten“ als Hintergrundlektüre genießen und die magische Welt von Harry Potter und seinen Spießgesellen ein wenig reicher gestalten, ihr Details hinzufügen und danach die Romane noch einmal lesen (oder wie ich es sicher demnächst noch einmal tun werde: hören), um zu sehen, wo sich bereits Andeutungen versteckt haben, denn auch darin ist Joanne K. Rowling ja eine Meisterin. Ich vermute, bei „Quidditch im Wandel der Zeiten“ wird es nicht anders sein.

Für das Buch spricht zudem, dass es überhaupt erst wieder verfügbar ist, denn die deutsche Auflage war lange Zeit vergriffen, bis der Carlsen-Verlag 2011 diesen Band und „Magische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ (dessen Besprechung folgt demnächst) glücklicherweise neu aufgelegt haben. Weiterer Pluspunkt ist, dass ein Teil des Verkaufserlöses wie auch bei der englischen Ausgabe an Comic Relief geht, einer „englische[n] Hilfsorganisation, die Kinderprojekte in den ärmsten Ländern der Welt unterstützt“, wie uns der hintere Buchdeckel informiert. Man kann mit seiner Begeisterung somit gleich ein wenig Gutes tun.

Bevor ihr in meiner Lobhudelei erstickt: Ja, es gibt auch ein paar kleine Mankos. Da wäre zum Einen die Umschlaggestaltung des Büchleins zu nennen. Die Harry-Potter-Bücher sahen ja, seien wir ehrlich, alle irgendwie merkwürdig aus, zumindest die deutschen Ausgaben (die englischen wurden mit der Zeit besser, die amerikanischen sind so lala, die schwedischen Ausgaben gefallen mir ganz gut, dafür sind die französischen Ausgaben noch schrecklicher gestaltet als die deutschen). Es ist zwar Besserung in Sicht, denn die Bände werden neu aufgelegt, (http://www.spickmich.de/news/201306131600-harry-potter-bekommt-neue-cover-in-deutschland) aber „Quidditch im Wandel der Zeiten“ folgt der Tradition natürlich, das Corporate Design muss schließlich erhalten bleiben und für das ist noch die alte Kinderausgabe maßgeblich (die „Erwachsenenausgabe“ war zugegebenermaßen auch nicht ansprechender). Kommen wir zum Punkt: Auf dem Cover ist ein leicht unförmliger goldener Schnatz zu sehen, dessen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen „Aww wie süß“ und „Ich hau dir gleich aufs Maul“ liegt. So ganz genau lässt er sich nicht deuten und ist wahrscheinlich stimmungsabhängig. Aber ansprechend geht anders.

Eine weitere Kleinigkeit ist das Vorwort von Albus Dumbledore. Die Geschichte, die dort erzählt wird, ist hochgradig amüsant, allerdings wird dort explizit darauf Bezug genommen, dass er das Buch für die Muggelwelt aufgelegt hat. Da vermischen sich Realität und Fiktion, denn obwohl Dumbledore natürlich von der Muggelwelt weiß, sollte er eigentlich so tun als wüsste ich nicht, dass es die Zaubererwelt wäre. Außerdem beißt sich das mit dem Entleihzettel vorne im Buch, der uns darüber aufklärt, dass zahlreiche uns wohlbekannte Figuren dieses Buch angeblich schon ausgeliehen hätten. Eine Ausgabe, die mir zufällig in die Hände gefallen ist, die eigentlich für Schüler von Hogwarts neu aufgelegt wurde und vielleicht sogar den expliziten Hinweis enthält, dass die Jung-Hexen und -Zauberer daran denken sollen, diese Bücher nicht in die Hände von Muggeln geraten zu lassen, hätte nicht zu solch einem ungewohnten Bruch geführt und wäre sogar noch ein wenig magischer für mich als Leser gewesen.

Aber das sind natürlich nur Marginalien, das kann das Vergnügen beim Abtauchen in die Welt von Winkelgasse, Askaban und St. Mungo’s bei Weitem nicht aufwiegen, von daher: Kauft, ihr magisch Begabten, die ihr auch am Ende eures vierten Schuljahres sehnsüchtig auf die Eule gewartet habt – oder euch gewünscht hättet, dass sie aufgetaucht wäre, weil ihr schon zu alt wart, als ihr verzaubert wurdet.