Montagsfrage: Druckfrei lesen?

Ein neues Jahr beginnt, das ist aber noch lang kein Grund, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Der Dienstag gehört auch weiterhin Buchfresserchen und ihrer Montagsfrage. Zum Start ins neue Jahr will sie wissen, ob wir Bücher in gedruckter oder digitaler Form bevorzugen.

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Gerüche und Erinnerung

Es gibt dieses seltsame Phänomen, dass wir mit bestimmten Gerüchen bestimmte Gefühle und Erinnerungen verbinden. Mit dem Tastsinn geschieht das meiner Erfahrung nach nie oder vielleicht sehr selten, mit dem Geschmacks-, Gesichts- und Gehörsinn gelegentlich, aber der Geruch ist zumindest bei mir mit intensiven Erinnerungen verbunden. Das eindrücklichste Beispiel für solch eine Verknüpfung ist mit dem Gehörsinn verbunden. Wann immer ich „Hohe Tannen“ höre, bin ich gedanklich im Haus meiner Großmutter. Dort hallte es sehr stark und egal wo im Haus sie war: Wenn sie das Lied zu singen begann (und das tat sie häufig), konnte ich sie singen hören. Ich kann mich unter gewöhnlichen Umständen kaum an das Haus erinnern, aber bei „Hohe Tannen“ kriechen sehr lebhafte Erinnerungsszenen aus den hintersten Winkeln meines Kopfes hervor. Aber die Masse der Flashbacks resultiert aus Düften.
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Montagsfrage: Verleihst du deine Bücher?

Es ist nie gut, immer nur im eigenen Saft zu schmoren. Meine Gedanken beginnen dann stetsum mich selbst zu kreisen und ich fange an, sollipsistisch zu denken. Wahrscheinlich geht es uns allen so. Deshalb lesen wir andere Blogs, kommentieren, diskutieren und lassen uns Anregungen für neue Blogartikel geben. Um auch ein wenig Abwechslung in meinen Kopf zu bekommen, habe ich mir die „Montagsfrage“ als eine solche Anregung ins Haus geholt. Diesen Montag: Verleiht ihr eure Bücher?

Sollte jetzt jemand protestieren, dass heute Dienstag sei? Bitte, gern, gerade im Moment ist aber Montag. Mein internes Lektorat ist eine Behörde, das arbeitet nur in Ausnahmefällen mit weniger als 24 Stunden Verzögerung.

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Keine Angst vor ramponierten Büchern

Grundsätzlich verleihe ich meine Bücher, aber immer mit einem bangen Gefühl. Ich arbeite ein paar Stunden in einer Bibliothek und sehe dort auch meine berufliche Zukunft, aber das Prinzip des Bücherverleihs bereitet mir nichtsdestotrotz Unbehagen. Ich ent-leihe nur sehr selten Bücher, meist Sachbücher. Da interessiert mich dann ein bestimmtes Thema, ein Rezept, eine Bastelanleitung, aber nicht so sehr, dass ich dasBuch anschaffen müsste. Ich ziehe das Buch dem Netz vor, weil man dort die Themen meist besser überblicken kann und an einem Ort hat. Zusammengooglen ist manchmal eine mühselige Angelegenheit.
Die Bibliotheksnutzer sind alle sehr sorgfältige Menschen, völlig verhunzte Bücher bekomme ich nur selten zu Gesicht. Meist sehen die Bücher nicht mehr gut aus, weil sie im Laufe ihres Lebens durch viele Hände und damit durch viele Taschen gegangen sind. Das hält die beste Bindung auf Dauer nicht durch. Da ich viel unterwegs lese, sehen meine Bücher gelegentlich auch durch meine eigene Hand ramponiert aus. Das lässt sich leider nicht immer verhindern.

Erinnerungsort Buch

So habe ich keine Angst vor demolierten Büchern, die ich zurückbekommen könnte. Ich sehe ja, wie häufig es gut geht. Mein Problem ist eher, dass ich mich von meinen Büchern nicht einmal temporär trennen mag. Meine Bücher sind meine guten Freunde, zumindest diejenigen, die dauerhaft einen Platz im Regal bekommen … und das sind die meisten.  Die Vorstellung, ein Buch nie mehr wiederzusehen, ist für mich ein Albtraum. Meine Bücher stehen nicht nur im Regal, sie sind physische Manifestationen meiner Lese-Erinnerungen. Häufig betrachte ich eins der Bücher und kann mich an den Inhalt erinnern sowie wann ich das Buch gelesen habe und welche Stimmungen damit verbunden waren. Gebe ich solch ein Buch aus der Hand, gebe ich auch eine Erinnerung aus der Hand. Zurück bleibt die Sorge, dass ich meine Erinnerung verlieren könnte, denn: Ist das Buch kaputt, bleibt es das Buch. Ersetze ich es durch ein neues Exemplar, ist es mit der Erinnerung an den Buchersatz verbunden, nicht mit dem Lese-Erlebnis.

Der Gewinn

Ich bin ein netter Mensch und freue mich, anderen Buchempfehlungen geben und großartige Lese-Erlebnisse verschaffen zu können. Dementsprechend ist es mir ein Bedürfnis, Bücher zu verleihen, auch wenn es mich immer wieder in Ängste stürzt. Glücklicherweise wurden meine Ängste aber noch nie bestätigt.
Von daher gebe ich meine Bücher aus der Hand und reichere idealiter meine Erinnerungen an. Dies ist das Buch, das meine Mutter so wütend wie noch nie gemacht hat, jenes das Buch, dass einem Freund geholfen hat mich besser zu verstehen und ein guter Freund zu werden und das Buch war eine katastrophale Fehl-Empfehlung, die mir etwas Neues über meinen Kollegen verraten hat.