Ja wo läuft er denn? Besprechung: Sein letztes Rennen

Ich mache gleich zu Beginn eine kurze Pause, in der ihr alle eure Vorurteile deutschen Filmproduktionen gegenüber ablassen könnt … Und jetzt noch eine Pause für alle deutschen Filmproduktionen mit Komikern … Und jetzt können wir darüber reden, wieso man sich „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden angucken sollte.

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Neue Schätze

Manche Dinge können nicht bleiben, wie sie sind. Nicht für immer. Und so liegen Fröhliches und Trauriges oft dicht beisammen. Fröhliches: Eine Aufwertung meiner Kochbuchsammlung. Trauriges: Das Ende einer Selbstständigkeit.

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Lexikon: Bewohner

Bewohner verhält sich zu Insasse wie Arzt zu Patient: Der Arzt ist frei in dem, was er tut oder unterlässt und kann, wenn er mit seinem Stand unzufrieden ist, immer noch Politiker, Lobbyist oder Diktator werden. Der Patient hat die freie Entscheidung, seine Behandlung durchzuführen oder abzubrechen ebenfalls, darf aber je nach Schwere der Krankheit mit mannigfachen Unannehmlichkeiten von Kopfschmerz bis Tod rechnen.
Ich möchte diesen Vergleich nicht überstrapazieren, weil ich das Arzt-Patienten-Verhältnis eher professionstheoretisch sehe und es dann schief wird. Vielmehr möchte ich mir heute den vorderen Teil einmal genauer ansehen, als weiterer Teil unseres kleinen Vokabeltrainings „Altersheim“. Und weil ich „Alltag vs. Geschichte“ derzeit nicht bespiele, sondern der Blog brach liegt, habe ich für solche Überlegungen auch schon vor einiger Zeit klammheimlich die Kategorie „Nachdenkliches“ hinzugefügt, in der zukünftig solche Gedankensplitter ihren Platz haben sollen.

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Lexikon: Seniorenzentrum

In meiner kleinen Reihe „Sprachverwirrungen im Altersheim“ sollten wir uns auch den Begriff Altersheim vornehmen, denn den gibt es höchstens noch umgangssprachlich. Er fristet sein Gnadenbrot im Seniorenheim, um sich noch ein letztes Mal schillernd zu geben: Seniorenzentrum, Seniorenresidenz, Wohnen im Alter, etc. pp. Damit verbirgt er, was er ist, ein Altersheim und wertet das ab, was das „Heim“ ausmacht, Schutzort, Rückzugsort, Wohlfühlort, Sorgeort zu sein. Und weil das wieder harter Stoff ist, gibt es heute wieder ein Brotbild und irgendwann die Woche auch was Schönes aus dem Heimleben: Meinen letzten Tag.
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Lexikon: Demenzkranke

Ich habe zum Abschied aus dem Seniorenzentrum über einige Dinge gründlich nachgedacht. Dabei ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass sich eines meiner Probleme mit dieser Arbeitsstätte schon in der dort herrschenden Wortwahl ausdrückt. Zeit für ein wenig Besinnung. Das wird schwere Kost, deshalb habe ich mich entschieden, eine Reihe draus zu machen und euch mit Altersheim-Sprech bekannt zu machen. Und wir starten damit am heutigen Sonntag, weil ich gestern nicht zum Brotbacken gekommen bin und euch deshalb leider ohnehin nicht mit Bildchen erfreuen kann.
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Erdbeerträume

Manche Entscheidung seiner Vorgesetzten muss man nicht nachvollziehen können. Dazu gehört der Beschluss, sämtliche Planungen über den Haufen zu werfen ohne nach den Gründen zu fragen, warum etwas so und nicht anders geplant wurde. Konkret: Wir haben in anderthalb Wochen unser großes Sommerfest mit Livemusik, Kinderbelustigung und großem Budenzauber. Heute sah unser Jahresplan vor, den Tag der Erdbeere zu widmen. Wir wollten es wegen des bevorstehenden wirklich großen Festes ruhig angehen, weil unsere Bewohner*innen sich zuweilen über ein zu anstrengendes Feierprogramm beklagen: Erdbeerkuchen backen, Kaffeetrinken und in den Gruppen auf den Wohnbereichen das Programm rund um das rote Früchtchen gestalten. Ich wollte zudem „Tutti Frutti“ spielen, das haben die Kolleginnen aber abgelehnt. Dabei wäre ich ein toller Hugo Egon Balder gewesen.

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Ärger, Stolz und Pizzabrötchen

Als ich heute morgen ein paar Minuten Zeit hatte, um meine Gedanken festzuhalten, habe ich die Dinge aufgeschrieben, über die ich mich geärgert habe. Abschließend habe ich mir die Frage gestellt, worüber ich mich nun am meisten ärgern soll. Jetzt sitze ich hier und schmunzele. Auch weil mir auffällt, dass ich nie vorn anfangen kann. Ich versuche es dennoch, so ich ein vorne finde.
Ich leite eine Haushaltsrunde in einem Seniorenzentrum. Allein darüber ließen sich schon Romane schreiben. Jung, Mann und Haushaltsrunde passen bei meinen Damen nicht so recht zusammen, aber mittlerweile billigen sie mir eine höhere Küchenautorität zu als unserem Küchenchef. Als ich die Erbsensuppe versalzen habe, war das nicht so tragisch: Kann ja mal passieren. Wenn das Mittagessen nicht schmeckt, ist der Küchenchef ein Idiot.
Die meisten Zutaten bekomme ich aus Küchenbeständen, weil ich alles per Rad, Bahn und zu Fuß insgesamt 45 Minuten transportieren müsste. Heute hatte ich dennoch viel zu schleppen, weil ich mir bis Samstag unschlüssig war, was ich alles brauche, bis auf die Brötchen. Diesmal gab es Pizzabrötchen, für 80 Leute. Wir machen immer was für das gesamte Haus, entweder zum Kaffee oder als Abendbeilage. Dementsprechend hatte ich Käse, Schinken, Ananas, Salami, Paprika und Sahne in Satteltasche und Rucksack. Ich fuhr los, es kam der erste Hubbel und dann war meine Satteltasche 50 Meter hinter mir, abgerissen. Wie durch ein Wunder ist immerhin alles heil geblieben. Ich bin zurück, habe alles ins Auto gepackt und zur Bahn gefahren.
Worüber sollte ich mich also am meisten ärgern? Im Angebot sind:

Meine Unfähigkeit, mich rechtzeitig zu organisieren und alles zu bestellen.
Mein Optimismus, ich käme mit einer statt zwei Taschen aus.
Mein Stolz, in jeder Situation mit dem Rad zu fahren, statt das elterliche Auto zu nehmen.
Meine Tasche, die offenbar ein minderwertiges Produkt ist.
Den blöden Verkehrsberuhigungshubbel, über den ich mich ohnehin regelmäßig ärgere.

Im Zug kam dann noch hinzu, dass ich auf die Toilette musste, die einzige Toilette im Element aber schon morgens um 7:45 defekt war und ich mich an der nächsten Station dem entwürdigenden Spektakel des Elementwechsels hingeben musste. Noch mehr Grund zum Ärgern.
Am Ende des Arbeitstages, der gespickt war mit weiteren Gründen, schlechte Laune zu haben, blieb aber – wie immer an Haushaltsrundentagen – dies: Die erwartungsfrohen Gesichter der Bewohner, weil es in der Küche lecker riecht, die Komplimente von Bewohnern, die sonst mäkelig mit dem Essen sind und der Stolz meiner Damen, wieder mal etwas geleistet zu haben, wie eine von ihnen sichtlich beglückt sagte: „Sie geben uns immer das Gefühl, gebraucht zu werden.“ Therapieziel erreicht.
Vom Resultat gibt es leider keine Bilder, ich habe kurz vor Dienstende gebacken, verteilt und musste dann zum Zug, aber zumindest die vorbereiteten, wirklich köstlichen Brötchen (ich hatte eins für den Heimweg) kann ich euch abschließend präsentieren.

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