Es ist so, dass das Zeilenende sehr fit ist. Dennoch kann es an seine Grenzen gebracht werden. Eine heuristische Annäherung für alle Menschen, die ähnliches vorhaben.

Vielleicht liegt es daran, dass ich von Montag bis Samstag jeweils anderthalb Stunden im Fitnessstudio war und dort geschätzte 500l Wasser (pro Stunde) ausschwitzen durfte – trotz Klima-Anlage. Aber das halte ich für abwegig, immerhin wurden die einzelnen Muskelgruppen kaum an zwei Tagen hintereinander gereizt und konnten einigermaßen regenieren, außerdem ist das Studio klimatisiert. Im Unterschied zu meinem DG-Zimmer mit Ostseite. Dementsprechend hätte ich mehr geschwitzt, wäre ich daheim geblieben.

Vielleicht liegt es daran, dass ich die ganze Woche unterwegs war, den Birkenkopf und den Bismarckturm besucht, den Fernsehturm gestürmt (und mit großer Erleichterung wieder verlassen) habe und durch den Botanischen Garten in Schloss Hohenheim flaniert bin (für die Menschen in der Region, die ihn nicht kennen: Unbedingter Besuchstipp). Aber das halte ich für abwegig, immerhin habe ich ein paar Ziele unterschlagen (wie die sehenswerte Musikinstrumentensammlung im Fruchtkasten, zu der es auf Instagram bei mir ein paar Albereien gibt) und dafür habe ich die Stadtgrenzen Stuttgarts nicht verlassen, ich habe das sogar extra überprüft: Hohenheim ist ein Stadtteil von Stuttgart.

stuggi-ost
Hallo du bist Stuttgart Ost (und noch mehr) bei Tag. Irgendwo auf der abgewandten Seite des Hügels rechts der Mitte lebt das Zeilenende.

Vielleicht liegt es an einer Überdosis Kultur am Samstag, zu der ich die Stadt dann doch verlassen habe, um einem Menschen zu huldigen, über den mir gern angedichtet wird, er sei mein Lieblingsliterat.  Aber das halte ich für abwegig, denn ich mag beispielsweise Bertolt Brecht sehr viel lieber als Friedrich Schiller. Außerdem war ich an diesem Tag in einem Kühlhaus, das sich „Schiller-National-Museum“ nennt und ein weiterer Tipp ist. Da hat es Temperaturen von 18°. Ich musste zum Aufwärmen zwischendurch hinaus in die Sonne. Zuletzt habe ich mich persönlich davon überzeugt, dass die Obst- und Traubenernte in diesem Jahr wirklich so grandios wird, wie es überall angekündigt ist, nur um euch auch einen kleinen Eindruck des wirklich herrlichen Städtchens Marbach am Neckar mitzubringen.

Vielleicht lag es daran, dass ich meistens Menschen schaffe, es aber offenbar Menschen gibt, die mich schon bei der ersten Begegnung schaffen können. Aber das halte ich für abwegig, immerhin war es unsere erste Begegnung und wir waren nur ein wenig spazieren und schwimmen. Nun gut, ich habe einen neuen Tagesrekord für Stockwerke aufgestellt, habe mich dabei erfolgreich meiner Angst vor gewissen Höhensituationen gestellt und war zum ersten Mal seit … etwa 12 Jahren schwimmen … Aber hey, ich habe mir extra dafür meine erste Badehose seit über 12 Jahren gekauft, es kann also auch nicht daran liegen, dass ich stundenlang auf dem Stromberg herumgekraxelt bin, um anschließend in einen Stausee zu springen und wieder zurückzuwandern. Und es lag bestimmt nicht dran, dass ich vorher auch noch das hübsche Städtchen Lauffen erlaufen habe – das musste ich, weil nach Schiller notwendigerweise Hölderlin kommt.

Es lag also daran, dass ich bei diesem Ausflug einen sympathischen Menschen kennengelernt habe, mit dem es sich gut plaudern ließ und der mich für ein paar Stunden an der Liebe zu seiner Heimat hat teilhaben lassen, Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Ich habe meinen Meister gefunden, er hat mich geschafft.

Wann habt ihr zum letzten Mal so richtig eure Heimat erkundet und dabei etwas Überraschendes entdeckt? Stellt ihr euch manchmal bewusst Situationen, die euch emotional herausfordern? Und wann wart ihr das letzte Mal schwimmen?

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13 Kommentare zu „Über völlige Erschöpfung

  1. Schwimmen? Schwimmen? Ich? Letztmalig ging ich vor einem Jahr, aber unter äußerem Zwang. Vielleicht werde ich nächste Woche schwimmen gehen. Zumindest werde ich Seen sehen und mich an Seeufern aufhalten. Die Wahrscheinlichkeit dass es mich zum Bad verlockt, ist aber gar so klein, es lohnt kaum, den Bikini mitzunehmen. Wodurch sie Null würde, noch ehe sie die Chance gehabt hätte, von Null verschieden zu sein.

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  2. Ich sage mal so, ich hatte Phasen im Leben da war schon das verlassen der Wohnung eine emotionale Herausforderung für mich. Mittlerweile lässt sich der Alltag jedoch ganz gut leben, aber von solchen Situationen habe ich erst einmal genug… Da haben mir die letzen 12 Monate absolut gereicht, für Jahre. Über die Klimaanlage im Fitnessstudio beneide ich dich übrigens immer noch, wobei sie mittlerweile bei uns mobile Ventilatoren aufgestellt haben.

    Die Heimat erkunde ich derzeit mit den Öffis Freunde in den Vororten inklusive Schienenersatzverkehrs sei dank. Fazit: Meine Stadt ist noch schöner als ich dachte.

    PS: Büchner ist der einzig wahre Literat 😉 und ich hasse Schwimmen gehen…

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