Zwölf Monate lang begleite ich ein Motiv. Es springt einmal im Monat vor die Kamera und lässt den Augenblick für die Ewigkeit gefrieren. Am letzten Sonntag im Monat werfe ich einen Blick auf das Bild. Und diese Aktion endet heute, denn das Jahr ist um.  Alle meine Beiträge unter diesem Tag.

Zunächst mein Dank all denjenigen, die tapfer mit ausgeharrt haben und ihren Blick 12 Monate lang dem gleichen Gegenstand gewidmet haben. Wenn ihr es nicht ohnehin tut, schaut euch einmal an, was in den 12 Monaten so alles passiert ist. Bei mir grünte es und verblühte wieder, die Wolken und die Sonne spielten mit dem Blick aus meinem Fenster, einmal war das Rollo im Weg und einmal musste ich sogar aus einem anderen Fenster blicken, weil mein eigenes Fenster plötzlich ein anderes war.

Erstaunlich fand ich, dass sich mir an jedem Stichtag des Jahres ein Stück blauer Himmel oder Sonne gezeigt hat. Selbst Bild 3, tituliert „betrübt“, zeigt ein wenig blau. Einzig der Oktober verwehrte mir das Blau, entschädigte mich aber mit einer hübschen Wolken-Kumulation. Motivtechnisch hat sich vom Himmel und vom Licht abgesehen aber nie viel getan. Dementsprechend erstaunt bin ich, dass der Himmel sich doch dazu entschieden hat, ein einigermaßen konstantes „Nurgrau“ zu zeigen, um auch am letzten Tag dieses Projekts noch einmal überraschend zu sein.

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Es wäre möglich, dass dieses Bild auch bloß die Reaktion des Himmels auf das VfB-Spiel gestern war … Dass der Trainer entlassen wurde, liegt aber weniger am Ergebnis des Spiels als vielmehr darin, dass ich mich irgendwie auf eine After-Match-Party verlaufen habe. Das Zeilenende auf einer Fußball-Party muss das Universum so erschüttert haben, dass der Trainer gehen musste.

Vielleicht ist der Himmel auch traurig, weil das Projekt damit sein Ende gefunden hat, aber in diesem „Jedem Anfang“-Kitsch geht es nicht drum, Neues zu beginnen, sondern Altes fröhlich abzuschließen. Woher ich das weiß? Weil ich weiß, dass der „Jedem Anfang“-Kitsch Hermann Hesses Feder entsprungen ist, was man noch in jedem besseren Zitate-Buch nachlesen kann. Dass der Spruch aus seinem Gedicht „Stufen“ stammt, hingegen nicht mehr.

Da nun jedem Ende auch ein Zauber innewohnt, auch wenn Hesse das nicht zu Papier gebracht hat, gilt es für mich, dieses Projekt zu einem Ende zu bringen. Irgendwann in nächster Zeit werde ich deshalb die versprochenen Links für nunmehr drei Beiträge nachreichen, wenn ich mich nicht verzählt habe. Nicht heute. Wer nicht weiß warum, lese noch einmal genauer den Absatz direkt unter dem Bild. Aber bald, denn ich will von diesem Zauber des Endes profitieren. Und damit es auch wirklich ein Ende ist, werde ich nach 29 Tagen, 52 Wochen und zwölf Monaten vorerst kein neues Projekt ausrufen, sondern lieber ein wenig ausruhen. Was soll man bei grauem Himmel auch anderes tun?

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23 Kommentare zu „12 Monate Fensterblick 12 – Finale

  1. Lieber Zeilenende, dachte ich anfangs noch, dies würde ich zeitlich nicht hinbekommen, so hat sich das schnell in „meine“ wichtige Zeit verwandelt und ich bin dir sehr dankbar für die Aktion. Nachdem die 12 Monate etwas abgeschlossener sind als heute, werde ich etwas Neues suchen, dass es wert ist, so lange begleitet zu werden!

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  2. Ich fand es großartig, an deiner Idee teilzuhaben. Wunderschöne Bilder, tolle Geschichten und noch wundervollere Mitblogger.
    Vielen Dank, liebes Zeilenende. Mir hat es nicht nur Spaß gemacht, sondern mich auch persönlich bereichert.
    Ich wünsche dir gute Erholung, hoffe aber auf eine neue Idee von dir.
    Pass gut auf dich auf und fühl dich mal umarmt.
    Liebe Grüße aus Nordjütland 🇩🇰,
    Meermond

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  3. Auch von mir Danke für Idee und Begleitung! Ich hab mein Abschluss-Foto noch nicht machen können, da das Atelier weit weg ist und die Wurzelmännchen eingezäunt sind. Aber das ist mir auch recht: ich liebe offene Enden.
    Dir, liebes Zeilenende, ein guter Neuanfang zu was auch immer!

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  4. Die Eiche vor dem Himmel – nicht nur der Baum, auch der Himmel verändert sich, dieser freilich in viel schnellerem Tempo. Der Baum im Jahreskreis ist wie eine langsam schreitende Melodie und der Himmel eine leichte sie umspielende Zweitstimme. So schön! Danke, lieber Arno.

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