Ich habe nicht nur eine ausgeprägte Allergie gegen alles, was irgendwie mit Lyrik zu tun hat, auch meine Begeisterung für Historische Romane hält sich bekanntermaßen in Grenzen. Wenn ich es recht bedenke, bin ich ein sehr vorurteilsbeladener Mensch, denn auch mit Fantasy habe ich bekanntermaßen meine Schwierigkeit. Umso mehr freue ich mich immer, wenn ich ein Buch finde, das mich von meinen Vorurteilen erlöst. Im Falle des historischen Genres hat mich jüngst Robert Harris überzeugt mit seinem ersten Band der Cicero-Trilogie: „Imperium“.

 

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Inhalt lt. U4

Marcus Tullius Cicero ist ein gerissener, mit allen Wassern gewaschener Anwalt und geborener Machtpolitiker. Er wittert seine Chance für eine rasante Karriere – und ahnt noch nicht, dass er damit über Aufstieg und Fall Roms entscheiden soll.

 

Ciceronisch im Stil

Denke ich an Cicero in der Nacht, bin ich womöglich um den Schlaf gebracht. Wer – wie ich – das Latinum sein eigen nennt, wird mit Cicero zu tun gehabt haben, wahlweise wohl mit seinen Reden gegen Catilina oder gegen Verres. Letztere bilden auch einen Handlungsstrang, den Imperium abbildet und die Grundlage für das Buch des Robert Harris bilden.

Dieses Buch ist wie die Reden des Cicero: Sprachlich elegant, stilistisch schön, voller Witz und rhetorischer Kniffe, die den Leser für Cicero einnehmen. Ein Buch, das der Biographie des Autors Cicero sprachlich würdig ist.

 

und in der Story

Es ist vor allen Dingen der Witz, das dieses Buch auszeichnet, auch in der Story. So wie mir Cicero in seinen Schriften begegnet ist, hatte er einen feinen Sinn für Humor, den er gern auf Kosten anderer auslebte und Spott in die Welt schoss. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Cicero als homo novus stets der Underdog war. In seiner Selbstdarstellung war er das natürlich nicht und die Werke, die später über ihn geschrieben wurden, kannten ihn schon als berühmten Mann. Bei Harris hingegen ist er ehrgeizig, berechnend, an den passenden Stellen unterwürfig und so beflissen, dass er für mich als Leser dennoch nicht unsympathisch wird.

Die eigentliche Geschichte spielt keine Rolle, sie ließe sich auch nicht groß erzählen, denn Imperium ist ein biographisches Werk, das sich verschiedenen bekannten Episoden auf dem Weg des Cicero zum Konsulat berichtet. Lesenswert wird es durch die merkwürdig polarisierte Stimmung in Rom, eine Gesellschaft, die massiv in Ober- und Unterschicht gespalten ist und in der herrlich unsympathische Gesellen agieren. Die Charakterisierungen von Cato, Caesar und Pompeius allein haben mich zum Lachen gebracht. Robert Harris muss nicht ausgewogen urteilen, bei ihm kann Pompeius genialer Feldherr und dilettantischer Redner sein, eine Charakterisierung, die man so ohne weiteres in einem gelehrten Buch kaum lesen würde.

 

Fazit

Robert Harris macht in Imperium vieles richtig. Er benutzt die spärlichen Informationen, die wir über Ciceros Leben sicher wissen und tut das, was Cicero in seinen eigenen Schriften tut ebenso wie die späteren Autoren, die über das Leben des Cicero berichten. Stets war er entweder ein begnadeter, beinahe göttlicher Redner und Denker oder er war ein Aufrührer, ein Verführer, ein gefährlicher Mensch und nicht einmal ein sonderlich guter Schriftsteller.

Robert Harris erzählt die Geschichte des Cicero als großartige Geschichte, die wohl-recherchiert ist (selbst in Biographien ist Cicero oft der Politiker und Redner, gern auch der Schriftsteller und Rede-Lehrer, aber selten der Philosoph). Hier spielt der Autor seine Stärke aus, die er bereits in Vaterland bewiesen hat: Robert Harris hat einen Sinn für das, was historisch plausibel und überzeugend ist, strickt daraus eine Geschichte und begeistert seine Leser so – in diesem Fall – für die römische Antike und erzählt gleichzeitig eine Geschichte, wie eine Gesellschaft durch Intrigen, Polarisierung und übertriebenen Populismus vor die Hunde geht.

 

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9 Kommentare zu „Imperium: Ciceronische Literatur

      1. In meiner Lieblingsbuchhandlung wird das gerade erst als Bestseller ausgestellt. also muss es außer dir und mir noch ein paar andere geben, die es nicht gelesen haben 🙂

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