Oder: Laufen macht erst dann Spaß, wenn die Körpertemperatur unter der Außentemperatur liegt.

Stuttgart, 39° im Schatten. Im Schlossgarten regt sich kein Lüftchen, lediglich auf Höhe des Kiosk steigen Dämpfe hoch. Nichts bewegt sich, alle liegen faul herum. Die Grillplätze, wo einige hartgesottene Menschen der Fleischeslust fröhnen. Woher ich weiß, dass es Fleischeslust ist?

Ganz einfach, weil ich der grüne Blitz bin, der da durch den Schlossgarten flitzt. Ich rieche es also. Nicht so, wie ihr jetzt denkt, also nackt. Aus dem einfachen Grund, weil man „frische“ OP-Narben nicht dem Sonnenlicht aussetzen soll. Also trage ich ein Lauftrikot … Und eine Laufhose … Man hat ja Anstand. Und Schuhe und Socken auch noch wegen der Dämpfung. Und eine Unterhose. Eigentlich habe ich sogar überlegt, noch die Jacke über zu ziehen. Könnte ja zu regnen beginnen. Lediglich Kappen und Sonnenbrillen braucht man mir nicht zu geben. Sonnenbrillen rutschen mir beim Laufen nur von der Nase. Und wenn ich mit irgendwas auf dem Kopf laufe, dann mit einer Kaputze oder Mütze, aber bestimmt nicht mit einer albernen Baseball-Kappe. Ich fühle mich zwar noch wie 17, muss mich aber nicht so anziehen, oder?

Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, dass Sport bei hohen Temperaturen und noch dazu bei direkter Sonneneinstrahlung nicht gesund ist. Ich weiß das. Aber irgendjemand hat vergessen, meinen Körper darüber zu informieren. Der friert nämlich bei 20° munter vor sich hin und findet das super, wenn er mal ordentlich durchgewärmt wird.

Der Puls geht hoch bis ans Ende der messbaren Skala? Wen kümmert es! Der Herr Körper hat da ohnehin seinen eigenen Willen. Der beschwert sich nämlich, wenn ich im Schnitt einen Puls von unter 160 laufe. Dann fängt er an, mir Atemnot einzureden, schwere Beine und – das Übelste beim Laufen überhaupt – Probleme in der Körpermitte!

Also trabe ich munter weiter und verschärfe das Tempo noch ein wenig. Der Puls ist nämlich gerade ein wenig abgefallen. Keine Luft mehr da! Mein Körper ist wahrscheinlich der einzige, bei dem die Atemnot aufhört, wenn er stärker belastet wird. Von den anderen Wehwehchen gar nicht zu reden. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass ich denen nur davon laufe. Wie dem auch sei. Man soll sich ja nicht beschweren. Und wenn es den praktischen Nebeneffekt hat, dass mir endlich mal warm wird und ich einen Grund zum Schwitzen habe … Ich bräuchte eigentlich mal einen Tag Urlaub, um auszuprobieren, ob die pralle Mittagshitze nicht noch besser zum Laufen wäre.

Doch damit ist es jetzt natürlich vorbei. Und ich finde, es ist eine gute Ausrede zu sagen: Es war die letzten sechs Wochen einfach zu kalt, um zu laufen. Ich musste einfach pausieren, bis die Temperaturen wieder mal im angenehmen Bereich waren. Das ist zugleich eine exzellente Entschuldigung für:

Distanz: 8,45km

Dauer: 48h 27min

Pace: 5:44 min/km

laufen

Da der Winter naht, habe ich meine lange Laufwäsche herausgekramt, stelle mir aber die Frage: Gibt es beheizbare Lauftrikots, die mir Sommerhitze simulieren, wenn die Temperaturen weiter fallen, womöglich sogar unter 10°?

 

23 Kommentare zu „In der Glut des Tages

  1. Ich bin auch eine absolute Frostnase, mir kann es selten zu warm sein.
    Du kannst mir also glauben, wenn ich Dir sage: „früher“ bin ich auch bei Regen, auch bei Schnee und bei bis zu minus 10 Grad gelaufen. Wenn Du mehrere Schichten (viele!) Schichten Laufshirts plus Jacke plus diverse Hosen übereinanderziehst, dann heizt das gut ein. Ich jedenfalls habe niemals beim Laufen gefroren.

    😉 Poste wieder mehr übers Laufen, Du weißt, dass das wie ein Virus zu mir rüberhülfet und ich dann auch rennen gehen muss 😉

    Liebe Grüße
    Agnes

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    1. Ich würde gern mehr schreiben … Ich müsste dafür aber mehr laufen. Wie gesagt bin ich tatsächlich sechs Wochen lang nicht durch den Schlossgarten gerannt und habe es nur gemacht, um diesen Beitrag zu veröffentlichen.
      Ich habe grundsätzlich auch nichts gegen Laufen in der Kälte (außer wenn mir der Schweiß im Bart gefriert … ), wenn es nur nicht so kalt wäre. Und ich fühle mich als Zwiebel furchtbar unwohl.

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  2. Jetzt ist mir warm. Vom Lesen.
    Und froh bin ich, dass wenigstens du läufst. Ich bin zur Zeit nämlich zu faul. Weil man das aber schlecht zugeben kann, werde ich nun behaupten, es sei mir viel zu kalt. 🙂

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    1. Ha, da habe ich was geschafft. Aber ich gebe zu, ich bin ja auch faul … Also halb. Ich gehe halt ins Fitnessstudio, zu mehr reicht die Energie meistens nicht mehr. Und wenn ich dir eine Ausflucht geboten habe: Nutz sie. Exzessiv!

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  3. Super Zeit! Und das nach langer Pause. Respekt dafür!

    Ich mag weder wenn es zu warm ist, noch zu kalt. So 15-18 °C und ein wenig Sonne sind perfekt. Ist nur leider kommt das sehr selten vor.

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    1. 15 Grad ist schon hart an der Grenze für mich, tatsächlich langärmlig zu laufen … Ich werde beim Laufen sonst nicht warm. Das ist frustrierend. Was die Zeit angeht: Danke. Aber es fuchst mich trotzdem. Ich sitze ja nicht untätig herum, wenn ich nicht laufen gehe. 5:45 ist … okay. Für einen entspannten Kuschellauf (der es nicht war). Die 6:33 in Kilometer 8 sind vor allen Dingen … *grml*

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