Mit Superhelden kriegt man mich ja fast immer, solange sie cool sind. Also nicht so wie Superman. Wenn wir uns vorstellen, dass es einen absoluten Nullpunkt der Coolness analog zum absoluten Nullpunkt der Wärmeskala gäbe, hieße dieser Punkt der „Superman-Punkt“. Sogar die Teletubbies sind cooler als der Mann von Krypton. Wie gut, dass Flash nicht von Krypton kommt und trotz ähnlicher Einstellung wie Kal-El ein coolerer Held ist.

Inhalt lt. amazon.de

Der clevere und charmante Barry Allen arbeitet als forensischer Ermittler in Central City – doch durch ein fehlgeschlagenes wissenschaftliches Experiment verwandelt er sich in den schnellsten Mann der Welt! Als Flash saust er durch die actionreiche neue Serie des kreativen Teams, dem wir auch Arrow verdanken. Als Vorlage dient der überschallschnelle Held aus den DC Comics. Barrys Leben wird davon überschattet, dass seine Mutter ermordet und sein Vater fälschlich wegen dieses Verbrechens verurteilt wird. Doch weil Barry jetzt aufgrund seines Supertempos über ganz neue Fähigkeiten verfügt, entwickelt es sich zum unsichtbaren Schutzengel von Central City. Allerdings stellt er bald fest, dass nicht nur er allein von der explosiven Katastrophe mit „meta-humanen“ Kräften ausgestattet worden ist. Aber nicht alle Betroffenen wollen diese Stärke für das Allgemeinwohl nutzen. Um Unbeteiligte zu schützen, bildet Barry mit einigen eingeweihten Freunden eine eingeschworene Gruppe und nimmt den Kampf gegen die Bösewichte auf. Auf diese Weise erlebt er eine Reihe von verblüffenden Abenteuern, die uns in dieser fantastischen Collection der 23 Episoden auf 4 Discs mit blitzartiger Geschwindigkeit überrumpeln.

Flash_Staffel_1

Wohlfühl-Heldenserie

Bevor wir uns dem Helden selbst zuwenden, werfen wir doch einen Blick auf die Storys und Nebenfiguren. Es fällt auf, dass die erzählten Geschichten immer möglichst einen moralischen Kern haben, von sauberem Verhalten handeln und Central City im Vergleich zu Starling oder Gotham City viel aufgeräumter, sauberer und heller ist. Die Schurken hier sind letztlich handzahm, es geht sogar so weit, dass ein Bösewicht aussehen darf wie Harry Potter.

Höhepunkt der ersten Staffel ist, so viel sei verraten, ein besonderer Auftritt von Mark Hamill, der mein Herz hat höher hüpfen lassen. Das war was für die großen Jungs, während die Serie in ihrer moralischen Eindeutigkeit, mit der sie sich über alle Zweifel erhebt, sonst an ein eher junges Publikum wendet. Noch nicht einmal auf das Mystery-Verschwörungs-Element setzt die Serie im Unterschied zum großen Bruder „Arrow“. Das deutet sich zwar zunächst an, stellt sich aber als weniger mystery heraus als es tatsächlich ist.

 

 

Klassischer Superhelden-Stoff für die Kleinen

„The Flash“ ist ganz klar auf die Hauptfigur hin konzipiert. Es gibt zwar mit Snort einen wiederkehrenden Schurken, aber die Schurken sind wie bereits gesagt handzahme Nice Guys. Snort ist nicht wirklich bedrohlich und bleibt damit einigermaßen blass, ebenso wie die Nebenfiguren. Flashs Team bekommt zwar mehr Hintergrundgeschichte, als ein klassischer Sidekick sie bekommen hätte, aber sie sind nicht wichtiger. Das ist gar nicht so schlimm.

„The Flash“ ist letztlich eine Coming-of-Age-Serie. Sie erzählt die Geschichte, wie ein sympathischer Nerd zum Helden wird. Mit großen, staunenden Augen tappt Barry Allen in die Welt der Superhelden hinein und kann gar nicht so recht glauben, dass es dort draußen böse Menschen gibt. Er glaubt an das Gute und denkt mit dem Herzen. Barry Allen ist der klassische Versprechensheld, der „Ich rette dich auch vor den Monstern unter deinem Bett“-Held, der nebenbei sämtliche Kätzchen von Central City aus den Bäumen pflückt.

Die ständige Frage in der ersten Staffel, egal ob ausgesprochen oder unausgesprochen ist „Kann ich?“ Der kleine Nerd Barry wird nicht nur durch moralische Stärke zum großen Helden Flash, er muss auch seine Fähigkeiten kennen lernen. Er spielt, ist neugierig auf das, was er kann und geht unbeschwert an die Dinge heran. Er wächst mit seinen Aufgaben, seine Fähigkeiten wachsen mit ihm und er kann am Ende sogar über Wasser gehen.

Oliver Queen, Arrow, bringt es auf dem Punkt, als er den Unterschied zwischen dem roten Blitz und dem grünen Pfeil erklärt: „Du kannst sie inspirieren.“ Flash ist ein klassischer Held der heilen Welt. Er sieht niedlich aus und kann sogar singen, der ideale Schwiegerheld. Nun gut, abgesehen vom Kostüm. Das ist albern und sicherlich the most unsexy super hero outfit in the universe.

 

Die üblichen Probleme einer Superhelden-Story

 

Diese Unbefangenheit und die Ausrichtung auf ein jüngeres Publikum hat natürlich ihren Preis. Es gibt den Moment, an dem Iris auszieht und Joe und Barry sich anschließend benehmen wie die kleinen Kinder. Das ist schon nicht mehr albern – man erkennt, was daran witzig sein soll, findet es aber nur noch peinlich.

Gegen Arrow und Gotham fällt Flash in Sachen Problematisierung ab. Flash hat keinen wirklichen Kritiker, auch die Polizei liebt ihren Flash, sie steht ihm nicht kritisch gegenüber wie die Polizei von Starling City Arrow. Und auch das Verhältnis von Gothams Polizei zu Batman ist nicht so entspannt wie das von Flash zur Polizei von Central City. Offenbar betrachten sie ihn als einen der ihren.

Das ist interessant, denn natürlich bleibt Flash als Held jemand, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Er tut natürlich Gutes, aber an einer Stelle wirft er einem Meta-Wesen vor, es habe seine Fähigkeiten genutzt, um Menschen weh zu tun, das werde es jetzt nicht mehr tun. Das ist letzten Endes auch der einzige Grund, warum Barry auf der anderen Seite einer Gefängniszelle sitzt, im Unterschied zu seinen – letztlich – Leidensgenossen.

Es ist nicht nur bezeichnend, dass Barry sich für die anderen Metas verantwortlich fühlt und auch Mitleid mit ihnen hat, wie mir scheint, der moralische Rigorismus in dieser Aussage ist es auch. Denn wer bestimmt, dass Barry als Flash Gutes tut? Er legt die Maßstäbe selbst an und übt, wie alle Helden, Selbstjustiz. Diesen Punkt berührt eine erwachsene Serie irgendwann, für jüngere Zielgruppen wird das gern hingenommen. Man darf von „The Flash“ also kein großes Reflexions-Niveau erwarten.

 

Eine Serie voller Spaß mit Lust auf mehr

Die Unbekümmertheit, die sich im Umgang mit dem Heldenstatus von Barry Allen zeigt, fällt bei „The Flash“ gar nicht negativ auf. Die Serie macht dennoch Spaß. Wenn die Schurken ein wenig alltäglicher sind, muss das nicht schlecht sein. Die Unbekümmertheit im Ton, die die Serie auszeichnet, tut ihr sogar richtig gut an mancher Stelle, man muss manche Dinge in einer Besprechung nämlich nicht mehr ausführlich thematisieren (ich sage nur: Hochzeitspläne) und das Finale der ersten Staffel drückt genau aus, was die Serie auszeichnet: Es ist rührend und sehr nobel, regelrecht herzergreifend, auch wenn es ein maximales Logikproblem hat. Aber darüber sieht man hinweg. Und der Cliffhanger ist so fies, dass ich mich regelrecht dazu zwingen musste, nicht direkt die zweite Staffel zu beginnen.

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7 Kommentare zu „Flitze Blitze-Zahn oder Schwiegerheldenzeit – The Flash Staffel 1

  1. Der Nullpunkt der Coolness? Also in Anbetracht der Tatsache, dass cool ja kühl heißt und je cooler jemand ist, desto besser ist es, wäre der absolute Nullpunkt doch eher der absolute Höhepunkt?
    Darüber meditier ich nochmal…

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  2. Also ich bin ja mit Batman und Spiderman groß geworden. Aus allem anderen habe ich mir nicht viel gemacht. Ein absolutes Highlight war für mich die Verfilmung von Spiderman (mit Tobey Maguire). An diesen ganzen neu aufgewärmten Filmen, wie The amazing Spiderman, habe ich wenig freude. Mal abgesehen davon das die Schauspieler jedes mal jünger werden…

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    1. Für mich ist Tobey auch bis heute der echte Spiderman. Aber: Die Story fand ich bei Andrew Garfield besser, eben weil Spiderman wieder jünger geworden ist und damit näher am Original ist, weil Spidey schon als Teenager zum Helden wird. Das fand ich in sich stimmiger und als Stoff auch spannender. Wobei ich Tom Holland als Spiderman, muss ich zu meiner Schande gestehen, noch nicht gesehen habe. 😯

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  3. Superman ist zwar aalglatt, aber trotzdem cool. 😛
    Batman ist jedoch der beste, während mein Herz seit dem Kinobesuch für Wonder Gal schlägt. Ich bin ja unter anderem mit Batman: The animated series und natürlich Superman sowie Justice League aus derselben Epoche aufgewachsen, und mochte die alle sehr. Schade, dass es die nur für teures Geld zu kaufen gibt.
    Mit den Realverfilmungen oder -verseriungen kann ich nicht so viel anfangen (Wonder Woman war die Ausnahme), irgendwie fehlt mir da immer was, ohne, dass ich es genauer bezeichnen könnte.

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    1. Mir geht es eigentlich immer umgekehrt. Die Comic – Helden sind zwar immer irgendwie kindlich, aber auch irgendwie erwachsen. Im Zeichentrick schlagen sie mir zu stark in Richtung kindlich aus. Ist es vielleicht das, was dich stört? Die meisten Realverfilmungen richten sich ja eher an die erwachsene Zielgruppe.

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      1. Hm, ich weiß jetzt nicht, ob wir von denselben Trickserien sprechen. Ich meine mich zu erinneren, dass die Themen in Batman durchaus anspruchsvoll und erwachsen waren, und die Superhelden längst nicht immer nur kindlich unterwegs waren.

        Und bei den Realverfilmungen sprechen die vielen schwachen Plots eher gegen ein erwachsenes Publikum. 😀

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