Ein Zwischenruf aus Anlass des aktuellen Buchdates. Während ich mir sehnlichst ein wenig Zeit wünsche, über die zukünftige Ausrichtung meines Blogs zu meditieren (denn ganz so wie bisher will ich nicht weitermachen), muss doch zumindest ein wenig Zeit bleiben für das, was ich so liebe: Bücher. Und das gemeinsame Kind, das ich mit dem Flumselchen habe: Das Buch-Date. Das steht dieses Mal unter einem speziellen Motto: „Kinder- und Jugendbuch“.

Aequitas et Veritas hat es „getroffen“ und stöhnte gleich: „Mir wird gerade etwas mulmig, ich weiß doch, welche anspruchsvollen Sachen er gewöhnlich liest.“ Kurze Rekapitulation der letzten drei Bücher, die ich gelesen habe:

Die neunte Stadt, Space Opera. Per Genre nicht anspruchsvoll.

Der Marsianer. So flapsig im Ton, dass er nicht anspruchsvoll wirkt.

Das Schulkochbuch von Dr. Oetker. Schule klingt zwar anspruchsvoll, aber es ist von Dr. Oetker. Nuff said.

Es besteht hier also kein Grund, Angst zu haben. Selbst „tschick“ spare ich mir (aber ehrlich gesagt auch nur aus dem einfachen Grund: Den hast du evtl. schon gelesen). Stattdessen habe ich mir etwas überlegt: Ich habe einen Plan und möchte dir vier Bücher empfehlen.

Zwei dieser Bücher habe ich selbst als Jugendlicher gelesen, sind damit grundsätzlich Jugendbücher, denn meine Begeisterung für „Klassiker“ ist erst nach der Schule wach geküsst worden.

Zwei Bücher habe ich als Erwachsener gelesen. Und beide haben mich in kindliches Staunen versetzt. Und warum ich vier Bücher empfehle, ergibt sich wahrscheinlich von selbst, wenn ihr euch die dritte Empfehlung anschaut. Doch nun in medias res, wie es so schön heißt, wenn man auf den Namen Aequitas et Veritas hört:

Der Rubin im Rauch von Philip Pullman

Philip Pullman ist bekannt für die Trilogie „His Dark Materials“, eine wirklich abgefahrene Fantasy-Trilogie, die zu Unrecht das Etikett „Band 1 Top, Rest Flop“ bekommen hat. Nach Harry Potter und sicherlich das Beste, was die Fantasy je hervorgebracht hat und bekömmlicher als Narnia.

Philip Pullman hat aber auch Abenteuer-Kriminalromane im viktorianischen England geschrieben, mit der jungen Sally Lockhart als Protagonistin. In dieser Serie gibt es Abenteuer, fremde Länder, viktorianisches Kolorit, eine junge Heldin, die sich clever durchs Leben boxt, Opiumhöhlen … Ich habe es verschlungen. Der Rubin im Rauch ist eine moderne Variante des viktorianischen Schauer-Romans, garniert mit den großartigsten Ideen der Abenteuer-Groschen- und Kriminal-Literatur (denn: Daher kommen beide Genres!). Auf Grund deiner Vorlieben für Krimis und wegen des fantastisch angehauchten Settings denke ich, dass du hiermit glücklich werden willst. Und der zweite Band „Der Schatten im Norden“ ist mindestens genau so großartig. So viel sei verraten.

 

Das Kartengeheimnis von Jostein Gaarder

Dass ich ein großer Fan von Jostein Gaarder bin, würde selbst niemanden verblüffen, der noch nie die warmen Worte gelesen hat, die ich diesem Autor in der Rezension zu „Das Kartengeheimnis“ gewidmet habe. Oder die anderen Stellen, an denen ich es erwähne. Jostein Gaarder und das Zeilenende sind Schwestern im Geiste. Und ich empfehle dir Sofies Welt nur aus einem einzigen Grund nicht: Mehr als 400 Seiten. Okay, aus zwei Gründen. Sofies Welt erinnert manchmal schon ein wenig ans Proseminar Geschichte der Philosophie.

In „Das Kartengeheimnis“ geht Jostein Gaarder viel subtiler vor, baut rund um philosophische Gedanken eine Geschichte von existentieller Tiefe und erklimmt Gleichzeitig Höhen der Absurdität wie seinerzeit Lewis Carroll. Ich will gar nicht mehr sagen, nur dies: Gaarder sorgt für Irritation in der Normalität und normalisiert das, was irritieren sollte. Er tut dies in einer wahrhaft fantastischen Welt, sodass ein Fantasy-Fan seinen Spaß an ihm haben sollte.

 

Die große Wörterfabrik von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Ja, richtig gesehen. Das ist ein Bilderbuch. Ein Bilderbuch und eine Liebesgeschichte. Aber ein Bilderbuch, dass ich erst als Erwachsener kennen gelernt habe. Und die Illustrationen haben mich sofort dran gekriegt. Und die Story auch. Ein Land, in dem es kostet, wenn man sprechen muss. Das ist Dystopie im Krabbelzimmer. Für Kinder völlig ungeeignet. Ein wirklich wunderschönes Buch, das sich Eltern gemeinsam anschauen sollten, wenn der Schlumpf im Bett ist und es mit seinen schmutzigen Händen nicht verunstalten kann.

Wer mir nicht glaubt? Beim großen A gibt es ein paar Vorschau-Illustrationen. Auch wenn mir dieses Bilderbuch wirklich am Herzen liegt, kann ich natürlich verstehen, wenn man keine Lust auf ein Bilderbuch hat (ich wollte dennoch ein wenig Werbung dafür machen). Und deshalb gibt es nun eine handfeste Dystopie. Ob das nun Jugendliteratur ist? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich es als Jugendlicher gelesen, verstanden und mich geekelt habe. Eine Geschichte, die – könnte sie reden – jede tölpelhafte Dystopie verspotten würde.

Starship Troopers von Robert Heinlein

Das Buch hat zwar 60 Seiten mehr als gefordert, aber in meiner Ausgabe waren es weniger als 400 Seiten, da bin ich mir relativ sicher. Ich empfehle übrigens den Dreiklang:

  1. Buch lesen
  2. Film gucken: Mobile Infantry made me the man I am today. Und ja: Der junge Mann, der dazu kommt ist wirklich der ehemalige Star aus Doogie Houser, M. D., der später dann seine Brötchen in einer miesen Sitcom verdienen musste.

Der Film, so du ihn kennst, das Buch noch nicht, überspitzt übrigens satirisch das, was im Buch angelegt ist. Starship Troopers wird gern vorgeworfen, aus faschistischen Elementen zu bestehen. Ich denke, das ist korrekt, lese es aber als Warnung davor, was mit einer Gesellschaft passiert, die nur noch in militärischen Kategorien und Werten denkt … Und was mit einer Gesellschaft passiert, die sich ständig im Krieg befindet. Damit ist Starship Troopers auch heute noch aktuell.

Wer Punkt 3 vermisst: Den habe ich mir für bis zum Schluss aufgehoben, damit das hier nicht so depressiv endet. Punkt 3 ist: Das Lied hören, das mit dem Film und dem Buch eigentlich nichts zu tun hat.

Mit diesem Video sogar ziemlich süß, der Song:

Aber nun genug gespammt. Aequitas et Veritas, ich hoffe, es ist etwas für dich dabei. Wie wirst du dich wohl entscheiden?

 

 

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27 Kommentare zu „Zeilenende empfiehlt Kinder- und Jugendbücher

  1. Ich habe eigentlich immer nur auf Denise geachtet, sodass mir Mr. Suits nie aufgefallen ist. XD

    Starship Troopers ist auch so ein Buch, das ich mal lesen wollte, bzw. den Film würd ich mir auch mal wieder anschauen, mit dem Alter sieht man die Dinge ja oft anders.

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  2. Ich nehme eine Mischung aus Rubin im Rauch und Blade Runner… Starship Troopers mag genial sein, aber keiner toppt Rutger Hauer. Es sei denn man würde ihn in die viktorianische Zeit von Mrs. Lockart werfen, per Zeitmaschine. Ich sehe, ich sollte niemals anfangen Bücher zu schreiben 😀

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  3. Die große Wörterfabrik ist ein wirklich zauberhaftes Buch und darf seit heute (und wahrscheinlich für immer) bei mir im Regal stehen. Am schönsten finde ich das letzte Wort. (Aber das verrate ich nicht.)Da wird mir das Herz ganz weit.
    Danke für diesen Tipp! 🙂

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