Männer und ihre Haare sind ein Thema für sich. Ein wohlgehütetes Geheimnis der Heavy-Metal-Szene ist es beispielsweise, dass langhaarige Kuttenträger mit sehr viel mehr Inbrunst über Conditioner fachsimpeln können als jeder frauenbesetzte Friseursalon. Ja, Männer sind eitel in Bezug auf ihre Haare, aber so?

Ich gebe zu, ich möchte mich da nicht ausschließen. Es gibt ohnehin einen gewissen Kult um Haare. Oder um Unbehaartheit. Ich beobachte am menschlichen männlichen Körper den anhaltenden Trend zum Kleinkindgemächt ebenso sehr wie eine neue Wertschätzung der Bärenbrust und alles dazwischen. Offenbar hat die Befreiung der Gesichtsbehaarung auch das Verhältnis des Mannes zu den übrigen Haaren an seinem Körper befreit. Aber heute soll es einmal nicht um Bärte gehen. Ich wechsle meinen zu häufig, um da fundiert drüber schreiben zu können.

Es soll mir heute auch nicht um das leidige Thema Haarausfall gehen. Es geht um Frisuren allgemein. Seit zwei Wochen sinniere ich nämlich darüber, ob es Zeit ist, zum Friseur zu gehen oder nicht. Dagegen spräche, dass ich vor sechs Wochen erst die Haare ordentlich habe kürzen lassen, dafür spricht, dass sich im Nacken Haare kringeln, die nicht von meinem Rücken aus dort hoch gewachsen sind. Und an den Seiten ragt mir der Haaransatz übers Ohr. Wildwuchs im Nacken und Haare über den Ohren kann ich beides auf den Tod nicht ausstehen. Außerdem bin ich der Ansicht: So lange das Haar noch voll genug ist, dass ich einen Friseur damit behelligen kann, will ich die Gelegenheit auch nutzen.

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Es ist wirklich ein Trauerspiel

Ihr seht, obwohl ich eine Vorliebe für den recht öden Seitenscheitel habe, ist es mit meiner Eitelkeit nicht weit her. Ich verbringe durchaus eine Virtelstunde morgens im Bad, wenn die Haare mal nicht so liegen wollen, wie ich das will. Aber selbst der schlimmste Bad Hair Day hat nach Anwendung eines halben Tiegels Haarwachs ein Ende. Dennoch gelingt es anderen Männern immer wieder, mich aus der Fassung zu bringen. Genau genommen waren es zuletzt zwei Männer.

Ich stand vor einiger Zeit in einem Etablissement mit lauter Musik und verschwitzten Menschen, da stach mir ein properes Exemplar Mann ins Auge. Ich beließ ihn eine Weile in meinem Auge und sah ihm aus sicherer Entfernung beim Tanzen zu. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass er sich den Scheitel richtete … Und erneut richtete. Und wieder. Die Frisur saß, es gab keinen Grund dafür. Aber er wiegte den Kopf im Takt der Musik und etwa alle zwei Minuten musste er einen Kontroll-Wisch durchführen, damit die Haare auch so liegen blieben, wie sie sollten. Dabei hatte dieses Exemplar Mann mehr Gel in den Haaren als ich in meinen schlimmsten Phasen. Seine Frisur hätte eine Atombombenexplosion überlebt. Dennoch war er unsicher. Ich fand das irritierend, deprimierend … Und erst rückblickend irgendwie niedlich.

Der zweite Mann begegnete mir in der Umkleide des Fitnessstudio. Ich versteckte gerade meine unmöglich verstrubbelten Haare unter einer Kapuze (…), er machte sich bereit fürs Training. Er zog sich eine Shorts an, ein Shirt über, schlüpfte in die Schuhe (… Woher ich das wohl weiß? …) und verbrachte dann die nächsten geschlagenen drei Minuten damit, vor dem Spiegel zu stehen und seine Haare Strähne für Strähne an den richtigen Ort zu legen. Was mich in eine tiefe Sinnkrise stürzte, nach dem ersten Kontakt mit einem Sportgerät sehe ich nämlich aus wie der Struwwelpeter, egal was ich mir in die Haare schmiere und auch, wenn sie auf 12mm gekürzt sind.

Was ich mich seither frage: Bin ich nicht mehr eitel genug für diese Welt?

34 Kommentare zu „Du hast die Haare schön

  1. Pro-Tipp vom Aushilfsjedi: Mützen! Geboren mit einem „Bad Hair Life“ bleibt mir nur Raspelkurz oder Kopfbedeckung. Selbst Farbe geht ja bei rabenschwarzen Haaren nur mit viel Unfug. Ergo: Mütze, weil die Welt einen manchmal in Bestoptik verdient.
    Getreu dem Motto: „Oben das Hütchen, unten das Tütchen!“ kann man so viel retten 🙂 Auch und gerade eine Eitelkeit 🙂

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  2. Liebes Zeilenende, du bist eitel genug. Was du mit all der Zeit, in der du den Seitenscheitel nicht richten musst, anfangen kannst…das ist was wert. Kokett die Haare richten, kannst du dir bei Bedarf (eher nicht haartechnischem Bedarf) immer noch 😉

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  3. Mein Tipp: Wenn du morgens zu lange brauchst, viel Haargel oder Haarwachs verwenden musst, dann wird es Zeit für den Friseur. Eine gut geschnittene Frisur braucht nicht viel Zeit.

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  4. Guten Morgen lieber Zeilenende, alle sechs Wochen zum Friseur wäre schön, doch diese Zeit benötige ich alleine um mich dazu durchzuringen. Haare schneiden liegt mir eher nicht und so kurze Haare wie du sie trägst hatte ich zuletzt in der Grundschule 😀 Meine größte Sorge als Twen war natürlich Glatzenbildung, doch dies ist inwischen vom Tisch und nur die Farbe hat von Löwenmähne zu Silberrücken gewechselt, wobei die Mähne erhalten bliebt. Ich hatte auch schon überlegt sie raspelkurz zu rasieren, wie in einem GI-Film, doch das wäre kalt und ich würde wie ein Verbrecher aussehen 😉 So stehe ich morgens auf, nehme eine Dusche und bin nach 10 Minuten fertig. Die nächste Kontrolle findet auf nächsten Morgen statt, wobei sich zwischendurch nie etwas ändert, nicht mal nach dem Nachtlager. Langweilig, aber berechenbar 😀 Hab einen fabelhaften Bad Hair Day und mach mal bei Flusenschneider etwas Neues 🙂

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    1. *seufz* Du siehst mich immer neidischer, lieber Arno. Ich habe die langen Haare abgeschafft, als ich merkte, wie sie immer dünner wurden. Das hat zwar den Verfallsprozess nicht gestoppt … Aber ich merke ihn nicht mehr so schlimm 😀

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  5. Du bist eitel genug, nutz die Zeit, die andere fürs Glattstreichen brauchen, lieber anderweitig, da hast du mehr davon.

    Wie sagten unsere Omas immer „einen schönen Menschen kann nichts entstellen“ 😉

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  6. Also nach sechs Wochen seh ich wieder ziemlich „fluffig“ aus, wie ich das nenne. Ich trage ja einen Undercut, der minutengenau nach 2 Wochen und 3 Tagen über das Ohr wächst (wird von mir nachgeschnitten, möglichst ohne das Ohr zu amputieren). Nach sechs Wochen ist aber der „Das geht mal so gar nicht“-Punkt erreicht. Das Nackenkringeln habe ich dann auch, zusätzlich zu einer sonderbaren Verblondung (böse Zungen sagen „Vergrauung“) meines Haaransatzes.

    Bei der Beschreibung des ersten Mannes denke ich leider sofort an die Zeit der Justin-Bieber-„Nackentöter“-Frisur (wer nicht weiß, was gemeint ist, siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=g6iUbFOp2Fg)

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    1. So ähnlich sah sie auch aus, nur nicht so krass in die Stirn. Und so mit Gel vollgetackert, dass da gar nix flippen wollte. Das machte die Sache noch mysteriöser.
      Was mich aber beruhigt ist, dass ich nicht der einzige Mensch mit dem 6-Wochen-Problem bin … Vielleicht sollte ich da auch mal einen Selbstversuch starten. *g*

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      1. Aso, ich mach das nur über den Ohren, sodass diese wieder frei sind. Du wirst mich vermutlich auslachen, wenn ich dir erzähle, dass ich dafür eine Nagelschere verwende. Ich weiß nicht wieso, aber sie eignet sich super dafür, die Haare rutschen damit nicht weg und weil sie sehr klein ist, ist das perfekt (ich nutze zum Nägelschneiden nur Nagelklippser. Sie war „übrig“ in einem Nagelset). Ich hab’s auch schon geschafft, mir „Löcher“ reinzuschneiden. Aber es dauert ja nur zwei Wochen, bis es wieder zugewuchert ist 😀

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  7. Ich würde mal sagen Du liegst irgendwo zwischen Understatement Denke und kokettieren…alle vier Wochen zum Friseur, täglich ’n büschen Gel inne Haare und gut is 😊

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