Zum Abschluss meiner sieben Bücher für 2017 habe ich mir ein wenig Fantasy vorgeknöpft. Christopher Golden und Thomas Sniegoski erzählen in „Rabenfreund“, dem ersten Band der UnMagier-Reihe die Geschichte von einem ganz besonderen Jungen namens Tim. Ob sie mich damit wohl wie die meisten Fantasy-Autoren auf die Palme bringen oder mich gnädig stimmen werden?

Inhalt lt. U4

Der gefährlichste Junge der Welt?

Timothy ist eine Laune der Natur, ein Außenseiter, eine Unmöglichkeit. Er ist der einzige lebende Mensch ohne magische Kräfte und hat sein gesamtes bisheriges Leben verborgen auf einer einsamen Insel zugebracht. Als Timothy endlich in seine Geburtsstadt zurückkehrt, ist er fasziniert von den magischen Strömungen, die die Welt antreiben und wie hypnotisiert von den Gebäuden und Lichtkugeln, die scheinbar schwerelos am Himmel hängen. Aber er ist auch dem Tod geweiht.

Assassinen beobachten jede seiner Bewegungen, und die Regierung will ihn tot sehen. Timothy kann sich nicht vorstellen, was er für eine Bedrohung darstellen sollte, schließlich kann er in dieser Welt nichts ausrichten.

Oder etwa doch?

bucherstapel_2017

Stilistische Vorbemerkung

Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt oder die Autoren wirklich so einen fiesen Stil pflegen. Störend an dieser Geschichte ist jedenfalls die ständige Wiederholung von einzelnen Wörtern. Wenn drei Sätze hintereinander mit „Schon“ anfangen, dann tut das schon weh. Das darf man schon mal auf seinem Blog machen, weil das hier schon eher eine Freizeitsache ist, aber von einem professionell lektorierten Buch darf man schon erwarten, dass schon das ein oder andere schon gestrichen wird, bevor ich das daheim machen muss.

 

Der übliche Fantasy-Kram halt

Ein kleiner, unwissender Junge, dessen Alter nicht bekannt ist, der aber definitiv zu klug und geschickt für sein Alter ist, spielt die Hauptrolle in dieser Geschichte. Das lässt Böses ahnen. In mehrfacher Hinsicht. Denn nicht nur die Story in der Geschichte ist so durchschaubar, dass ich mir gern das Buch mehrfach vor die Stirn gehauen hätte, nein, es ist natürlich auch so, dass dieser kleinem unwissende Junge gegen allen Realismus und alle Wahrscheinlichkeiten einem allmächtigen Schurken (mit freundlicher Fassade, dafür gibt es 5€ ins Klischee-Schwein) ebenso problemlos wie zufällig auf die Schliche kommt. Erschwerend kommt hinzu, dass er natürlich genau im richtigen Moment, diesem magischen Moment der Zeitenwende, auftaucht und die notwendigen Informationen erhält, um dann siegreich zu sein, weil natürlich genau so zufällig und unerwartet Verstärkung eintrudelt.

Wen wundert es da, dass sich gegen Ende des Buches herausstellt, dass es eine weitere Macht in irgendeinem Schatten gibt und dass jemand nicht nur in letzter Minute gerettet wird, sondern anschließend auch einen großen Triumph feiert? Das Ende des Buches ist schön, man hat beinahe das Gefühl, es fällt Glitzerstaub aus den finalen Seiten. Man möchte bei so viel Vorhersehbarkeit beinahe weinen, denn kurz gefasst geht das Buch so:

„Ziemlich laue und durchschaubare Geschichte mit klassisch schurkischem Schurken, der schurkige Schurkereien tut und sich hinter Freundlichkeit verbirgt.“

Andererseits ist es eine Stärke, wenn der Schurke schurkenhaft schurkische Schurkereien tun darf, ohne sich dafür per trauriger Kindheit rechtfertigen zu müssen. Von daher – und weil die Geschichte nach 300 Seiten mit recht großer Schrift endet – macht es sogar Spaß.

 

Logik

Jaha, das hier ist Fantasy. Neihein, da muss es nicht logisch zugehen, aber zumindest in sich konsistent. Wenn in einer Fantasywelt gilt „Alle Bäume sind blau“ sollte die grüne Ausnahme zumindest thematisiert werden.

Die Häuser in der Welt von Timothy und Co. werden nicht nur mit Magie errichtet, sondern auch von Magie zusammengehalten. An einer Stelle demonstriert Timothy, dass er Scheiben verschwinden lassen kann, weil sie nicht aus Glas sind, sondern nur ein Zauber. Wieso aber bricht Timothy dann nicht ständig durch den Boden der Häuser?

Während man das unter Umständen durch zufällige Spannkräfte oder intelligente Magie erklären kann, wiegt eine andere Frage viel schwerer. Das Ende der Geschichte deutet an, dass Magie nicht nur die Welt funktionsfähig hält, sondern auch dafür verantwortlich ist, dass Zauberer überhaupt leben. Ihre Magie ist so etwas wie ihre Antriebskraft. Wieso aber sind Timothys Berührungen dann nicht tödlich oder zumindest ein Grund für sofortiges Koma?

 

 

Fazit

Die Geschichte ist vorhersehbar, ja. Sie ist dennoch leidlich unterhaltsam, weil sie nicht die vielen Sünden begeht, die Fantasy-Romane begehen können. Die Logiklöcher sind dabei auch nicht allzu groß, was die Sache erträglich macht. So bleiben insgesamt etwa 300 Seiten Vergnügen, weil die Schurken noch Schurken sein dürfen und die Idee einer Welt, in der Magier Technik wie Magie bestaunen, ganz nett und unaufdringlich umgesetzt ist. Ich habe mir erlaubt, Band 2 nun doch zu besorgen, um die Reihe fortzusetzen.

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Ein Kommentar zu „Mein Freund, der Rabe

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