Es passiert so schnell und helle Aufregung herrscht. Denn was ist es? Schon wieder ein rosafarbenes Einhorn, dass über die Dächer Stuttgarts fliegt, so wie in meinem Banner? Nein, ich kann euch versichern, das ist nicht der Fall. Diese Einhörner tauchen nämlich nur auf, wenn Feste auf dem Wasen gefeiert werden und bis dahin ist noch ein wenig hin.

Wir besitzen eine Dachterrasse, um die uns Menschen beneiden, die keine solche Dachterrasse besitzen. Auf dieser Dachterrasse kann man nämlich sitzen. Und was noch viel wichtiger ist: Man kann darauf grillen. Und am Allerwichtigsten: Man kann dort wunderbar Alkohol trinken und der Sonne zuschauen, wie sie untergeht. Und kurze Zeit später, erahnen, wie sie aufgeht.

So eine Dachterrasse bietet hohen Komfort und wertet jede Wohnung auf, denn sie verlängert den Wohnraum ins Freie. Ins Freie, das von den anderen Balkonen ringsum kaum einsehbar ist und wo bei gutem Wetter ab 12 oder 13 Uhr bis Sonnenuntergang herrlichste Sonne ist. Diese Terrasse lädt dazu ein, dort zu sitzen und sich zu bräunen. Oder dort zu sitzen und sich nicht zu bräunen, denn nicht jeder Mensch besitzt mehr Leder als Haut, so wie ich es tue. Gegen Sommerbeginn habe ich einen Sonnenbrand, dann schmiere ich mich ein paar Tage lang mit Sonnencreme ein und dann habe ich bis zum nächsten Sommer auch ungeschützt meine Ruhe.

Meine Mitbewohnerin hingegen hat rosige Haut, die sonnen-empfindlich ist. Und bei rosiger Haut hilft bekanntermaßen keine Sonnencreme, da muss ein Schirm her. Im besten Falle ein rosafarbener. Und da ich ein Mann bin, sind für mich die meisten Farben in diesem Spektrum von lila bis pink „rosa“. Wir haben also einen rosafarbenen Sonnenschirm. Nunja …

wp-1499008912225.

… Okay, wir haben ihn immer noch. Aber bis wir ihn zurück hatten, sorgten wir wohl für einiges Gelächter bei der Nachbarschaft. Das kam so: Ich saß draußen und genoss die Sonne, während die Mitbewohnerin die Sonne nicht genoss. Sie hatte vorher den Schatten unter unserem Sonnenschirm genossen und den Sonnenschirm draußen gelassen. Dummerweise windete es. Was den Sonnenschirm normalerweise nicht stört. Doch plötzlich machte es Wusch und ich dachte, das große rosafarbene fliegende Einhorn sei zurückgekehrt, um sich an mir zu rächen. Ich habe es nämlich nicht um Erlaubnis gefragt, es für meinen Banner zu benutzen.

Doch ich sah kein Einhorn. Was ich stattdessen sah, war … Tja, was sah ich? Ich sah zunächst, dass unser Sonnenschirm nicht mehr in unserem Tisch steckte, der extra ein Loch in der Mitte für den Sonnenschirm hat. Dann sah ich, dass wir offenbar plötzlich Satellitenfernsehen empfangen konnten. Dann erinnerte ich mich aber daran, dass die Satellitenschüsseln nach oben ragen. Und fragte mich, wie in so kurzer Zeit eine solch riesige Blume aus unserer Dachrinne wachsen konnte.

Meine Mitbewohnerin kam hinzu und erklärte mir, dass das unser Sonnenschirm sei. Ich verstand. Und überlegte, was zu tun sei. Retten kam nicht in Frage, das ist immerhin der fünfte Stock. Mir wird schon schlecht, wenn ich mich zu weit über das Geländer beuge. Ich entschied mich, die Sache erst einmal von unten zu begutachten. Der Wind zerrte nämlich ordentlich am Schirm, der sich mit seiner Kante unter eine Dachpfanne geklemmt hatte. Ich bewunderte den Wind für solches Geschick.

Unten angekommen stellte ich fest, dass meine Mitbewohnerin vergeblich versuchte, aus dem Fenster heraus den Schirm mit einem Besen zu schubsen. Nur leider täuscht die Perspektive: Der Besenstiel war zu kurz für diese Mission. Ich resignierte recht bald und hatte auch keine Lust mehr auf das Gelächter der Menschen, die unten auf der Straße an mir vorbei gingen. Stattdessen kehrte ich zurück in den fünften Stock und machte ich mich ausgehfein. Sollte der blöde Schirm doch sehen, wo er blieb. In der Zwischenzeit hatte der Wind aber ein Einsehen: Kaum hatte ich das Haus verlassen, riss der Wind den Sonnenschirm herunter und verfehlte meinen zarten Schädel um Haaresbreite. Was sehr nah ist, weil ich recht dünnes Haar habe. Meine Mitbewohnerin hatte gar kein Verständnis dafür, dass ich so außer Atem war (aber sie musste ja auch nicht schon wieder fünf Stockwerke hochlaufen, der Aufzug ist ja keine Option) und freute sich ihres Lebens, dass der Schirm zurück war. Ich für meinen Teil erwog, den Schirm bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit verschwinden zu lassen oder zumindest einen Schirmständer zu kaufen. Andererseits liebe ich das Risiko … Und Fassadenbegrünung ist doch ein Riesenthema. Wer kann schon mit einer Sonnenschirmblume aufwarten, wenn es mal wieder windig ist?

 

Advertisements

13 Kommentare zu „Vom Winde verweht

  1. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…bei allem Spaß, nicht auszudenken, wenn jemand verletzt worden wäre. Auch blöd wäre gewesen, wenn der Schirm ein parkendes Auto getroffen und noch zum Sachschaden geführt hätte. Unnötiger Ärger sowas. Aber ist ja alles gut gegangen und Zeikenende hatte sogar eune Extraportion Sport😂🏖, LG Ela

    Gefällt 1 Person

      1. Genau. Die geheimen Regenrinnen-Nazis, Also die ReRi-Nazis. Die kommen nachts in dein Haus, lockern deinen Sonnenschirm, dann warten sie, bis er wegfliegt und sagen „Merkel ist schuld.“ oder alternativ „Die Flüchtlinge waren’s.“

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s