Kennt ihr diese Back-Rezepte, in denen Marzipan drin vorkommt? Treiben sie euch auch in die Verzweiflung aus einem ganz bestimmten Grund? Das kann ich gut verstehen, aber das muss künftig nicht mehr sein. Denn ich bin nicht mehr nur der Herr des Universums, ich bin auch der Herr des Marzipan.

Ich wollte eigentlich nur eine Kleinigkeit backen. Also Teilchen. Aus Quark-Öl-Teig. Weil nichts schneller geht als Teilchen aus Quark-Öl-Teig. Das geht wirklich flott. Denn für den Teig braucht ihr nur:

  • 300g Weizenmehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 150g Magerquark
  • 6EL Milch
  • 6EL Öl
  • 75g Zucker
  • 1 Prise Salz

Ihr müsst nicht einmal Eier aufschlagen und die Schalenreste aus der Tasse pflücken. Das ist doch eine ganz wunderbare Sache, oder? Also frisch ran ans Werk und einen Teig hergestellt.

In einer Rührschüssel vermischt ihr das Mehl mit dem Backpulver und dann schmeißt ihr einfach nacheinander alle Zutaten in die Schüssel. Habt ihr das vollbracht, bearbeitet ihr den Teig mit den Knethaken eures Handmixers auf höchster Stufe, bis sich alles zerkrümelt hat. Und dann knetet ihr den Teig per Hand weiter, bis daraus eine formschöne Teigkugel geworden ist. Geht es ruhig kräftig an, Quark-Öl-Teig wird nämlich bekanntermaßen nicht gern lang geknetet. Dann fängt er zu kleben an.

So weit, so gut. Aber ich sprach in der Einleitung ja von Marzipan und kurze Zeit später von Teilchen. Ich hätte also eigentlich mit der Füllung anfangen müssen oder sie zumindest genauer beschreiben. Denn diese Teilchen sollen tatsächlich mit Marzipan gefüllt werden, genauer:

  • 200g Marzipan-Rohmasse
  • 25g weiche Butter
  • 2EL Orangenmarmelade

sollen mit den Rührstäben des Mixers zu einer homogenen Masse gerührt werden. Jedes Backbuch hat da so seine eigene Ausdrucksweise. Am Ende sollen aus den drei Zutaten eine Zutat entstanden sein.

Wer das schon einmal ausprobiert hat, kennt die vielfältigen Probleme. Nachdem das Marzipan mehrfach durch die Küche geflogen ist, weil es sich nicht in der Rührschüssel halten lässt … Und man es eigentlich schon in Stücke geschnitten hat … wird aus dem Marzipanblock langsam aber sicher ein Marzipangekrümel. Die Masse lässt sich problemlos minutenlang rühren, ohne dass sich die Marzipanbröckchen auflösen. Von homogen oder glatt kann keine Rede sein. Dafür wird euer Arm lahm und ihr resigniert irgendwann.

Kennt ihr? Mir geht es jedenfalls so. Ich habe es schon probiert, den Marzipan zu schmelzen, aber das funktioniert nicht. Überhaupt lässt sich Marzipan warm noch schlechter verarbeiten als kalt.

Besondere Experten schwören darauf, ihren Marzipan in den Tiefkühler zu legen und ihn angefroren über eine Raspel zu jagen. Dann ließe er sich wohl verarbeiten. Ich bin da bis heute skeptisch und wette, der Marzipan bleibt beim Rühren dennoch minutenlang grisselig. Gewonnen ist dadurch nichts, eher ist es so, dass durch das Raspeln der Arm noch früher erlahmt … Und man bei Unvorsicht eine unschöne Rotfärbung des Marzipans erzeugt.

Aber das WG-Leben hat so seine Vorteile, denn ich bin dadurch in den Besitz eines Geräts gekommen, dass dieses Marzipan-Problem löst. Ich präsentiere deshalb voller Stolz Zeilenendes Orangen-Marzipan:

Ich liebe den Stabmixer. 🙂 Damit ist es zwar auch nicht unbedingt einfach. Marzipan ist zäh, ich musste mehrfach neu ansetzen, aber am Ende hatte ich tatsächlich eine homogene Marzipan-Masse. So etwas hatte ich noch nie. Und mein Arm war zum ersten Mal nicht lahm vom Marzipan-Verarbeiten.

Zurück zu meinen Teilchen. Jetzt ist der Augenblick gekommen, den Ofen auf 170° Ober-/Unterhitze vorzuheizen.

Der Rest ist einfach: Ihr rollt den Quark-Öl-Teig zu einer Platte von etwa … Ach … Also, das Rezept sagt 36x48cm². Ich habe es nach Gefühl gemacht. Die krumme Zahl rührt daher, dass ihr nun Quadrate von 12x12cm² ausschneiden sollt, den Teig also in 12 gleich große Quadrate aufteilt. Die Hälfte des Quadrats wird mit Marzipan bestrichen. Dann kommt noch

  • 1 Ei

ins Spiel, da habe ich wohl zu früh gejubelt, denn es mus auch noch getrennt werden. Die Teigränder werden vor dem Umklappen mit verschlagenem Eiweiß (welch Denunziation!) bestrichen, die so entstandene Marzipantasche mit verquirltem Eigelb (warum wird Eigelb eigentlich verquirlt, das ist mindestens genau so verschlagen wie Eiweiß!).

20170211_133432.jpg

Die Marzipantaschen kommen für etwa 20 Minuten in den Ofen und sind dann fertig. Sie schmecken vorzüglich (man muss ja niemandem sagen, dass im Originalrezept daraus irgendwie Zöpfe werden sollten … Was ich bloß nicht begriffen habe: Wie das geht. Deshalb habe ich Marzipantaschen erfunden.)

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25 Kommentare zu „Das Geheimnis des Marzipan

  1. Och, Taschen gehen doch genauso. Sieht lecker aus und schmeckt bestimmt auch gut. Marzipan muss man mögen. Ich esse es gern im Gegensatz zum Rest der Familie. Daher fällt Marzipan beim Backen aus. Aber Weihnachten gibt es diese leckerwn Marzipan Kartoffeln. Mhm, lecker…

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  2. Also „Teilchen“ ist mal sowas von nicht „inter“national. Ich wette, das sagt man nicht mal in Baden-Württemberg so *pedantisch*

    Ansonsten: Die schnellste Form von Teilchen ist Blätterteig mit Nutella befüllt. Das mit dem Zudrücken und Ei-bestreichen ist dann ähnlich. Und für die Befüllung muss man das Nutella noch nicht mal an den Küchenwänden verteilen 😀

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  3. Wieder ein moströser Fortschritt bei meinem Küchenlatein. Den Quark-Öl Teig in einer Kastenform habe ich schon ausprobiert und er schmeckt himmlisch. Der Marzipan Trick ist klasse, nur nicht unbedingt für mich, da ich kein Marzipan auch nur riechen kann, ohne das mir schlecht wird 😀 Aber irgendwas ist ja immer 😉

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  4. Bei Marzipan bin ich ziemlich raus, äußere mich daher mal aus einem anderen Grund:

    Bezüglich des morgen eigentlich angesagten Buch-Dates bitte ich untertänigst um einen kurzen Aufschub für meine Rezension! Die letze Arbeitswoche vor meinem zweiwöchigen Urlaub forderte ihren Tribut in Form einer Menge von Überstunden, die es mir schlicht unmöglich machten, das Buch bis morgen zu Ende zu lesen bzw. darüber zu schreiben.

    Ich hoffe, meinen Beitrag am Sonntag, im schlimmsten Fall am Montag nachreichen zu können!

    Sorry, aber manchmal kommt einem einfach das Leben dazwischen. 😉

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      1. Okay, das entspannt mich zutiefst! 🙂 Ich versuche mein Bestes, aber so gefühlte fünf weitere Buch-Dates werden bis zu meiner Rezension wohl tatsächlich nicht ins Land ziehen. 🙂 Nachdem das nun geklärt ist, kann ich ja jetzt endlich in den langersehnten Urlaubs-Rhythmus übergehen…

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  5. Marzipan mag ich nur bedingt – in Dominosteinen und in Mozartkugeln. So dekoriere ich gewöhnlich nur um die Weihnachtszeit meine Küche mit mehr oder weniger dezentem Marzipanmuster 😉 Aber Dominosteine müssen da IMMER sein. Marzipan zwischen einer Folie ausrollen, ist auch eine edle Angelegenheit 😀 😉

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