Zugegeben, ich bin nicht der große Zocker, dennoch hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Weil Gaming Teil der Popkultur ist und wir ohne nicht wären, wer wir sind. Heute fasst sich das Zeilenende kurz, ohne groß über den Inhalt des Buches zu sprechen, dafür wird es ein wenig nostalgisch.

Vielleicht habt ihr in eurer Kindheit und Jugend nie an einer Arcade-Maschine gespielt. Ich auch nicht. Vielleicht habt ihr aber Pacman durch die Labyrinthe geführt, seid mit Commander Keen auf dem Pogo-Stab durch fremde Welten gesprungen, habt von Candlekeep aus die Schwertküste bereist, um das Geheimnis des schlechten Eisens von Nashkel zu erkunden, vielleicht hat euch auch schon Pong begeistert, habt ihr die Geschichte der Menschheit gleich mehrfach nachgespielt (danke, Sid Meyer für so viel verschwendete Lebenszeit) oder vielleicht war es auch erst Himmelsrand.

Und was liegt so alles drumherum? Asimov, Erdsee, Transformers, Captain Marvel … Soll ich weiter machen? Zugegeben, es wurde manchmal schon sehr speziell, aber Pacman kennt der gemeine Mensch wohl ebenso wie die Produkte der Phantasie von Isaac Asimov. Captain Marvel ist vielleicht weniger Menschen bekannt, im Unterschied zu Bat- und Superman.

Es gibt diese Menschen, die ihr Leben damit verbringen, sich mit fantastischen Geschichten zu beschäftigen und in fremde Welten auszubrechen. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Der beste Grund ist: Dort ist es schön. Es ist spannend, das Unbekannte zu entdecken. Und es ist der Ort, wo alles besser ist. Der Cyberspace ist eine Utopie, auch wenn er sich momentan ein wenig zickig anstellt, mit Fake News und Hate Speech auf sich aufmerksam macht, statt mit Kooperationswillen und Freundschaft. Der Cyberspace ist ein riesiger egalitärer Spielplatz, dort sind wir im besten Falle alle gleich und spielen miteinander.

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Diese Gleichheit ist ein fragiles Konstrukt. Sie hängt davon ab, dass die Algorithmen im Cyberspace nicht diskriminieren (Hallo, Facebook) und der Zugang für jeden gleich ist (Hallo, Telekom). Dementsprechend ist sie immer bedroht.

Das Buch, dass ich allen Fans von Comicbüchern, Arcade- und Videospielen, popkulturellen Nerds, aber auch bloß Cyberspace-Enthusiasten und Freunden einer spannenden Geschichte ans Herz legen möchte ist „Ready Player One“ von Ernest Cline. Denn es erzählt die klassische Geschichte vom kleinen Außenseiter, der auszieht, ein Held zu werden und den schurkischen Hexenmeister besiegt, während er Prüfungen besteht.

Der Hexenmeister hat zwar unglaubliche Ressourcen, aber der Außenseiter ist pfiffig. Der Ort der Handlung ist nicht mehr die Vergangenheit oder eine Fantasywelt, es ist der Cyberspace und unsere Welt, der Hexenmeister ist mittlerweile ein Großkonzern. Die Prüfungen sind modernisiert, aber ihre Funktion bleibt gleich. Wade questet sich durch OASIS auf der Suche nach dem Schlüssel. Das ist unheimlich unterhaltsam, nostalgisch und modern zugleich. Es weckt Sehnsucht nach einem Ort wie der OASIS, weckt zugleich Furcht vor den Plänen, das Netz zu monetarisieren. Mehr noch als ein Abenteuer wie Wade es erlebt, wünscht man sich nach der Lektüre des Buches ein Cyberspace, wie es die OASIS repräsentiert.

Deshalb eine klare Kaufempfehlung für alle, die sich nerdig fühlen. Egal ob Gamer oder nicht (denn meine Karriere als PC-Spieler endete auch, bevor sie begann).

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17 Kommentare zu „Let’s play

  1. Ja, ein absolut fantastisches Buch. Ich bin so gespannt, was Spielberg aus der Vorlage macht. Das kann entweder großartig und katastrophal werden. Da ich eine Schwäche für die Werke des Regisseurs habe, hoffe ich mal auf das Erste… 🙂

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    1. Unter anderem deine Rezension ließ mich dann in der Buchhandlung letztendlich doch zugreifen … Was Spielberg angeht, habe ich da ehrlich gesagt Angst: Ich mag Spielberg nicht, weil er immer alles mit Pathos und Kitsch zukleistert. :-/

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  2. Hört sich gut an, das behalte ich mal auf dem Schirm!

    Hmm, und nach Lesen Deines Beitrags hätte ich jetzt irgendwie Lust, mal wieder von Candlekeep aus die Schwertküste zu bereisen, um das Geheimnis des schlechten Eisens von Nashkel zu erkunden. Ich hab das bis heute nicht durchgespielt…

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      1. Ich fand dieses ständige leben in der virtuellen und die Angst vor dem realen Leben irgendwie erschreckend – wenngleich auch irgendwie verständlich.

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