In diesem Haus spukt es nicht nur an Halloween. Das ganze Jahr über ist ein beseelter Aufzug damit beschäftigt, die Hausgemeinschaft zu tyrannisieren.

Es begann eigentlich schon beim Einzug. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, Möbel in den sechsten Stock zu befördern, wird wissen, wie froh und glücklich es stimmt, einen Aufzug zur Verfügung zu haben. Zumindest für fünf der sechs Stockwerke. So auch wir.

Frohen Mutes entluden wir nach und nach den Transporter und stellten die Sachen ins Treppenhaus. Es ist nur ein kleiner Personenaufzug, in dem es zu dritt bereits kuschelig wird, die einzelnen Besitztümer, die in mein Zimmer sollten, mussten also beinahe einzeln hinauf transportiert werden. Doch … Der Aufzug war von dieser Idee nicht begeistert. Kaum ging er auf, blieb meistens genug Zeit, mit den Dingen in der Hand hineinzuschlüpfen, bis der Geist in der Maschine zum Leben erwachte.

Der Geist in der Maschine ist sehr verschlossen. Er zieht es vor, die Tür ebenso geschlossen zu halten. Sobald der Geist also die Tür geöffnet hat, versucht er mit aller Macht, sie auch zu verschließen. Das scheint ein Problem vieler Aufzüge zu sein, dieser Aufzug hat ein besonderes Problem damit. Üblicherweise versieht man Aufzüge bei der Konstruktion deshalb mit Lichtschranken. Sie verhindern das Schließen der Tür.

Unser Aufzug besitzt auch eine Lichtschranke, angeblich. Nur reagiert er nicht darauf. Frohen Mutes versucht er, die Tür zu schließen, bis er auf ein Hindernis trifft. Dieses wird touchiert, die Aufzugtür öffnet sich daraufhin zur Gänze.

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Jeder gewöhnliche Aufzug würde nun eine kurze Gnadenfrist gewähren. Unser Aufzug tut das nicht. Er versucht sogleich erneut, die Tür zu schließen, bis er auf ein Hindernis trifft. Die Tür öffnet sich vollständig, ein weiterer Versuch des Schließens wird unternommen. Das ist ein herrliches Geschepper, das minutenlang im Treppenhaus erklingt, während der Aufzug befüllt wird. Und ein zuweilen schmerzhaftes Geschepper, wenn zusätzlich ein Bein im Weg ist. Der Aufzug beißt gern in Beine.

Ich habe den Aufzug durchaus zu schätzen gelernt, wenn ich vom Einkaufen komme und allein 18kg in Form von Wasser bei mir habe. Genau genommen ist das die einzige Gelegenheit, bei der ich den Aufzug benutze. Ansonsten steige ich lieber die Treppen, man weiß ja nie, ob der Geist in der Maschine einen schlechten Tag hat. Er könnte mich dann zerquetschen, wenn ich noch einsteige.

Es wende niemand ein, dass ein Aufzug keine schlechten Tage hätte und dieser Aufzug einfach merkwürdig eingestellt sei. Mitnichten! Denn so ungern der Aufzug zum Transport benutzt wird, wenn man in seinen Fängen ist, lässt er Menschen nur ungern gehen. Wahrscheinlich will er sie fressen. Das glaubt ihr nicht? Ich bin auch skeptisch. Aber meine Mitbewohnerinnen klingen zuweilen so. Denn ihnen passiert es regelmäßig, dass der Aufzug sie einsteigen lässt, in den fünften Stock befördert, hält … und ganz ohne Türöffnung hinab in den Keller saust.

Sie unterstellen dem Aufzug schlicht Boshaftigkeit. Das passiert nämlich bevorzugt dann, wenn eine der Damen dringend auf die Toilette muss. Ich glaube, der Aufzug ist bloß wählerisch, was seine Mahlzeiten angeht. Wenn er boshaft wäre, würde er uns allen blaue Flecken via Tür verpassen – und nicht bloß mir.

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33 Kommentare zu „Der Aufzug

      1. Es läuft nicht immer alles auf Anhieb rund. Hauptsache, hinterher hat es geklappt. Man kann stolz auf sich sein, denn manchmal muss man dabei ungeahnte Klippen überwinden.

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  1. Endlich jemand, der weiß, dass Aufzüge sehr wohl ein eigenleben führen. Es kommt mir vor, als würdest du den unseren beschreiben.
    Vielleicht sind sie aus dem selben würd, bzw. der selben Fabrik 😳

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  2. Mein allergrößtes Verständnis ! Ich wohne ebenfalls im 6. Stock mit einem Miniaufzug als Zubringer. Launenhaft ist der zum Glück nicht, nur für alles zu klein. Ich habe noch die Flüche des Installateurs im Ohr, der die neue Badewanne 6 Stockwerke hinaufschleppen musste.

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    1. Oha … Ich glaube deshalb will unser Vermieter das Bad nicht neu machen. Eine Badewanne würde in unserem Exemplar auch zum Problem. Wobei dieser Aufzug sowie speziell ist … Wir haben Hoch- und Tiefparterre. Durchs Treppenhaus muss man also so oder so mit dem Zeug. Und der Aufzug ist nie da, wo man hingeht. Steigt man hoch, ist er unten, steigt man runter, ist er eins drunter. *kopfschüttel*

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  3. Der war wirklich kuschlig. XD
    Die Sache mit der Kellerfahrt, vorzugsweise in Zeiten höchster Dringlichkeit, finde ich ja besonders belustigend. Auch wenn deine Mitbewohnerinnen das sicherlich ganz anders sehen, und niemals zugeben würden, aus Versehen auf den Kellerknopf gedrückt zu haben. 😀

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  4. Wieso ist alles, was ich hier lese „Mimimi“? 😀
    Achso, ja, weil ich in einer Stadt lebe, in der Häuser mit fünf Stockwerken grundsätzlich keinen Aufzug haben. Und man sich eine Waschmaschine von 93kg oder eine Kühl-Gefrier-Kombination von 81kg nich so ohne Weiteres über die schmale Schulter wirft. Bei meinem letzten Umzug lagen irgendwann so viele Leichen von dahingerafften Freunden im Treppenhaus, dass wir fast nicht mehr durchkamen. Ein paar aufzugamputierte Beine wären da gar nix gewesen, ha! 😀 😀 😀

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      1. Röschtösch.
        Aber mal ehrlich, ich glaube, in eurem Aufzug-from-Hell würd ich gar nicht mitfahren wollen.
        Es gibt in meiner Stadt nachträglich installierte Aufzüge (die dann witzigerweise „im halben Stockwerk“ halten, also auf dem Treppenabsatz) und man hat das Gefühl, man fährt in einem klapprigen, dünnwandigen Konservendöschen durch die Gegend, das jeden Moment runterkracht. Eurer klingt ähnlich. Da lauf ich dann doch lieber, soweit es irgendwie geht 😀

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      2. Ich vermute, unser Aufzug ist noch der originale aus dem ersten Haus in den 70ern … Das hier dürfte eine Arbeiter-Mietskaserne gewesen sein. Vielleicht für die nicht vorhandenen Kumpel, die kennen das nicht anders. *gg*

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