… will ich ein Schnitzel. Doch woran erkennt man eigentlich so ein richtiges Schnitzel?

Es fängt ja schon bei dem „richtigen“ an. Das Wiener Schnitzel ist ja nicht das einzige Schnitzel auf Gottes grüner Erde. Wiener Schnitzel zeichnen sich durch zwei Dinge aus:

  1. Ein Wiener Schnitzel ist vom Kalb.
  2. Ein Wiener Schnitzel ist paniert.

So weit, so gut. Bei der Zubereitung (und ich rede hier noch nicht einmal darüber, welche Panierung man wie am Fleisch zum Halten bekommt!) gehen die Meinungen schon auseinander, es gibt die Bräter und die Frittierer. Aber das ist ein Glaubenskrieg, aus dem ich mich heraushalten will.

Ebenso will ich mich gar nicht zur (Un-)Sitte äußern, ein Schnitzel erst zu panieren und unter größten Mühen knusprig zu braten, um es dann in Rahm-, Champignon-, Paprika- oder Käse-Sauce zu ertränken, um nur die gängigen Sünden aufzulisten, die man eigentlich mit unpanierten Schnitzeln anstellen sollte. Denn über ein paniertes Schnitzel gehört allerhöchstens ein wenig Zitrone.

Ich will mich auch aus dem Krieg heraushalten, was unter der Panade lauert. Richtig, das Wiener Schnitzel ist vom Kalb, während man in Deutschland zumeist das Schnitzel Wiener Art findet, das dann üblicherweise vom Schwein stammt. Das kann gut sein, ebenso wie Schnitzel vom Pferd. Beim Lamm und diversen Wasserbewohnern hingegen bin ich mir nicht sicher, ob es von diesen Tieren überhaupt Schnitzel gibt. Was gar nicht geht, sind Schnitzel vom Geflügel, da diese kleinen merkwürdigen Fleischstücke entweder zäh werden oder (dieses komische vorpanierte TK-Zeug) im Zweifel zusammengeklebt wurden und damit eine bewundernswerte Bastelarbeit, aber nun einmal kein Schnitzel sind. Zuletzt gilt: Auch Schnitzel aus Tofu oder Selleriescheiben sind, fachmännisch hergestellt, durchaus köstliche Schnitzel.

Wir merken, was beim Schnitzel nicht geht:

  1. Zusammengeheckseltes Zeug
  2. Das Ertränken in Sauce
  3. Seltsame Konsistenz

Leider interessiert das in einem Krankenhaus nicht. Und so freute ich mich eines Sonntags auf vegetarisches Schnitzel (Juhu, Tofu! Das waren meine Gedanken, denn ich mag Tofu) und bekam …

Über Suppen im Krankenhaus sich zu echauffieren ist ja beinahe vergebliche Liebesmüh. Lediglich die Milchsuppen, die ich artig jeden Morgen und Abend zu mir genommen habe (freiwillig!) sind köstlich (Gibt es da vorgefertigte Beutel oder ist das tatsächlich dünner Pudding?), die übrigen Suppen – wie diese Spinatcremesuppe – bestenfalls gewöhnungsbedürftig.

Auch von Salzkartoffeln, die noch nie einen Krümel Salz gesehen haben, wollen wir schwiegen und von Leipziger Allerlei, das zu 99,35% aus Erbsen besteht, ohnehin. Aber dieses Gemüseschnitzel, dieses weiche, wabbelige, in zu viel Fett gebadetem Ding, das aus geheckselten Gemüseresten der ganzen Woche bestand, darüber müssen wir reden. Vor allen Dingen, wenn die Sauce darüber gegossen wurde, sodass sich das „Schnitzel“ mit der Sauce vollsaugen konnte und für die Kartoffeln nichts mehr übrig blieb.

Wenn ich ein Schnitzel will, bestelle ich ein Schnitzel und wenn ich Gemüse will, Gemüse. Und wenn ich was Widerliches haben will, dann bestelle ich Thunfischpizza beim Lieferdienst um die Ecke. Es gibt keine Situation, in der ich so etwas gewollt hätte. Überflüssig zu erwähnen, dass der Nachtisch (ich freute mich so auf den angekündigten Eisbecher) ein kleines Töpfchen Vanille- mit Erdbeereis war. Wo ich doch kein Erdbeereis mag. (Der Kuchen auf dem Bild kam immer Sonntags als Nachmittagskuchen.)

Aber damit fasst sich mein Erlebnis Krankenhauskost ganz gut zusammen. Wo Salz ran muss, wurde daran gespart (die kochen ihre Nudeln ohne Salz), es gab entschieden zu selten Salat und wo es mal auf Qualität ankam, wurde gespart (getrocknete Tortellini, rly?). Das soll kein Vorwurf sein, für eine Großküche war es meist recht ordentlich, was die Krankenhauskantine da abgeliefert hatte, aber zum Gesundwerden hat zumindest das Mittagessen nicht beigetragen. Eher die merkwürdigen Kalamitäten, die das Frühstück und das Abendbrot mit sich brachten, doch darüber ein anderes Mal mehr.

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20 Kommentare zu „Wenn ich ein Schnitzel will …

  1. Das Schnitzel auf dem Foto sieht so aus wie ein fertig tiefgefrorenes. Hat eine viel zu „perfekte“ Form.
    Übrigens taugen ganz viele Schweineschnitzel für mich nichts. Oft zu zäh, zu dick, zu fasrig. Selbst ein Kalbsschnitzel kann in Deutschland in die Hose gehen. Die Deutschen können Schnitzel einfach nicht. Das weiß ich spätestens seit ich Schnitzel in Österreich gegessen habe.
    Als Alternative zum richtigen Wiener Schnitzel ist Pute immer noch das Beste (vielleicht noch Hühnchen)! Und am allerbesten das von meiner Mutter.

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      1. Putenfleisch (und auch lebendige Puten – was für ein Gestank!) ist so gar nicht meins. Höchstens mal klein geschnitten im Curry oder notgedrungen auf dem Grill, aber delikat und Pute würde ich niemals im Zusammenhang miteinander benutzen.

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    1. Ich vermute auch, dass das vorkonfektioniert war. Was Geflügel angeht, bin ich da skeptisch. Pute ist mir zu zäh. Und was es da so im TK-Bereich gibt … Sagen wir es so: Wenn ein einzelnes Schnitzel aus mehr als drei Tieren besteht, ist was faul im Staate Dänemark.

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  2. Meiner Erfahrung nach ist das „Erbsen-Möhren-Gemüse“ aus dem Tiefkühlwaren-Bereich und da sind bei den meisten Anbietern in der Tat mehr Erbsen als Möhren drin. Ich ess aber auch ganz gern Erbsen, wobei ich dann auf einem Löffel bestehe 😀

    Ich muss auch bald ins Krankenhaus und war überrascht, dass es vier mal am Tag Essen geben wird: Frühstück (08:00), Mittag (12:00), Kaffee (14:30), Abendbrot (17:30). Da ich normalerweise nur 1-2mal pro Tag esse, werde ich vermutlich total überfordert sein.
    Zu Mittag gibt es die Auswahl von drei Gerichten, die alle gut klingen. Eines ist sogar vegan.
    Ich bin (positiv) gespannt. Auch wenn eine Freundin mir 30kg Keksvorräte nahegelegt hat („Damit du nicht verhungerst, Kind!“) und die andere meinte „Das ist ein Krankenhaus. Du sollst überleben, nicht genießen!“ Oo 😀

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    1. Japp, das ist es in der Tat, aber es war ein „Allerlei“, wo eigentlich ein gewisser Anteil an Spargel hinein gehört, da lief also was falsch. *gg*
      Zur Kaffee-Zeit gibts im KKH meistens aber nur Kaffee, evtl. noch nen Keks, man gewöhnt sich aber an die Mahlzeiten. Ich hatte vor „Mittags warm“ meinen großen Bammel. Mein Magen fand es auch anfangs nicht so geil … Aber man gewöhnt sich dran. Wenn man es denn überlebt. Ich wette, die Hälfte aller Todesfälle im KKH liegt genau an der Ernährung. 😀

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