Ich höre die unterschiedlichste Musik. Mein Musikgeschmack ist sehr divers, im Laufe der Jahre haben sich aber einzelne Künstler und Bands gefunden, die mich kontinuierlich begleiten. Genau so gibt es Künstler und Bands, die ich exzessiv gehört habe, heute aber keine Rolle mehr spielen. Beiden möchte ich aber ein kleines Denkmal setzen. Heute: Wir sind Helden.

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Und wir beginnen auch sofort damit, die Doppeldeutigkeit der Einleitung aufzuheben. Wir beginnen statt einem Text mit einem Song … Dem Song.

Damit hätten wir das nämlich erledigt. Das klingt jetzt ein wenig flapsig, ist aber gar nicht so gemeint. Ich mag den Song. Er ist der karaoketauglichste Song der Helden und die meisten Menschen, die dieses Lied als Jugendliche kennengelernt haben, damals als die Helden von Wir sind Helden so richtig erfolgreich waren, kennen den ganzen verdammten Text auswendig. Wenn das Lied dann läuft, singen sie ihn mit. „Denkmal“ ist der Über-Song der Helden. Zurecht. Denn in dem Text ist Sprachgefühl drin, das die Helden ebenso auszeichnet, die Arbeit mit Bildern und griffigen Formulierungen und das Erzählen von Geschichten in ihren Songs. Das machen die Helden beinahe immer, egal ob sie

  1. Kritische Songs schreiben
  2. Lustige Lieder machen
  3. Schmachtfetzen machen

Denkmal ist ein klassischer Vertreter der Kategorie Schmachtfetzen, obwohl es da kitschigere Stücke gibt. Ich mag eigentlich alle Songs der Helden, die Schmachtfetzen aber weniger gern. Außer „Denkmal“, das tatsächlich Teil meiner persönlichen Top Fünf an Songs von Wir sind Helden sind.

Die Songs lassen sich natürlich nicht immer sauber in eine Kategorie einordnen. Der Debut-Song „Guten Tag“ (ohne Zweifel gut, aber keiner meiner Top 5 Songs) ist wahrscheinlich am ehesten in Kategorie 1 gut aufgehoben, ist aber auch lustig. Gleiches gilt für dieses Stück meiner persönlichen Top Fünf:

Allein schon der Anfang: „Du hast dich ausgezogen uns das Fürchten zu lehren“ … Das Lied ist böse und beißend, aber der Humor kommt nie zu kurz. Genauso ist es letztlich aber auch umgekehrt. Die eher lustigen Songs …

… sind nicht nur lustig, wobei Aurélie sicherlich der lustigste Song der Helden ist und in Sachen Storytelling überhaupt der stärkste Song der Helden ist, wie ich finde. Zugleich ist er ein wenig schmachtig und er ist dahingehend kritisch, dass er sich zugleich über die Verkrampftheit deutscher Flirtereien lustig macht und ganz nebenbei auch die Reste des Patriarchats in charmanter Art und Weise aufs Korn nimmt. Da wird aus dem Pfeifen, das so gern als Zeichen von Machismo gilt, von Aurélie eingesetzt und alles was sie erreicht: Sie schlägt damit die deutschen Michel mit ihrem Selbstbewusstsein in die Flucht. Großartig. 🙂

Immer wieder ist es die Sprache von Judith Holofernes, sind es die Texte, die mich beeindrucken, in den Bann schlagen, regelrecht neidisch machen. Nicht nur das wohldosierte Spiel mit dem eigenen Bandnamen (Heldenzeit ist da sehr instruktiv), überhaupt das Spiel mit der Doppeldeutigkeit: Grundlose Panik oder ein Grund, also los, Panik schieben? Selbst wenn man die Songs von Wir sind Helden nur nebenbei hört, die ein oder andere Formulierung tröpfelt ins Hirn und lässt aufhorchen.

Was man auch nicht immer erlebt: Die Band funktioniert live und akustisch. Mal wieder ein kleines Wortspiel, ein wenig lustig, ein wenig kitschig-gefühlig, ein wenig kritisch … Eigentlich ein sehr poppiger Heile-Welt-Song und damit untypisch für Wir sind Helden, aber es sind die Kleinigkeiten, die diesen Song eben doch zu etwas Besonderem machen. Nicht nur der Titel ist ein abgewandeltes Bibelzitat, meine liebste Stelle ist: „Herr, lass diesen Knilch an mir vorüber gehen.“ Eine Judith Holofernes muss eben früher oder später Anspielungen auf die Bibel machen.

Damit endet meine kleine Verneigung vor Wir sind Helden. Und weil ich im Unterschied zu den bisher vorgestellten Bands fest davon ausgehe, dass jeder meiner Follower*innen mindestens 20 Lieder der Band kennt, liebt und mitsingen kann: Welches ist denn euer Liebstes? Eines meiner fünf Liebsten oder ein anderes?

Bisher bei „Musik von …“

Welle: Erdball

Samsas Traum

Neil Diamond

Tanzwut

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43 Kommentare zu „Musik von … Wir sind Helden

  1. Da hast du aber ein Fass aufgemacht! Meine „Beziehung“ zu Wir sind Helden ist eher eine schwierige. Es gibt Songs, die ich mag, es gibt aber auch fürchterlich anstrengende Songs dieser Band. „Von hier an blind“ ist wohl neben Denkmal derjenige, der für mich am ehesten noch geht. Die Texte sind natürlich klug, aber dennoch war da immer etwas, dass mich an den Helden genervt hat. In Worte fassen kann ich es nicht – sagen wir einfach, sie gehörten nie zu meinen Lieblingsmusikanten. 😉

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    1. Ja … Es gibt natürlich auch die Position: Die Helden sind verkopft, ich gebe sogar den Kritikern recht, die über die Songs sagen, das seien gesungene Proseminare in Politikwissenschaften. Ich vermute mal, das nervt dich ein wenig.

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      1. Verkopft, hmm. Das stört mich gar nicht soo sehr. Ich hatte eher das Gefühl, dass die Band menschlich nicht zu mir passt, wenn du verstehst, was ich meine. Mit Judith Holofernes als Person werde ich einfach nicht warm.

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  2. Wir haben es ja bereits angeschnitten, dass ich von den Helden nur ein wenig kenne. „Nur ein Wort“ ist der Song, den wir vor Augen hatten. Ich finde ja, dass von den Bands, die so grob um dieselbe Zeit entstanden sind – Juli, die Helden, Silbermond – Juli mit am radiotauglichsten waren, die Helden eher beim zweiten Mal hören überzeugen konnten – nämlich dann, wenn man die Texte aufmerksam betrachtet – und Silbermond ging mir nur auf dne Keks. 😀

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    1. Siiiiiiiiiiiiiiiilbermond. Zum Ohrenabschneiden schlecht … *brummel* Juli ist in der Tat sehr radiotauglich, von den Texten her auch gar nicht so dumm. Allen Dreien muss man aber zugute halten, dass sie solchen Bands wie Revolverheld und Jupiter Jones dafür den Weg zum Erfolg gebahnt haben.

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      1. XD
        So ähnlich sah es auch einer meiner Dozenten. ^^
        Jepp, wobei mir das bisher letzte Album – Insel – deutlich weniger gefiel. Das war mir dann zu preachy.

        Arg schlimm, wenn ich die beiden nicht kenne? ^^‘

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  3. Unbestätigten Gerüchten zufolge wurde im Jahr 2008 der „Denkmal“-Song im Adobe-Callcenter wie folgt umgetextet:
    „Wir haben uns ein Lightroom gebaut, und jeder Vollidiot weiß, dass Adobe den Rechner versaut. Wir werden die schlechtesten Hacker dieser Stadt engagier’n, die soll’n nachts noch die Server mit Uninstall-Skripts reparieren.“ 😉
    Hach ja, die Adobe-Callis… „If no one else can help… and if you can find them… maybe you can hire… The A-Team!“ *schwelg*

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      1. Ich habe
        1. sehr romantische Vorstellungen
        und
        2. immer das Glück, wenn ich mit einem Callcenter telefonieren darf, das nur zwischen 8 und 16 Uhr erreichbar ist, sodass man seinen Anruf richtig planen muss. 😀

        Aber ich hätte spontan gesagt, an Weihnachten nimmt die Zahl der Anrufe zu, etwa eine Stunde nach der Bescherung. *g*

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      2. 1. Deswegen kläre ich dich auf 😀
        2. Ja, es gibt Callcenter, die zeitlich beschränkt sind und das finde ich auch gut. Natürlich hat nicht jeder Zeit, zu bestimmten „Öffnungszeiten“ irgendwo anzurufen, aber wegen zehn Leuten, die eine komische Schicht arbeiten, ein gesamtes Callcenter nachts und am Wochenende arbeiten zu lassen, finde ich einfach doof…

        Bei Adobe nicht. Die Software ist sehr teuer und wird in der Regel weniger von Privatleuten eingesetzt. Und Berufstätige haben – auch wenn sie selbstständig sind – feste Arbeitszeiten, die sich eher auf den Tag beschränken. An Feiertagen war es also meist ruhiger, nur einige (Achtung, Vorurteile) Menschen ohne Leben nutzten die Gelegenheit, dann mal anzurufen.
        Bei Dell ging es nach Weihnachten (also ab 25.12.) tatsächlich richtig los. Zu Weihnachten wurden Laptops verschenkt, die direkt nach dem Start einen Defekt zeigten und weil man ja die besinnliche Zeit nicht gemeinsam verbringen kann, sondern an der Dreckskiste zocken muss, scheißt man zur heiligen Zeit einfach mal ein paar unterbezahlte und überforderte Callcenter-Agents zusammen. Oh du Fröhliche!

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      3. Ah, okay, da finden sich diese Nasen auch.
        Was die Arbeitszeiten angeht: Ich bin voll und ganz bei dir (und sowieso ein Fan von Mail-Support), es gibt nur so ein paar Spezis, wo du genötigt bist, tatsächlich in der Mittagspause oder auf dem Heimweg zu telefonieren. Und ich steh nicht so auf Telekommunikation in der Öffentlichkeit. Ich finde das nach wie vor sehr privat. *g*

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      4. Ich bin dafür, alle Menschen in zwei Schichten arbeiten zu lassen: Eine von 06:00h bis 12:00h und eine von 12:00h bis 18:00h. Dann könnten alle Frühschichtler ihren Kram (Arztbesuche, Friseur, Einkaufen, Pakete) von 12:00h bis 18:00h erledigen und alle Spätschichtler in der Zeit von 12:00h bis 18:00h. Und alle hätten mehr Freizeit, Feiertage und Wochenenden *Blumen streu* 😀

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      1. Immer 😀
        Live-Musik ist eigentlich großartig, ich mag nur nicht in Massen stehen. Was hast du auf dem Konzert gesehen? Rücken und Hintern. Aber die Helden lies einen das schnell vergesssen.

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  4. Wir sind Helden ist eine der wenigen deutschen Bands, die egal ob sie polarisieren, schlicht Weg gute Musik machen. Ich finde übrigens Denkmal ist bei genauerer Betrachtung kein Schmachtfetzen sondern ein cleveres Stück Sozialkritik.

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  5. Vielen Dank für den schönen Text. Für mich waren die Helden auch großartig, kam auch in den Genuß sie zweimal live zu sehen.
    Eine stets authentische Band mit guten Hooks und ansprechenden Texte. Bezüglich des Videos bin ich bei Stepnwolf, die One-Cut-Video-Hommage an Bob Dylan ist großartig.
    Die Band wird auch noch in meinen Sahneplatten Einzug halten, versprochen!

    LG Torsten

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    1. Danke für das Lob. Ich finde es ein wenig schade, dass ich die Helden nie live gesehen habe, gerade weil ihre Live-Mitschnitte so viel Spaß machen … Aber Frau Holofernes hat ja zumindest Twitter. 🙂

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      1. Momentan nicht, dann müsste ich nämlich zugeben, dass ich die neue Single von Cro ziemlich … … wie sag ich das diplomatisch … … schlecht finde und mit jeder Wiederholung (so alle 30 Minuten) ein Stück schlechter. ^^

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