Auf den Spuren eines neuen Körpers.

Am Tag der Operation bin ich von meiner Ärztin angemalt worden. Sie sagte, sie modelliere die „Popos“ männlicher Patienten nicht so sehr, woraufhin ich entschieden protestierte, denn „Wenn ich schon einmal unter ihrem Messer liege, sollten Sie berücksichtigen, dass auch Männer ein wenig eitel sein können.“ Seitdem sieht mein Hintern zwar nicht so aus wie der von Kim Kardashian, aber er macht schon etwas her und ist vor allen Dingen nicht so schlaff.

Ich habe mich optisch verändert. Massiv. Obwohl ich immer noch ein wenig angeschwollen bin und weite Klamotten trage, sieht man, dass ich schmaler geworden bin. Die Hautlappen, Überreste ehemaliger Fettrollen, sind verschwunden. Darüber könnte ich natürlich viel schreiben, aber die Schwellungen sind noch nicht ganz verschwunden. Ich kann noch nicht so viel darüber schreiben. Aber über zwei andere Dinge kann ich das sehr wohl.

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Vielleicht ist es albern, aber ich freue mich darüber, dass ich einen Bauchnabel habe. Zugegeben, ich hatte (wahrscheinlich) auch vor der Operation einen Bauchnabel, nur kann ich mich nicht daran erinnern, ihn jemals gesehen zu haben (obwohl ich ihn irgendwann einmal gesehen haben muss). Der alte Bauchnabel war kein Nabel, sondern ein Loch, das genau zwischen zwei Hautlappen hing. Und nach der OP war da plötzlich ein Bauchnabel. Ich liebe ihn heiß und innig. Vielleicht ist es verrückt, aber der Bauchnabel war für mich das erste sichtbare Zeichen einer gelungenen Operation.

Ich kann auch sonst nicht so viel zu meinem neuen Körper sagen, weil er noch wirklich neu sind. In der Klinik habe ich nicht so genau hingeschaut, denn mal ehrlich: Wer von euch will seinen Körper sehen, während Schläuche aus ihm herausragen? Dementsprechend habe ich von meinem Bauchnabel abgesehen zwei Wochen lang nicht viel gesehen. Und gespürt habe ich nur, dass irgendwas angespannt ist und geschwollen. Und wenn Gewitterluft ist, spiele ich immer noch Hefeteig. Ich weiß also noch nicht so genau, wie ich nun aussehe. Auch, weil der Weg noch nicht vorbei ist.

Neben dem Bereich von Bauch bis Po besitzt der Mensch ja auch noch eine Brust, Oberschenkel und Oberarme. Es ist noch nicht alles so, wie ich es brauche. Ich sage brauche, denn ich spüre zum ersten Mal in meinem Leben ein klein wenig Stolz auf mich und meinen Körper. Deshalb geht es weiter.

 

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56 Kommentare zu „Ich habe einen Bauchnabel

      1. Nope … Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Oder fast im Gegenteil. Dass ich die OP machen wollte, war mir schon eine ganze Weile klar. Es musste nur in meinem Leben endlich passen. Mein „alter“ Körper und ich hatten/haben ein eher funktionelles Verhältnis.

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  1. Wie viele Kilos hast du verloren, dass die Haut so anfing zu hängen?
    Das neue Selbstwertgefühl ist schon ein toller Kumpel, oder? 🙂

    Was mich mal interessieren würde: Musst du dazu (alles?) bezahlen oder trägt das tatsächlich mal die Krankenkasse?

    Gefällt 2 Personen

    1. Doch. Ich bin zwar davon überzeugt, dass der Geist den Menschen massiv prägt, aber man sollte den Eigenwert des Körpers nicht unterschätzen. Denn es ist ja nicht nur Optik. Es ist ein anderes Gefühl … Für das es nicht einmal ein wirkliches Wort gibt.

      Gefällt 4 Personen

  2. Bewundernswert, dass du hier so offen schreibst! 🙂 Ich freue mich, dass du erste Fortschritte schon wahrnimmst – also, viel Spaß mit deinem Bauchnabel, zumindest so lange, bis du auch den restlichen Körper in neuer Schönheit genießen kannst! 😉

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  3. „Bei Männern modelliert sie den Po nicht so sehr“? Also bitte. Als ob Männern gerne einen mehr oder weniger „zufälligen“ Hintern hätten. Das kann nur als Steilvorlage für Dich gemeint gewesen sein ;).
    Ich wünsche Dir und Deinem Bauchnabel einen glücklichen und erfolgreichen Weg!

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  4. Alles Gute weiterhin! Ich habe von März bis jetzt 6 Kilo abgenommen und bin nun wieder bei meinem Wunsch- und Wohlfühlgewicht. Aus Deiner Sicht sicher nicht viel, aber was ich eigentlich sagen will, ich kann sehr gut verstehen, wie stolz man ist, wenn man sich in und mit seinem Körper wieder wohlfühlt.

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