Ich habe noch einen letzten Liebster Award abzuarbeiten. Einem durchaus herausfordernden Award, der mich an der ein oder anderen Stelle dazu genötigt hat, über Dinge zu schreiben, die nur mal wieder Schlechtes von mir denken lassen. Auch wenn es dieses Mal nicht um Liebe geht. Keine Sorge, zumindest das bleibt euch erspart.

Ich verdanke den Award dem guten Arno von Rosen, seines Zeichens Blogger, Autor, Zeichner, Fotograf, Koch (darf man das so sagen?), kritischer Geist, überhaupt liebenswerter und hilfsbereiter Mensch. Ein vielseitig talentierter Mann also, sowohl in den schönen Künsten des Schreibens, Malens mit Stiften und Licht gleichermaßen und der gustatorischen Genüsse bewandert. Habe ich etwas vergessen? Schaut einfach bei ihm auf dem Blog vorbei, da gibt es zu sehen, was er so tut. Klingt unglaublich, dass er das alles tut und dann auch noch gut tut? Ach was. Wer in der vielleicht nicht schönsten, aber zumindest schnuckeligsten Stadt Deutschlands wohnt, hat so viel Inspiration um sich herum, dass er gar nicht anders kann.

Doch nun in medias res, stürzen wir uns auf die Fragen.

Hast du den Mut ein Lebewesen von seinem Elend zu befreien, wenn der nahe Tod offensichtlich ist?

Wir beginnen diesen Liebster Award ja reichlich voraussetzungsreich. Um diese Frage sicher zu beantworten, müssen wir nämlich klären,

  1. ob der nahende Tod offensichtlich sein kann,
  2. ob das Lebewesen tatsächlich elendig ist und
  3. ob das Beenden von Leid per se eine Befreiung ist

Damit sind wir nämlich in einer Reihe von sehr heiklen und auch delikaten Fällen, bevor wir uns überhaupt den Fragen zuwenden,

  1. ob es Mut braucht, jemanden zu töten oder
  2. ob jemanden zu töten eine ganz spezielle Art der Feigheit ist und
  3. ob ich, selbst wenn ich sie billige, eine Tötungshandlung vollziehen kann.

Fangen wir aber einfach an, denn das moralische Tötungsverbot gilt zwar unbedingt, ist aber ein Individualrecht: Ich habe das Recht, nicht getötet zu werden. Das ist grundsätzlich ein Recht, auf das man ganz individuell verzichten kann. Damit müssen wir zumindest die erste Frage aus Block 1 nicht beantworten.

Die Fragen 2 und 3 sind komplexer, letzten Endes kann ich mich aber darauf berufen, dass das Beenden von Leid eine Befreiung sein kann. Solange ein Lebewesen mir also glaubhaft versichern kann, dass ich ihr Leid beende (und das ist schon eine schwierige Bedingung), besteht zumindest die Möglichkeit, dass ich ihr Leid beende.

In den nächsten beiden Fragen wird wieder ein heikler Punkt berührt und ich bin tatsächlich der Ansicht, dass ein Tötungsakt auch ein Akt der Feigheit ist und zwar ein Ausdruck der Feigheit vor der Zukunft. Ich halte mich an das Prinzip: Je auswegloser eine Situation ist, desto größer sollten meine Hoffnungen sein, denn im schlechtesten Fall bleibt mir nichts anderes als meine Hoffnung. Im Zusammenhang mit Selbsttötungen ist das intuitiv, bei Fremdtötungen ist es ähnlich: Eine Tötung als Racheakt ist Feigheit sich zukünftigen weiteren Demütigungen zu stellen, die Tötung eines feindlichen Soldaten ist die Feigheit, sich einem anderen Gesellschaftsmodell zu stellen. Das reicht natürlich nicht, Mord und co. vollständig zu erklären, ist aber ein Teil davon.

Das heißt nicht, dass jeder Tötungsakt grundsätzlich und immer gleich verwerflich ist. Er ist immer verwerflich, aber insbesondere als Selbsttötung ein gutes Recht. Von daher hätte ich grundsätzlich massive Skrupel, einen anderen Menschen zu töten und würde so viel Zeit mit der Abwägung verbringen, ob es in dem Fall gerechtfertigt ist, Schuld auf mich zu laden, dass der Tod ganz natürlich eintritt. Danach würde ich womöglich zu dem Ergebnis kommen, dass es in dem einen Fall legitim gewesen wäre. Was mir bei zukünftigen Fällen auch nichts bringt.

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Welcher Mensch ist dir der liebste auf der Welt und warum?

Es gibt ein paar, die dafür in die engere Auswahl kämen, die aber aus genau den Gründen, warum sie das sind, auf diesem Blog nicht vorkommen. Aber es gibt die eine, die in der Realität noch viel wundervoller ist als die Figur, die sie auf meinem Blog zuweilen darstellt. Das ist die famose Mutter Zeilenende, die mich immerhin auf die Welt gebracht und die letzten 30 Jahre – bis heute – vergeblich zu erziehen versucht (und trotz heftiger Abneigungen dennoch mit mir shoppen geht). Wer so viel Ausdauer trotz auswegloser Lage besitzt, muss vollkommen wahnsinnig sein – und deshalb genau so liebenswert. Es gibt glaube ich nur sehr wenige Dinge, die ich ihr nicht verdanke und sei es nur indirekt.

 

Du könntest einen Menschen auf der Welt retten, der wiederum tausende Menschen retten könnte oder du rettest nur deinen Lieblingsmenschen. Wie entscheidest du dich?

Ich kann das Wort „Lieblingsmensch“ nicht leiden, weil ich da immer an den miesen Song denken muss. Warum „Lieblingsmensch“ mies ist, habe ich hier erklärt.

Davon abgesehen … Ein Utilitarist würde ja jetzt in der Bredouille (SO wird das geschrieben!) stecken, denn der müsste rechnen. Als Kantianer kann ich mich zurücklehnen und sagen: Das ist ein echtes moralisches Dilemma, das ich nicht auflösen kann, weil ich über Leben und Tod von Menschen entscheiden muss. In diesem Fall gibt es keine richtige Entscheidung und bin frei zu tun, was ich will oder auch zu unterlassen, was ich will.

Ich kann natürlich sagen, dass tausende Menschen ein gewichtiges Argument sind, aber ich muss mit der Entscheidung leben können. Wenn ich bis an mein Lebensende nicht in den Spiegel schauen könnte, obwohl ich tausenden Menschen das Leben gerettet hätte, wäre das ein angemessener Preis?

Ich kann gar nicht so genau sagen, wie ich mich entscheiden würde. Es käme wohl darauf an, wie ich meinen „Lieblingsmenschen“ retten würde. Bekäme er es nicht mit, dass ich ihn im Stich gelassen hätte? Das würde bei mir immer noch für nagende Schuldgefühle sorgen, aber ich könnte mich dazu durchringen, die tausende Menschen zu retten. Schweren Herzens. Denn ich neige zur Loyalität, es sei denn, ich habe eine Betrugsoption.

Wenn du dir bewußt eine letzte Mahlzeit wünschen könntest, was würdest du gerne essen?

Ich habe diese Sache mit der Henkersmahlzeit ehrlich gesagt nie verstanden. Ich esse gern, keine Frage. Ich esse auch gut, geschenkt. Aber was ich dann esse, ist mir recht schnuppe, solange es lecker, gut und zur Stimmung passend ist. Spargel im Winter und Rosenkohl im Sommer – ihr wisst hoffentlich, was ich meine. Obwohl der Rosenkohl … ein ganz hervorragende Figur als Salat zum Grillen macht. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wenn ich wüsste, das morgen die Welt untergeht (und mal ehrlich, genau das bedeutet „sterben“), würde mir anderes in den Sinn kommen als „Was möchte ich jetzt essen?“ oder auch „Wo kriege ich ein Apfelbäumchen her?“ Je nach Plan für die letzten Handlungen wahrscheinlich Unterschiedliches. Und sehr wahrscheinlich hätte eine ausgelassene Feier Priorität. Zu einer ausgelassenen Feier gehört traditionell als abschließende Mahlzeit ein Döner. Ich mag zwar Falafel lieber, aber wenn man morgens früh kein gerades Wort mehr herausbekommt vor Erschöpfung, bekommt man einen Döner in die Hand gedrückt. Das ist dann eine bewusste Entscheidung für eine letzte Mahlzeit, denke ich, auch wenn eher durch andere Umstände geschuldet.

Wenn ich nicht mehr feiern gehen könnte … Ich würde mich jedenfalls dazu entscheiden, zum Nachtisch eine Mehlspeise zu bekommen. Oder ein Kuchenbuffet. Oder beides. Alles andere wäre von der Saison und meinen spontanen Wünschen abhängig.

 

Würdest du die Erde verlassen, auch wenn du nie wieder zurück kommen könntest?

Wieso nicht? Ist ja nicht so, dass mir im Universum langweilig werden würde, oder? Ich meine, was machen wir denn auf der Erde? Wir sind tagtäglich auf der Suche nach Dingen, die uns begeistern, zumindest aber interessieren oder beschäftigen. Es spricht also nichts dagegen, die Erde zu verlassen und auf den Mond zu ziehen. Das ist logistisch auch einfacher, als den Rest der Menschheit auf den Mond zu schießen.

Andererseits weiß man bei der Erde, was man an ihr hat.

Damit wäre der Grund gefunden, warum man die Erde verlassen sollte. Von meiner tiefen Faszination für die unendlichen Weiten des Alls einmal abgesehen ist die Erde selbst ein guter Grund, sie zu verlassen. Man dürfte immerhin den lieben langen Tag in einer technisierten Umgebung verbringen, besser noch: In einem fracking Raumschiff! Selbst wenn es ein wenig abgeranzt wäre wie die Galactica, ich wäre an Bord (obwohl ich die Zylonen letzten Endes sympathischer finde).

Jeder Schritt im Leben bedeutet, etwas zurückzulassen und etwas zu gewinnen. Das gilt für Jobwechsel ebenso wie die Frage, ob man die Erde ohne Aussicht auf Wiederkehr verlässt. Ich für meinen Teil bin neugierig genug zu sehen, was da oben zwischen den Sternen passiert. Die Chance würde ich mir nicht entgehen lassen.

 

Stell dir vor du bist tot und triffst tatsächlich Gott und dürftest ihm nur eine Frage stellen. Welche wäre das?

Ich stelle mir vor ich bin tot und leide unter dem Paradoxon. Weil ich mir damit vorstelle nicht zu sein … Und das geht nur, wenn wir erwarten, dass es nach dem Tod weitergeht. Menschen, die der Tod nicht schreckt, glauben unbewusst entweder daran, dass es auch nach dem Tod für sie weitergeht oder haben das noch nicht in ganzer Konsequenz gedacht. Oder sind weniger narzisstisch als ich.

Nehmen wir also trotzdem an, dass es Gott gibt und wir ihm eine Frage stellen dürfen. Auf ein „Warum das alles?“ bekomme ich wohl nur ein „Weil es so ist!“, ich bin nämlich davon überzeugt, dass Gott auch keine Letztbegründung geben kann, zumindest keine, die wir verstehen. Gott IST ja selbst die Letztbegründung für die Welt, er braucht keine weitere Motivation. Da wäre es schon doof, die eine Frage zu verplempern.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen lohnt ebenfalls nicht. Wenn ich tot bin, will ich mich nicht grämen müssen, dass ich meinen Sinn verfehlt habe, sondern bleibe doch lieber bei meiner selbst gebackenen Erkenntnis, dass Sinnstiftung etwas ist, das wir tagtäglich selbst für unser Leben leisten müssen. Dafür gibt es Hilfsmittel wie Religionen und politische Ideologien, aber die sind nicht aus sich heraus sinnstiftend, sondern nur weil wir sie als sinnstiftend akzeptieren.

Die großen Fragen lohnt es sich also nicht, Gott zu stellen. Warum das Nutellabrötchen immer mit der Nutella-Seite auf den Fußboden fällt, ist mittlerweile wissenschaftlich untersucht worden und lohnt auch nicht. Interessieren würde mich deshalb, wie das Universum und der Mensch entstanden sind. Wie das genau vor sich gegangen ist. Ich würde ihn also fragen: „Wie sind das Universum und der Mensch genau entstanden?“ Und ich hoffe, er erzählt mir dann von der Schnapsidee einer durchzechten Nacht.

Wenn Gott nicht so wirkt, als würde er Zech-Geschichten erzählen, sondern mir auf die Nerven geht, würde ich ihn allerdings fragen, ob er einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Entweder löst er dieses alberne Paradoxon dann nämlich für alle Zeit auf … Oder Gott verpufft. Was auch lustig wäre.

 

Du bist der letzte Mensch auf der Erde. Was machst du den lieben langen Tag?

Panisch Blicke über die Schultern werfen, wann um Himmels willen die ersten Zombies/Vampire auftauchen. Ich werde schließlich schon seit ein paar Tagen von so einem doofen Hund verfolgt (der daran schuld ist, dass Herr Moritz nicht mehr mit mir redet). Ich habe Seamus gesagt, dass das mit dieser Forschung an biologischen Kampfmitteln in unserer Küche eine blöde Idee ist, aber der blöde Bär wollte ja nicht hören. Jetzt bin ich zwar eine Legende, habe aber auch den Salat.

Was tut man aber als Legende? Tote Legenden nicht so viel, nehmen wir lebende Legenden: Die Rolling Stones nehmen den ganzen Tag Drogen, Madonna ernährt sich gesund und macht kabbalistischen Unfug. Ich würde mich dementsprechend den lieben langen Tag nur von natürlichen Drogen ernähren und kabbalistischen Unfug machen.

Ihr hättet es euch ein wenig ernsthafter gewünscht? Dann müssen wir darüber reden, wie es um meine Infrastruktur bestellt ist. Ich würde wahrscheinlich für schlechte Zeiten Saatgut hamstern – und zwar nicht das F1-Zeug – und mich ansonsten von Stromfreileitungen und hohen Gebäuden fern halten, man weiß nie, wann sie einstürzen. Batterien bräuchte ich, Gas, Benzin, Generatoren, Taschenlampen, Gaslampen, Gasgrill, all sowas.

Ansonsten würde sich an meinem Leben nicht so viel ändern. So lange das Internet noch funktioniert, würde ich bei Amazon Prime Serien suchten und gleich noch einen Netflix-Account anlegen, um Geld muss ich mir ja wahrlich keine Gedanken mehr machen. Und dann? Viele Bücher lesen, viel wandern, das Schießen lernen, für den Fall dass die Fauna vergisst, wer hier der Spitzenprädator ist. Ich würde wahrscheinlich auch weiter bloggen oder altmodisch Tagebuch führen. Ich würde jeden Tag mit mir selbst Party machen, zumindest jeden Tag feiern, weil zwar nur ich überlebt habe, aber ich den Kapitalismus besiegt habe und mir statt der Frage „Was kostet es?“ die Frage „Wie mach ich das?“ stellen darf.

Ob ich andere Menschen vermissen würde, obwohl sie in meiner Antwort nicht vorkommen? Hey, ich bin ein ziemlicher Egozentriker, schon vergessen? Außerdem bin ich viel zu pragmatisch, um mich mit der Abwesenheit anderer Menschen lange aufzuhalten. Da freue ich mich lieber darüber, dass die zahllosen Menschen, die einem so tagtäglich auf die Nerven fallen, nicht mehr da sind.

 

Könntest du ohne Smartphone und Internet leben und was wäre deine Alternative dazu?

Die Frage ist weniger, ob ich es könnte und mehr, ob ich es wollte. Denn ich habe es zumindest etwa ein Dutzend Jahre auf diesem Planeten ohne Internet ausgehalten. Frei nach Loriot kann ich deshalb, beide Seiten kennend, feststellen: Ein Leben ohne Internet ist möglich aber sinnlos. Und das Smartphone ist ein Portal zum Netz. All diese jaulenden Kulturkritiker, dass die Menschen sich in der Öffentlichkeit lieber in ihre Smartphones versenken statt zu interagieren, verkennen schlicht, dass diese Menschen sehr intensiv miteinander und der Welt interagieren. Das Internet ist kein Ort mit exklusiven Portalen sondern durchdringt unsere Realität. Ausgerechnet Pokemon Go hat das im letzten Jahr wieder sehr deutlich gemacht. Diese Menschen haben einen sehr viel ausgeprägteren Sinn für die Möglichkeiten der Realität als heulende und zähneklappernde Kulturkritiker, die vor vielen tausend Jahren auch die Schrift als Untergang des Abendlandes angeprangert hätten, weil unsere Kultur von der mündlichen Tradition abhänge.

Ich wollte auf das Internet nicht verzichten und auch auf das Smartphone nicht. Ich finde es auch übertrieben, einen bewussteren Umgang damit einzufordern. Die Anbindung ans Internet ist eher so etwas wie Nahrung (okay, um die wird momentan auch ein ziemlicher Hype gemacht, aber sei es drum) für den Geist. Etwas, das man weiter treiben muss, denn das ist nur Stufe 1 bei der Überwindung unserer Biologie hin zur Cyborg-Existenz.

Wenn ich also ohne Internet und Smartphone auskommen müsste, täte ich mir den aktuellen Brockhaus … Oh … oder die Encyclopaedia Brita … Ups … Wahrscheinlich müsste ich mich mit Paulys Realencyclopädie der Classischen Altertumswissenschaften begnügen. Die ist zwar uralt, aber immer noch eine Art Goldstandard. Im Unterschied zu Enzyklopädien aktuellen Wissens.

Dann bräuchte ich auch noch ein altmodisches Telefonbuch … Und ich würde mir wohl wieder einen Fernseher zulegen und regelmäßig Briefe(!) an die Programmdirektionen schreiben, dass man bitte ein informativeres Programm zusammenstellen solle, weil MICH das nicht interessiert (Wie war das noch gleich mit dem Netz? *seufz*). Bücher habe ich ja noch genug. Immerhin.

Und nach zwei bis drei Jahren hoffnungsvollen Ausharrens, dass das Netz zurückkommt, würde ich letztlich in tiefer Depression versinken, weil die Welt(!), in der ich groß geworden bin, sozialisiert wurde und bis zum großen Big Bang gelebt habe, unwiderbringlich verloren ist. So ungefähr müssen sich die Atlanter gefühlt haben, als ihr Kontinent damals abgesoffen ist.

 

Du dürftest eine Rede für beide Kandidaten um das Bundeskanzleramt schreiben. Was steht da drin?

„Wählt meine Partei , weil das Wahlprogramm am Besten euren Überzeugungen entspricht. Wählt nicht meine Person, nur weil ich eine Frau, Bartträger oder sonst etwas bin.“ Die Rede dürften dann beide halten. Die Person im Kanzleramt ist wichtig, keine Frage, aber erst, wenn sie gewählt ist. Sie ist es, die politische Entscheidungen erklären muss, die großen Leitlinien und Visionen entwickeln … Aber all die Gesetze, die der Bundestag beschließt, basieren letzten Endes mehr auf dem Willen, den das Parteiprogramm ausdrückt, gepaart mit dem Willen der entsprechenden Ministerial-Bürokratie und natürlich auch dem Willen des entsprechenden Fach-Ausschusses.

Und da die Mehrheitspartei auch die Mehrheit im Fachausschuss stellt und natürlich einen gewissen Einfluss auf die Besetzung von Ministerialverwaltungsposten hat … Ach … Ja, ich würde ein wenig schlichte Ehrlichkeit echt super finden. Weil ich immer das Kotzen bekomme, wenn ich vom Schulz-Effekt höre oder Leute die CDU wählen wollen, weil die Merkel dann weiter bestimmt. Als ob Demokratie nicht mehr wäre als die Fortsetzung des Feudalismus mit anderen Mitteln.

 

Immer werden dir die gleichen blöden Fragen gestellt, aber was würdest du wirklich gerne einmal beantworten?

Ich habe eigentlich nur eine Liste an Fragen, die ich leid bin. Ich mag nicht mehr erzählen, wie ich zum Bloggen gekommen bin oder was mir das Schreiben bedeutet. Nicht, dass ich was gegen die Frage hätte, aber ich habe sie gefühlt in jedem Award schon einmal beantwortet. Ebenso ärgerlich, aber nicht in diesem Award, sondern eher so allgemein, ist DIE Frage, auf die ich der Höflichkeit halber natürlich Auskunft gebe, aber Kinder, seit wann wisst ihr eigentlich, dass ihr hetero seid? Wie habt ihr es gemerkt? Und habt ihr ggf. nicht auch mal experimentiert, mit dem gleichen Geschlecht? Oder darüber zumindest nachgedacht? Damit kann man sich das Meiste doch ganz gut zusammenreimen, oder?

Davon abgesehen beantworte ich gern jede Frage, die euch interessiert. Ich beantworte sogar die Fragen, die ich leid bin, immer wieder gern, wenn sie aus wirklichem Interesse gestellt werden – denn es ist wichtig, Fragen zu stellen. Fragen ist ein Ausdruck von Interesse und Neugierde. Interesse und Neugierde sind ein Zeichen für einen offenen Geist. Offene Geister müssen kultiviert werden, denn sie bilden zusammen eine offene Gesellschaft. Und die ermöglicht Fortschritt. Vielleicht würde ich gern mal gefragt werden, woran ich glaube … Das wäre die Antwort. *g*

 

Ich bin am Ende und habe festgestellt: Ich habe keine Ahnung, wen ich so nominieren soll. Ich habe deshalb eine Liste angelegt. Da landen jetzt Namen drauf. Und wenn es genug sind, habe ich Opfer für den nächsten Award. 😉

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33 Kommentare zu „Zeilenende als Atlanter: Kein Smartphone, keine anderen Menschen, keine Erde?

  1. Lieber Zeilenende, du hast uns eine perfekte Philosophiestunde geschenkt und dir die Beantwortung der Fragen nicht leicht gemacht. Natürlich habe ich die Nominierten mit bedacht ausgewählt, wollte ich doch unterhaltsames für deine Leser/innen generieren. Du hast meine Erwartungen übertroffen und wenn es bei den Antworten einen „schwersten Weg“ gab, hast du ihn mit sicherer Hand ausgewählt. Dafür meinen allergrößten Respekt und meinen Dank. Übrigens dachte ich die Zylonen wären nur Maschinen, weil die immer zu Blechdosen zerfallen sind, aber das mittig gelegene Discolicht am Kopf fand ich auch immer lustig 😉 Weise, pfiffige, klevere Anzworten zu geben ist ja eine Leidenschaft von dir und mich zu unterhalten ist eine von mir 🙂 Danke für die vielen Rosenkränze und Lorbeerkronen die du an mich verteilt hast und nun warte ich irgendwann auf deine Opferliste mit Fragen! Dir einen fabelhaften Sonntag 🙂

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    1. Naja, perfekt wäre sie gewesen, wenn sie am Ende die Welt insgesamt erklärt, aber man kann ja nicht alles leisten, gell? Ich kann mich jedenfalls nur bedanken für die Lobhudeleien, die ich zurück bekommen habe – da werde ich ja ganz rot. Könnte aber auch an der Anstrengung liegen. *lach*
      Was die Zylonen angeht, sind sie spätestens im (sehr sehenswerten) Remake (mit dem weiblichen Starbuck) mehr als nur Maschinen. Eigentlich sogar – meiner Meinung nach – die besseren Menschen. Aber meine ursprüngliche Faszination rührt in der Tat auch von dem Discolicht im Kopf mit Lorne Greene her. *gg*

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  2. Immer wieder fein. Gut, die Sache mit Gott, da wäre ich wohl ein wenig überrascht, dass es den wirklich gibt. ^^‘
    Da ich hin und wieder ebenfalls Egozentriker bin, würde ich ihm die Frage stellen, ob ich mein Leben als Fernsehfilm mit Audiokommentar sehen könnte. 😀

    Aber du gibst einfach immer tolle Antworten – bis auf die Sache mit dem Hund. Da hab ich glaub was verpasst, und dass dich Herr Moritz in Ruhe lässt, das ist doch erstaunlich! 😮

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    1. Die Sache mit dem Hund ist eine popkulturelle Anspielung. Der Einfachheit halber empfehle ich einfach mal „letzter Mensch“ und „Hund“ zu googlen. 😉 Ich denke derweil darüber nach, ob dein Leben nicht sogar fürs Kino taugen würde. ^^

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      1. Ich kenne den guten Prinz von Vampirpokalipse, pardon, I am Legend. 🙂
        Aber ich hätte dich eher mit schwarzer Battlecat statt Hund gesehen. 😉

        Ähm, was? 😳
        So spannend ist das auch wieder nicht. XD

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      2. Niemand hat gesagt, dass Kinofilme spannend sind. Solange du bspw. von Leonardo di Caprio gespielt wirst, wird es ein Kassenschlager. Und wenn es dann noch Bettszenen gibt … womöglich auf französisch. Einmal mehr gilt: Es kommt drauf an, es gut zu inszenieren, mon petit raton laveur (Waschbär heißt echt Raton Laveur? Sehr geil ^^)

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      3. Aber Leo schaut mir doch gar nicht ähnlich! 😮
        Bettszenen? In meinem Leben?! XD
        Ok, gut, in Traumsequenzen, und dann könnte man da durchaus ein paar reizvolle Damen casten, das wäre ne Möglichkeit. :mrgreen:

        Jupp, heißt es. ^^

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      4. Leo sieht dir ähnlicher als er es Jordan Belfort tut. Und der Film war trotzdem großartig. Ansonsten gilt: Bei der Entscheidung zwischen Realität und Unterhaltung (wie auch bei der zwischen Realität und Wahrheit) sollte die Realität immer zurückstecken. 😉

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      5. Hm… Wenn du das sagst. ^^‘

        Ein interessanter Ansatz. Ich glaube, das wird mir etwas zu philosophisch für den Sonntagabend, darüvber werden wir mal bei nem Getränk diskutieren. 😉

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      1. Stimmt. Vermeintliche Altruisten sind mir aber auch viel zu anstrengend. Ich bin lieber kooperativ egoistisch. Die anderen dürfen Ideale verwirklichen, ich backe ihnen einen Kuchen für ihre Revolution. Win-Win. 😉

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      2. Kooperativ egoistisch kommt in der Verhaltensforschung immer mehr in den Blickpunkt. Da gibt es sogar einen Forscher dessen Namen mir natürlich nicht einfällt, der meint, dass die Kooperation die vierte Säule der Evolution wäre.
        Übrigens würden ja die wirklichen Egoisten niemals einen Kuchen für jemand anderen backen und sich vor allem niemals als etwas anderes als die allergrößten Altruisten deklarieren 🙂

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  3. Es scheint sich ja mittlerweile in der Blogosphäre herumgesprochen zu haben: Wer Lust auf ein Textf(r)euerwerk hat, bewerfe das Zeilenende mit einem Stöckchen. 🙂
    Leise Zweifel melden sich bei der Antwort auf die Frage nach der Frage an Gott. Ich vermute nämlich, du würdest (wie so viele andere) mit einem erstaunten „Spinni oder trami?“ (oder einer sinngemäßen Textvariante) die dir zustehende Frage spontan verbraten. 😉
    Ein wenig schlichte Ehrlichkeit bei Wahlprogrammen wäre wirklich echt super. Allerdings ist es doch so: Die Leute beklagen sich zwar gerne über die Unehrlichkeit der Politiker, würden aber jemanden, der wirklich ehrlich ist, gar nicht wählen. -_-

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    1. Ich glaube, ich mache irgendwann eine Stückchen-Agentur auf. Äh. Stöckchen. Aber Stückchen, also süße, würde ich auch nehmen. Was aber die Frage angeht … Ich bin eher so der Typ „Alter!“, wenn ich verblüfft bin. Das ist zum Glück keine Frage.
      Was Wahlprogramme angeht, würde ich mir übrigens gar nicht mehr Ehrlichkeit (im Sinne von „das ist Sache“) wünschen. Ein wenig mehr Mut und echte Vision und „Wer weiß?“ wäre mir lieber. Daran mangelt es den Verwaltern der Gegenwart nämlich auch. Dementsprechend gespannt bin ich ja, wie sich En Marche heute schlägt.

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      1. Du könntest dein eigener Stückchen-Agent werden. Für jedes Stöckchen ein Stückchen. 🙂
        Hm. Ich glaube dennoch, in diesem speziellen Fall würde es dir das Ausrufezeichen zum Fragezeichen verbiegen. 😉
        Echte Vision wäre schon nicht schlecht. Das würde aber einen Zeithorizont bedingen, der über die nächste Wahl hinausreicht. Selten, sowas. :/

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  4. Ich verstehe die erste Frage ums Töten viel praktischer und weniger theoretisch, weil sie mir exakt so schon passiert ist.

    Du bist alleine auf einem kleinen Bauernhof und passt auf die Tiere auf. Als du die Hühner fütterst, bemerkst du, dass ein Huhn blutet. Stark. Ehrlich gesagt ist die halbe Hinterseite nicht mehr vorhanden und obwohl das Huhn noch läuft, laufen alle anderen Hühner hinter ihm her und picken sich kleine Stückchen aus ihm heraus. Gesund pflegen kann man das Huhn nicht mehr, das ist offensichtlich. Aber wenn man nichts unternimmt, kann sein Leiden durchaus noch den ganzen Tag dauern.

    Also endest du das offensichtliche Leiden, indem du die „Schuld“ des Tötens auf dich nimmst oder lässt du dem „natürlichen“, grausamen Ende seinen Lauf?

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    1. Hühner sind ein eher pragmatischer Fall. Da ich kein Problem damit habe, dass Tiere zu weitaus niederen Zwecken sterben und meine Großeltern noch Nebenerwerbs-Landwirtschaft hatten: Wahrscheinlich keine Hemmungen. Wenn brauchbar, würde ich das Huhn auch essen.

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    1. Patrouille bzw. Bedrüllje ist halt ein schwieriges Wort. Und manche Menschen sind zu meinem Entsetzen der Meinung, lieber ein schwieriges Wort falsch als ein einfacheres richtig zu schreiben. Damit setzen sie sich absichtlich in die Patsche, obwohl sie auch einfach von ihren Schwierigkeiten schreiben könnten, wenn sie schon nicht zugeben wollen, dass sie eigentlich in einem Schlamassel stecken. Wobei die Sache mit dem Jiddischen einen auch ganz schnell in Rechtschreib-Fisimatenten bringen kann.

      Danke 🙂

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