Ein Jahr Pause zwischen der Sichtung von zwei Serienstaffeln ist echt anstrengend. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie ich das früher, in Zeiten des linearen Fernsehens geschafft habe. Ich fürchte fast, ich konnte damals den Geschichten nur besser folgen, weil ich noch nicht abhängig war.

Ich kann mich natürlich noch einigermaßen an die Ereignisse der ersten Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. erinnern, auch wenn meine Besprechung reichlich kryptisch war. Allerdings ist der große Handlungsbogen irgendwie verschwommen. Das Tagesgeschäft, das stand mir hingegen noch klar vor Augen – die große Katastrophe, der große Verrat.

Das Gute an meiner Verwirrung ist, dass die Serienmacher sich offenbar gedacht haben: Das Zeilenende wird bestimmt verwirrt sein und sich nicht mehr so gut erinnern können, wenn er die zweite Staffel zu schauen beginnt. Diese klugen Menschen haben es deshalb so eingerichtet, dass auch die Protagonisten der Serie vor Allem Fragen haben und ein wenig verwirrt sind. Sie grübeln über Obelisken und Karten nach, deren Bedeutung ihnen ebenso wenig klar war wie mir, weil sie für mich in der ersten Staffel nur ein wenig mythologisches Brimborium waren, um die Actionserie interessanter zu machen.

Ich bin dann relativ schnell hineingekommen, weil die zweite Staffel sich anschickt, diverse Geheimnisse zu lüften und ein großartiges Familiendrama ist, in der wir mehr über die Vergangenheit von Sky erfahren. Aber darüber will ich nicht zu viel erzählen, sondern mich lieber an zwei Dingen ergötzen.

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S.H.I.E.L.D.

S.H.I.E.L.D. kann nicht mehr die Welt beschützen, weil es nicht mehr unbegrenzt Ressourcen hat. Stattdessen muss sich die Organisation darauf verlegen, aus dem Verborgenen zu agieren, kleine Brötchen zu backen und zu hoffen, dass bei den größeren Coups nichts schief geht. Die Helden in der Defensive ist im modernen Serien-Erzählen sicherlich nichts Neues, aber hier ist es interessant, denn man staunt, was passiert, wenn man einer Hydra den Kopf abhaut.

Davon abgesehen kommt natürlich im Laufe der Staffel der Punkt, wo die Helden auf die Siegerstraße zurückkehren. Und genau an dem Punkt beginnen sie wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Da spielen Intrigen wieder eine Rolle und Geheimniskrämerei, als ob sie aus der Vergangenheit nichts gelernt hätten. Für die Story-Entwicklung ist das allerdings nicht das Schlechteste, denn es ist ein Einfallstor für neue Fehler. S.H.I.E.L.D. bleibt damit angeschlagen und verwundbar.

Was ein wenig schade ist, aber irgendwie typisch für Storys in Superhelden-Universen und zumal für amerikanische Serien ist, dass man den Konflikt darum, ob man Gutes oder Böses tut, zwar antippt aber nie austrägt. Solche Fragen werden, da ist die Serie konventionell, zu Fragen von Loyalität und Vertrauen. Im Zweifel gilt: Coulson wird schon recht haben.

 

 

Gruppendynamik

Was mir in der ersten Staffel schon gefiel: Die einzelnen Charaktere bekommen Zeit. Das ist bei solchen Teams nicht selbstverständlich, gerade wenn mit Sky und ihrer Vergangenheit ein Thema die ganze Staffel beherrscht. Aber neben Sky ist auch Platz für May und ihre überraschende Vergangenheit inkl. der Kavallerie, es gibt Zeit für neue Figuren und – was mich persönlich glücklich gemacht hat – auch Fitz bekommt nach wie vor genügend Zeit und das obwohl er seinen Sparringspartner verloren hat, ohne den er in der ersten Staffel nicht ausgekommen war. Er ist neben Sky wahrscheinlich sogar der Charakter mit der größten Entwicklung, wenn auch leise.

Auf Organisationsebene macht die Dynamik dieser Serie noch mehr Spaß. Die unterschiedlichen Fraktionen bekämpfen sich direkt und über Bande, lassen keinen schmutzigen Trick aus, sie kungeln mit anderen Fraktionen und verfahren eiskalt nach dem Prinzip „Der Feind meines Feindes“. Da erstaunt es niemanden, dass man dem ein oder anderen Bekannten erneut begegnet.

Das Problem dieser Konstellation ist natürlich: Es gibt haufenweise Kleinkriege und es gibt zahllose kleine Fraktionen. Zwei dieser Fraktionen tauchen recht unmotiviert mitten in der Staffel auf. Einfach weil es die Situation noch verschärft. Das ist natürlich clever, denn wir kennen das alle: Wenn es einmal dick kommt, kommt es ganz schnell noch dicker. Andererseits verzettelt sich die Serie damit in vielen Kleinkriegen, die sie immer wieder unterbrechen muss, um einen anderen Kleinkrieg voranzutreiben. So faszinierend diese Dynamik ist, so frustrierend ist es zuweilen, dass man als Zuschauer*in gar nicht mehr so genau weiß, wo man jetzt steht. Und was Commander Adama mit seiner Fraktion in der Staffel nun genau darstellt … So grob habe ich es verstanden, aber entweder fehlt mir da ein Faktum aus einem der Avengers-Filme oder das wird nicht erklärt.

 

 

Fazit

Die zweite Staffel der Agents of S.H.I.E.L.D. ist ein würdiger Nachfolger der ersten Staffel, denn sie liefert reichlich Antworten auf Fragen, die sich in der ersten Staffel gestellt haben. Sie verschießt dabei glücklicherweise nicht ihr komplettes Pulver sondern wirft neue Fragen auf, entwickelt ihre Charaktere langsam weiter, wirft neue Charaktere in den Ring und macht Lust auf die dritte Staffel.

Punktabzug gibt es nur für die schlechte Kopie eines SAW-Films im Staffelfinale und die Tatsache, dass das Problem: „Wer ist hier eigentlich gut, wer böse?“ in dieser Staffel nicht offensiv thematisiert wird, sondern im Staffelfinale die einfache Antwort gegeben wird: Alle drehen völlig durch, nur Coulson und seine S.H.I.E.L.D.-Agenten behalten einen kühlen Kopf, deshalb sind sie natürlich die Guten. Deshalb sollten sie Verantwortung tragen und die Guten sein. Aber das könnte man bei jedem Superhelden-Film auch bemängeln, tut es aber nicht, weil Superhelden einfach cool sind. Und weil die zweite Staffel der Serie superheldiger wird, bin ich geneigt, darüber großzügig hinweg zu sehen.

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7 Kommentare zu „Hö? – Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. Staffel 2

  1. Ich muss trotz der Tatsache das ich ein großer Marvel Fan bin sagen das mit Agents of S.H.I.EL.D. nicht sonderlich gefällt das einzig wirklich gute an der Serie war das sie den Ghost Rider eingeführt haben und derweil ein bisschen was mit Paralleluniversen zutun haben

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    1. Hihi, das erklärt vieles. Agents of SHIELD besticht eben dadurch, dass es auf Superkräfte verzichtet … Das ist der Marvel-Fan nicht gewohnt, dessen Helden ja grundsätzlich mehr Kräfte als Köpfchen haben. 😉

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      1. Sehe ich jetzt nicht so klar ist man heute der Annahme das die guten alten Marvel Fans es gewohnt sind das ihre Helden viele Kräfte haben die Aussage mit Mehr Kräfte als Köpfchen ist etwas seltsam wie kann z.b. Ein Tony Stark seine Iron Man Rüstung bauen wenn er aber dumm wie Brot ist? Mein Grundsätzliches Problem mit der Serie war das es mehr hätte aus sich machen können als nur eine Agenten Serie zusein im übrigen ist die Planung der Serie an sich nicht gut durch dacht wenn man z.b. die Inhumans einführt muss man die bis sie ihren eigenen Film bekommen konstant bestehen lassen und bei den Wunderbaren Quoten der Serie denke ich das dies nicht geschehen wird und ich glaube das ich mich grade zu sehr aufrege

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      2. Es ist eine Tatsache, dass die populären Marvel-Helden nicht unbedingt die hellsten Sterne am Nachthimmel sind. Also zumindest im Vergleich zu den DC-Helden. Spidey und Professor X sind da fast schon Ausnahmen. Tony profitiert im Prinzip nur davon, ein reicher Schnösel zu sein. Den Anzug hat er auch nicht allein gebaut. Er ist nicht doof, aber wenn man Batman daneben hält (den ich gar nicht mal so sehr mag), lost Tony halt ab … Und dann ist da natürlich der Cap. *hust*
        Aber was spricht dagegen, die Inhumans einzuführen und auch in der Serie vorläufig wieder abzuschaffen?

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      3. Es ist ungünstig den DC Hammer mit Batman rauszuholen wenn man an die Silver Age denkt aber ich will jetzt auch keinen „Streit“ anfangen

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      4. Ich würde halt immer die Helden vergleichen, die vom Typ her gleich sind. Aber hey, ich mag auch die Marvel-Helden. Gerade der Cap ist mir, gerade weil er so ein schlichtes Gemüt ist, lieber als Batman und Superman zusammen.

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      5. In der Sache bin ich deiner Meinung ich siehe Cap ebenfalls vor (schon allein weil B vs S nicht so super war) aber sonst ist es eigentlich wenn man DC und Marvel vergleicht eine Schlacht auf verloren Posten da man im Endeffekt die Diskussion nicht gewinnen kann weil keiner der beiden Seiten zugeben will das z.b. Batman besser als Iron Man ist

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