Jeden Montag stellt das Buch-Fresserchen seine Montagsfrage zu Lesegewohnheiten, (fast) jeden Dienstag bemühe ich mich um eine Antwort auf ihre Frage. Alle meine Antworten gibt es im Archiv. In dieser Woche heißt es: Habt ihr besondere Vorlieben bei den Themen in euren Büchern (Prinzen, Reisen, Märchen etc.) oder achtet ihr da gar nicht drauf?

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Das geht natürlich auch kürzer. Die Frage lautet, ob es bestimmte Topoi gibt, die man besonders mag. Topoi sind nämlich auch nichts anderes als Erzählmotive, die einer breiten Leserschaft bekannt und beliebt sind. Die Kunst des Literaten besteht dann darin, aus den Topoi „Böse Stiefmutter“ und „bedrohlicher Wald“ einen innovativen Mash-up aus Schneewittchen und Rotkäppchen zu schreiben.

Das Praktische am Begriff „Topos“ ist, wie wir sehen, dass er praktischerweise gleich die Beispiele übersteigt, denn auch bestimmte Loci, wie „bedrohlicher Wald“, können Topoi sein. Und den Satz habe ich nur eingebaut, weil ich das mal so in meinem Blog schreiben wollte. 😉

Das Schöne an dieser Frage ist nun, dass sie nicht auf Genres zielt. Sie lässt sich je nach Sichtweise nämlich aus den Genres auf Subgenres herunterbrechen. Ich mag nämlich gern „technische“ Science Fiction oder Hard Science Fiction. Wissenschaftliche Plausibilität ist zumindest in der SF-Literatur zugleich (als Hard SF) ein Subgenre und ein Topos.

Andererseits  ist ein Topos auch mehr als ein Subgenre. Ich mag sehr gerne Romane, die sich dem Aufbruch ins Unbekannte widmen. Das können klassische Abenteuer- und Entdeckergeschichten (Seefahrer-Abenteuer) ebenso sein wie moderne Abenteuer- und Entdeckergeschichten (Sternenfahrer-Abenteuer) aber auch Geschichten über wissenschaftlichen Fortschritt genauso wie viele Bücher über Roadtrips und Coming-of-Age-Geschichten. Da deckt sich oft der Topos des Romans mit meiner Lese-Intention: Jeder neue Roman ist doch ein Abenteuer, in dem man zuvor Verborgenes für sich entdeckt.

Ich mag also Romane, in denen ganz klassisch Abenteuer bestritten werden, in denen es einen Aufbruch ins Unbekannte geht, die Fortschritt oder Entwicklungen thematisieren – sei es charakterlich in Form der Hauptfigur oder gesellschaftlich in Form einer Utopie/Dystopie oder technisch in Form von überlichtschnellen Raumschiffen. Und Dystopie zeigt es an: Ich mag auch das Gegenteil: Rückschritt oder Regression haben als Gegenteile den gleichen Reiz. Und ich mag Geschichten, die sich nicht allein auf ihre Figuren beschränken, die auch die Gesellschaft um sie herum thematisieren, die Strukturen des Zusammenlebens erkunden, über die natürlichen Bedingungen und ihre Konsequenzen nachdenken. Der ideale Roman wäre für mich damit ein Gesellschafts- und Entwicklungsroman in unruhigen Zeiten – kurz nach Entdeckung von künstlicher oder außerirdischer Intelligenz, bei Ausbruch der Französischen Revolution, etc. pp.

Und wie ist es mit euch? Seid ihr vielleicht einem bestimmten Typ Figur treu oder kehrt ihr literarisch stets in einen bestimmten Landstrich zurück? Was sind die Motive, die euch bei einem Buch zugreifen lassen? Kurz: Was sind eure Topoi? 

 

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32 Kommentare zu „Montagsfrage: Topoi

  1. Ich muss sagen das ich seit frühster Kindheit schon Fan der Sience Fiction Literatur bin von Star Wars bis Perry Rhodan kann mich alles begeistern da ist nur die einzige Bedingung: Die Geschichte muss in gewisser weiße einen Philosophischen Aspekt bieten a la Ghost in the Shell zum beispiel und natürlich die Helden Reise die muss einen auch ansprechen das sind so meine Vorlieben

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    1. Ich hätte jetzt viele kleine gemeine Kommentare zum Thema Star Wars und Philosophie auf der Zunge, aber dafür ist es noch zu früh am morgen. Ich bewundere dich stattdessen dafür, dass du dich schon als Kind für Perry Rhodan begeistern konntest. 🙂

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  2. Von dem Begriff hatte ich noch nie gehört, aber meine Helden sind Asimov, einiges von Heinlein, Dick usw. die wohl das erfüllen, was du ebenfalls magst 🙂 Sonst habe ich noch ein Science Fiction Roman mit Kurzgeschichten geschrieben. Eine Hommage an die alten Meister 🙂

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  3. Hmmmmm, ich bin ja an sich breit aufgestellt, was meine Vorlieben angeht. Allerdings durchlaufe ich sowohl in der Musik wie auch in der Literatur immer wieder Phasen, in denen ich dann nur eine Art von Musik/Literatur bevorzuge. Dann kommt mir auch nichts anderes in die Tüte. Der einzige Nachteil daran: Nach einer Weile bin ich satt und benötige dringend einen Stilwechsel. Mittlerweile kenne ich mich gut genug, um damit umzugehen, früher war das unter Umständen sehr anstrengend für alle Beteiligten…

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