Ich hätte hier schon früher was geschrieben, aber ich musste mich erst aus der Bahn kämpfen.

Ich verstehe die Bevölkerung Stuttgarts ja nicht. Gestern zum Beispiel war ich in einem Park, wo viel los war. Anschließend war ich erst in einem Einkaufszentrum und dann in der Innenstadt, wo ebenfalls viel los war. Noch mehr, als im Park. Dabei war lange Einkaufsnacht, die Geschäfte hatten zum Teil bis 24 Uhr auf. Dennoch knubbelten sich die meisten Menschen am Samstag-Nachmittag in der Filiale eines Klamottenladens, dessen Namen ich nicht aussprechen werde und dessen Papiertüten gewiss kein Gewissen beruhigen können und damit so überflüssig wie die gesamte Kette ist.

Das sage ich nicht allein aus ethischen, sondern aus ästhetischen Gründen. Mein T-Shirt, das ich gerade am Leib habe, wurde zwar auch von meinem bevorzugten schwedischen Herrenschneider entworfen, aber von einer qualifizierten Fachkraft in Bangladesch genäht. Sagt zumindest das Etikett. Also das mit Bangladesch. Das mit der qualifizierten Fachkraft rede ich mir ein, um den Preisunterschied zu der Papiertütenkette zu erklären.

Was sich bei mir gegen besagte Papiertüten sträubt, war bislang vor allen Dingen die Überfüllung der Filialen – weiterhin ein gewichtiges Argument gegen den Besuch. Ergänzen kann ich seit gestern: Selbst auf einem Flohmarkt, der einzig Mode der 70er und 80er Jahre verkauft, würde ich Klamotten finden, die besser aussehen und kleidsamer sind. Ich wünsche mir sofortige Verbrennung sämtlicher Kollektionen und öffentliche Auspeitschung der „Designer“.

Nun denn … Überall Menschen zu Zeiten, wenn man sie nicht erwartet. Ich wollte ja auch gar nicht in das Einkaufszentrum, aber die Eisdiele im Park hatte zu und ich wollte ein Eis. Und in die Innenstadt musste ich, weil ich Duschgel erwerben wollte. In der Innenstadt waren auch lauter Menschen, die nicht so aussahen, als ob sie Mangel litten, sondern als ob sie lustwandelten. Was sie meiner Meinung nach auch später hätten tun können. Ich durfte mich zwei Mal durch sie durchdrängeln – und habe natürlich kein Duschgel bekommen.

Was das damit zu tun hat, dass dieser Beitrag erst um kurz vor 12 erscheint? Nun, ich war heute morgen beim Sport. Da bin ich normalerweise Samstagmorgen, aber das war mir aus Gründen nicht möglich. Um kurz vor 10 saß ich auf der Rückfahrt in einer leeren Bahn, bis wir den Hauptbahnhof erreichten. Dort warteten am Bahnsteig gezählte 20 Kinderwagen pro Tür – einige davon als Zwillingsmodelle. Und sie wollten alle in meine Bahn. Sie passten auch irgendwie hinein. Und an jeder Haltestelle mussten diese 20 Kinderwagen hinaus und wieder hinein, weil da ja noch andere Fahrgäste aus- und einsteigen wollten. Als ich mich schließlich hinausgekämpft hatte, musste ich kurz verschnaufen, mich davon erholen und mich fragen,

  1. ob die sich abgesprochen hatten
  2. wo zum Henker die hinwollen, denn schönes Wetter für einen Ausflug in den Park ist nicht
  3. seit wann Spaziergänge mit Babys out und Ausfahrten mit Babys in sind.

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    Ich bezweifle, dass die Luft am Neckartor so viel schlechter ist als in einem geschlossenen Raum voller frisch befüllter Windeln und einiger Überlebender der letzten Partynacht.
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37 Kommentare zu „Wundern über volle Läden und Bahnen

  1. Ach, die armen Großstädter, die Landbevölkerung erorbert halt auch gern mal die Innenstädte. Und da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht ewig fahren, müssen sie halt wie gewohnt am Vormittag und Nachmittag ins Städtchen reisen. Denn mit dem Auto in die Stadt, das geht für viele Landhasen gar nicht. Da haben sie Angst, vor den vielen anderen Autos, vor den zahlreichen Fahrspuren, Parkhaus rein und raus – oh je… 😂😂😂 LG Ela☕

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    1. Am Samstag waren erstaunlich wenige Kinderwagen unterwegs. Das Kinderwagentrauma ereignete sich aber heute … Und schloss sich einfach nahtlos an die Überfüllung gestern an.
      Und Väter haben schon vor knapp 30 Jahren Kinderwägen geschoben. 🙂

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  2. Das ist doch immer so, sobald das Sönnchen rauskommt?! Ist das dein erster Sommer in der Großstadt? 😀
    Bei uns werden auch gern mal die Bürgersteige zur erweiterten „Café-Terrasse“ umfunktioniert, sodass man als Fußgänger plötzlich zwischen Stühlen und Tischen vorbeiwedeln und aufpassen muss, keine Soja-Latte-Gläser vom Tisch zu fegen *kicher*

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  3. Da bin ich ja froh, dass ich mein Wochenende in meinem Zimmer verbinge. XD
    Mich nerven die Bahnfahrer ja unter der Woche schon dermaßen, angefangen von den Leuten, die lieber in einer überfüllten Bahn stehen als einen freien Sitzplatz in einem Vierer zu besetzen, bis hin zu den Kindern, die sich an aussteigenden Leuten vorbei in die Bahn drängeln, und denen ich am liebsten links und rechts eine scheuern würde, da eine verbale Zurechtweisung an mangelndem Sprachverständnis scheitern würde, da auch mehr und mehr Deutsche Probleme mit kompliziertem Satzbau, der über „isch geh Burger“ hinausgeht, haben….

    Nene, da genieß ich die Sonne vor meinem Fenster, und freu mich auf unser nächstes Treffen. 😉

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  4. An dieser Stelle junger Mann greift etwas, das ich mal an einem bierseeligen Abend sagte: Mind the Doppelkennzeichen! Mit anderen Worten, wenn du bei den Menschenmassen versuchst die Stuttgarter zu verstehen, müsstest erstmal die ganzen Esslinger, Ludwigsburger, Waiblinger, Böblinger, Sindelfinger und sonstige Umlandinger aussortieren. 😀

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      1. Quatsch, mit Dir doch nicht. Die Mamis untereinander ! Um über die Erzeuger der Kinder abzulästern und sich über Exkrementkonsistenzen und die Hochbegabungen ihrer Sprösslinge auszutauschen 😂😉

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  5. Du bist in Stuttgart unter die Bähnlebesitzer gegangen… Spannend. Und das mit den vielen Kinderwagen, das kommt mir irgendwie bekannt vor aus der Zeit kurz bevor und während meiner anfänglichen Mutterschaft *gg*

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