Bei Wili geht is immer am zweiten Donnerstag im Monat auf S. 32 eines Kochbuchs. Auch wenn ich mich schon ein paar Mal beteiligt habe, gibt es heute eine doppelte Premiere, denn ich habe bislang immer gebacken und ein Vielfaches der S. 32 gewählt. Heute koche ich zwar nicht, aber es wird herzhaft und es wird die S. 32.

Ich bin ein vorbildlicher Schwabe. Ich esse gern schwäbisch, ich bin knickerig und einen Trollinger mit Lemberger ziehe ich dem Bier gern vor. Ich bin aber auch ne vorbildliche Bergische Jung (für die eventuell mitlesenden Kolleg*innen: Für euch weiterhin Rheinländer). Ich bin einigermaßen Jeck und liebe den Karneval, Kölsch ist besser als jedes andere Bier der Welt, ich verehre die Sprache – auch wenn ich sie nicht wirklich spreche – und auch die Küche von „ze Huss“ ist mir ans Herz gewachsen. Die meisten Gerichte koche ich aus der „Lameng“, weil es keine Rezepte dafür gibt. Ich weiß, wie man Rievkooche bäckt, Himmel un Ääd mit Bloodwosch macht, Panhas brät, Sauerbraten und Döppekooche mache ich ebenso nach Gefühl wie Mutzen.

Dennoch besitze ich ein Kochbuch, aus dem ich noch nie gekocht habe. Das ich aber regelmäßig durchblättere, weil es in mir warme Gefühle weckt. Und das mich inspiriert, was ich denn so kochen könnte – nach eigenem Rezept (meistens wird es dann Endivie untereinander oder Stampes). Überhaupt ist es ein schönes Buch mit vielen einfachen, bodenständigen Rezepten, manchmal mit kleinen Geschichten dazu, wie die drei Seiten zur Bergischen Kaffeetafel, DEM gesellschaftlichen Event mit Dröppelminna.

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Diesmal aber beschloss ich, nach Rezept vorzugehen. Und auf S. 32 wartet eine köstliche Leckerei: Heringstipp. Ich studierte das Rezept und machte einen Einkaufszettel:

  • 8 Salzheringsfilets
  • 1 Zwiebel
  • 1 Apfel
  • 2 Gewürzgurken
  • 300g Mayonnaise
  • Gewürzgurkenfond
  • Salz
  • Pfeffer
  • Worchestershiresauce
  • Süßer Senf

Ich sah mich skeptisch an. Denn mein Heringstipp (den ich wie Mutter Zeilenende zubereite) kommt ohne Apfel und Senf aus, außerdem nehme ich statt Mayonnaise Saure Sahne. Nicht zuletzt nehme ich statt der Salzheringe normalerweise „Bratröllchen“, diese gebratenen Heringsfrikadellen. Aber ich wollte ja nach Rezept vorgehen. Für euch. Und das geht so:

Ihr legt die Salzheringe am Tag vorher in eine Schüssel mit kaltem Wasser. Oder ihr macht es wie ich und bekommt keine Salzheringe. Wie auch keine Bratröllchen. Dann kauft ihr Bratheringe. Die müsst ihr nicht am Tag zuvor in kaltes Wasser einlegen.

Ihr müsst sie nur abgießen. Die Zwiebel und der Apfel werden geschält, der Apfel fein gewürfelt, die Zwiebel in Ringe und die Gewürzgurken in Scheiben geschnitten. Wie unschwer zu erkennen hatte ich einen extravaganten Apfel. Der wurde schon beim Schneiden braun.

Die Küche daheim ist wirklich sehr einfach. Die Mayonnaise (ich stehe unheimlich auf Miracel Whip) wird mit dem süßen Senf, etwas Gurkenfond, Salz, Pfeffer und einem guten Schuss Worchestershiresauce zu einem Dressing verrührt. Dann mischt ihr erst die pflanzlichen Zutaten unter, anschließend die Heringe in mundgerechten Happen. Ich für meinen Teil habe die Bratheringe dafür von der Mittelgräte gelöst und die Haut abgezogen, ich bin kein Freund der Heringshaut. Dann ist er von selbst schon in passende Stücke verfallen.

Das Ganze wird noch einmal durchgemischt und dann kommt es zum Durchziehen in den Kühlschrank. Meine Mitbewohnerin, die das Gericht nicht kannte, probierte und war hin und weg.

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Ich für meinen Teil wartete mit dem Essen bis zum Abend, wo dem Heringstipp gequetschte Pellkartoffeln (ja, ich esse meine Kartoffeln immer mit Schale, außer Salzkartoffeln) und Gurkensalat (mit einer übrig gebliebenen Möhre) Gesellschaft leisten durften. Was soll ich sagen: Es war lecker, durchaus. Aber für heimatliche Gefühle war es mir dann doch zu süß. Die Idee mit dem süßen Senf fand ich ja ganz gut, aber beim nächsten Mal nehme ich dann doch lieber wieder Saure Sahne.

Auch wenn „Köstliches aus der alten rheinländischen Küche“ von Willi Drecksträter als Kochbuch für mich nicht wirklich interessant ist, kann ich es jedem, der sich mit der rheinischen Küche vertraut machen will, durchaus ans Herz legen. Es sind alle Klassiker darin versammelt (lediglich die sauren Bohnen fehlen mir), es geht deftig zu mit Speck, diversen Kohlsorten oder Bohnen und natürlich Kartoffeln in allen Variationen, auch mit einem Rezept für selbstgemachte Leberwurst wartet das Buch auf. Lediglich was die „Hefenudeln“ angeht, bin ich skeptisch. Die kenne ich von daheim nicht (eine Variante der gekochten Hefeklöße in süß … Also kennen tue ich das, aber nicht von daheim), ich vermute fast, das sind süddeutsche Immis. Oder die am Niederrhein essen sowas. Und über die reden wir ja nicht. 😉

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26 Kommentare zu „Rheinisch auf S. 32

  1. Das Büchlein steht auch in meinem Regal, wird bei Heimwehflimmern in die Hand genommen und… gekocht habe ich auch noch nicht daraus *g*

    Der Heringsstipp wird bei uns mit einer Mayo-Sauresahne-Mischung und Matjes zubereitet. Meine Mama machte auch immer noch Fischrogen hinein und ja, das Äpfelchen kenn ich auch dazu. Egal wie, ich finde sie meistens immer alle lecker ^^

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    1. Fischrogen mag ich nicht. Der Apfel ist mir aus Heringssalat bekannt. Fand ich sogar ganz gut, den übernehme ich vielleicht.
      Und Rheinländer sind doch alle gleich, oder? Bei Flönz haben wir Tränen in den Augen. ☺

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  2. Lecker! Auch mit Pellkartoffeln gefällt mir das gut. Ich bin ja eh ein Fischfan – allerdings ein fast nur Seefischfan. Aber dann passt ja dieses Rezept. Und Apfel gehört für mich durchaus in Heringssalate. Ich finde, der passt wie die Faust aufs Auge da hinein.

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    1. Japp. Im Heringssalat ist mir Apfel (und Rote Bete) auch bekannt. Im Stipp habe ich ihn noch nie gegessen, werde das aber zukünftig beibehalten. Und Pellkartoffeln passen eh zu allem *gg*
      Was den Fisch angeht, bin ich übrigens bei dir. Ich hab tatsächlich Schellfisch am Liebsten. Schön gedünstet mit einem Senf-Dill-Sößchen … Und dazu Butterkartoffeln und Gurkensalat … Und jetzt bin ich froh, pappsatt zu sein, sonst bekäm ich Hunger. *g*

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