Tante Tex ruft in ihrem dieswöchigen Story-Samstag dazu auf, eine Aliencrew bei ihrer Invasion der Erde scheitern zu lassen. Das mag auf den ersten Blick komisch wirken, auf den zweiten Blick ist das schon bei H. G. Wells passiert. Und wenn die Aliens, pardon, so blöd sind, auch noch in Stuttgart zu landen … Ein Tatsachenbericht.

storysamstag

Ich hielt gerade meinen Schlummer. Einen seligen Schlummer. Einen königlichen Schlummer. Dann hörte ich, wie die Wohnungstür geöffnet wurde. Geöffnet ist wahrscheinlich das falsche Wort. Eher gesprengt. Das Zeilenende schien wohl völlig den Verstand verloren zu haben. Ich sprang von seinem Bett, auf dem ich selig geschlummert hatte, um ihn zurecht zu weisen, doch es war nicht das Zeilenende, das mich erwartete. Es war auch niemand sonst von meinem Personal. Es war …

Nun, wie soll ich das beschreiben. Stellt euch einen Hund vor. Also ein Lebewesen, das dumm aussieht und schlecht riecht. Jetzt stellt euch viele Hunde vor. Jetzt stellt euch vor, dass diese viele Hunde einen einzigen Hund bilden. Und jetzt stellt euch vor, dass dieser Super-Hund auch noch hässlich ist. Besser kann ich es wirklich nicht beschreiben. Es waren drei von ihnen.

Sie blickten sich skeptisch um und ignorierten mich. Ich blickte mich ebenfalls skeptisch um, ob diese drei Besucher erwünscht oder unerwünscht seien. Obwohl das keine Frage sein sollte. Ich wünschte sie mir nicht. Mein Personal war allerdings nicht zu sehen. Ich musste also entscheiden. Ich beschloss, der Besuch sei definitiv unerwünscht und teilte ihm mit, dass er gehen solle.

Das Problem in der Kommunikation ist, dass ich offenbar viel zu intelligent bin, um mich eher einfältigen Gesprächspartnern wie dem Zeilenende verständlich zu machen. So war es auch bei diesem Besuch. Erst jetzt bemerkte man mich offenbar. Ich wurde hochgehoben, betrachtet und wieder abgestellt. Dann wurde ich ignoriert. Nun gut. Ich beschloss, die Zurechtweisung auf später zu verschieben und bezog meinen Beobachtungsposten direkt auf dem Esstisch.

So konnte ich sehen, wie diese drei hässlichen Besucher allerlei Gerät hineinschleppten und allerlei Gerät aus der Wohnung herausschleppten, nachdem sie es gründlich untersucht hatten. Sie reparierten auch die Tür, die sie so unsanft geöffnet hatten. Dann taten sie abscheuliche Dinge, über die ich hier nicht näher berichten möchte, es könnten immerhin Kinder mitlesen. Aber mir wurde sofort klar: Dieser unerwünschte Besuch wollte länger bleiben. Mein Personal würde nicht begeistert sein.

Doch mein Personal tauchte gar nicht erst auf. Ich wurde langsam hungrig. Und einer dieser hässlichen Besucher inspizierte mein Futter! Ich lief zielstrebig auf ihn zu und forderte ihn auf, mir mein Futter zu geben. Doch statt dem Befehl umgehend Folge zu leisten, fraß er mein Futter selbst! Ich war schockiert und verwirrt. Ich gebe nicht gern zu, in diesem Moment auch ratlos zu sein. Und noch weniger gern gebe ich zu, mit wem ich die Lage erörtern musste.

Seamus?“

„Ja, Moritz?“

„Sind das Freunde vom Zeilenende?“

„Sie stinken ähnlich.“

„Das ist mir auch schon aufgefallen, aber keine Antwort.“

„Ich kenne sie nicht.“

„Sind das überhaupt … Menschen?“

„Ich bin mir nicht sicher. Sie sehen eher so aus wie die Protagonisten aus einem von Zeilenendes Schund-Romanen.“

„Ich lese keine Bücher.“

„In dem Fall ist das auch besser für dich. Wenn du mich fragst, sind das außerirdische Invasoren.“

„Wie kommst du darauf?“

Seamus deutet auf den Computer.

„Stand bei Spiegel Online, das derzeit wohl eine Alien-Invasion läuft.“

„Du liest Spiegel Online?“

„Manchmal ist mir nach Blödsinn.“

„… Was ist eine Alien-Invasion?“

„Irgendwelche Deppen sind auf die Idee gekommen, die Menschheit zu versklaven. Keine gute Idee, wenn du mich fragst.“

„Also sind die Drei jetzt hier die neuen Bewohner …“

„Und Zeilenende ist wie alle anderen versklavt worden. Wenn er nicht zur unpassenden Zeit das Maul aufgerissen hat und erschossen wurde.“

„Und die unterjochen alle Menschen?“

„So steht es bei Spiegel Online.“

„O-kay. Aber … Moooment. Wir sind doch die Herrscher des Planeten.“

„Das glaubt ihr zumindest. Das glauben die Menschen auch.“

„Hmpf.“

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Ich musste überlegen. Man hatte mich also meines Personals beraubt. Und ignorierte mich. Mich, den Herrscher dieser Wohnung, der Erde und des Universums. Ich war zurecht empört. Seamus hingegen schwieg nun. Er machte keine Anstalten, von seinem Regal zu steigen und mir Unterstützung zu gewähren. Eines dieser Ungeheuer machte es sich derweil in Zeilenendes Bett bequem. Ich sprang probehalber auf ihn drauf und trampelte auf ihm umher. Dann suchte ich nach Augen, fand sie und blickte finster hinein. Was bei Menschen klappt, wird doch wohl bei Aliens auch klappen.

Ich fühle mich immer noch ein wenig erschöpft. Es hat mich viel Willenskraft und einige Krallen gekostet, das gebe ich zu. Aber mein Napf ist jetzt gefüllt. Und ich bin frisch gekämmt. Das mit dem Streicheln klappt noch nicht so gut. Wir üben noch. Und das mit der Reinigung meiner Toilette haben sie auch noch nicht verstanden. Aber das ist okay. So beleidigt, wie Seamus dreinblickt, hat sich der Einsatz voll gelohnt.

Spiegel Online ist übrigens mittlerweile abgeschaltet. Aber das ist nicht schlimm. Ich habe ein Youtube-Video gedreht. Diese depperten Aliens haben beschlossen, dass man ihren versklavten Menschen wenigstens die geliebten Katzenvideos lassen kann. In meinem Youtube-Channel „Weltherrscher Moritz Tutorials“ habe ich für euch, meine lieben Brüdern und Schwestern, ein paar How Tos hochgeladen. Die telepathische Suggestion, mit der wir die Menschen unterworfen haben, wirkt nämlich auch bei den Aliens. Ihr findet dort Anleitungen, wie ihr Futter bekommt und wie ihr gekämmt werdet. Außerdem erkläre ich, womit sich die Aliens waschen müssen, damit der Gestank besser wird. Morgen veröffentliche ich ein Video, da erfahrt ihr, wie ihr die Aliens dazu bringen könnt, alle Hunde in eurer Umgebung auf den Mond zu schießen. Das ist ein lustiger Zeitvertreib. Schaut rein und lasst mir fünf Sterne da.

Herzlich, euer Moritz.

moritz
Der Protagonist höchstselbst. Egal ob Mensch oder Alien, stets Herr der Lage.
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15 Kommentare zu „Versklavte Versklaver der Menschheit

  1. Ich vermute ja, dass die Teddybären die Katzen so subtil beherrschen, dass die das gar nicht merken und damit nicht nur im Regal, sondern auch in der Hierarchie über den Katzen stehen. Aber ich kann die Theorie jetzt nicht näher ausführen, ich muss die Futternäpfe der Katzen füllen und dann den Teddybären ein Buch vorlesen „Bärli Hupf erobert die Welt“ oder so aehnlich …

    Gefällt 1 Person

    1. Das sehe ich auch so. Seamus ist die graue Eminenz (was er natürlich durch nachdrückliches Kaumvorhandensein von Grautönen in seiner optischen Erscheinung kaschiert) und der gute Moritz merkt in seinem Weltherrscher-zu-sein-Glaubens-Rausch gar nicht, wie sehr er von Seamus marionettisiert wird.

      Gefällt 2 Personen

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