Ich treffe mich heute also mit einer Frau. Ich dachte ja zuerst, ich würde mich gleich mit zwei Frauen treffen, ich vermute aber einmal, ich habe nur die Ehre, mich mit Laura zu treffen. Laura ist eine der beiden Damen hinter dem Bücherzelt. Die beiden zusammen decken dort die ganze Bandbreite von „Für junge Erwachsene“ über Fantasy, Thriller bis zu Romanen ab.

Eine gewisse Restunsicherheit besteht noch, deshalb nenne ich mein Date wieder fantasiegeflüster. Werfen wir zunächst einen Blick auf ihre Angaben.

Meine letzten 3 Bücher:
Eleanor – Jason Gurley
Beim dehnen singe ich Balladen – Jürgen von der Lippe
Federleicht Band 4 – Marah Woolf

Mein Lieblings-Genre:
Fantasy und Jugendbücher

Meine Lieblingsautoren / -autorinnen:
Marah Woolf
Nina Blazon
J.R.R. Tolkien

Gibt es etwas, das ich überhaupt nicht lesen will?
Krimis, Thriller, Sachbücher und Ratgeber

 

Ich machte mich sofort auf, im Blog nachzulesen, wie die einzelnen Bücher denn so weggekommen sind. Und worum es in den Büchern überhaupt geht. Außer in dem von Jürgen von der Lippe. Der ist mir natürlich bekannt, ebenso wie sein zotiger Humor. Dass der nicht ganz auf Ablehnung stößt, stimmt mich beruhigt, dass ich bei einer Empfehlung nicht gar so viel falsch machen kann. Leichtes Schaudern ergriff mich allerdings, als ich sah, dass der Herr Tolkien einer der Lieblingsautoren sei und Fantasy eines der liebsten Genres.

Jetzt war ich gefordert. Ich mag Fantasy nur, wenn sie mich überzeugen und ehrlich gesagt, tut sich die meiste Fantasy schwer damit, mich zu überzeugen. Selbst (oder gerade) die Meister ihres Fachs, Tolkien und Hohlbein, langweilen mich, viel von dem, was in schnellem Umlauf bei einem gewissen Verlag (mit Schwerpunkt auf Groschenromane) erscheint, treibt mir die Schames- oder Zornesröte ins Gesicht, wenn ich nur das Cover sehe.

Ich grübelte weiter, hielt ein paar Pratchett-Bücher in Händen, konnte mich aber nicht wirklich dazu durchringen, einen davon zu empfehlen. Vielleicht den goldenen Kompass? Sicher schon gelesen. Oder den Film gesehen. Obwohl der Film nicht annähernd so gut ist wie das Buch. Ich wollte nicht schon wieder Felix J. Palma empfehlen, trug mich mit dem Gedanken an Carlos Ruiz Zafón … Aber das ist eher historisch als fantastisch. Und ziemlich gruselig. Zumindest wenn man, wie ich es plante „Der Schatten des Windes“ zu empfehlen.

Nun gut, phantastische Elemente in der Literatur mag ich ja durchaus, also beschloss ich willkürlich, drei Bücher zu empfehlen, die mir spontan durch den Kopf schossen. Auf eine Zusammenfassung des Inhalts habe ich verzichtet, ich denke du wirst wissen, wo du das im Zweifelsfall nachschlagen kannst. Stattdessen erzähle ich dir lieber, warum mich diese drei Bücher begeistert haben. Leider kann ich dir nur eine Besprechung verlinken, die anderen Bücher habe ich in vorbloggerischen Zeiten gelesen. Hier sind dennoch die Empfehlungen:

Robin Sloan – Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Wissen Sie, ich glaube allmählich wirklich, dass die ganze Welt nur eine Patchworkdecke aus lauter verrückten kleinen Sekten ist, die alle ihre eigenen geheimen Orte, Archive und Regeln haben.

Ein Buch über ein Buch, wenn man so will. Über ein Fantasybuch. Und auch wenn Robin Sloan so tut, als spiele diese Geschichte in unserer Welt, würzt er die Welt zugleich mit fantastischen Elementen. Da begegnen einem klassische Erzähltechniken von Fantasy und Science Fiction gleichermaßen, die er mit einer großen Prise Humor genüsslich zusammen mengt. Von Science Fiction solltest du dich aber nicht abschrecken lassen. Ich denke, das Lesegefühl fasst folgender Abschnitt aus meiner Besprechung am besten zusammen:

Was bietet das Buch noch außer einer Heldengruppe? Es gibt natürlich einen Dungeon, durch den geschlichen werden muss, eine leicht verrückte Sekte mit finsterem Herrscher, eine übernatürliche Kraft, ein Zwischending aus Orakel und göttlicher Hilfe (ein Hacker, wohldosiert eingebaut). Alles da, was einen guten Fantasyroman ausmacht, nur: Alles spielt in unserer Welt. Und das macht es noch spannender. Das Kapitel, in der der Schurke in den Dungeon einbricht und den Schatz der Bösewichter raubt ist natürlich klassisch, aber es ist keine Kritik an dem Buch, wenn ich sage: Die aufreibendste („nervenzerfetzend“ darf ich nicht schreiben, das wären 5€ fürs Phrasenschwein) Passage, die ich seit Langem gelesen habe oder um meine Notiz am Kapitelende zu zitieren: „Himmel, fuck ist das spannend – alte Schule!“ Wortwörtlich.

 

Derek Landy – Skulduggery Pleasant #1: Der Gentleman mit der Feuerhand

Ein Skelettdetektiv, der zaubern kann, Alchemisten, Totenbeschwörer, fliegende Feuerbälle. Das Buch hat Tempo und Magie, was man von einem guten Urban Fantasy Roman erwarten sollte. Außerdem ist es witzig. Skulduggery ist manchmal ein wenig zynisch, hat jedenfalls immer einen Spruch auf den Lippen.

Neben den sympathischen Charakteren und der Spannung bietet die Skulduggery-Pleasant-Reihe zudem eine differenzierte magische Welt, in der es unterschiedliche Richtungen der Magie gibt, unterschiedliche Glaubenssätze, verschiedenste Philosophien der Magie. Es macht Spaß, sich darauf einzulassen, die unterschiedlichen Aspekte der Zauberei zu erkunden. Und in späteren Bänden, wenn die eigentliche Protagonistin „Walküre Unruh“ älter wird, gibt es auch nicht zu wenig Liebe, Herzschmerz und die typischen Nöte von verliebten Teenagern, die sich nicht entscheiden können.

Was für das Buch spricht? Ich bin mittlerweile mit Band 6 beschäftigt (auch wenn ich mittlerweile auf die Hörbücher umgestiegen bin). Und wenn eine Fantasy-Buchreihe mich so lange bei der Stange halten kann, dann wird sie so schlecht nicht sein.

 

Walter Moers – Die Stadt der träumenden Bücher

Ich hoffe, du hast die Zamonien-Romane des großen Meisters der fantastischen Groteske noch nicht gelesen. Ich habe hier tatsächlich eine Weile überlegt, denn es ist doch so, dass man nicht jeden bedeutenden Autor aus seinem Lieblings-Genre schon gelesen hat. Mir geht es bei der Science Fiction ähnlich. Da ist Frank Herberts Wüstenplanet eine bedauerliche Leerstelle, die ich irgendwann füllen muss. Und auch von Isaac Asimov habe ich wahrscheinlich viel zu wenig gelesen. So hoffe ich bei dir, dass Walter Moers einfach bislang an dir vorbei gegangen ist.

Walter Moers zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: Liebe zur Sprache, ausufernden Formulierungen, eine abgedrehte, groteske Geschichte mit merkwürdigen Entwicklungen. In seinen Romanen spielt er mit den Ebenen. Er ist nicht Autor, sondern Übersetzer seiner Bücher, die Hildegunst von Mythenmetz geschrieben hat. Der ist ein zamonischer Meisterautor und gleichzeitig Protagonist der „Stadt der träumenden Bücher“. Genau genommen sind es seine Jugend-Erinnerungen, in denen es wie in einem klassischen Fantasy-Roman zugeht und zugleich nicht.

Das zugleich nicht ist wichtig. Moers bedient sich nicht der Tradition sondern erfindet eigene Fantasy-Figuren. Statt Elfen und Zwergen gibt es bei ihm Haifischmaden, Eydeeten, Lindwürmer … Und natürlich die Buchlinge, die in diesem Buch ihren großen Auftritt haben. Moers schafft skurrile, aber liebenswerte Wesen, großartige Figuren, eine spannende Handlung … Und er spielt so wundervoll mit der Sprache. Sowohl was seine Wörter angeht als auch stilistisch. Die mythenmetzsche Abschweifung muss man einfach lieben. Und dass eine fiktive Geschichte von ihrem fiktiven Autor kommentiert wird, ist literarisch einfach großartig.

 

Liebe fantasiegeflüster. Ich hoffe, für dich ist eine brauchbare Empfehlung dabei und eines der angepriesenen Werke macht dich neugierig und hungrig. Wenn nicht, wäre ich zutiefst betrübt. In dem Fall würde ich dir aber natürlich Alternativen empfehlen. Sag: Hast du dich entschieden? Verrate aber nicht, welches! 🙂 Dann fiebere ich dem 01.03. entgegen. Der Tag, an dem ich erfahren werde, welches Buch du gelesen hast und vor allen Dingen, wie es dir gefiel.

 

P.S.: Ich kann euch beruhigen. Jenseits von Literaturfragen date ich keine Menschen auf meinem Blog. Dafür gibt es schließlich einschlägige, spezialisierte Portale. 😉

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16 Kommentare zu „Buch-Date: Meine Empfehlungen für fantasiegeflüster

  1. Also zu erst einmal hast du recht, du triffst nur mich, also Laura. Ich hoffe das enttäuscht dich nicht 😀

    Und du brauchst mir natürlich keine Alternativen vorschlagen. Ich bin sehr zufrieden und ich denke ich habe mich auch schon entschieden.

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  2. Nr. 1 habe ich schon auf meiner Liste und auch etwas von Walter Moers.
    Nr. 2 kenne ich gar nicht, klingt aber sehr interessant. Ich fürchte, ich werde meine Wunschliste wieder erweitern müssen. Wie gut, dass ich vorerst mit allen Serien durch bin und das netflix-Abo morgen ausläuft 😀

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