Sicher … Es gibt Macht-Gebrabbel, es gibt zumindest das Schlimm-Perium, eine Waffe, die dazu geeignet ist, einen ganzen Planeten zu zerstören, es gibt sogar Darth Vader und es gibt alberne Droiden … Aber Star Wars? Kritische Bemerkungen statt einer Rezension.

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Ja, ich war schon immer mehr Trekkie als Star Wars Fan. Und das in meiner Hand ist ein Sonic Toothbrush und kein Light Toothbrush, ich gebe es zu. Dennoch hat Star Wars einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Die ersten Science Fiction Bücher in meinem Leben waren Star Wars Romane, ich hatte jahrelang Angst vor dunklen Räumen, weil ich dachte, Darth Vader würde darin lauern (Jetzt wissen wir auch, warum die Filme nichts fü Achtjährige mit lebhafter Phantasie sind!) und es gibt kaum überzeugendere böse-böse Figuren als die Imperialen. Also dergestalt böse, dass sie böse sind. Ohne dass man ihre Motivation dazu groß hinterfragen muss. Star Wars: Epische Weltraumschlachten und noch epischere Lichtschwertkämpfe.

Ich werfe es Rogue One nicht vor, dass es nur eine kurze Lichtschwert-Sequenz gab. Und auch nicht, dass der Opening Crawl fehlte. Das war zu verschmerzen. Das Problem von Rogue One ist, dass er an vielen Stellen nicht zu überzeugen weiß. Das ist umso trauriger, denn an manchen Stellen ist er gut und mutig.

Da sind zuerst die Charaktere. Der imperiale Pilot, dessen Motivation so völlig unklar ist, dass ich zwischendurch zur Einsicht gelangt bin, dass er einfach einfältig ist. Denn so verhält er sich. Er ist ein einfacher Junge von einem Wüstenplaneten, der Womp-Ratten abknallt. Das Problem ist, dass er keine coolen Lichtschwert-Tricks drauf hat, um ihn sympathisch zu machen.

Da ist natürlich der Droide. Es gibt in Star Wars die gute Tradition, dass launische Droiden die heimlichen Stars sind. Natürlich braucht auch Rogue One solch einen Droiden. Das Problem ist, dass diese Droiden albern sein, aber nicht wirken dürfen, damit sie funktionieren. Wenn ein Charakter albern ist und auch so wirkt, liegt hingegen das Jar-Jar-Binks-Phänomen vor. Das bewirkt, dass man vom Kinosessel aufspringen möchte, um den Charakter zu erwürgen. Ich habe es nur unterlassen, weil man Droiden nicht erwürgen kann. Und dann ist da zuletzt Jyn, Typ „Mockingjay“. Junge Dame, die in Nöte gerät und plötzlich ihr Talent als Projektionsfläche und Mutmacher erkennt. Selbst wenn ich den Mockingjay im Original für einen überzeugenden Charakter gehalten hätte, wäre es mir bei einer billigen Kopie schwer gefallen.

Ich jammere auf hohem Niveau, meint ihr? Was ist damit: Wir befinden uns ein paar Tage vor Episode IV. Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Sturmtruppen zwar zahlreich, aber so etwas wie imperiale Elite sind. Wir brauchen also nicht noch schwarz angemalte Sturmtruppen, die Elite-Elite sind. Dafür gibt es die Garde des Imperators. Schwarze Sturmtruppen entwerten die normalen Sturmtruppler noch weiter. Wir verspotten sie ohnehin schon als galaktisches Kanonenfutter, weil sie für eine Elitetruppe einen verdammt niedrigen Bodycount haben. Muss man sie dann durch schwarz angemalte Leibgardisten noch weiter entwerten? Und wieso reicht es nicht, die gute alte Lambda-Fähre, mit der sogar der Imperator fliegt, als Standard-Transportmittel wiederzuverwenden?

Jaja, zugegeben, das ist wirklich Jammerei auf hohem Niveau, denn so richtig über den Film habe ich noch nicht gesprochen. Es war bislang nur Star Wars. Also reden wir über den Film. Im Film erleben wir das Schlimmperium. Nicht das Imperium, sondern das Schlimmperium. Es war nämlich schlimm. Dass jeder Moff und Direktor ein mieser kleiner Intrigant ist, der zu Onkel Darth Vader läuft, wenn ein Plan nicht aufgeht, ist geschenkt. Das gehört zum Imperium dazu.

Was aber auch zum Imperium gehört: Es ist aus Überzeugung böse und es ist echt böse. Das Schlimmperium besteht hingegen aus Schurken, die eine Revue spielen und aufreizend mit ihren Umhängen wedeln. Kommt schon, Kinder, wenn ihr Star Wars neu erfinden wollt, dann probiert es aus, ein zeitgemäß böses böses Imperium zu schaffen, dem man das Bösesein auf Grund von Bösartigkeit auch abkauft. Ansonsten spielt demnächst Marie-Luise Marjan noch den Imperator. Und Helene Fischer Darth Vader. Obwohl das eine treffende Besetzung wäre.

Man kauft es den Imperialen nicht ab, dass sie böse-böse sind. Das ist die größte Schwäche in diesem Film. Oder nein, die zweitgrößte. Die größte Schwäche ist diese: Der Film will erklären, wieso das Imperium so trottelig ist und die Sache mit dem Lüftungsschacht vermasselt hat. Das ist schade, denn es war immer ein charmanter Zug des Imperiums, bei all seiner Böse-Bösartigkeit dennoch ein wenig vertrottelt zu sein. Das ließ den Guten eine Chance und machte aus dem Imperium trotzdem keine Operetten-Schurken. Die Erklärung, wie es zu diesem Fehler kam … Naja, okay, Verzweiflung wird das Motiv sein. Aber Verzweiflung war nie spürbar. Und das macht die Idee albern. In der Remastered-Version wünsche ich mir deshalb doch lieber Darth Vader, wie er über seine Bösartigkeit singt und tanzt, gern zu Musik von Johann Strauss (Sohn), dafür löschen wir die Erklärung, wie es zum Lüftungsschacht-Desaster kam, aus dem Film. Und das CGI-Gesicht von Großmoff Tarkin entfernen wir bitte auch, das ist gruselig. Aber nicht, weil Tarkins Gesicht gruselig ist, sondern weil man sich den ganzen Film über fragt: Das ist doch CGI, oder?

Ich könnte mich noch stundenlang über Kleinigkeiten lustig machen wie den Ghostbusters-Gedenk-Anzug, Material habe ich dafür. Portal im Planetenschild und so … Das erinnerte mich an … Moment … Spaceballs! Und Spaceballs war, als ich ihn zuletzt gesehen habe, kein Teil von Star Wars sondern dessen Persiflage. Dabei hatte Rogue One so viel Potential.

Wir könnten darüber reden, dass sich ein Star Wars Film endlich einmal über die Macht lustig macht. Denn die Macht, das erfahren wir in Episode IV, gilt bei den Imperialen als Ammenmärchen, sie spielt keine große Rolle. Da ist es mutig, sich über sie im Film, mit einem schäumenden Star Wars Fan vor der Leinwand, über sie lustig zu machen. Aber genau das gefiel mir. Denn da traute sich der Film etwas.

Überhaupt traut er sich was: Der ganze Haufen, der sich Rebellen-Allianz nennt, wird endlich zur Allianz. Kein geschlossener Block, sondern eine Vielzahl an Gruppen, die sich zusammenraufen, um das Imperium zu besiegen (und es im Unterschied zu mir besser fänden, wenn das Imperium häufiger das Schlimmperium gewesen wäre), sich aber untereinander nicht einig sind und auch häufiger mal nicht leiden können. Okay, der Ausgangslage verdanken wir auch die Mockingjay-Referenzen, aber dennoch war es eine gute Idee. Da wäre mehr drin gewesen. So viel mehr.

Überhaupt: Star Wars war, bis George Lucas es digital grundgereinigt hat, ziemlich dreckig und düster. Das greift Rogue One gut auf und führt es nicht nur fort, sondern auch weiter. Ein Aufstand ist keine schöne Sache, es ist blutig, kriegerisch und man muss tricksen und dreckig spielen. Eigentlich hätten auch die Episoden IV-VI mehr Kriegsfilm als Märchen sein müssen. Das macht erst Rogue One so richtig klar. Und traut sich dann wieder was, indem da Leute sterben, die nicht hätten sterben sollen. In Star Wars sonst undenkbar, da stirbt ja noch nicht einmal Jar-Jar Binks.

Und auch die Kleinigkeiten: Es hat ja nur knapp 40 Jahre gedauert, bis sich die Frauen in der Rebellen-Allianz emanzipiert haben. Es gab in der Original-Trilogie nämlich zwei Frauen: Mon Mothma, die so nebensächlich und sauber war, dass sie den Rebellen-Jungs wahrscheinlich noch nicht einmal Butterbrote fürs Kriegsspielen geschmiert hat, sondern dafür Personal hat – und Prinzessin Leia. Die dabei war, weil ein Märchen eine Prinzessin braucht. Ansonsten: Nur Jungs. Bei den Bodentruppen, bei den Piloten, Rebellion war Jungensache. Ich bin erstaunt, dass die Rebellion bei so restriktiven Teilnahmekriterien so lange halten konnte. Seit Rogue One wissen wir immerhin: Man hat die weiblichen Jägerpiloten nur nie gesehen.

Alles in Allem war Rogue One Mist mit einigen guten Ideen – von der Story her. Aber mal ehrlich: Wer guckt Star Wars auch schon wegen der Story? Rogue One wartet mit viel Bumm auf. Und genialen Raumschlachten. Star Wars ist Raumschlachten plus Lichtschwertkämpfe. Und da hat man sich echt was einfallen lassen. Ich bin mir zwar noch nicht sicher, ob es so logisch ist, dass ein Jäger mal eben einen ganzen f’n Sternenzerstörer lahmlegen kann, aber ich weiß, dass die Hammerhai-Fregatten so albern sind, dass ich mir denke: Was für cooler kranker Scheiß.

In diesem Sinne: Fanboy, lass dein logisch Herz schweigen, kauf dir den Film auf DVD und spule von Action-Szene zu Action-Szene.

 

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25 Kommentare zu „Rogue One – A Star Wars Story?

  1. Das sehe ich mal wieder gaaanz anders! 😉 Mir hat der Film gefallen, sehr sogar! Auch, weil er genau meinen Erwartungen entsprach: Optisch ansprechendes Popcorn-Kino, bei dem man nicht zu viel nachdenken muss/sollte. 😉

    Nur mit Felicity Jones wurde ich irgendwie nicht warm. Keine Ahnung, warum. Irgendwie wirkte sie auf mich wie eine Art Elijah Wood des Star Wars-Universums. Nur eben in weiblich.

    Und ob „Mutter Beimer“ als Imperator für Star Wars eine schlimmere Personalentscheidung wäre als es Kylo Ren ist, das lasse ich mal dahingestellt…

    Falscher Film, ich weiß. Erwähnen musste ich es trotzdem! 🙂

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  2. Ich fand den Film super, werde ihn mir (uns) später kaufen. Würd auch nochmal ins Kino gehn, hätt ich Zeit! Man muss das auch mal so sehen als „Fan“.: es ist eine Reihe seit (?) 1976/77. Man kann nicht jeden Film toppen und wir haben 2017, manche Sachen verändern sich, passen sich an. Keine Steinigung bitte, bin nur eine liebe Mädel, dass den Film klasse findet 😉

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    1. Die Frage ist, ob sich Sachen anpassen oder wie im Fall des Imperium man einfach das Tafelsilber Preis gibt, den Grund, warum Star Wars so gut funktioniert.
      Aber ich bin auch hart in meinem Urteil. Ein Zeichen von Liebe. Und zur Liebe gehört ja das Verzeihen, wenn Episode 8 gut wird. ☺

      Gefällt 1 Person

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