Okay, es ist nicht der letzte Kuchen. Es ist noch nicht einmal der letzte Strudel. Aber wie ich schon häufig genug betont habe, erscheinen gerade meine Besprechungen und meine Küchenposts munter durcheinander und mit einer gewissen Verzögerung, weil ich da eine recht große Halde habe. Dieses ist „nur“ der letzte Kuchen (von einem Marmorkuchen, den ich nicht eigens dokumentiert habe), den ich bei meiner Familie gebacken habe, als ich dort noch gemeldet war. Nicht der schönste Aprikosen-Quarkstrudel auf Erden, aber immerhin.

Quarkstrudel ist, wie alle Deutschen wissen, ein deutscher Kuchen. Kein österreichischer. Denn dann wäre es ein Topfenstrudel. Wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob der Topfenstrudel originär österreichisch ist oder nicht auch nur ein Immigrant. Er findet sich ja durchaus auch in anderen Habsburger-Küchen. Und er erinnert mich entfernt an Baklava.

Möglich also, dass der Topfenstrudel ursprünglich mal vor Wien gelagert hat und von den Osmanen beim Rückzug dort vergessen wurde. Ein österreichischer Bäcker fand ihn dann wahrscheinlich, wunderte sich darüber und nahm ihn mit Heim. Natürlich wollte er als anständiger Kerl den Osmanen ihren vergessenen Strudel nachschicken. Er griff nach dem Kuvert, schob den Strudel hinein, leckte den Klebestreifen ab und trug den Brief zur Post. Dummerweise sind österreichische Kuverts dafür bekannt, dass sie so viel Haftkraft haben wie die Gewinner*innen von Casting-Shows Bodenhaftung. Sie kleben nur zu, wenn Aykut Anhan eine Tube Haftcreme mampft und anschließend den Umschlag zutackert.

So kam es, wie es kommen musste, der Strudel fiel aus dem Kuvert in einen Topf voller … Nein, nicht Kuvertüre, das wäre zu naheliegend gewesen … Natürlich in einen Topf voller Quark. Der Strudel sog sich mit dem Quark voll, sodass nicht mehr zu erkennen war, dass der Quark ursprünglich im Topf war. So wurde er zum Topfenstrudel.

Wenn ihr die Geschichte nicht glaubt, dann dürft ihr natürlich dennoch euer Glück mit eigenem eigenen Strudel versuchen. Ihr benötigt für den Strudelteig, der selbstgemacht wirklich kein Hexenwerk ist :

  • 125g Weizenmehl
  • Salz
  • 1 Ei
  • 2 EL lauwarmes Wasser
  • 2 EL Speiseöl

Setzt einen Topf mit Wasser auf und bringt das Wasser zum Kochen. Währenddessen verknetet ihr die Zutaten alle zusammen sehr gründlich so lange, bis ihr einen schönen glatten Teig bekommt, der nicht klebt. Wenn er es doch tut, stellt ihn eine Weile kalt und knetet dann weiter. Dann gießt ihr das Wasser aus dem Topf, legt ein Blatt Pergamentpapier hinein und gebt den Strudelteig darauf. Mit einem Deckel verschließen und mindestens 30 Minuten ruhen lassen. Der Österreicher ist ja bekanntermaßen der Italiener unter den Deutschen und geht es gern gemütlich an. 😉

Wer wie ich aber ein Küchendiktator ist, trödelt in dieser halben Stunde nicht herum sondern bereitet die Füllung für unseren Strudel vor. Dafür benötigt ihr:

  • 40g Butter
  • 40g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 EL Zitronensaft
  • 180g Quark
  • 1 Päckchen Dessert-Sauce Vanille-Geschmack
  • 2 EL Schlagsahne
  • 50g Rosinen
  • 420g Aprikosenhälften (Dosenware)

Ihr beginnt mit den Aprikosenhälften, weil die abtropfen müssen. Oder ihr müsst die Aprikosen häuten und dann halbieren. Aber egal ob frisch oder Dose, anschließend werden sie klein geschnitten (nicht im Bild – wegen der Brutalität des Kleinschneidens habe ich mich dagegen entschieden).

Dann rührt ihr Butter mit Zucker geschmeidig oder macht es wie ich und verrührt flüssige Butter mit dem Zucker. Dann kommen nach und nach das Ei, der Zitronensaft, der Quark und das Vanillesaucenpulver hinzu. Ihr könnt natürlich auch Speisestärke und echte Vanille nehmen, allerdings habe ich nie im Kopf, wie viel Stärke einem Tütchen Vanillesaucenpulver entsprechen, während ich beim Pudding weiß, dass es 40g sind.

Habt ihr alles gut verrührt? Sehr schön. Dann wird der Strudelteig jetzt ausgewalzt und ausgezogen. Dafür bemehlt ihr ein Handtuch und rollt den Strudelteig darauf aus. Hilfreich ist es manchmal auch, ihn über den Unterarm oder Handrücken zu ziehen. Denn das Handtuch benötigt ihr aus zwei Gründen. Der erste ist: Der Teig ist dann dünn genug, wenn ihr das Handtuch durch ihn hindurch seht, so wie auf dem ersten Bild. Am Ende sollte die Teigplatte etwa 60*40cm² messen. Den dickeren Rand wie unten im Bild könnt ihr abschneiden. Oder auch nicht. 😉 Nun kommen

weitere 40g Butter

zum Einsatz. Verflüssigen und mit einem Teil den Strudelteig bestreichen. Dann auf 2/3 des Strudelteigs die Quarkmasse verteilen, darauf die Rosinen und die Aprikosenstücke geben und dann das freie Drittel Strudelteig auf die Füllung klappen. Der vorletzte Streich ist dann: Mit der freien Seite beginnend wird der Strudel aufgerollt. Dafür könnt ihr übrigens wunderbar das Tuch als Hilfsmittel verwenden. Nun kommt der Koloss von Strudel aufs Backblech. Und die Enden werden zusammengedrückt. Und wenn man mal wieder feststellt, dass der Strudel nicht aufs Blech passt, legt man ihn eben zum Hörnchen und bepinselt ihn in jedem Fall noch einmal mit Butter.

Bei 170° Ober-/Unterhitze sollte der Strudel so etwa 40-50 Minuten im Backofen benötigen. Vielleicht auch länger oder weniger lang. Nach etwa 30 Minuten kommt die restliche Butter auf den Strudel.

20160808_162117.jpg

Wenn man mit der Butter nicht großzügig genug ist und den Strudel zudem recht lang bäckt, wird er oben drauf leider etwas dunkel. Andererseits: Ihr seht dort das letzte Stück Strudel. Und ich hatte ihn eine halbe Stunde vor diesem Foto aus dem Ofen genommen. Von daher ist mir das Aussehen echt egal. 🙂

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20 Kommentare zu „Der letzte Kuchen

  1. Ich habe die Herstellung von Strudelteig immer als sehr aufregend und stressig erlebt. Einmal habe ich mit meinem Bruder gemeinsam beobachtet, wie es unsere Schwester versuchte, bis sie irgendwann genervt aufgab und das ganze in der Tonne verschwand. ist schon Ewigkeiten her und ich glaube heute, dass für meine Schwester das Hauptproblem die lästernden Brüder waren…
    Viele Grüße, Achim

    Gefällt 2 Personen

  2. Wieder etwas über die heimische Geschichte gelernt, liebe Kinder. Der Topfenstrudel hat also seine politische Karriere einem philanthropen Wiener Bäcker zu verdanken … Moment, ein freundlicher Wiener? Irgendetwas an der Geschichte kann nicht stimmen.
    Aber wir freuen uns schon alle auf eine weitere Märchenstunde bei einem Kaffeetässchen und genießen inzwischen ein leckeres Stück Qua…(nein, als Österreicherin kann ich das einfach nicht schreiben, sorry! Da sträubt sich sofort mein zartes Empfinden für Nahrungsmittelnamensverunglimpfungen), also ein Stück TOPFENstrudel
    🙂

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    1. Gell? Ich kenn die österreichische Geschichte besser als alle Österreicher zusammen. Und du hast gut aufgepasst: Der Wiener Bäcker war gebürtig aus Brünn. 😉
      Jedenfalls freut es mich, dich erfreut zu habrn, denn all mein Spott resultiert ja aus einer tiefen Liebe und Sehnsucht zu und nach Wien. ☺

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  3. WOW! Da hast du dir aber echt ordentlich Mühe und Arbeit gemacht.
    Und es ist wohl doch österreichisch, denn die sagen doch immer, durch ihren Strudelteig müsse man Zeitung lesen können…. 🙂
    Er war lecker, das glaub ich auch so….ohne zu wissen, dass innerhalb einer halben Stunde so gut wie nix mehr übrig war.
    Und wer kriegt das Anstandstück????

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    1. Ich finde, Strudelteig macht gar nicht so viel Arbeit. Was den Ausspruch der Ösis betrifft: Genau, so muss er sein. Oder das Muster vom Geschirrtuch durch sehen. Den kenne ich aber auch aus Bayern.
      Was die Herkunft angeht: Das erste Rezept findet sich tatsächlich in einem Kochbuch aus dem Habsburgerreich. Woher genau er aus dem Reich kam, weiß man aber nicht (das war ja größer als Österreich). Zur Herkunft habe ich tatsächlich nicht viel gefunden. Ich habe mal intensive Recherchen in Budapest, Wien und München unternommen und kann dir nur sagen: Er schmeckt überall famos. In Budapest, zugegeben, am Besten.
      Die meisten Theorien stellen eine Verknüpfung mit dem osmanischen Reich her … Und zwar über Ungarn. Von daher: Sorry, ihr Ösis, das war wieder nix. *gg*
      Das Anstandsstück hab ich gegessen. *g*

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      1. Ahhh, interessant, an Ungarn hätte ich im Traum nicht gedacht.
        Arme Ösis…. 😉

        Das Anstandsstückchen schmeckt immer am besten, gell????

        Was macht eigentlich dein neuer Job?

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      2. So cool wie am ersten Tag. Aber leider kein Material für Blogbeiträge. Da waren meine letzten Jobs ergiebiger. Aber ich könnte es jeden Tag feiern, den Job angenommen und nach Stuttgart gegangen zu sein. Mal mehr, natürlich und mal weniger. Aber zum ersten Mal im Leben kann ich sagen: Ich bin nicht nur zufrieden, sondern glücklich.

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