Vor ewig langer Zeit war es guter Brauch auf diesem Blog, dass ich antizyklisch gebloggt habe. Als Reminiszenz werde ich den nachweihnachtlichen Wahnsinn dazu benutzen, einen Blick zurück zu werfen und die Geschichte der Geschenke erzählen. Hier geht es zu Teil 1 (Wunschzettel) und Teil 2 (Geschenke kaufen).

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Bis es endlich so weit ist, wie auf dem Bild zu sehen, gibt es einen weiten Weg zurückzulegen. Da war erst die Sache, was ich schenken könnte, dann die Besorgung derselben, aber die Königsdisziplin des vorweihnachtlichen Triathlon ist zweifelsfrei das Verpacken der diversen Geschenke.

Es beginnt damit, dass man sich beim Geschenkpapierhändler des Vertrauens entscheiden muss, welchen Print man sich wünscht. Gar nicht so einfach, wenn die Geschenke als Rollensammelsurium genau neben der Rolltreppe platziert sind und man ständig von Menschen umgerannt wird, die Drogerieprodukte als Geschenke kaufen wollen.

Ist es gelungen, sich für ein Motiv zu entscheiden, ist das Elend aber noch nicht vorbei. Denn man stellt fest, dass man keinen Tesa-Film mehr hat. Man ist also zur Abwechslung motiviert, Geschenke zu verpacken und hat auch die Zeit dafür, aber nicht das vollständige Material. Nun ist es so, dass der Kauf von Tesa nicht so schwer ist. Es sei denn, man hat keinen Abroller daheim. Man entscheidet also, dass man eine Kombination kauft. Die günstige. Weil man Tesa nur braucht, um drei Mal im Jahr Geschenke einzupacken. Wenn man sie nicht gleich im Laden verpacken lässt. Und zur Ehrenrettung der Marke Tesa muss ich zugeben, es war kein Original Tesa-Film sondern ein billiges Nachahmerprodukt.

Gesagt, getan. Ich erwarb solch ein billiges Ding und saß eines Abends auf meinem Bett. Ich fluchte innerlich bereits aus zwei Gründen:

  1. Nicht alle Geschenke hatten Kastenform. Ihr Verpacken würde eine Herausforderung werden.
  2. Das Papier war dünner als gedacht. Es war nicht das stabile, in das man Geschenke gut einschlagen kann. Es war auch nicht das normale, es war das extra dünne.

Dennoch war ich motiviert. Ich überlegte, welche Präsente ich zusammen verpacken konnte, damit Herr Zeilenende Sr. und Mutter Zeilenende auf die gleiche Anzahl Päckchen kommen würden. Das verlangte mein rudimentär ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Und weil er offenbar gerade in einer evolutionären Phase steckte, stiftete er mich zusätzlich an, die einzelnen Päckchen auch möglichst gleich-preisig zu gestalten. Das forderte einen Stift, Papier und die Rechenkünste der Klasse Vier. Aber auch diese Aufgabe meisterte ich.

Frohen Mutes schnitt ich ein Stück Geschenkpapier zurecht. Es riss. Ich schnitt ein weiteres Stück Geschenkpapier zurecht. Es riss ebenfalls. Ich fluchte und schnitt ein weiteres Stück Geschenkpapier zurecht. Ich schlug das Geschenk ein. Dann fummelte ich am Tesa-Film herum. Er ließ sich nicht von der Rolle lösen. Ich fluchte lauter, gestikulierte wild, woraufhin das Geschenkpapier erneut riss.

Es kam zu einer epischen Schlacht auf meinem Bett zwischen Tesa, Geschenkpapier, diversen Präsenten und mir. Eine solch epische Schlacht, dass Peter Jackson sich die Filmrechte daran gesichert hat. Im Laufe der Verpackungsorgie trat ich mir vor Ärger die Zehen an meiner Bettkante blau, rissen weitere zugeschnittene Geschenkpapierstücke, fielen einzelne Geschenke zu Boden, aber die Krönung war der Tesa-Film. Dieser ließ sich nämlich nie in ganzer Breite abrollen. Stets riss der Streifen in der Mitte, sodass ich nur einen halben Streifen hatte. Und dieser riss nach einer halben Umdrehung von der Rolle ab.

Das Gute: Ich benötigte den Spender gar nicht. Das Schlechte: Der Tesa hielt kaum. Und ich musste für jeden einzelnen Streifen fünf Minuten lang an der Rolle herumpiddeln, um einen neuen Streifen zu bekommen.

Für ein gewöhnliches Geschenk benötigt man mindestens drei Streifen Tesa-Film. Ich zumindest. Da ich nur halbe Streifen hatte, benötigte ich für optimale Haftung auch schon einmal zwei oder drei. Insgesamt hatte ich 10 Päckchen zu packen. Das Ende vom Lied? Nun, alle Geschenke waren eingepackt. Und ich musste zur Arbeit. Weil meine gesamte, für Schlaf reservierte Zeit der Nacht für das Verpacken von Geschenken drauf gegangen war. Aber immerhin bin ich nun ein reicher Mann. Dank der epischen Schlacht und der Filmrechte. Und wehe meinen Eltern, sie haben am Heiligen Abend kein Strahlen im Gesicht ob meiner … individuell … eingepackten Geschenke. Dann … Dann … Dann … packe ich meine Geschenke zukünftig doch wieder in Alufolie ein!

23 Kommentare zu „Geschenke #3: Verpacken

  1. Sehr eindrücklich. Beim Lesen lebt sogleich jenes einmaljährliche haptische Erlebnis wieder auf: Wie man mit dem Fingernagel auf der Tesarolle entlangstreift, um den Anfang zu finden (im Schnitt 5-7 Umdrehungen); und, hat man ihn endlich gefunden, den Anfang, ihn irgendwie von der Rolle loszuknuspeln, denn hier klebt er ausnahmsweise tadellos, der Film, wie das Tannenharz auf der guten Hose …

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  2. der gute wille zählt…wobei das extradünne billigpapier echt ne seuche ist…ich hasse es! und nichtklebriges pseudotesa…ich fühle mit…

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  3. Herrlich. 😀 Kenne ich. 😀
    Immer wieder gern auch: Neuen Tesafilm mit Abroller erworben, weil vermeintlich keiner mehr im Hause ist und dann beim Sortieren der Verpackungsmaterialien zwei Rollen Tesafilm gefunden. Eine mit und eine ohne Abroller.

    Unordentlich verpackte Grüße aus dem Garten 🙂

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  4. Ja, das kenne ich nur zu gut. Ich sitze beim Geschenkeverpacken allerdings nicht gemütlich auf dem Bett, sondern stehe ungemütlich vor dem völlig überfüllten Schreibtisch. Was die Sache nicht besser macht. Zusätzlich bekomme ich Rückenschmerzen, weil meine Haltung so verkrampft.

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    1. Bett war auch nur eine schlechte Alternative, weil der Schreibtisch zu klein und der Esstisch voll war. Ich denke darüber nach, im nächsten Jahr jemanden dafür zu bezahlen. 😅

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  5. Da werden Erinnerungen wach. 🙂
    Eine Kollegin von mir haßt Geschenkpapier. Sie findet das verschwendung. Da ich ihr ein Geschenk aber unbedingt einpacken wollte,( ich liebe es Geschenke auszupacken) nahm ich Toilettenpapier. Da kann ich das gute Reißfeste aus der Schultoilette empfehlen. 🙂
    LG

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  6. Oha, dann sehen wir immer im Winter der Jahre 2017, 2018 und 2019 die drei Teile der epischen Schlacht von Stuttgart… Da werde ich ins Kino gehen und mit die jeweils auf vier DVDs erscheinenden Special Editions besorgen… 👍🏻

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