Vor ewig langer Zeit war es guter Brauch auf diesem Blog, dass ich antizyklisch gebloggt habe. Als Reminiszenz werde ich den nachweihnachtlichen Wahnsinn dazu benutzen, einen Blick zurück zu werfen und die Geschichte der Geschenke erzählen. Hier geht es zu Teil 1 (Wunschzettel).

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Mutter Zeilenende hat das mit dem Wunschzettel mittlerweile begriffen. Wenn sie nicht lauter Geschenke haben möchte, die ich mir selbst schenken würde und einer Mutter angemessen fände (Mixer, Pürierstäbe, Waffeleisen, Kaffeemaschinen, Überkochschutz-Plastikgedöns, Kuchenformen, etc.), dann muss sie selbst aktiv werden. Seit einigen Jahren bekomme ich also einen liebevoll gestalteten Notizzettel – meist ein Drittel-Fetzen ihres DIN A 4 Einkaufsblock – auf dem sie nach dem Durchblättern diverser Internetportale Bücher notiert, außerdem Socken und ggf. einen Vermerk, dass ihr jahrelanges Lieblings-Parfum aus sei … Und ich mich hüten solle, ihr Tosca zu schenken, nein, es soll wieder Laura werden.

Die Herausforderung bei Mutter Zeilenende ist es also, ein oder zwei kleine Aufmerksamkeiten zu finden, die sie sich nicht explizit gewünscht hat, was aber sehr einfach ist, wenn man die Struktur ihrer Wünsche begreift und sie ein wenig kennt. Sodass ich auch in diesem Jahr eher vor der Frage stand, was ich nicht kaufe.

Herr Zeilenende Sr. ist hingegen ein besonderer Fall. Er ist wunschlos glücklich, hat Hobbys, die keine Geschenke generieren und er hat notorisch keine Zeit für Wunschzettel (dann wäre es böswillige Absicht) oder er vergisst es (dann ist es böswillige Fahrlässigkeit). Jedenfalls steht das Geschenketriumvirat (Bruderherz, Nesthäkchen und ich) kurz nach dem dritten Advent meist ohne Wunschzettel und ohne die leiseste Idee in Händen da.

Das ist der Zeitpunkt, an dem ich mich in eine handelsübliche Innenstadt zwecks Ideensammlung begebe. Und siehe da, ich hatte eine famose Idee. Herr Zeilenende Sr. behauptet nämlich zwar, keine Nüsse zu essen, aber wenn man ihm eine Schüssel mit Nüssen vor die Nase stellt … Die grausamen Details erspare ich euch, es bleiben aber nur selten Nüsse übrig. Also war mein Plan, ihm einen großen, dekorativen Nussknacker zu schenken. So einen richtigen, wo man die Nuss ins Maul legt, der außerdem so groß ist, dass er auch Kokosnüsse knacken kann. Mindestens.

Ich teilte diesen Vorschlag mit und bekam zur Antwort, dass er mittlerweile keine Nüsse mehr esse, weil er sie nicht vertrüge. Mittlerweile war ich der Verzweiflung nahe. Ich saß auf einem Ledersofa in einem innerstädtischen Einkaufszentrum und machte aus dem Triumvirat eine Vierer-Bande. Ich rief Mutter Zeilenende an und fragte sie, ob ihr Göttergatte sich mehr über eine neue Handtasche oder schwäbische Spezialitäten freuen würde, denn diese beiden Geschäfte hatte ich vor der Nase.

Ein weihnachtselfenhaftes Kichern drang an mein Ohr, Mutter Zeilenende tat kund, sie habe mit diesem Anruf gerechnet. Und sie hat ihn unauffällig belauscht, das gesamte Jahr über. Hin und wieder habe er den ein oder anderen Halbsatz fallen gelassen, was ihm noch fehle. Der Nussknacker … Ich erwiderte, er äße doch keine Nüsse mehr, weil er sie nicht vertrüge. Mutter Zeilenende belehrte mich eines besseren. Nicht was den Magen von Herrn Zeilenende Sr. betraf, sondern den Nussknacker, der offenbar das Werk eines Komponisten sei, dessen Name ich zwar aussprechen kann, aber sicherlich nicht fehlerfrei geschrieben bekomme. Deshalb lasse ich es. Das dürft ihr selber googlen, meine kleinen Zuckerfeen.

Damit war der Damm gebrochen, eine erste Idee als Kristallisationskeim tat immer gut. Wir fachsimpelten ein wenig über die physischen (der Mann ist über 60!) und psychischen (Lehrer und mit Mutter Zeilenende verheiratet!) Abgründe des stellvertretenden Familienvorstandes (das Mutter Zeilenende die Hosen anhat, sollte wohl hinreichend klar sein) und potentielle weitere Geschenkideen. Es ist nicht so, dass ich zuvor fünf Stunden lang vergeblich nach Geschenken gesucht habe, es waren nur vier und eine halbe Stunde. Aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis zur Tatsache, dass ich in einer halben Stunde diverse Lavendelprodukte und zwei Wildpasteten erwarb, um mein Geschenkekörbchen voll zu machen.

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9 Kommentare zu „Geschenke #2: Der Einkauf

  1. Väter sind am schwierigsten. Ich schleiche auch das ganze Jahr herum um eine Idee zu haben. Mittlerweile bin ich ganz gut im erahnen. Sagt er, er brauche das und das nun wirklich nicht, bedeutet es: er braucht es nicht, würde es nie selbst kaufen, findet es aber klasse. Seit diesem Weihnachten hat er ein 2,50 x 1,80 Meter großes hamamtuch. Er ist ein großer Mann 😂

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    1. Wenn mein alter Herr so etwas nur mal äußern würde. Selbst dieses „Wer braucht denn sowas?!“ kommt bei ihm nur noch selten und ist tatsächlich eher ein Ausdruck von Verständnislosigkeit der modernen Welt gegenüber. Vielleicht bekommt er im nächsten Jahr eine Karte fürs Hamam. Ich klaue nämlich gern bei anderen Leuten. *gg*

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  2. Wildpastete! Lecker! 😀
    Aber von dir kann ich nur guten Geschmack erwarten! 😉

    Hachja, der Herr Zeilenende Sr., der ähnelt dem meinigen Senior auch ein wenig, in der Geschenkehinsicht. Immer wieder schwierig, da was zu finden. Aber umso schöner, wenn man doch was findet, was dann a) ne Überraschung und b) ne freudige Überraschung ist, was? 😀

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    1. Du wirst lachen, am besten kam das DIY-Insektenhotel an. Und ein Bekannter von mir – das war die Krönung – hat seinem Vater unabgesprochen ein fertiges Insektenhotel geschenkt. Und unsere Mütter wussten es und haben dann am Abend eifrig WhatsApps ausgetauscht. -.-“ ^^
      Ansonsten: Überraschungen sind toll, sollten aber nicht so anstrengend wie ein Halbmarathon sein. *g*

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      1. Insektenhotel? Wasndas? 😳

        Haha, cool, dass ihr auf dieselbe IDee gekommen seid, und die Mütter das verschwiegen haben! XD
        Oder es war eiskalt kalkuliert, damit sich die Väter darüber austauschen? 😀

        Haha, ja, da hast du definitiv recht! 🙂

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      2. Ich vermute, sie wollten einfach den Spaß haben, uns das im Nachhinein zu erzählen.
        Ein Insektenhotel ist so ein Regal für den Garten mit Röhren und anderem Gedöns, in dem sich unterschiedliche Insekten wohlfühlen und einnisten. Quasi ein Vogelhaus für Wildbienen und anderes Getier.

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