Hello 2017. Auf dass du ein geiles Jahr wirst.

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Ich finde Bilder-Recycling in Ordnung. Das ist vom letzten Silvester.

„Geil“ ist eines der Wörter, das in meinem Wortschatz nur sehr selten vorkommt. Ich bin eher der „Cool“-Man, um mir diese kleine Reminiszenz an meine Kindheit zu erlauben. Aber 2016 war schon ein krasses Jahr. Mit dem 01.01. des vergangenen Jahres stand ich vor dem Nichts. Fast zwei Jahre Arbeit lagen hinter mir, die nicht dafür gesorgt hatten, dass ich was Festes gefunden hatte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch die Hoffnung, bald Anschlussverwendung zu finden, aber dem war nicht so. Also fuhr ich ein halbes Jahr lang in der Republik herum, um meine Arbeitskraft zu Markte zu tragen. Letztlich mit Erfolg. Es ging dann ziemlich rasch: Ich musste eine Wohnung finden und dafür halb durch Deutschland fahren, ich musste umziehen und dafür halb durch Deutschland fahren – aber ich war es ja gewöhnt, hatte ich doch von Schleswig-Holstein bis Bayern so ziemlich alles in Deutschland für Vorstellungsgespräche gesehen. Außer den Ostteil Deutschlands, wo man mich offenbar nicht sehen wollte.

Bis heute bekomme ich übrigens Absagen … Und in den ersten Wochen im neuen Job kamen noch Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, die ich allesamt abgelehnt habe, weil ich glücklich war. Und für die Kolleg*innen, die hier mitlesen, über das „war“ stolpern: Ich bin es immer noch. Aber es geht hier um das, was hinter mir liegt.

2017 wird das erste Jahr in meinem Leben sein, bei dem ich mit ziemlicher Sicherheit weiß, dass ich am Ende des Jahres immer noch in Stuttgart arbeiten werde, immer noch beim gleichen Arbeitgeber. Nach mehreren Jahren des Studiums (in dem ich auch nie wusste, was mir so im kommenden Semester blüht, aber eher hochschulengagement-technisch), zwei Jahren mit befristeten Ultrakurzverträgen und mehreren Arbeitsverträgen, deren Urlaubszeiten es zu koordinieren galt, ist das ungewohnt und neu für mich – ein Abenteuer, auch wenn es der Inbegriff der Spießigkeit ist. Und ich freue mich auf meine Arbeit im kommenden Jahr, weil sie abwechslungsreich und aufregend ist.

Privat hieß es wohl endgültig Abschied zu nehmen von der alten Heimat, die in diesen zwei Jahren nicht wieder meine Heimat geworden war. Ich hatte mich mit 19 verabschiedet. Und mit fast 27 Jahren keine Lust mehr gehabt, mich wieder auf sie einzulassen, weil ich gern gegangen bin. Umso leichter fiel es mir, erneut zu gehen. Und ich habe wieder eine Heimat gefunden – sowohl die Stadt, als auch meine WG, die ich so schnell nicht mehr missen möchte. Ob ihr das lest oder nicht, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für den vielen Spaß, die durchgefeierten Nächte wie tiefgründigen Gespräche, die wir geführt haben, für „Wir machen was zusammen“ wie für „Wir leben ein paar Tage lang nebeneinander her“, für alles eigentlich.

Ansonsten? Ich habe ein paar Serien geschaut in der Zeit – etwas, wofür ich mir seit dem Umzug keine Zeit mehr nehme, weil ich kein Netflix-Abo abschließen will und kein Prime habe. Dafür Bücher. Ich habe in den vier Monaten hier etwa zwanzig Bücher gelesen. Mein SuB ist gut reduziert worden. Mir ist es gelungen, in diesem Jahr alle Bücher zu lesen, die ich mir gekauft habe. Und einige, die lange herumlagen. Erst Weihnachten hat mir die Statistik ein wenig getrübt, die dennoch eindeutig SuB-Reduktion zeigt.

Der Plan fürs kommende Jahr? Weiterhin ohne Fernseher glücklich sein, den SuB auf Null drücken und mich dem hemmungslosen Konsum neu gekaufter Bücher und vieler Serien hingeben.

Allgemein glücklich sein. Als ich entdeckt habe, dass ich glücklich war, hat es mich überrascht. Seitdem genieße ich das Gefühl. Und es soll bitte anhalten. Deshalb besteht der Plan vor allen Dingen aus: Hin und wieder feiern, den landestypischen Karneval („Fasching“) kennenlernen, mich auf die Fedcon freuen, gelassen bleiben. Mir weiterhin Zeit für Bücher nehmen. Meine Gelassenheit beim Sport behalten. Wieder mehr Zeit für den Fotoapparat, Musik und Brettspiele nehmen. Das wird nötig sein. Ich habe im kommenden Jahr drei Großbausstellen vor mir. Eine davon brennt mir langsam unter den Nägeln, aber ich will den Ereignissen nicht vorgreifen … Das ist ein Thema für sich. Die andere würde ich gern noch ein paar Jahre verschieben, aber irgendwann wird die Sache mit den 29 Lenzen unglaubwürdig … Und neben dem Lesen, feiern, arbeiten, lesen, Musikhören und fotografieren … allgemein Spaß haben … vielleicht sollte ich doch wieder ernsthaft übers Fischen nachdenken. Irgendwas sagt mir, dass ich das brauche.

In diesem Sinne, 2017: 2016 war zur Hälfte ziemlich doof. Du hast beste Voraussetzungen, zum geilsten Jahr meines Lebens zu werden, wenn du nicht verrätst, wie alt ich werde. Mach was draus. Und ihr, liebe Leute, ihr auch. Bei all der Nabelschau, die ich hier betreibe, haben mich Menschen begleitet. Mutter Zeilenende, die im richtigen Moment „Mach das“ gesagt hat, der Rest der Familie, die sich mit mir gefreut und mir beim Umzug geholfen hat, meine Mitbewohnerinnen, die mich hier willkommen geheißen haben, meine neuen Kolleg*innen, die mich gut aufgenommen haben … Und da fehlt doch noch jemand: Ihr nämlich. Ihr habt mich schließlich das gesamte letzte Jahr begleitet, täglich. Mal aufmerksamer, mal weniger, manche das ganze Jahr, manche einen Teil des Jahres. Ob wir uns weiterhin täglich sehen werden, kann ich beim besten Willen nicht abschätzen. Ich werde es nicht krampfhaft versuchen, aber es macht mir Spaß, auch privat zu schreiben, deshalb ist das hier kein „Goodbye.“ Und weil ich nicht weiß, wie ich euch glücklich machen kann (ich kann euch höchstens nachdenklich oder belustigt stimmen durch meine Beiträge), möchte ich, dass ihr das selbst in die Hand nehmt. Und am 31.12.2017 treffen wir uns dann alle wieder hier und sagen: „Ja, geiles Jahr gewesen.“

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30 Kommentare zu „Byebye 2016

  1. Schön gesagt (geschrieben)!
    Dir, lieber glücklicher Zeilenende, ein wunderbares neues Jahr mit vielen (spießig) aufregenden, glückserhaltenden und -schaffenden Momenten, an denen wir in verbloggter Form hoffentlich manchmal Teil haben dürfen 🙂
    Happy New Year, stay cool 😉

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  2. Ich weiß gar nicht geaun warum, aber das hat mir berührt und zwei Tränchen sammelten sich in meinen Augenwinkeln. Aber ich mag es einfach, wenn Menschen immer wieder aufstehen. Bitte erzähl weiter von deinem Leben.

    Liebste Grüße
    Ela

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    1. Ich halte meine Schreiberei ja tendentiell für belanglos, höchstens mal für belehrend. Dass sie berührend sein kann finde ich ungewohnt … Umso mehr freue ich mich, dass Menschen auch deshalb hier lesen. Danke und ja, ich erzähle weiter, wenn es Weiteres gibt. ☺

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  3. Jedes Jahr hat wohl seine Höhen und Tiefen. Die Tiefen sind es, wegen denen wir Jahre gerne abschließen. Oder wegschließen 🙂

    Faktisch muss 2017 ein gutes Jahr werden: Ein Tag weniger Arbeit (letztes Jahr Schaltjahr), dafür aber etliche Feiertage mehr – entweder, weil man einen dazu bekommt (Reformationstag!) oder die Feiertage besser fallen (01.05., 25.12., 26.12.).

    Jetzt verrat doch endlich mal, ob du schon 30 bist oder noch wirst! Kannst uns ja auch einfach dein Geburtsjahr dalassen, dann nehmen wir dir die Mühe des Ausrechnens ab…

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    1. Ich werde nicht dreißig. Nur auf dem Papier. Mental bleibe ich 8, vom Humor her 14. 😂
      Aber ich habe tatsächlich zum ersten Mal das Gefühl, dass hier nichts zu Ende geht, sondern mit dem Jahreswechsel bloß etwas weiter läuft. Abwarten. ☺

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  4. Klingt wirklich so als wärst du angekommen. Spießer! So von einem Spießer zum anderen… 😉

    Ernsthaft: Das ist klasse und freut mich sehr! Hoffe du bist gut rübergerutscht und deine Vorhersage was 2017 betrifft wird wahr. 🙂

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    1. Es hat pünktlich im neuen Jahr zu schneien begonnen. Was ich doof finde. 😊 Von daher lief es nicht so gut. Ansonsten fühlt sich 2017 noch neu und ungewohnt an. Abwarten. Ich hoffe indes, auch bei euch lief der Jahreswechsel gut und ihr habt ein angenehmes Jahr. ☺

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  5. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, wo man bleibt. Ich freue mich für Dich, dass es Dir gelungen ist, Dich in das Neue einzuleben. Ich wünsche Dir ein gutes, erfolgreiches, witziges, glücliches und erfülltes 2017 ! Regine

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