Ich habe euch gesagt, dass ich mein ganz persönliches Hasslied in der Weihnachtszeit vorstellen werde, neben den drei schönsten, die es so gibt. Und weil ich am 24. natürlich keine schlechte Stimmung verbreiten will, gibt es das schlimmste Weihnachtslied aller Zeiten heute: Stille Nacht.

Es ist nicht so, dass mich an diesem Lied der Kitsch stören würde oder der Rummel darum. Ich verabscheue „Last Christmas“ ja auch nicht nur deshalb, weil es im Radio rauf und runter läuft. Popularität allein ist kein Grund, dieses Lied zu hassen. Ebenso wenig wie

Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigten Haar,

ausreichen würde, um mich in die Flucht zu schlagen. Denn dann wäre mein liebstes Weihnachtslied nicht mein liebstes Weihnachtslied. Das ist textlich und melodisch noch eine Spur schmalziger. Ich könnte es nicht besser sagen als Jochen Malmsheimer, was ich so schlimm an diesem Lied finde – oder vielmehr, was man diesem Lied so antut:

Es gibt im Zeilenendeschen Haushalt eine Spieluhr, die Stille Nacht, Heilige Nacht spielt. Sie befindet sich in der Kiste mit dem Weihnachtsbaumschmuck. Am 24.12. werde ich mit dieser Spieluhr quer durchs Haus verfolgt. Und bekomme die Krise. Für mich ist „Stille Nacht“ ein Schlaflied. Ein anspruchsvolles Schlaflied. Dessen Qualitäten ich durchaus schätze, wenn ich sie gedruckt vor mir sehe. Aber … Ja, aber … Es ist nun einmal so, dass ich noch keine gute Version dieses Liedes gehört habe. Spätestens da, wo es auf das hohe Es(? Ich kann keinen Violinschlüssel lesen) geht, bei „himmlischer“, ist es bei mir aus mit Ruhe und Besinnlichkeit, dann möchte ich schreien. Meistens allerdings schreie ich schon viel früher. Und brauche dringend einen Glühwein. Mit „Stille Nacht, Heilige Nacht“ kann man mir zuverlässig die Weihnachtsstimmung vermiesen.

Ich habe für diesen Beitrag also ein Video gesucht. Ich habe mich durch bestimmt zehn verschiedene Versionen dieses Liedes gehört. Ich fand sie alle so furchtbar, dass ich kurzzeitig überlegt habe, Weihnachten ausfallen zu lassen. Dann habe ich beschlossen, dass ich nicht mehr leiden will. Und habe willkürlich eine Version zur Untermalung ausgesucht. Und jetzt will ich dieses Lied NIE WIEDER hören müssen. Ich will STILLE!

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31 Kommentare zu „Zeilenende singt nicht: Stille Nacht

  1. Amüsant! Na gut, ich habe mich ein wenig gekringelt vor Lachen. Das Chorvideo habe ich natürlich nur eine Sekunde lang angespielt, Knabenchöre sind nun gar nicht meins. Ich mag Instrumentalversionen, insbesondere Gitarrenversionen von Stille Nacht. Da kommt für mich auch das Konzept der Stille noch rüber. Aber es gibt in der Tat sehr wenig schöne Varianten des Liedes, da hast du schon recht. Mein Favorit ist ja der Little Drummer Boy. Vorzugsweise gesungen von Bob Dylan oder Johnny Cash. Ich liebe es. Ansonsten halt das Weihnachtsoratorium.

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  2. You made my day! Väterlich vorgeprägt – mein Dad hat sich schon in meiner Kindheit standhaft dagegen gewehrt, dass wir zuhause Stille Nacht singen – ist dieses Lied für mich der absolute Horror. Das beste an Heilig Abend ist mittlerweile, wenn die Orgel einsetzt und das Licht ausgeht und die erste Strophe noch halbwegs funktioniert und bei der zweiten Strophe alle den Text durcheinander bringen. Leider kommt es nicht gut, wenn man vor dem Schlusslied den Gottesdienst fluchtartig verlässt. Hmpf!

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  3. Ich traue mich kaum, es zuzugeben, aber ich mag „Stille Nacht“, vielleicht nicht so sehr von einem Knsbenchor. Aber für mich bedeutet das Lied einfach Weihnachten. Okay, es ist auch nicht mein liebstes, aber es gehört dazu.
    Außerdem muss ich dabei immer an diese Story aus dem ersten Weltkrieg, wo es die Engländer und die Deutschen gemeinsam sangen und für ein paar Stunden Ruhe herrschte.
    Liebste Grüße
    Ela

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  4. „Das erste Wort dieses Liedes ist STILLE!“ Hach, ich liebe den Humor des Herrn Malmsheimer. Vielen Dank für diesen wundervollen Auftakt in den Tag.
    Sie, lieber Herr Zeilenede, leiden anscheinend unter (prä)weihnachtlichen Stresssyndrom? Oder sind es nur die Spieluhren, die dich in den Wahnsinn treiben?

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  5. Vom Text will ich jetzt mal lieber nicht reden. Aber musikalisch ist das Problem von Stille Nacht eines, das bei vielen bekannten Weihnachtsliedern existiert. Die wenigen guten Versionen gehen im Schrott unter. Es ist wahrscheinlich leichter, 1.000 grausliche Versionen zu finden als eine wirklich gute. Aber es gibt sie. Diese hier, beispielsweise:

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  6. Lustig zu lesen, wie ungern du dieses Lied magst. Ich kann es nachvollziehen, weil ich ähnliche Lieder habe, die ich einfach nicht hören kann. Stille Nacht gehört bei mir nicht dazu. Wahrscheinlich mag ich es, weil ich die Erinnerungen die damit verbunden sind, sehr gerne habe. Wenn bei der Kinderchristmette die Lichter ausgehen und alle Kinder eine Kerze in der Hand haben und dann noch stille Nacht kommt, dann heule ich. Das ist mir lästig, aber es gehört dazu. Vermutlich schätze ich das Lied wegen dieser Erinnerungen.
    Den Wunsch nach Stille kann ich aber ohne wenn und aber nachvollziehen.

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  7. Ich kann mit dem schwülstigen Text und der – gerade nach der absoluten Vorweihnachtshektik, die von Jahr zu Jahr hysterischer zu werden scheint – überhaupt nicht in mir eingekehrten Ruhe zu dem Zeitpunkt auch gar nichts anfangen.

    Das Video bringt es perfekt auf den Punkt, das hat mich beim Zähneputzen heute früh so lachen lassen, dass ich fast mein ganzes iPhone mit Zahnpasta übertüncht hätte. Herrlichstens!

    Wenn schon Weihnachtslied, dann den „Jingle Bell Rock“ von Bobby Helms, der ist einfach unübertroffen.

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  8. Für mich gehört „Stille Nacht“ einfach zu Weihnachten dazu. Es gibt andere Lieder, die mich in den Wahnsinn treiben könnten. Aber dieses nicht, wobei ich zugeben muss, dass es eine ganze Menge unschöne Interpretationen davon gibt.
    Aber bei Dir dürfte sicher ein Spieluhrentrauma vorliegen;-) Dagegen hilft guter Glühwein 😉 Und wenn einer nicht, dann helfen zwei, drei, vier und irgendwann hast Du Dir die „Stille Nacht“ schöngetrunken 😉

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  9. Danke für die Erinnerung an eine Spieluhr in Form einer goldenen Glocke, die zu meiner Kindheit jedes Jahr die Bescherung per „Stille Nacht“ eindudelte und man immer meinte, bei den besonders hohen Tönen würde sie gleich auseinanderspringen und vorsichtshalber einen Schritt zurück trat … ;o)
    Aber ganz ehrlich, trotz der schrillen und vor allem blechernen Töne, vermisse ich sie nun ganz arg. *seufz

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