Ja, an Weihnachten geht es zuweilen teuflisch zu. Was daran liegt, dass es Weihnachtsgebäck in Hörnchenform gibt. Und Hörnchen tragen neben Kühen nun einmal vor allen Dingen Teufel. Weil Kühe als Weihnachtsgebäck nicht taugen, bleibt mir also nur der große Küchen-Exorzismus im Anschluss.

Für eine gelungene Teufelsbeschwörung benötigt ihr:

  • 100g gemahlene Mandeln
  • 300g Mehl
  • 100g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 200g Butter
  • 2 Eigelbe
  • Mark einer Vanilleschote

Das Ritual beginnt bei Vollmond auf einem Friedhof. Dort nehmt ihr die Vanilleschote mit hin. Ihr legt sie auf einen verwitterten Grabstein und öffnet sie mit einem Messer. Nicht mit einem beliebigen Messer, ein Messer, das Blut vergossen hat. Sowas gibt es glücklicherweise in jeder Küche eines ungeschickten Menschen.

Schabt das Vanillemark mit dem Knochen eines Hühnchens aus der Schote und verbrennt die Schote anschließend gemeinsam mit Schwefel. Dieser letzte Schritt ist immens wichtig für das Ritual. Dann tragt ihr das Vanillemark nach Hause.

Dort kommt es mit den übrigen Zutaten zusammen in eine Schüssel, die mit entweihtem Weihwasser gespült wurde. Überflüssig zu erwähnen, dass die Mandeln natürlich in einer Knochen- und nicht in einer Mandelmühle zu mahlen sind. Sind alle Zutaten beisammen, sagt ihr die magischen Worte „Mixer, tue dein schauriges Werk“ und lasst den Worten Taten folgen, bis sich eine Teigmasse gebildet hat, wie linkerhand zu sehen. Diese macht ihr anschließend kalt. Etwa zwei Stunden lang, möglichst unauffällig in Frischhalte-, pardon „Verwesthalte-“ oder Alufolie verpackt.

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Die zwei Stunden Wartezeit überbrückt ihr mit infernalischen Höllenklängen. Bestens bewährt haben sich dafür „Last Christmas“, „Driving Home for Christmas“ sowie „Feliz Navidad“. Eltern mit Kindern dürfen alternativ ihre Kinder dazuholen und die leiernde alte „Winterkinder“-MC ihrer eigenen Kindheit abspielen. Natürlich in Endlosschleife. Bis zum 06. Januar. Anschließend teilt ihr den Teig in 666 gleich große Stücke … Die ihr dann wieder zu größeren Stücken zusammen setzt, aber auch die Teilung in 666 Stücke ist notwendiger Teil des Teufelsbeschwörungsrituals. Das nähert sich nun seinem Höhepunkt. Ihr öffnet ein Portal zur Hölle, indem ihr euren Backofen auf 190° Ober-/Unterhitze vorheizt.

Rollt nun den Teig zu Stäben, korrekter „Szeptern des Höllenfürsten“ und biegt sie zu Teufelshörnern. Ungläubige sagen auch Kipferl dazu, aber lasst euch nicht verunsichern. Wenn euer Glaube rein genug ist … Und ihr die Teufelshörner für ca. 10 Minuten in den Höllenschlund schiebt …

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… erwartet euch am Ende eine teuflisch gute Verführung. Die euch höllisch schmerzen wird, wenn ihr sie alle auf einmal essen werdet. Und wenn ihr euch jetzt fragt: „Liebes Zeilenende, wo liegt der Unterschied zu handelsüblichen Vanille-Kipferl?“ so kann ich euch nur raten: Backt sie nach, probiert es aus … Und ihr werdet merken, dass es keinen Unterschied macht … Sich das Rezept aber dadurch viel unheimlicher liest.

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35 Kommentare zu „Teufels-Gebäck

  1. Nichts sonst wird hier gebacken. Nur derlei Teufelshörnchen in doppelter und dreifacher Menge. Man darf sich fragen, warum ich eine derartige Erkältung eingefangen habe. Und vor allem wo? Aber ich habe jetzt auf jeden Fall genug Vanillemark zur Verfügung.
    Verteufelt guter Text – dabei wollte ich es schon gar nicht lesen. Backen ist nicht so meins. Um ein Haar wäre ich der Hölle entronnen. 😄

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