Jeden Montag stellt das Buch-Fresserchen seine Montagsfrage zu Lesegewohnheiten, (fast) jeden Dienstag bemühe ich mich um eine Antwort auf ihre Frage. Alle meine Antworten gibt es im Archiv. In dieser Woche heißt es: Beeinflusst die Jahreszeit aktuell dein Leseverhalten/die Bücher, zu denen du greifst?

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Es ist 6 Uhr durch und das Zeilenende hat noch keinen Beitrag online? Woah, was geht ab?! Ist es krank? Nein, dann hätte ich Zeit gehabt zu schreiben. Irgendwie klappte es gestern morgen nicht mit dem Schreiben. Aber wie das Leben so spielt, haben sich meine Arbeitszeiten in dieser Woche ein wenig verschoben. Deshalb dachte ich mir gestern Abend: Ich sitze jetzt lieber mit einer meiner Mitbewohnerinnen zusammen und fackele Weihrauch und Myrrhe ab, dafür schreibe ich am Dienstagmorgen. Weihnachten macht eben besinnlich.

Damit wären wir auch schon mitten im Themenkomplex der heutigen Montagsfrage. Denn es gibt eine Geschichte, die ich jedes Weihnachten, aber nur an Weihnachten höre. Es ist die alte, hier, mit dem Esel und dem Ochsen, die keine Herberge fanden. Der Ochse, der war schwanger und war nach Betlehem gewandert. Und wird dort eine Krippe zur Welt bringen … Oder so ähnlich. Ich gebe zu, ich habe in den letzten Jahren nicht mehr so genau zugehört. Aber diese Geschichte, ich weiß auch nicht wieso, höre ich an jedem Geschenke-Fest. Oder heißt es Lichterfest? Tannenbaumfest? Sagt ihr es mir, die ihr Kinder im Kindergartenalter habt.

Ich möchte das nicht verspotten, ich finde Sonne-Mond-und-Sterne-Fest schon schön, denn jede Gesellschaft macht sich die Feste, wie es ihr passt. Ostern hängt von Pessach ab die Bräuche stammen aus diversen regionalen Traditionen, die eher etwas mit dem Kreislauf der Natur zu tun haben und dass die Auferstehungsnummer je nach Jahr an einem anderen Tag gelaufen sein soll, ist arg unplausibel. Wurde halt irgendwann Ostern draus. Wer es mit den Traditionen genau nimmt und jedes Fest so feiern will, wie ursprünglich gedacht, kommt bei den christlichen Feiertagen schon in Bedrängnis und möge mir bitte auch erklären, warum er den 02.09. nicht mehr mit Milchbrötchen feiert.

Ja, an Weihnachten setze ich mich durchaus kritisch mit theologischen Fragen auseinander, denn dann bin ich entsprechend gestimmt. Immer so um die Weihnachtszeit wandern Bücher in meine Finger, die sich mit der Conditio Humana und Konsorten beschäftigen. Vor zwei Jahren habe ich Hannah Arendt (Vita Activa) gelesen, im letzten Jahr müsste es Aristoteles‘ Politik gewesen sein und in diesem Jahr habe ich mir einen Band zur Entstehung der Psychoanalyse vorgenommen.

Es ist nicht so, dass ich das sonst nie lesen würde, aber mein Interesse an solchen Schriften erlahmt gegen Ende des Sommers immer etwas und bekommt erst im Dezember neuen Schwung. Das trägt mich durchs Jahr. Ansonsten ist meine Titelauswahl immer sehr willkürlich und ich lese schlicht, worauf ich Lust habe.

Was sich allerdings nicht verleugnen lässt: Im Sommer lese ich mehr als im Winter. Die Kälte und die frühe Dunkelheit sorgen dafür, dass ich alles langsamer tue, was ich tun will. Dementsprechend fällt das Lesen gern hinten über. Erschwerend kommt hinzu: Die Leute hier in Stuttgart fahren offenbar im Winter verstärkt Bahn. Morgens in der Bahn zu lesen ist mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit geworden, denn ich bin froh, überhaupt einen Stehplatz und genügend Luft zu ergattern, dass ich lebend am Hauptbahnhof ankomme.

Von daher: Ja, die Jahreszeit steigert zwar meine Motivation, die dicken Bretter zu bohren, es mindert aber meinen Durchlauf. Der Winter ist böse.

Wie ist es mit euch? Lest ihr im Winter nur Bücher, die im warmen Süden spielen? Oder gebt ihr euch lieber Illusionen hin und lest Bücher, in denen es um Schnee geht? Bleibt gemütlich vor dem Kamin mehr Zeit für die Lektüre oder verbummelt ihr sie lieber am Glühweinstand?

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23 Kommentare zu „Jahreszeitliche Leseverhaltensprägung

  1. Ihr habt euch Weihrauch und Mhyrre reingezogen?! 😯
    Zeilenende, sag doch was, ich hätte dir auch Tabak spendiert! 😮 😉

    Im Winter lese ich auch weniger. Ist früher dunkel, man braucht also eher Licht, aber dann müssen die Rollos früher runter und man sieht noch weniger von Himmel, Wolken und Sonne. Außerdem ist die Konzentration unter der Woche nicht dieselbe, wenn ich morgens im Dunkel das Haus verlasse und abends im Dunkel wieder zurück bin.

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  2. Tendenziell gibt es tatsächlich einen Unterschied. Nicht unbedingt in der Hinsicht, dass ich thematisch auf die Jahreszeit Rücksicht nähme. Aber im Winter ist meine Konzentration und Aufnahmefähigkeit wesentlich besser. Also kommen in dieser Zeit eher die anspruchsvollen Sachen zum Zug.

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  3. Ich glaube, in jeder Großstadt ist es in den Öffis im Winter voller. Liegt zum einen an den Radfahrern, zum anderen an den „Es ist Sommer, ich genieße einen Spaziergang“-Pendlern, die bei der Kälte einfach keine Lust mehr auf Laufen haben. Einziger Vorteil: Im Winter ist man so dick eingepackt, dass direkter Körperkontakt eigentlich gar keiner ist *Winterjacke aufblas und Leute vom Hals halt*

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  4. Bei mir sind die Bücher Titel wohl auch etwas mehr von der Stimmung abhängig. Oder was gerade erscheint
    Vergiss beim Bahnfahren nicht die Menschen die im Winter nicht mit dem Auto fahren, es könnte glatt sein.
    Oder das Auto Schäden nehmen. Oä.

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