Anderwelt oder Anderswelt meinen in der keltischen Mythologie die Wohnorte mystischer Wesen. Blogger*innen sind mystische Wesen, deren Wohnort jenseits der gewöhnlichen Welt sind, nämlich im Netz. Ich finde diese Analogie schön. Und das Fugen-S in Anderswelt hässlich. Deshalb sammeln sich in der Anderwelt Blogbeiträge, die mir im vergangenen Monat besonders aufgefallen sind.

Der November ist vorbei und lässt mich hoffentlich los. Ich habe ihn mit Grusel begrüßt und werde ihn mit Glühwein auskehren, es besteht also gute Hoffnung, dass der Monat keine großen Spuren hinterlässt.

Anderwelt

Im November hat sich der November aber doch in den Blogs niedergeschlagen. Es wurde stellenweise düsterer, trauriger, nachdenklicher. Umso dankbarer bin ich, dass ich mit einem positiven Punkt enden kann. Freut euch aber in diesem Monat über Medienkram, Reflexionen auf die Gesellschaft und persönliche Texte. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass meine Filterblase schwermütiger als sonst war. Das schlägt sich in meiner Auswahl nicht unbedingt nieder, denn ich muss zugeben: Wenn ich selbst schwermütig bin, mag ich gar nicht so viel Schwermütiges lesen. Deshalb beginnen wir auch leicht und haben zwischendurch immer was zu lachen.

Medienkram

Ich verfasse meine Rückblicke ja immer ein paar Tage früher. Dieser Beitrag hier wird bspw. am 27.11. geschrieben, weil der Monatsrückblick doch ein wenig Zeit braucht, um die Beiträge erneut zu lesen, zu sortieren und dann einen Text zu schreiben. Deshalb gruseln wir uns erst einmal ein wenig mit Christian Weisens Halloweengeschichte über eine Katze und einen sehr merkwürdigen Vorgang.

Sprachlich hat es mir in diesem Monat Random besonders angetan. Ohnehin ein viruoses Genie der Worte, hat er in diesem Monat nicht nur den Rat heimgeschickt, sondern der Analyse zum Raten auch noch etwas beigestellt, was meine inneren Organe sprachlich durcheinanderwirbelt. Wer bislang nicht glaubte, dass Sprachanalyse Spaß machen kann, sollte unbedingt mal vorbeischneien.

In der Stadtbibliothek Salzgitter geht es um die Liebe zu Büchern und wie es ist, diese zum Beruf zu machen. Leise Wehmut über feste Lesezeiten in der Stellenbeschreibung, die es früher gab, tut der Begeisterung für den Job aber keinen Abbruch, wenn ich mir die übrigen Artikel so ansehe.

Eine gewisse Mama ist unter die Literaturkritikerinnen gegangen und berichtet regelmäßig über ihre liebste LektüreKinderbücher. Da wird manchmal das große Schwert der Ideologiekritik geschwungen – und das immer zurecht! Zugleich so charmant, dass es Spaß macht, ihre Reflexionen zu lesen über das, was ihr eurem Nachwuchs mit Büchern eigentlich so alles antut.

Und neben Büchern gibt es ja auch noch Filme. Die verrückte Miss Booleana hatte dazu aufgerufen, die 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts zu nennen. Und sie ist mit der Auswertung durch. Mein Respekt für die Arbeit. Ich habe es noch nicht einmal geschafft, eine entsprechende Liste anzulegen.

Gesellschaft

Nicole Inez spricht mir aus dem Herzen und fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Netz. Wie auch ich wohnt sie schon eine ganze Weile im Netz (uboot.com, also mal ehrlich) und ihr ist aufgefallen, dass wir nicht mehr so nett zueinander sind. Oder unser Flaming zumindest … härter? … wird. Ich schließe mich ihrem Appell an und will ergänzen: Das Netz ist ein Ort der Freiheit, also macht was draus, statt euch nur anzugiften.

Kaddesschmöker macht das Gedicht zur Waffe und knöpft sich den Selbstoptimierungswahn in Versform vor. Ihre Diagnose: Völliger Realitätsverlust.

Julia hat im No Robots Magazine einen Artikel veröffentlicht, in dem sie leise darauf hinweist, dass „Fremde“ schon lange unter uns geweilt haben, sie aber immer den Druck verspürt haben, unerkannt zu bleiben. In ihrem Alltagsleben so unauffällig wie möglich zu sein, sich nicht nur assimilieren, nein regelrecht unsichtbar zu werden, war ihr Bedürfnis. Auf Basis ihrer eigenen Erfahrung erinnert sie daran, dass Fluchterfahrungen aufgearbeitet werden müssen und sich nicht wegwischen lassen.

Persönlich

Larapalara stellt fest, dass es gar nicht so einfach ist, über das Glücklichsein zu schreiben. Sie überlegt sogar, was dieses glücklich eigentlich ist. Über das Glück zu schreiben sei langweilig. Ich stimme ihr zu. Ebenso darin, dass die Alternative, unglücklich zu sein, ebenso wenig erstrebenswert ist.

Und während sich Impressions of Life mit einem sehr berührenden Brief an ihren verstorbenen Vater wendet …

den ich an dieser Stelle erwähnen wollte, weil man ihm anfühlt, wie er gemeint ist, bin ich doch erleichtert, dass der November für mich mit einer Glücksgeschichte endet. Nur der November. Das Glück geht weiter, zumindest wünsche ich das solera und Multicolorina, die seit nunmehr 18 Jahren ein Paar sind … Das muss man auch erst einmal schaffen.

Habt ihr die Artikel gelesen? Wie fandet ihr sie?

Welche Blogbeiträge habt ihr in letzter Zeit so gelesen, die euch inspiriert oder eine Erkenntnis gebracht haben?

 

Bilde ich mir das nur ein oder war die Blogosphäre im November tatsächlich tendentiell düsterer? Wie geht ihr damit um, wenn im Reader plötzlich massive Gewitterwolken aufziehen?

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28 Kommentare zu „Anderwelt: November 2016

  1. Nun, wir müssen eher beichten, dass wir so wenig wie noch nie geschrieben haben. Wahrscheinlich, weil wir in uns drin so düster waren vor lauter uns düster wirkenden Gestalten um uns drum herum. Irgendwie tut der November einem Lehrerkollegium nicht besonders gut. Viele waren gereizt, genervt und böse drauf drauf. Warum? Nicht herausfindbar, die Stimmung war einfach so. Um so netter, dass sich nun durch die eingeleutete Weihnachtszeit die Stimmungslage eindeutig verbesserte. In der Aula steht ein geschmückter Baum, in fast jedem Klassenraum ein Adventsgesteck und die Fenster sind hübsch dekoriert. Willkommen also Dezember, adieu November – dich mögen wir gar nicht. LG Ela☕

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    1. Auch wenn man das hier im Blog wegen meines reichen Vorrats an Geschriebenem, den ich Woche für Woche so produziere, nicht merkt: Ich hatte auch einen Schreibhänger im November. Ich habe sogar einen Artikel darüber vorbereitet, den ich die Tage online stellen sollte. Kann das also gut verstehen. Aber, was du beschreibst, ist einer der Gründe, weshalb Schule doch ein schöner Arbeitsplatz gewesen wäre, gell? Nur im Kaufhaus weihnachtetet es mehr, da muss man das Ganze aber schon ab Oktober erdulden. 🙂

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  2. Ich mag die Kelten, allein schon, weil bei ihnen die Frauen schon gleichberechtigt waren, als diese in keinem anderen Land nur davon träumen konnten.
    Die Geschichten, die du da rausgepickt hast mag ich auch zum größten Teil, nein nicht alle. Ich kann einfach erhobene Zeigefinger nicht leiden und mag es nicht, wenn mir jemand sagt, wie ich denke und fühle. Aber das nur am Rande. Sehr berührt hat mich hingegen „Fremde“.
    Liebste Grüße
    Ela

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  3. Danke für deinen Blogeintrag „Anderwelt“. Es war wieder schön dies zu lesen.
    Vielen Dank für die Erwähnung. Schon die Zweite! Und dabei hab ich bisher nur einen Mamablog.(Eigentlich die dritte Erwähnung, wenn man den „Liebsten A.“ mit einrechnet)
    Ich wünsch dir einen schönen Mittwoch
    Liebe Grüße

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  4. Viele haben ein Problem mit „Glück“ weil sie immer nach mehr streben anstatt einfach mal glücklich zu sein. Es muss immer noch besser, schöner, größer gehen…

    Ich hab ein Dach über dem kopf, einen Job, eine Familie und Hobbies. Was will ich noch mehr? Glück liegt in den kleinen Diingen des Lebens. Nirgendwo anders.

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      1. Klar kann man. Aber wenn man so wie ich einen Gutteil seiner Blogbeiträge aus der Reflexion auf das eigene Leben gewinnt, dann genieße ich und habe nichts mehr, worüber ich schreiben kann.
        Das mag albern klingen – aber das Problem ist nun einmal, dass ich gern schreibe. Und zwar die Art von Texten, die ich schreibe. Mein Glück wird zum Unglück und wie ich aus dem Paradox rauskomme, weiß ich noch nicht. ^^

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  5. Einmal mehr ein spannendes Panorama der Biodiversität in der Blogwelt. Ich würde die Anderwelt nicht mehr missen wollen.
    Herzlichen Dank auch für die Blumen (ich habe mich beim Erröten ertappt, obwohl ich das bei meiner Abgebrühtheit nicht mehr für möglich gehalten hätte) und die gleich zwiefache Erwähnung.
    Ich würde auch meinen, eine leicht gedämpfte Blogstimmung festgestellt zu haben (allerdings habe ich die Ursache dafür zumindest teilweise jenseits des großen Teichs geortet). Aber wie geht man damit um? Auf keinen Fall anstecken lassen. 🙂

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  6. Mir hat kürzlich jemand gesagt, der November sei der Monat der Dämonen. Ich bin geneigt, das zu glauben. Aber vielleicht ist es auch das große schwere Fest der Wärme, Liebe und Freude, das seinen exorbitanten Schatten vorauswirft…
    Ich lese derzeit wenig Blogs, weil mich die Masse überfordert, umso schöner, hier eine kleine Auslese zu finden.

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  7. Wie immer ein großer Dank für die Erwähnung im Blog 🙂 Zeiten wo Lesen noch in der Arbeitsbeschreibung stand, kenne ich leider auch nicht. Natürlich macht die Arbeit trotzdem Spaß 🙂
    Es gibt auch einfach 1000 andere Dinge, die ich machen kann – wie z.B. Blog schreiben. Gelesen wird dann eben zu hause, dafür auch viel mehr das, was ich selber lesen will – weniger was ich muss. Durch die vielen Adventsmärkte schleift das alles im Dezmeber nur etwas… 😉 – Sü

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