Jeden Montag stellt das Buch-Fresserchen seine Montagsfrage zu Lesegewohnheiten, (fast) jeden Dienstag bemühe ich mich um eine Antwort auf ihre Frage. Alle meine Antworten gibt es im Archiv. In dieser Woche heißt es: Welcher/s Aspekt/Element deines zuletzt gelesenen Buches gefiel dir besonders gut?

Ich muss jetzt ein klein wenig mogeln, weil mein letztes Buch eines ist, dessen Besprechung am 01.12. online geht und ich niemanden spoilern mag, was ich denn nun beim Buch-Date gelesen habe. Deshalb mein vorletztes Buch. Denn das taucht hier niemals in den Besprechungen auf.

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Ich habe zuletzt einen Band Werke von Friedrich Nietzsche gelesen. Darin waren die Götzendämmerung, die Genealogie der Moral, Jenseits von Gut und Böse sowie der Antichrist. Neben einigen anderen kurzen Texten. Nietzsche kenne ich noch aus dem Studium und wir waren uns stets auf Innigste abgeneigt. Das hat vor allen Dingen konzeptionelle Gründe, denn Nietzsche ist für meine Begriffe inkonsequent, wenn er Fragen der Moral in ihrer Feinheit zurückweist und dann mit seiner Übermenschen-Moral um die Ecke kommt. Man erkennt bei Nietzsche durchaus, dass er ein Vorläufer der Theorien von Foucault und Konsorten ist, aber Nietzsche schreibt nur gegen Phänomene an, die systematische Kritik gelingt ihm nicht. Und deshalb bleibt man bei Nietzsche immer ratlos und unbefriedigt zurück.

Dennoch, was ich beeindruckend finde ist die Sprache. Sein „Nur Narr! Nur Dichter!“ (Das Gedicht heißt eigentlich „Bei abgehellter Luft“, aber die Zeile ist’s, die es mir angetan hat) ist bei mir hängen geblieben und lässt mich nicht los, weil Nietzsche es damit gelingt, die empfundene Hilflosigkeit im Angesicht einer dummen Welt zu nehmen und sie ins Positive zu wenden. Überhaupt ist Nietzsche der Philosoph des Subjekts. Im „Ecce Homo“ erzählt er ernsthaft davon, wie seine Verdauung Einfluss auf seine Philosophie genommen hat. Ein ganz grandioses Stück Text, denn Nietzsche gibt den Blick frei auf eine viel zu oft verkannte Tatsache: Da ist immer ein Mensch, der denkt. Und sein Denken basiert auf Grundlagen. Es muss nicht die Verdauung sein – aber berücksichtigt doch bitte, dass alle Theorie menschengemacht ist. Nietzsche exerziert diesen Gedanken radikal durch. Das ist anstrengend, damit liege ich oft im Streit. Aber es ist in kleinen Häppchen ganz anregend. Und sprachlich schön.

Wie ist es mit euch? Was hat euch in eurem letzten Buch beeindruckt? Oder bei Nietzsche?

15 Kommentare zu „Das hat mich beeindruckt

  1. Ich lese ja mittlerweile viel zu selten Bücher – im Urlaub war ich aber überrascht, wie lange mir ein Thriller nachhing, Schaudern verursachte und mich tatsächlich traurig stimmte, dass die Fiktion leider gar nicht so weit von der Realität entfernt ist. Jetzt, mehrere Wochen später erinnere ich mich immer noch an das Gefühl. Das beeindruckt, vor allem weil das Buch, an dessen Schreiberling / Titel ich mich natürlich nicht mehr erinnern kann, bestimmt nicht zu den Größeren der Weltliteratur gehört.

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  2. Nietzsche ist zu lange her, vermutlich kann ich daraus schließen, dass er mich nicht allzu sehr beeindruckt hat. Aktuell bin ich ganz hin und weg von Juli Zeh’s Unterleuten, das ich sehr skeptisch angefangen habe zu lesen, weil es mir sehr proaktiv ausgeliehen wurde. Immerhin hat eins ihrer Werke es in meine Liste der nie fertiggelesenen Bücher geschafft. Beeindruckt bin ich sowohl vom Aufbau, den unterschiedlichen Perspektiven auf eine Szene, wie sie mein Verständnis einer Sache entwickelt, und am meisten von diesen Hammersätzen, die immer wieder auftauchen und bei denen ich erstmal Luft holen muss. Ich bin noch nicht ganz fertig mit Lesen und will gerade ganz dringend wissen, wie’s ausgeht, also spannend isses auch noch, aber das ist definitiv ein Buch, das ich wegen genau dieser Sätze mit etwas Abstand nochmal lesen muss.

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      1. Du hast die Zeit gelesen? Also, das mach ich auch regelmäßig, aber von Nietzsche ist die meilenweit entfernt. 😀 😉

        Ich bin gespannt, und ich baue darauf, spätestens zwischen den Jahren wieder deutlich mehr lesen zu können. Also immer her mit den Empfehlungen! 🙂

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  3. Ich habe zuletzt das Buch „Als er für immer ging“ von Nicci Gerrard gelesen und von Anfang an hat mich ihre Fähigkeit, die Dinge so detailgetreu zu beschreiben, sehr fasziniert. Sie legt meiner Meinung nach einen unglaublichen Scharfsinn an den Tag und beschreibt nicht nur in diesem Buch das Leben in all seinen bunten Facetten so präzise und beeindruckend, dass man denkt, man würde all das selbst durchleben.

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  4. Von Nietzsche ist bei mir vor allem hängengeblieben, dass er an Migräne litt. Das kann ich ihm im wahrsten Sinne des Wortes nachfühlen – leider. Was mich aber betroffen machte, war die Kur, die ihm sein Arzt verordnete: Um seine Beschwerden zu lindern aß er Schlagobers! Wer schlimme Migräneattacken kennt, wird wissen, dass man den Magen nicht belasten sollte. Da ist Sahne nicht gerade das Mittel der Wahl. Langer Rede kurzer Sinn – kein Wunder, dass seine Verdauung die Philosophie beeinflusste 😉

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